Der BLICKFANG Designpreis wird in den Kategorien „Möbel & Produktdesign“, „Mode & Schmuck“ sowie „Mode- und Wohnaccessoires“ verliehen. Er steht für Innovation, Authentizität und herausragende handwerkliche Qualität. Die hochkarätige Jury aus renommierten Design-Expert:innen setzte auch in diesem Jahr hohe Maßstäbe und hatte die anspruchsvolle Aufgabe, bei ihrer persönlichen Tour über die Messe die besten Entwürfe auszuwählen.
Bewertet wurden nicht nur die Ästhetik und die Originalität, sondern auch die kreative Vision und der gesamte Designprozess, der hinter den Produkten steht. Die Jury-Mitglieder – Designerin Françoise Laurette Payot, Collections Curator Nina Steinmüller vom Vitra Design Museum, Personal Stylistin Sophie Adang und Architekt Markus Haberstroh – brachten ihre tiefgehenden Erfahrungen und vielseitigen Perspektiven in die Beurteilung der Designs ein. Ihre Expertise gewährleistete eine fundierte Auswahl der Preisträger:innen, die durch außergewöhnliche Gestaltung und nachhaltige Konzepte überzeugten.
Die diesjährigen Gewinner:innen des BLICKFANG Designpreises zeigen eindrucksvoll, wie Design als Verbindung von Funktion, Nachhaltigkeit und Ästhetik verstanden wird. Die ausgezeichneten Labels stehen für eine moderne, verantwortungsbewusste Gestaltung und demonstrieren die Innovationskraft der zeitgenössischen Designszene.



Basel Designpreis 2025
Basel, eine Stadt mit einer reichen Kunst- und Designgeschichte, bietet eine lebendige Plattform für unabhängige Designer:innen. Die BLICKFANG Basel zeigte auch in diesem Jahr, dass nachhaltiges, innovatives und außergewöhnliches Design immer mehr an Bedeutung gewinnt. Die Jury zeichnete drei aufstrebende Labels aus, die mit kreativen Konzepten und zukunftsweisenden Lösungen überzeugten.
Möbel & Produktdesign: Flavio Zehnder
Studio Flavio Zehnder überzeugt mit minimalistischen Möbeln und Wohnaccessoires aus nachhaltigen Materialien und höchster Handwerkskunst. Jedes Stück entsteht in einer familiengeführten Schreinerei. Zehnder verbindet seine Ausbildung als Schreiner mit einem Studium in Industrial Design an der Schule für Gestaltung am GBS St. Gallen. Seine Arbeiten zeichnen sich durch klare Linien, durchdachte Funktionalität und eine starke Materialgerechtigkeit aus. Holz als Werkstoff spielt eine zentrale Rolle in seinen Designs, die zeitlos und funktional zugleich sind.
Mit der Auszeichnung verbindet die Jury die ausdrückliche Aufforderung an Zehnder, seine charakteristische Handschrift beizubehalten und weiterhin Handwerk und Design sowie Funktionalität und Formschönheit auf höchstem Niveau zu verbinden.


Mode & Schmuck: Moya Kala
Das Schweizer Label Moya Kala, das von den Gründerinnen Sabina Gasser und Claudine Tanner ins Leben gerufen wurde steht für ethisch produzierte Loungewear und Body Basics. Die Kollektionen beeindrucken nicht nur durch Schnittführung und Materialeinsatz, sondern auch durch ihr Engagement für Frauengesundheit und soziale Verantwortung. Produziert wird in einem familiengeführten Betrieb in Varna, Bulgarien, wo faire Arbeitsbedingungen herrschen und die Näherinnen überdurchschnittlich bezahlt werden.
Zusätzlich spendet Moya Kala 1 % des Umsatzes direkt an einen Fonds für die Näherinnen und ihre Familien. Das Label setzt auf nachhaltige Materialien, langlebige Qualität und zeigt, wie Mode als Plattform für wichtige gesellschaftliche Themen dienen kann.


Mode- und Wohnaccessoires: Hana Kim Jewellery
hana kim jewellery verbindet traditionelle koreanische Schmiedekunst mit Schweizer Präzision. Die Schmuckstücke werden in ihrem Studio in Zürich handgefertigt, wobei nachhaltige, recycelte Edelmetalle zum Einsatz kommen. Nicole Hana Kim bringt in ihren Designs kulturelle Synergien zum Ausdruck und kombiniert koreanische Formsprache mit modernen, minimalistischen Elementen. Die gesamte Produktion erfolgt in der Schweiz, mit ethisch gewonnenen Rohstoffen und transparenten Lieferketten. Ihre Arbeiten stehen für Qualität, Authentizität und einen bewussten Umgang mit Ressourcen.
Die Jury hob besonders hervor, dass Hana Nicole Kims Arbeiten eindrucksvoll demonstrieren, wie kulturelle Synergien zu einzigartigen und hochwertigen Accessoires führen können.


