Auch wenn die Anzahl weiblicher Firmengründerinnen in den letzten Jahren zugenommen hat, so gründen derzeit dennoch weitaus weniger Frauen als Männer. In Deutschland beispielsweise sind nur rund 15% der Start-up Gründer:innen weiblich. Und auch in der noch immer männerdominierten Designbranche sieht es ähnlich aus: Weltweit werden nur etwa 1% der Kreativ-Unternehmen von Frauen geführt.
Das wollen wir ändern! Denn frauengeführte Start-ups sind in der Regel sogar stabiler und nachhaltiger. Ein gutes Beispiel dafür ist die Designerin Carolin Hacker mit ihrem Möbellabel architect mum.
Über die Anfänge ihrer Gründungszeit, was ihre Entwürfe einzigartig macht und wie und warum mehr junge Designerinnen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen sollten, erzählt Caro in diesem Interview:
Die Gründungsidee für ein Möbellabel habe ich eigentlich schon länger mit mir herumgetragen. Ursprünglich wollte ich dabei ganz seriös und Schritt für Schritt vorgehen.
Vor meiner Schwangerschaft war ich in einem klassischen Architekturbüro angestellt und dort vor allem zuständig für große Projekte, wie Kliniken. Schnell habe ich allerdings gemerkt, dass meine Liebe mehr im Detail liegt, in kleinen als in großen Maßstäben. In den Anfängen meiner Elternzeit habe ich mich dann viel mit Kinderthemen beschäftigt und daraus entstand der Plan für eine Kindermöbelserie.
Gegründet habe ich allerdings schließlich mit einer von Hand gezeichneten Kindermesslatte für meine Tochter. Diese habe ich auf Instagram gestellt und so hat Angebot und Nachfrage meine Gründung geregelt. Später habe ich mich dann in Richtung meiner Kernkompetenz entwickelt: Kindermöbel.
Grundsätzlich versuche ich so wenig Materialien wie möglich einzusetzen und arbeite auch kaum mit einem Materialmix. Meine Gestaltungssprache wird so eher schlicht, ruhig und zeitlos.
Das fügt sich gut ein in mein nachhaltiges Gesamtkonzept, denn umso zurückhaltender und klarer desto länger kann man ein Möbelstück verwenden beziehungsweise desto vielseitiger sind die Einsatzmöglichkeiten: Mein Cube wird so zum Beispiel oft als Buchstütze auf Regalen verwendet und auch der Kinderwaschtisch kann problemlos als Beistelltisch eingesetzt werden.
Ich verwende ausschließlich natürliche Materialien, so dass alle meine Möbel recyclebar sind.
Dadurch, dass sich der Start meines Labels ja mehr oder weniger aus einem kreativen Projekt raus entwickelt hat, war auch die Anfangszeit nicht vollständig durchgeplant.
Viel mehr war ich durch die große Nachfrage meines ersten Produktes so im Fluss, dass sich meine Marke und auch mein Logo nach und nach entwickelt haben. Zusätzlich haben mir die Gewinne daraus geholfen die Produktion meiner weiteren Produkte zu finanzieren.
Da ich eine ziemliche Perfektionistin bin, war das für mich der optimale Start. Ich glaube, hätte ich zu Anfang an alles lückenlos durchgeplant, hätte ich nie gestartet. Dazu gibt es übrigens auch ein schönes Zitat, das mir gerade in der Anfangszeit sehr geholfen hat: „Es ist besser, unvollkommen anzupacken, als perfekt zu zögern“ – Thomas Alva Edisson.
Mit meinen größten Herausforderungen in der Gründungszeit bin ich eigentlich auch jetzt immer mal wieder konfrontiert: Profis zu finden, die die Sachen umsetzten, die man braucht und nicht selbst kann.
Zu Anfang stand ich zum Beispiel vor dem Problem mein Business zu digitalisieren. Das heißt meine zuvor von Hand gefertigten Messlatten auf ein digitales System umzustellen, bei dem meine Kund:innen diese selbst konfigurieren können. Dazu brauchte ich nicht nur eine geeignete Informatikerin, sondern eben auch jemanden der zusätzlich dazu meine Marke versteht. Gerade anfangs fiel es mir dabei auch schwer das Preis-/Leistungsverhältnis solcher Expert:innen abzuschätzen.