Die Designpreisgewinner:innen demonstrieren die Vielfalt und Innovationskraft der zeitgenössischen Designszene mit einem klaren Fokus auf Kreativität, Handwerkskunst und kulturelle Einflüsse. Die BLICKFANG Basel hat erneut gezeigt, dass Design weit über Ästhetik hinausgeht – es ist eine Verbindung aus Funktion, Nachhaltigkeit und Innovation. Wir freuen uns bereits auf die BLICKFANG Hamburg und sind gespannt, welche kreativen Konzepte uns dort erwarten!
Von Prototypen zu Publikumslieblingen – Der Wettbewerb für Studierende
Die BLICKFANG Hamburg ist auch ein Ort der Entdeckung für die Designstars von morgen. Im Rahmen des Studierendenwettbewerbs präsentieren junge Designer:innen ihre Prototypen und Ideen. Dieser Wettbewerb bietet den Teilnehmer:innen nicht nur wertvolles Feedback, sondern auch die Möglichkeit, erste Schritte in die professionelle Designwelt zu machen. Hier wird Neues ausprobiert, und die Grenzen des Gewohnten werden verschoben – der perfekte Ort, um innovative Konzepte zu entdecken.
Moritz Glatte: Flexibles Design für moderne Räume – der „Block“
Moritz Glatte studiert an der Universität der Künste Berlin und präsentiert mit dem „Block“ eine platzsparende, flexible Lösung für moderne Arbeitswelten. Der Tisch lässt sich im Handumdrehen von einem vollwertigen Arbeitsplatz zu einem kompakten Würfel transformieren, der sowohl praktisch als auch ästhetisch überzeugt. Durch den Klappmechanismus wird der Schreibtisch auf ein Minimum komprimiert, während der Schubkasten Platz für Arbeitsmaterialien und persönliche Dinge bietet.
Der „Block“ ist perfekt für Coworking Spaces oder Tiny Houses, in denen jede Fläche sinnvoll genutzt werden muss. In Handarbeit gefertigt und in verschiedenen Farben und Ausführungen erhältlich, stellt dieser Tisch eine praktische, platzsparende Lösung dar, die Funktion und Design auf einzigartige Weise vereint.
Moritz Glatte ist einer der Designpreisgewinner der BLICKFANG Stuttgart.



Kim Görlich und Fleur Siedler: Das Regal „WinkelWunder“ – Flexibel und anpassungsfähig
Das „WinkelWunder“ von Kim Görlich und Fleur Siedler der Hochschule Mainz ist ein echtes Highlight für alle, die nach flexiblen und funktionalen Möbeln suchen. Das Regal überzeugt durch seine innovative Anpassungsfähigkeit und lässt sich mühelos an Dachschrägen mit Neigungswinkeln von 70 bis 170 cm anpassen. Dabei kombinieren die Designer:innen Nachhaltigkeit und minimalistische Ästhetik mit cleverer Funktionalität.



Die Regalböden, die auf Dübel in den Rahmen fixiert werden, erhalten durch ein cleveres Spannsystem aus Gummibändern zusätzliche Stabilität. Dieses System sorgt nicht nur dafür, dass die Böden sicher bleiben, sondern verstärkt gleichzeitig die gesamte Konstruktion. Gefertigt aus strapazierfähigem Eschenholz und Textil, ist das Regal nicht nur funktional, sondern auch nachhaltig und minimalistisch im Design – eine wahre Bereicherung für jede Wohnung.
Yoomin Sun: „Wirewirewire“ – Gestrickte Eleganz aus Edelstahl
Die Nachwuchsdesignerin Yoomin Sun, ursprünglich aus Seoul, studiert im 7. Semester an der Universität für angewandte Kunst in Wien. In ihrer Arbeit verbindet sie Ästhetik mit intelligenter Konstruktion und erforscht die Struktur von Objekten durch das Zusammenspiel von Material und Form.
Ihre Serie Wirewirewire revolutioniert den Umgang mit Metall, indem sie Edelstahl in einer gestrickten Struktur verarbeitet – ganz ohne Schweißen. Anders als herkömmliche Drahtgeflechte sind die einzelnen Schlaufen mit einem einfachen Einhak-System verbunden, ähnlich wie gestrickte Textilien. Das Ergebnis: eine außergewöhnliche Materialspannung, die Stabilität und Flexibilität vereint. Während das Geflecht auf einer Seite widerstandsfähig bleibt, kann es auf der anderen gefaltet werden.
Das innovative Design macht Wirewirewire nicht nur leicht, sondern auch nachhaltig. Der Edelstahl ist vollständig recycelbar, der Materialeinsatz minimal und die Konstruktion ermöglicht eine einfache Reparatur. Ein einzelner Draht ist schwach – doch in dieser einzigartigen Verbindung entsteht eine widerstandsfähige, filigrane Struktur, die neue Maßstäbe im Möbeldesign setzt.



Junge Kreativität entdecken
Die Sonderfläche des Studierendenwettbewerbs auf der BLICKFANG ist ein absolutes Muss für alle Designbegeisterten, die den kreativen Nachwuchs unterstützen und innovative Ideen entdecken möchten. Hier trifft experimentelles Design auf funktionale Lösungen, und die Werke der jungen Designer:innen beweisen, dass die Zukunft des Designs alles andere als langweilig ist.
Ein Besuch auf dieser Sonderfläche bedeutet nicht nur, spannende Prototypen und Konzepte zu sehen, sondern auch die kreativen Köpfe hinter den Ideen kennenzulernen. Nutze die Gelegenheit, dich inspirieren zu lassen und vielleicht sogar den nächsten Designstar zu treffen!
Der BLICKFANG Designpreis wird in den Kategorien „Möbel & Produktdesign“ sowie „Mode & Schmuck“ und seit Neustem auch in der Kategorie „Mode- und Wohnaccessoires“ ausgezeichnet. Er steht für Innovation, Authentizität und herausragende handwerkliche Qualität. Die hochkarätige Jury aus bekannten Design-Expert:innen setzte auch in diesem Jahr hohe Maßstäbe und hatte die anspruchsvolle Aufgabe, bei ihrer persönlichen Tour über die Messe die besten Entwürfe auszuwählen.
Bewertet wurden nicht nur die Ästhetik und die Originalität, sondern auch die kreative Vision und der gesamte Designprozess, der die Produkte umfasst. Frank Dittel, Moritz Köhler und Robert Herzog konnten ihre tiefgehenden Erfahrungen und vielseitigen Perspektiven einbringen und die Designs beurteilen. Der Architekt Frank Dittel, bekannt durch sein Architektur- und Designbüro, steht für dynamisches und innovatives Design. Innenarchitekt Moritz Köhler international bekannt durch sein Innenarchitekturstudio Studio Komo, legt großen Wert auf Nachhaltigkeit und robuste Lösungen. Robert Herzog, Modedesigner, bringt seine Erfahrung aus der internationalen Modeszene ein und setzt sich für Designs ein, die nicht nur ästhetisch, sondern auch funktional sind.
Die Ansichten und Empfehlungen der Jury findest du in unserem Artikel zur Jury – ein spannender Einblick in die Expert:innen hinter dem BLICKFANG Designpreis 2025!

Stuttgart Designpreis 2025
Stuttgart ist nicht nur Automobilstadt, sondern auch eine Stadt voller Inspiration und vielfältigen Designs. Jedes Jahr zeigt die BLICKFANG, dass die Stadt und ihre Umgebung unzählige unabhängige Mode- und Interiorlabels beherbergt. Überall findet man viele kleine, liebevoll geführte Läden, die die urbane Designszene bereichern und beleben. Auch dieses Jahr konnte man die Begeisterung der Stuttgarter für einzigartiges und authentisches Design auf der BLICKFANG deutlich spüren. Die Jury der BLICKFANG Stuttgart zeichnete drei junge Designlabels aus, die mit ihrem besonderen Ansatz neue Maßstäbe für nachhaltiges und innovatives Design setzen.
Moritz Glatte
Den Designpreis für Möbel & Produktdesign erhielt dieses Jahr Moritz Glatte vom Studierendenwettbewerb.
Der junge Designer studiert an der Universität der Künste in Berlin und präsentierte seinen „Block“ – eine platzsparende Lösung für moderne Arbeitswelten. Im Handumdrehen verwandelt sich der flexible Tisch von einem vollwertigen Arbeitsplatz zu einem kompakten Würfel transformieren, der sowohl praktisch als auch ästhetisch überzeugt – ideal für kleine Räume und mobile Arbeitsplätze!


Der Block ist in Handarbeit gefertigt und in verschiedenen Farben und Ausführungen erhältlich. Eine praktische und platzsparende Lösung, die Funktion und Design auf einzigartige Weise vereint.
Tentation – Katrin Rieber
Im Bereich Mode & Schmuck gewinnt 2025 das Label Tentation von Katrin Rieber.
Die Designerin aus Hamburg gibt weggeworfenen und kaputten Festivalzelten ein zweites Leben. Um der Verschwendung von Ressourcen entgegenzuwirken entwirft Rieber aus den Zelten Kleidung: Hier entstehen handgefertigte Regenmäntel und Accessoires.


Jedes Stück ist ein Unikat mit einer Geschichte. Ein starkes Statement gegen die Wegwerfgesellschaft und für bewussten Konsum, damit jedes Zelt noch eine zweite Chance bekommt!
Lumikello – Eva Kaiser
Der Preis für Mode- und Wohnaccessoires ging an Lumikello von Eva Kaiser.
Eva Kaiser ist das Herz von Lumikello und hat sich mit der Gründung des Labels ihren Traum von Farbe und Kreativität erfüllt. Unter dem finnischen Namen für „Schneeglöckchen“ entstehen farbenfrohe Kissen, Taschen und Teppiche – alle handgehäkelt aus alten T-Shirts und Recyclinggarnen.