Mittlerweile habe ich allerdings auch im Bereich Onlinebusiness viel dazu gelernt und verlasse mich bei neuen Kooperationen stets auf mein Bauchgefühl.
Besonders vor Corona war ich sehr aktiv bei Bühnenveranstaltungen oder auch Vorträgen an Schulen im Rahmen von Start-up BW. Mein Ziel ist es vor allem junge Frauen für technische Fächer zu motivieren – ich habe ja selbst an einer technischen Universität studiert.
Ich erzähle aber auch immer wieder gerne meine Gründungsgeschichte um darauf aufmerksam zu machen, dass sich Firmengründung und Mutter sein nicht ausschließen! Es gibt diverse Anträge auf dem Amt um den eigenen Ausfall als Firmengründerin finanziell abzudecken. Und auch als Gründerin bekommt man Elterngeld.
Für mich hätte es damals viel abgekürzt, wenn ich solche Informationen gehabt hätte, denn gerade auf Ämter ist es immer noch ein Sonderfall, wenn Frauen mit Kind gründen. Es gibt dazu beispielsweise keinerlei Infobroschüren. Das ist eine echte Informations-Lücke!
1: Konzentration auf seine Kernkompetenz: Aufgaben, die man nicht beherrscht beziehungsweise einem nicht liegen wie etwa rechtliches oder Steuersachen sollte man von Anfang an auslagern.
2: Fokus auf Umsatzsteigerung: Man sollte sich gleich zu Anfang fragen: Wo kann ich mein Kapital rausziehen und wie kann ich mich finanzieren?
3: Strukturierte Organisation: Mir hilft es beispielsweise meine Tage und Wochen in Mind-Maps einzuteilen und dann Schritt für Schritt die vorgeplanten Aufgaben und Deadlines abzuarbeiten. So verliert man sich nicht in Gedanken. Gleichzeitig ist es natürlich auch wichtig sich Zeiträume zu schaffen in denen man es sich erlaubt abzudriften.
4: Durchhaltevermögen: Besonders zu Anfang braucht man einen langen Atem
5: An sich selbst glauben: Gerade im Design ist es wichtig an seine Entwürfe zu glauben und selbstbewusst dahinterzustehen. Nur so kann man sie überzeugend nach außen tragen und verkaufen.
6. Vernetzen: Auch der Austausch und die gegenseitige Unterstützung mit anderen Designerinnen sind essentiell. Ich fahre beispielsweise mit dem Frauennetzwerk Women in Furniture Ende März auf die Maison & Objet Paris.
Marlen Albrecht ist in Stuttgart keine Unbekannte. Mit ihrem Label „Goldmarlen“ verzaubert sie seit rund 4 Jahren Schmuckliebhaber, die besondere, aber doch alltagstaugliche Stücke suchen.
Am Marienplatz hat sie seit 2020 in ihr neues Ladengeschäft bezogen, in dem sie ihre Kollektionen dauerhaft präsentiert und verkauft.
Liebe Marlen, wie war dein Weg zur Schmuckdesignerin?
Es hat schon sehr früh bei mir angefangen. Tatsächlich komme ich aus einem sehr offenen kreativen Haus, meine Mutter ist Künstlerin, mein Vater arbeitet mit Holz. So hatte ich schon immer Zugang zu verschiedenen Künsten. Noch in der Schule habe ich dann ein BoGy-Praktikum bei einem Goldschmied gemacht und lernte dort Techniken wie Sägen und Feilen kennen. Seitdem hat mich der Bereich nie wieder losgelassen. Ich liebe einfach Objekte. Nicht nur Schmuck. Meine Abschlussarbeit an der Hochschule bestand tatsächlich auch aus Möbelstücken und nicht aus Schmuck.
Was reizt dich nach wie vor an deinem Beruf?
Schmuckstücke sind einfach Produkte, bei denen man so schnell ein erstes Ergebnis sieht. Du hast eine Inspiration und kannst dich direkt an einen ersten Entwurf und Prototypen setzen. Ich liebe es, meine Ideen sofort umsetzen zu können, denn eigentlich bin ich eher ungeduldig…
Deine Kollektionen unterscheiden sich ja stark voneinander. Du hast grafische, florale und auch figürliche Kollektionen. Gibt es ein verbindendes Element?