Produziert werden die Produkte von einem kleinen Team in Norddeutschland und seit Januar werden sie auch von einem sozialen Projekt in Griechenland gehäkelt. Die liebevollen Designs bringen also nicht nur Farbe, sondern auch eine inspirierende Geschichte in dein Zuhause.
Auch dieses Jahr fiel die Wahl der Jury auf innovative und herausragende Design-Labels. Mit großer Vorfreude schauen wir auf die bevorstehende BLICKFANG-Messe in Basel und sind gespannt, welche Ideen dort mit dem Designpreis ausgezeichnet werden.
In der Welt der Schmuckdesigner bewegt sich Lisa mit ihrem Label Lesunja mit souveräner Leichtigkeit zwischen unterschiedlichen Welten: zwischen wirtschaftlichem Denken und künstlerischem Ausdruck, zwischen traditionellem Handwerk und modernster Technik, zwischen exklusiven Einzelstücken und eleganten Kleinserien. Ihre kreative Vision vereint das Beste aus allen diesen Bereichen zu Schmuckstücken, die mehr sind als bloße Accessoires – sie werden zu persönlichen Begleitern mit emotionaler Tiefe.
Drei Facetten eines Labels
„In wenigen Worten würde ich sagen, mein Label und die Schmuckstücke sind in drei Kategorien eingeteilt,“ erklärt Lisa ihre Designphilosophie. Ihr Spektrum reicht von hochqualitativen Einzelstücken, die „Individuen herausstechen lassen und eine Geschichte erzählen“, über zeitlose und elegante Kleinserien für den Alltag bis hin zu handwerklich anspruchsvollen Silber- und Goldkreationen, in denen die Spuren des Handwerks bewusst sichtbar bleiben.
Diese Vielseitigkeit spiegelt Lisas Überzeugung wider, dass in einer Zeit zunehmender Uniformität die Individualität und Einzigartigkeit wieder und weiter an Bedeutung gewinnen.
Vom Wirtschaftsstudium zur Goldschmiede
Lisas ungewöhnlicher Werdegang – erst Wirtschaftswissenschaften, dann eine Ausbildung zur Goldschmiedin – ist weniger ein Bruch als vielmehr die Erfüllung einer lang gehegten Leidenschaft. „Das Künstlerische hat sich stark schon vorher abgezeichnet, ich habe auch in Kunst maturiert,“ erzählt sie. Während des Studiums wurde ihr klar, dass sie dem folgen wollte, „was mein Herz mir sagt und was mir Spaß macht“, statt nur das zu tun, was als „vernünftig“ gilt.
Diese Dualität zwischen kreativem Schaffen und strategischem Denken prägt bis heute ihre Arbeit und ermöglicht ihr, sowohl künstlerisch innovative als auch wirtschaftlich erfolgreiche Konzepte zu entwickeln.
Die Poesie der Fotografie im Metall
Als ausgebildete Fotografin bringt Lisa zudem eine besondere visuelle Sensibilität in ihre Schmuckkreationen ein. Die analoge Fotografie, für die sie in England eine Ausbildung absolvierte, hat ihre gestalterische Herangehensweise nachhaltig geprägt. Während sie die heutige Produktfotografie oft als rein funktional erlebt, sieht sie in der künstlerischen Fotografie wie in ihrem Schmuck die Möglichkeit, Emotionen festzuhalten. Auf Reisen sammelt sie fotografisch Eindrücke, die später in ihre Designs einfließen – eine visuelle Schatzkiste der Inspiration.


Tradition trifft Innovation
Heutzutage revolutionieren digitale Fertigungstechniken die Schmuckbranche – Lisa bleibt aber der Balance zwischen traditionellen und neuen Techniken treu. Sie ist überzeugt: „Wenn man nur moderne Herangehensweisen benutzt wie CAD und 3D-Guss, verliert man gewisse Sachen, und wenn man nur herkömmliche Techniken benutzt, dann ist man irgendwann auch preislich nicht mehr attraktiv.“
Ein eindrucksvolles Beispiel ihrer handwerklichen Fusion ist die Verbindung der antiken Sepia-Technik – bei der Sepia-Schalen als verlorene Gussform dienen – mit modernster 3D-Technologie für präzise Steinfassungen. So entstehen Schmuckstücke, die sowohl durch antike Strukturen als auch durch moderne Perfektion bestechen.
Schwarze Diamanten und das Geheimnis der Farben
Während viele Schmuckliebhaber Edelsteine mit bestimmten Farben verbinden, weiß Lisa um die faszinierende Vielfalt der mineralischen Welt. Schwarze Diamanten – eine ihrer Spezialitäten – erhalten ihre mystische Farbe durch unzählige Einschlüsse, die den Stein undurchsichtig machen. „Das Material ist immer noch Diamant, die Eigenschaften sind genauso wie „herkömmlichen“ weißen Diamant, sein Funkeln steht in nichts nach, er hat auch die gleiche Härte und die gleiche Lichtreflexion,“ erklärt die Designerin. Die Undurchsichtigkeit verleiht diesen Steinen jedoch eine geheimnisvolle Aura, die perfekt mit Lisas ästhetischer Vision harmoniert.
Nicht nur bei Diamanten, auch bei anderen Edelsteinen wie Saphiren geht ihr Wissen weit über das Bekannte hinaus – ein tiefes Verständnis der Gemologie, das ihre Arbeiten bereichert.
Nachhaltigkeit im Edelmetall

„Gold ist das nachhaltigste Material auf der ganzen Welt, weil man es man ohne Verlust immer wieder recyceln kann.“ Im Gegensatz zu anderen Metallen verliert Gold nie seine Qualität – ein 3000 Jahre altes ägyptisches Artefakt kann zu einem zeitgenössischen Schmuckstück umgeschmolzen werden, ohne an Substanz einzubüßen.
Diese inhärente Nachhaltigkeit des Materials nutzt Lisa bewusst, indem sie vorwiegend mit recyceltem Gold arbeitet. Ergänzend verwendet sie Fairtrade-zertifiziertes Gold, um höchste ethische Standards in ihrer Produktion zu gewährleisten.
Ozean und Geheimnisse: Kollektionen mit Tiefgang
Auf internationalen Bühnen wie der New York und Paris Fashion Week hat Lisa mit ihren konzeptionell durchdachten Kollektionen Aufmerksamkeit erregt. Ein besonderer Erfolg war ihre „Ocean Collection“, die 2017/18 als eine der ersten Schmucklinien das Meer thematisierte. Die Inspiration kam aus einer unerwarteten Perspektive: „Wenn man ans Thema Ozean denkt, dann denkt man an schöne Meereskreaturen und an die Schönheit vom Meer und vom Ozean […] und dass die Lebewesen im Ozean die einzigen sind, die frei von Alter und Gender sind.“ Diese Idee einer zeitlosen, geschlechtslosen Schönheit prägte eine Kollektion, die zum Trendsetter wurde.
Ebenso charakteristisch für ihre Arbeit ist die „Hidden Secrets Collection“, in der jedes Schmuckstück „wie ein Talisman, wie ein Amulett noch eine geheime Botschaft hat oder irgendein Fach, wo man was reintun kann“ – ein versteckter Raum für persönliche Bedeutungen, der dem Träger eine intime Verbindung zu seinem Schmuck ermöglicht.
Von Schmuck zu Uhren
Mit der „Sankt Moritz Mountain Watch“ wagt Lisa den Schritt in die Welt der Uhrmacherei. Die Uhr, eine Hommage an den berühmten Schweizer Wintersportort, besticht durch Details wie Sonne und Mond aus Perlmutt. Nach erfolgreicher Prototypenphase plant sie, die Uhr im kommenden Jahr auf den Markt zu bringen.
Besonders interessant ist ihr Experiment mit Crowdfunding als Marketinginstrument für dieses Projekt. Obwohl der direkte Verkauf über ihr Geschäft erfolgreicher war, schätzt sie den Visualisierungseffekt der Kampagne.
Workshops als Brücke zwischen Handwerk und Publikum
Ein besonderes Anliegen sind Lisa die verschiedenen Workshops, die sie anbietet. „Viele wissen gar nicht, was ein Goldschmied so macht,“ erklärt sie ihre Motivation. Während man sich unter der Arbeit eines Schneiders oder Schreiners noch etwas vorstellen kann, bleibt der Weg „vom Gold zum Schmuck“ für viele undurchsichtig.
Besonders ihre Ehering-Workshops schaffen einzigartige Erlebnisse: Paare gestalten gemeinsam ihre Ringe – „ein sehr schönes und auch intimes Ereignis“ vor der Hochzeit. Für Unternehmen bietet sie Team-Building-Workshops an, die Büroangestellte aus ihrer Komfortzone locken und verborgene Talente zum Vorschein bringen. Daneben führt sie fortlaufende Kurse für Hobbyisten, die teilweise seit über zehn Jahren mit Begeisterung dabei sind.
Oder auch: Wenn die eigenen Wurzeln zur kreativen Basis werden

Nicole Hana Kim hat ihr Hobby zum Beruf gemacht und das Label Hana Kim gegründet. Im Interview erzählt sie uns, wie sie ihre Wurzeln mit in ihre Design einfließen lässt, woher sie Inspiration nimmt und warum Nachhaltigkeit ein wichtiger Aspekt ihrer Arbeit ist.
Wie bist du dazu gekommen dein Label zu gründen?
Ich war früher im Marketing tätig und war eher hobbymäßig kreativ unterwegs. Irgendwann habe ich dann handwerkliche Schmuckkurse belegt und gemerkt, dass mir das richtig viel Spaß macht. Handwerklich war ich zwar schon immer gerne tätig aber diese Kurse haben mir die Schmuckherstellung nochmal nähergebracht. Dann war ich länger auf Reisen und musste meinen Job dafür kündigen. Als ich zurückgekommen bin wollte ich das einfach mal ausprobieren selbst Schmuck herzustellen und zu verkaufen.
Wie würdest du dein Label in 3 Worten beschreiben?
Von Hand gefertigt.
Koreanische Einflüsse.
Nachhaltig.
In deinen Schmuckstücken verbindest du koreanische Elemente mit Schweizer Präzision. Wie genau setzt du das um?
Ich nehme meine Inspiration oft aus koreanischen Elementen. Größtenteils orientiere ich mich an geschichtlichen und traditionellen Sachen und nicht an den aktuellen. Meistens habe ich ein spezifisches Thema aus der koreanischen Kultur oder Geschichte, welches mich interessiert oder bewegt und daraus entstehen dann die Ideen für meine Designs.
Bei meiner letzten Kollektion geht es um einen traditionellen koreanischen Tanz. Bei diesem tragen die Tänzer:innen Helme, an denen lange Papierschleifen befestigt sind. Beim Tanzen bewegen die Tänzer:innen ihre Köpfe, sodass die Papierschleifen Formen bilden. Das sieht dann ähnlich aus wie mit einem Gymnastikband. Das ist dann meine Ausgangslage und ich überlege mir dann, wie ich solche Dinge in den Schmuck übersetzen kann.
Beim Schmuck selbst experimentiere ich gerne. Ich schaue mir an, wie sich das Metall verhält. Metall verhält sich unterschiedlich, auch wenn man es erhitzt, und damit spiele ich gerne in meinen Kollektion. Bei der Kollektion mit den Papierbändern wird das Metall beispielsweise mit Papier gewalzt. Die Struktur legt sich dann auf das Metall und es sieht wie eine Papieroberfläche aus.