Zum einen ist es die Art und Weise, die die Kollektionen miteinander verbindet. So arbeiten wir viel mit Lasertechniken. Die Herausforderung ist es dabei immer, die verschiedenen, eher flachen Teile so zu gestalten, dass sie sich ins Dreidimensionale öffnen.
Großen Wert lege ich aber immer auf die Verschlüsse meiner Stücke, das könnte man als verbindendes Detail bezeichnen.



So wie bei deiner Kollektion Chartes…
Namenpate dieser Kollektion ist ja die Kathedrale in Frankreich in der ein großes Labyrinth den Boden ziert. Das Thema Labyrinth hat mich schon immer beschäftigt. In der Grundschule hatten wir ein großes Labyrinth im Schulhof, in dem wir ein und ausgegangen sind. Das Labyrinth an sich hat ja auch etwas von Anfang und Ende.
Und bei dieser Kollektion steht der Verschluss als Labyrinth komplett im Fokus. Der Verschluss sollte hier nicht nur ein notwendiges Detail, sondern das Zentrum der Kette sein. Beim Design muss für mich jedes kleinste Detail stimmen und man sollte sehen, dass das Schmuckstück komplett durchdacht ist. Denn es sind neben der großen Formsprache die Kleinigkeiten, die das Design dann doch ausmachen.
Wie findest du eigentlich deine Inspiration für deine Kollektionen?
Das ist ganz verschieden. Aber sehr häufig ist es so: Ich sehe etwas, bin unglaublich fasziniert und setze mich direkt hin, um die Idee umzusetzen.
Bei meiner Kollektion Peonia war es zum Beispiel so: Valentina von Studio de Pasquale hat Blumen für ein Shooting mitgebracht und ich war von einer französischen Pfingstrose fasziniert. Ich war so fasziniert von der Blüte, den großen Stempeln, der Blattformation, dass wir beschlossen haben daraus ein Kooperationsprojekt zu machen und ich mich direkt an die Umsetzung gesetzt habe. In dieser Kollektion stehen die Pfingstrosen und ihre Floralität im Vordergrund. Dabei möchte ich immer ausreizen, wie weit ich mit der Technik noch gehen kann.
Bei der Kollektion Gaia habe ich eher konzeptionell gearbeitet: Die ganze Kollektion ist eine Hommage an die gleichnamige mythologische Göttin. Die Antike hat mich immer fasziniert. Also habe ich viel gelesen, antiken Schmuck angeschaut und daraus meine Kollektion abgeleitet. Gaia symbolisiert unsere Erde. Zu ihrem großen Materialreichtum gehört auch der Marmor, der seit jeher in Kunst und Architektur geschätzt war. Umgewandelt in kleine Kuben und Zylinder baumeln sie an bei dieser Kollektion an Hals und Ohren.



Gibt es ein Material, mit dem du am liebsten arbeitest?
Ich arbeite viel und gerne mit Edelstahl, weil es ein sehr robustes Material ist. Die Oberflächen sind einfach sehr haltbar. Weil es härter ist als Silber, braucht es mehr Arbeit vorab. Also mehr schleifen, mehr feilen und polieren.
Außerdem ist das Schöne an Edelstahl, dass es mit anderen Materialien harmoniert. Ich arbeite gerade viel mit Bergkristallen, auch hier funktioniert das Metall.
Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Angefangen von Mode über Möbel bis hin zu Schmuck. Worauf achtest du besonders bei deinen Kollektionen?
Ich lege hier unglaublich viel Wert darauf. Deshalb habe ich auch mein eigenes Label gegründet, weil ich wissen und kontrollieren wollte, woher meine Rohstoffe genau kommen. Unsere Schmuckstücke sind komplett handmade in Germany, größtenteils komplett regional gefertigt.
Bei den Rohstoffen ist es so, dass Edelstahl per se ein Kreislaufprodukt ist, das immer wieder neu verarbeitet werden kann. Unsere Vergoldungen stammen aus recyceltem Gold. Die Bergkristalle kommen aus den Alpengebieten und werden unter fairen Bedingungen geschliffen.
Generell schauen wir, dass wir viel regional arbeiten. Die farbigen Steine stammen zum Beispiel von einer Firma in Pforzheim, die wiederum die Steine aus Altbeständen hat oder auch als alten Stücke neu auflegt.
Diese Transparenz ist mir super wichtig. Ich möchte wissen, wo welche Stoffe herkommen und möchte dies auch transparent meinen Kund:innen erläutern können.
Du hast ja schon erwähnt, dass deine Stücke sehr robust sind. Hast du noch Tipps für die optimale Schmuckpflege?
Genau, ein Schmuckstück muss für mich schön und praktikabel sein, darauf achte ich mit meinen Kollektionen.
Wenn man Ringe täglich trägt, bekommen diese eben auch Spuren, was aber viele Menschen wieder schätzen. Mit meinen Stücken kann man auch ins Meer oder in den Pool gehen. Ich bin ein Fan davon, die Dinge zu nutzen. Natürlich sollte man mir filigranen Ohrringen etwas vorsichtiger umgehen und als grobgliedrigen Ketten. Aber wenn sich hier zum Beispiel die Vergoldung löst, dann kann man das Stück zum Vergolden wieder zu uns bringen.
Und noch eine Frage zum Abschluss: Hast du eigentlich ein liebstes Schmuckstück?
Das ist so schwierig. Es ist tatsächlich so, dass ich unterschiedliche Lieblingsschmuckstücke habe. Ich habe mich wieder sehr in mein neues Armband verliebt, das Pomello-Armband, weil es so schlicht ist und doch super robust ist.
Außerdem merke ich mehr und mehr: Mein Herz hängt an Schmuck. Aber ich möchte mich auch wieder mehr mit Produkten aus dem Interior-Bereich beschäftigen. Die Anfänge waren meine Kerzenhalter, Coffeetables und ein Wandregal – hier werde ich weiter dran bleiben.



Vielen Dank für das schöne Gespräch, liebe Marlen!
Sie ist die einzige Designerin der BLICKFANG, die die historische Technik des Guillochierens für ihre Schmuckstücke verwendet. Dabei handelt es sich um eine fast in Vergessenheit geratene Gravier-Technik aus dem 17. Jahrhundert, die Juwelier Peter Carl Fabergé für seine berühmten Zaren-Eier zur Vollendung gebracht hatte: In eine Edelmetallplatte werden filigrane Muster aus feinsten Linien graviert. Jede Linie hat dabei eine unvergleichliche Brillanz und Tiefenwirkung.
Die Arbeit an den Maschinen selbst ist meditativ. Jede der unzähligen Linien eines Musters müssen mit denselben Handgriffen und Druckmustern umgesetzt werden. Sobald man nur eine Kleinigkeit schrittweise ändert, verändert sich auch das Ornament. Heute werden lediglich noch Luxusuhren mit guillochierten Zifferblättern ausgestattet. Eine Herausforderung ist, dass die Maschinen selbst ebenfalls historisch sind und weder sie noch die „Wellen“, der Mustereinsatz, weiter hergestellt werden. Christiane Köhne verwendet diese historische Technik für ihr zeitgenössisches Schmuckdesign.
Christiane, du betreibst dein Designlabel bereits seit rund 14 Jahren. Wie bist du eigentlich Schmuckdesignerin geworden?
Ich habe ganz klassisch zunächst eine Ausbildung zur Goldschmiedin nach der Schule gemacht. Ich suchte etwas Kreatives, etwas, das ich mit den Händen machen konnte. Deshalb habe ich einige Praktika gemacht, um zu sehen, ob das wirklich zu mir passt. Und es passte hervorragend. Ein reiner Bürojob wäre für mich tatsächlich die Hölle gewesen.
Während der Ausbildung war ich dann oft auf den Werkschauen der Hochschule Pforzheim, der Fakultät für Gestaltung, und bin dort dann richtig in das Schmuck-Universum mit all seinen Möglichkeiten eingetaucht. Für mich wurde immer klarer, dass ich dort Design studieren und viel tiefer in die Materie einsteigen möchte.
Was reizt dich besonders an deinem Beruf?