Welche Rolle spielt dein koreanisches Erbe in deinem Gestaltungsprozess?
Auf jeden Fall eine große. Bei Design muss man sich zuerst entscheiden, in welche Richtung man gehen möchte und das kommt meiner Meinung nach durch eigene Interessen. Mein Interesse an der koreanischen Kultur ist da natürlich vorhanden. Ich bin zwar in der Schweiz aufgewachsen aber dennoch war mein Aufwachsen stark von der koreanischen Kultur beeinflusst. Sprache, Essen und der Umgang in der Familie waren durch die Herkunft geprägt und ich finde das ist sehr identitätsstiftend, vor allem, wenn man in einem Land aufwächst, das andere Traditionen hat. Meine koreanische Herkunft ist also ein großer Teil meiner Identität und damit auch meiner Interessen und das zeigt sich in meinen Schmuckstücken.
Wie bringst du die beiden Aspekte zeitlos und dennoch überraschende Formsprache in Einklang?
Ich denke wirklich ausschlaggebend für ein zeitloses Stück ist vor allem eine einfache Formsprache. Meine Schmuckstücke dürfen zwar schöne Details haben, aber ich arbeite keine Ornamente oder Verschnörkelungen ein, das ist eher weniger zeitlos. Stattdessen setze ich auf eine klare Sprache.
Für die überraschende Formsprache setze ich dann auf Anwendungen, die man nicht so oft sieht. Zum Beispiel das Walzen von Papier auf Metall, das ist überraschend und erzählt eine Gesichte – das catcht.
Wie motivierst du dich, wenn du mit kreativen Herausforderungen konfrontiert bist?
Das Gute an meinen Kollektionen ist, dass sie nur einmal im Jahr entstehen und ich mich so das ganze Jahr über inspirieren lassen kann oder Dinge nochmal nachschauen kann. Wenn ich wirklich keine kreativen Ideen habe, helfen mir die Klassiker wie ins Museum oder in den Wald gehen und sich neuen Input suchen.

Du arbeitest mit traditionellen Schmiedetechniken. Inwiefern unterscheidet sich diese von modernen und digitalen Methoden?
Bei den traditionellen Schmiedetechniken kann man, wenn man wie ich vom Material ausgeht, richtig schön experimentieren. Dann entstehen Formen, die den Eigenschaften des Materials entsprechen und sie widerspiegeln. Bei den modernen Methoden, wenn man zum Beispiel mit CAD-Programmen arbeitet, dann hat man natürlich das Konzept und man weiß schon, wie der Schmuck später aussieht. Der große Unterschied ist daher, dass bei den traditionellen Techniken das Konzept einfließt aber ebenbürtig ist, wie sich das Material verhält, während bei den modernen Methoden das Material in dem Sinne eher sekundär gedacht wird.



Nachhaltigkeit ist dir sehr wichtig und du legst großen Wert darauf, wo deine Materialien herkommen.
Ich finde besonders im Schmuckbereich ist es extrem wichtig, sich bewusst zu machen, wo der Schmuck herkommt. Wir arbeiten mit Edelmetallen wie Silber und Gold, das wächst nicht einfach auf dem Boden, sondern kommt meistens aus Ländern, in denen das politische System schwächer ist oder die Regulierungssysteme nicht so effizient arbeiten, wie bei uns. Daher ist es umso wichtiger hinzuschauen und sich zu fragen, wo die Materialien herkommen.
Eigentlich ist es auch ein bisschen absurd. Niemand braucht Schmuck wirklich. Das ist ein Luxus. Und dann gibt es da Leute, die Schmuck für Tausende von Franken oder Euros kaufen und der ist dann nicht mal nachhaltig produziert. Das kann man meiner Meinung nach nicht wirklich zusammenbringen.

Welche Herausforderungen gibt es für dich, wenn es um Nachhaltigkeit geht und darüber auch zukünftig nachhaltig zu bleiben?
Die Wertschöpfungskette bei Schmuck ist sehr lange, da ist es manchmal wirklich schwierig den Durchblick zu behalten, wo die Materialien jetzt herkommen und verarbeitet werden. Ich arbeite zwar mit recyceltem Gold und Silber und meine Wertschöpfungskette ist viel kürzer, aber ich sehe das bei mir selbst auch. Obwohl der Weg kürzer ist, ist es dennoch eine Herausforderung die Kette ständig zu prüfen und auch nochmal nachzufragen.
Mittlerweile habe ich ein gutes Setup. Bei den Steinen ist es aber immer herausfordernd wirklich nachzuverfolgen, wo sie herkommen. Deshalb arbeite ich eben nur mit Schweizer Steinen oder Second Hand Steinen, die nochmal neu geschliffen werden.
Welche Rolle spielen Messen wie die BLICKFANG für dich?
Der direkte Austausch mit den Kund:innen liegt mir wahnsinnig am Herzen und den hat man auf Messen einfach garantiert. Wir verkaufen viel über andere Läden und den Onlineshop und da fällt es dann weg, dass die Leute in den Showroom kommen und direkt bei mir einkaufen. Da fehlen der Kontakt und das Feedback und man kommt nicht in Gespräche mit den Leuten. Wenn ich dann an Messen bin, ist es super schön bestehende Kund:innen wiederzusehen oder Leute zu haben, die ganz neu mit dem Label in Berührung kommen.
Manchmal braucht es einen Umweg, um seinen wahren Weg zu finden. Bei Claudia Güdel führte dieser Weg von der Modewelt weg – und wieder zurück. Was sie heute mit ihren Kollektionen kreiert, ist keine gewöhnliche Mode, sondern ein Angebot für den Alltag – Kleider, die Schutz bieten und gleichzeitig die Persönlichkeit stärken. Mit einem klaren Fokus auf Funktionalität, Nachhaltigkeit und dem Erhalt europäischer Handwerkskunst setzt die Designerin ein Statement in einer schnelllebigen Branche. Ein Gegenentwurf zum schnelllebigen Modebusiness, bei dem wohlwollender Umgang und langfristige Beziehungen im Mittelpunkt stehen.