Ich mag es einfach, am Ende des Tages etwas in den Händen zu halten, das ich selbst hergestellt habe. Dass ich dabei meine eigenen Ideen umsetzen und maximal selbstbestimmt arbeiten kann. Dabei fasziniert mich, wieviel hinter den jeweiligen Schmuckstücken steckt, vor allem, wenn diese auf den ersten Blick ganz leicht, ganz filigran wirken.
Das passt auch sehr gut auf deine Kollektionen „KrissKross“, „Quadratur des Kreises“ oder „Gefalteten Linie“. Haben deine Kollektionen damit ein verbindendes Element?
Meine Kollektionen sind tatsächlich alle subtil, elegant. Mein Ziel ist es, dass alle meine Schmuckstücke immer etwas Besonderes sein sollten, mit einer eigenen Gestaltungssprache.
Das Besondere an meinen Kollektionen ist in meinen Augen vor allem aber die Verbindung von Handwerk und Design, auf die ich sehr stolz bin. Nicht nur der handwerkliche Aspekt ist mir wichtig, sondern eben auch der Gestaltungswert. Wir sagen auch bei einigen Auftragsarbeiten, dass wir Dinge nicht umsetzen werden, da es andere gibt, die es besser machen und es auch nicht zu uns passen würde. Wir haben unsere Nische, in der wir uns wohl fühlen und die unsere Kund:innen schätzen. Alles anzubieten würde unsere Arbeit und unsere Gestaltungslinie verwässern.



Für deine Kollektion „gefaltete Linie“ verwendest du die historische Technik des Guillochierens. Und bist damit die einzige Designerin bei der BLICKFANG, die diese Technik verwendet. Wie bist du dazu gekommen?
Tatsächlich mit meiner Diplomarbeit an der Hochschule Pforzheim. Zu Pforzheim hat man ja oft ein zwiespältiges Verhältnis und das wollte ich mit meiner Arbeit „I Love Pforzheim“ aufgreifen und der Stadt eine zweite Chance geben.
Dafür habe ich mich z.B. in den Bus gesetzt und bin durch die Stadt gefahren. Im technischen Museum habe ich eine alte Guillochier-Maschine entdeckt und war sofort fasziniert. Für meine Diplomarbeit habe ich dann auch noch jemanden gefunden, der mir guillochierte Platten gefertigt hat und war seitdem hin und weg.
Wie ging es dann weiter?
Nach meinem Studium habe ich das Stipendium „Pforzheim revisited“ im Deutschen Technikmuseum Berlin bekommen und konnte drei Monate dort richtig die Technik studieren und die Maschinen bedienen. Das war ein Traum!
Das Faszinierende am Guillochieren ist, dass bei der Gravur jede Linie eine unvergleichliche Brillanz und Tiefenwirkung erhält. So werden auch auf den ersten Blick unscheinbare Schmuckstücke zu etwas Besonderem. Seit meiner Zeit in Berlin ist es mir auch ein Anliegen, wieder mehr alltagstauglichen Schmuck zu machen. Und ich wusste, ich möchte wieder mehr mit Edelmetallen arbeiten. So kam eines zum anderen.
Mit welchen Materialien arbeitest du heute am liebsten?
In den meisten Fällen ist es Silber, das ist auch mein liebstes Metall. Aber auch Eheringe in Gold zu guillochieren hat seinen Reiz. Da geht der Puls dann schon nach oben: Das muss einfach sitzen, da hat man keinen zweiten Versuch. Bei einer Silberplatte kann ich noch etwas variieren oder anschließend abtrennen, wenn eine Linie aus den Fugen geraten ist.



Hast du eigentlich ein Lieblingsschmuckstück?
Nicht so richtig. Ich arbeite sehr gerne an Eheringen, weil es sehr besondere Schmuckstücke sind. Sie begleiten den Träger jeden Tag, das ist sehr exklusiv. Und außerdem darf man am Glück der Menschen teilhaben! Was gibt es Schöneres?