Von der Passion zur Distanz – und zurück
Die Inspiration zur Mode kam früh: Als Kind beobachtete sie ihre Mutter, die als Hobbyschneiderin Tag und Nacht an Kleidungsstücken arbeitete. „Diese Passion hat mich wahnsinnig gepackt“, erinnert sich Güdel. Der Wunsch, selbst zu kreieren, war geboren – sei es als Modedesignerin oder Bildhauerin, Hauptsache erschaffen.
Doch ein Praktikum in New York während ihrer Ausbildung öffnete ihr die Augen für die Schattenseiten der Branche. Zwischen den hochglanzpolierten Boutiquen der 5th Avenue und den Musterschneidereien in heruntergekommenen Gebäuden nur zwei Straßen weiter erlebte sie die krassen Gegensätze der Modewelt, die sie hinterfragen ließ, ob sie Teil dieses Systems sein wollte.
Ein neuer Ansatz für eine neue Zeit
Nach Jahren in anderen kreativen Bereichen, vom Kostümdesign bis zu interaktiven Medien, fand Güdel ihren Weg zurück zur Mode – allerdings mit einem völlig neuen Ansatz. „Ich wollte Schutzkleider machen“, erklärt sie. „Kleider, die eine Person durch den ganzen Tag begleiten und mit denen man ein gestärktes Rückgrat hat für all die Herausforderungen, die der neue Alltag bringt.“
Ihre Erfahrungen aus dem Kostümdesign für Tänzer:innen erwiesen sich dabei als wertvolle Inspiration. „Die Kostüme müssen sehr bequem sein, die Tänzer müssen sich darin bewegen können, und manchmal muss sich als Teil der Show ein Ärmel im richtigen Moment lösen“, beschreibt sie. „Gleichzeitig müssen sie pflegeleicht sein – die Outfits sind durchgeschwitzt und müssen für den nächsten Abend wieder frisch sein.“ Diese Anforderungen übertrug sie auf Alltagsmode für Menschen mit einem bewegten Leben zwischen Kinderkrippe, Job und Abendveranstaltungen.
Funktionalität trifft Ästhetik
Güdel entwickelt ihre Kollektionen nach einem ungewöhnlichen Prinzip: „Ich frage mich immer: Würde ich es selbst tragen? Würde ich es auf eine Wanderung mitnehmen?“ Nur Kleidung, die diesen Test besteht, schafft es in die Produktion. „Ich liebe es, wenn ein Kleidungsstück sich nicht klar zuordnen lässt. Wenn es elegant, aber auch rockig sein kann – wenn es die Persönlichkeit der Trägerin oder des Trägers unterstreicht, statt sie zu dominieren.“
Europäisches Handwerk bewahren
Nachhaltigkeit bedeutet für Güdel vor allem eines: das Bewahren von handwerklichem Know-how in Europa. „Die Schweiz ist ein Dienstleistungsland, kein Produktionsland“, erklärt sie. „Aber in Europa verschwinden immer mehr Textilbetriebe. Es ist wichtig, dass wir dieses Wissen nicht verlieren.“
Diese Überzeugung prägt ihr gesamtes Geschäftsmodell. Ihre ersten Kollektionen fertigte sie mit einer Schneiderin in der Schweiz, finanziert durch ihre parallele Lehrtätigkeit. Heute arbeitet sie mit ausgewählten Produktionsstätten in Europa, gezielt mit langjährigen Partnern zusammen. Ihr Augenmerk liegt darauf, europäische Textilbetriebe zu stärken und wertvolles Handwerkswissen zu erhalten.



Ein Schlüsselerlebnis prägte ihre Sichtweise schon früh: Auf der Suche nach einer günstigen Druckerei für Flyer wurde ihr durch die Worte einer Kollegin bewusst, wie wichtig es ist, regionale Anbieter zu unterstützen. „Wenn wir wollen, dass unsere Kunden Schweizer Design kaufen, müssen wir auch unsere Partner vor Ort suchen. Das war so ein richtiger Mind-Changer. Seitdem ist für mich klar: Mit wem ich arbeite, ist mir unglaublich wichtig.“
Eine besondere Partnerschaft verbindet Claudia heute mit Urs Landis, einem Einmann-Strickbetrieb in Turgi. Mit seiner innovativen 3D-Stricktechnik werden Kleidungsstücke nahtlos aus der Maschine gefertigt – das reduziert nicht nur den Materialabfall, sondern ermöglicht auch eine Produktion in der Schweiz.
„Das ist die Idee: Wenn die Maschine das ohne nachträgliche Näharbeit machen kann, dann kann man es trotz hoher Löhne für Handarbeit in der Schweiz produzieren“, erklärt Güdel die Bedeutung solcher Innovationen für den Produktionsstandort Schweiz.
Der persönliche Touch
Auch in ihren Boutiquen in Zürich, Basel und Bern setzt Güdel auf persönliche Beziehungen. „Ich arbeite mit wunderbaren Frauen zusammen, die die Geschäfte führen“, erzählt sie. „In Zürich ist Anna das Gesicht des Ladens, in Basel Sabine seit über zehn Jahren – die Leute kommen wegen ihnen.“ Diese persönliche Bindung ist entscheidend: Die Atmosphäre im Laden und die Kollektion müssen gut zusammenpassen.
„In Bern war ich über 10 Jahre im Konzept Store TOKU swiss labels vertreten. Die Zusammenarbeit mit TOKU war so toll, dass ich kein eigenes Geschäft in Bern haben wollte. Aber dann hat mich TOKU kontaktiert als das angrenzende Geschäft frei wurde und wir haben die Idee entwickelt, die beiden Lokale zu verbinden und Seite an Seite zusammen zu arbeiten. Dieses gemeinsame Projekt hat richtig Spass gemacht und die Zusammenarbeit mit Mariann Lammerskitten (Toku) bringt frischen Wind in meine Arbeit.“