Stücke für die Ewigkeit benötigen bestimmt auch besondere Pflege. Kannst du dazu Tipps gebe?Außer bei Gold würde ich sagen: Bitte die Stücke wie eine liebgewonnene Seidenbluse behandeln, also nicht alles damit machen. Zum Beispiel nicht mit scharfen Reinigungsmitteln putzen. Natürlich lagert sich immer auch Schmutz ab, dafür einfach in lauwarmes Seifenwasser legen und sanft abbürsten, Silber hingegen ist sehr aktiv, es läuft mit der Zeit einfach an. Bitte nun nicht einfach mit einem Poliertuch abbreiben. Auch winzige Staubkörner können die schöne Oberfläche beschädigen. Hier lohnt sich die Anschaffung eines Silberbades oder man bringt das Stück einfach zum Designer – wir kümmern uns gern darum.



Liebe Christiane, vielen Dank für deine Zeit und die Einblicke in dein Schaffen.
Biografie
- Seit 2015: Ladengeschäft ‘Kabinett‘ mit Caro Weiss im Herzen Stuttgarts, in dem wir unseren handgefertigten Schmuck und Ledertaschen anderer kleiner, feiner Labels verkaufen
- Seit 2015: Lehrauftrag für freies Zeichnen an der Hochschule Pforzheim, Fakultät für Gestaltung
- 2013 – 2016: Werkstattgemeinschaft ‚Köhne & Weiss’ mit Caro Weiss im Stuttgarter Heusteigviertel
- 2012: Stipendium „Pforzheim revisited“ im Deutschen Technikmuseum in Berlin
- Seit 2008: arbeitet als freischaffende Designerin und Künstlerin im Bereich Schmuck, Malerei und Objekte im Raum Stuttgart
- 2004 – 2008: Studium an der Hochschule für Gestaltung in Pforzheim, Studiengang Schmuck und Objekte der Alltagskultur – Abschluss: Diplom Designer (FH)
- 007: Praktisches Studiensemester bei ’Studio Job’ in Antwerpen, Belgien
- 2001 – 2004: Ausbildung zur Goldschmiedin bei ’Jürgen Schneider Schmuckatelier’ in Pforzheim Abschluss: der Ausbildung mit der Gesellenprüfung und Zuerkennung eines Preises
Wie wird man eigentlich Schmuckdesigner:in? Worauf sollte man beim Thema nachhaltiger Schmuck besonders achten? Und wie pflegt man seine Lieblingsstücke am besten? Genau diesen Fragen gehen wir hier im Interview mit dem Schweizer Schmucklabel kuvara auf den GrundWie wird man eigentlich Schmuckdesigner:in? Worauf sollte man beim Thema nachhaltiger Schmuck besonders achten? Und wie pflegt man seine Lieblingsstücke am besten? Genau diesen Fragen gehen wir hier im Interview mit dem Schweizer Schmucklabel kuvara auf den Grund.
Wie bist du Schmuckdesignerin geworden?
Ich war eigentlich schon immer ein kreativer Mensch und habe mich sehr stark für Kunst interessiert. Ich habe dann überlegt, in welche Richtung ich studieren möchte und mir verschiedene Hochschulen angesehen.
Bei meiner Recherche bin ich schließlich auf den Studiengang Schmuck und Objekt Design an der Fakultät für Gestaltung in Pforzheim gestoßen. Der ideale Studienort, denn diese „Goldstadt“ ist mit seinen vielen Schmuckfirmen von der Galvanik bis zum Gießer, ein echtes „Mekka für Schmuckmacher:innen“.
Was reizt dich besonders an deinem Beruf?
In meinem Studium habe ich über den Objektteil zunächst viel frei und künstlerisch gearbeitet, beim Schmuckmachen allerdings gemerkt, dass ich mich dort besser fokussieren kann und mir besonders diese Liebe zum Detail sehr viel Spaß bereitet.
Schmuck ist auch etwas, das eng am Körper getragen wird und dadurch einen starken Bezug zum Menschen hat. Schmuck unterstützt die Menschen so in ihrer eigenen Expression, ist identitätsbildend – und das finde ich unfassbar spannend.
Was zeichnet dein Label aus?
Die organischen Strukturen, die von der Natur inspiriert sind, aber auch das Wechselspiel zwischen Regelmäßigkeit und Irritation. Dadurch, dass ich alle meine Schmuckstücke selbst fertige, kann ich außerdem so lange an einem Schmuckstück arbeiten, bis es perfekt ist. So entstehen exklusive Unikate.



Mit welchen Techniken fertigst du deine Produkte?
Ich arbeite mit ganz traditionellen Goldschmiede-Techniken, wie Sägen, Bohren, Fräsen, Löten, Schmieden, Gravieren und Gießen. Versuche allerdings diese klassischen Techniken immer wieder neu und innovativ zu interpretieren: Um beispielsweise durch unterschiedliche Gussmaterialien neue Oberflächenstrukturen zu schaffen oder durch 3D gedruckte Gussformen eine neue Ausgestaltung zu kreieren.
Auch beim Galvieren wird viel experimentiert. Hier habe ich sogar meine eigene Technik entwickelt und da das Endergebnis sich nicht immer vollständig kontrollieren lässt, wird so einmal mehr der Unikat Charakter von jedem Schmuckstück unterstrichen.
Wo fertigst du deine Produkte?
Ich produziere in einem Gemeinschafts-Atelier in Bern. Wir sind mehrere Selbständige, die ihren Platz dort haben, auch aus unterschiedlichen Sparten. Genau das gefällt mir daran: obwohl man man so alleine arbeitet, ist man nicht einsam und hat außerdem den Austausch mit Kreativ-Schaffenden.
Aus welchen Materialien bestehen deine Produkte? Und mit welchem arbeitest du am liebsten?
Hauptsächlich verwende ich Edelmetalle, also mit 925 Sterling Silber und 14- oder 18- karätigem Gold. Dadurch, dass beide so weich sind, ist es sehr angenehm mit ihnen zu arbeiten. Außerdem haben beide Materialien eine Hochwertigkeit, die ich sehr schätze.
Worauf sollte man beim Thema nachhaltiges Schmuckdesign besonders achten?
Bei mir ist es so, dass ich viel Silber aus Secondhand-Quellen beziehe. Auch meine Steine beziehe ich Secondhand, wenn sich große Firmen auflösen oder Inventur machen. Außerdem sammele ich alles, was bei der Produktion abfällt,wieder auf und schmelze es erneut ein. Für die Verpackung meiner Schmuckstücke setzte ich auf Papier statt Plastik.
Mein Trick ist es generell zu jedem meiner Händler:innen persönlich zu fahren um mir die Materialien vor Ort anzusehen. Auch als Konsument:in empfehle ich genau diese Fragen zu stellen: Welches Material wird verwendet? Woher kommt es? Wie und wo wird produziert? Wer fertigt das Schmuckstück?



Woher nimmst du deine Inspirationen?
Da ich viel und gerne mit abstrakten Formen arbeite, beziehe ich viele Inspirationsquellen von der Natur, Architektur und aus dem direkten Bezug zum menschlichen Körper. Ich entwerfe, ich zeichne, aber ich merk auch immer wieder, dass ich während des Fertigens viel feststelle, indem ich das Schmuckstück während des Prozesses immer wieder am Körper beobachte.
In deinen Kollektionen arbeitest du auch häufig mit Asymmetrie – was hat es damit auf sich?
Mit der Asymmetrie möchte ich mich klar gegen die serielle Produktion stellen und diesen Standpunkt betonen. Es fügt sich zudem in mein natürliches, menschliches Konzept ein: Auch wir selbst haben mehr Facetten und nicht immer ist alles vorhersehbar.
Was mir besonders an asymmetrischen Ohrringen gut gefällt, ist dass es nochmal mehr den Unikats Charakter unterstreicht. Dadurch dass man nicht zwei identische Schmuckstücke trägt, sorgt man auch für einen gewissen Wow-Effekt, für Überraschung.



Was ist dein liebstes Schmuckstück?
Mein liebstes Schmuckstück ist gleichzeitig auch das Herzstück meiner Marke: Die Asymmetrical Earrings
Ich muss zugeben oftmals finde ich die Gebrauchspuren an Schmuckstücken sehr charmant. Gerade bei Silberringen ist es ja auch so, dass sie mit der Zeit und der ständigen Reibung anfangen mehr zu glänzen.
Möchte man natürlich seine Schmuckstücke trotzdem gut pflegen sollte man vor allem eines vermeiden: Feuchtigkeit.