Materialien mit Geschichte
Bei der Auswahl ihrer Materialien achtet Güdel besonders auf Transparenz und Nachhaltigkeit. So verwendet sie beispielsweise Pima-Baumwolle von einem deutschen Anbieter, der die gesamte Wertschöpfungskette dokumentieren kann – vom biologischen Anbau in den USA über das Spinnen und Weben bis zum Färben. „Mir ist wichtig, dass ich erklären kann, woher unsere Stoffe kommen und wer sie hergestellt hat.“
Zurück zu den Projekten
Für die Zukunft hat Claudia Güdel klare Vorstellungen: Sie möchte wieder mehr Zeit für kreative Projekte haben. „Es ist eine große Bereicherung, Projekte mit anderen Menschen zu machen“, sagt sie. „Die letzten Jahre habe ich viel in meine Kollektion investiert. Ich will das ändern.“ Ob es dabei um neue Materialien, Upcycling oder andere Kooperationen geht – die Designerin will wieder mehr Raum für Experimente und Zusammenarbeit schaffen.
Mit ihrem Ansatz zeigt Claudia Güdel einen anderen Weg in der Modewelt: Nicht schnelle Trends und Glamour stehen im Vordergrund, sondern langlebige, funktionale Mode, die Menschen durch ihren Alltag begleitet und dabei hilft, sich stark zu fühlen. Eine Mode, die schützt, unterstützt und dabei nie ihre Eleganz verliert. Oder wie sie es selbst mit einem Augenzwinkern beschreibt: Mode, die „bei jedem Wetter, zu jedem Anlass gut aussieht und funktioniert.“

Livia verfolgt mit Leidenschaft eine klare Vision: Mode zu schaffen, die ästhetisch und ethisch gleichermaßen inspiriert. Dafür verwendet sie “Peace Silk”, traditionelle Handwerksmethoden und grafische, farbenfrohe Muster.
KOMANA ist das Beispiel, dass sich hinter einem schönen Modestück noch viel mehr verbergen kann. Wenn man genug hinter die Kulissen schaut:
Sieht man die besonderen Muster.
Fühlt weiche Seide und Cupro.
Und erfährt schließlich von Livia persönlich von ihrer nachhaltigen Philosophie und der uralten Handwerkskunst, mit Blockdruck Muster auf Stoffe zu drucken.

Komana besticht durch eine einzigartige Verbindung traditioneller Handwerkstechniken und moderner, künstlerischer Visionen. Die Designs zeichnen sich durch kräftige Farben und fantasievolle Muster aus, die eine „träumerische Reise“ durch Formen und Farben ermöglichen. Livia erklärt ihre Faszination für Muster als Leidenschaft, die tief in ihrer Kindheit verankert ist: „Ich hatte schon immer großes Interesse an Grafik und Kunst.“ Zudem faszinieren sie die wiederkehrenden Muster aus verschiedenen Kulturen. Diese führten zu dem kreativen Ansatz, der in KOMANAs Kollektionen lebendig wird. „Muster sind eine universelle Sprache, die wir alle verstehen, auch wenn wir sie unterschiedlich interpretieren.“
Muster im Flow
Livia arbeitet für ihre handillustrierten Designs gern mit ihrem kreativen Unterbewusstsein. Sie lässt sich gern von der Inspiration überraschen, geht durch Meditation in sich und lässt dort Ideen heranreifen. “Im Kreativen nennt man diesen Zustand dann Flow, wenn die Ideen aus einem raus fließen und man oftmals an einen ganz anderen Punkt angelangt, wie man angefangen hat.”

Nachhaltigkeit im Fokus: Die Kunst der Produktion
Für Livia ist Slow Fashion mehr als nur der Verzicht auf schnellen Konsum. Unter dem Begriff “Joyful Slow Fashion” sind ihre Designs ein Bekenntnis zu einer Ästhetik, die die Seele nährt. In einer Industrie, in der langlebige Mode meist mit einer zurückhaltenden Ästhetik in Verbindung gebracht wird, will Livia ein Statement setzen. Ihre Mode soll den Träger:innen Leichtigkeit, Kreativität und Freude ins Leben bringen– sei es im Büro oder auf der Tanzfläche nach einer langen Nacht.
Livia ist sich der Verantwortung bewusst, die mit der Herstellung von nachhaltiger Mode verbunden ist. Limitierte Produktion, umweltbewusste Handarbeit, rezyklierte Ressourcen und ausgewählte Materialien. Bereits bei den handillustrierten Designs wird die Nachhaltigkeitsphilosophie berücksichtigt. “Du kannst nicht einfach ein utopisches Design entwerfen. Du musst parallel mit deinen Materialien und Möglichkeiten deine Arbeitsethik berücksichtigen. Das geht Hand in Hand.”
Mit Herz und Verstand bei der Materialwahl
Für Livia ist die Auswahl der Materialien ein kreativer Prozess, der genauso wichtig ist wie die künstlerische Gestaltung. „Es geht darum, die Balance zwischen künstlerischem Anspruch und den nachhaltigen Möglichkeiten zu finden.“
Besonders hervorzuheben ist die Verwendung von Ahimsa-Seide, auch „Peace Silk“ genannt. Diese wird in einem besonders schonenden Prozess gewonnen , bei dem die Raupen ihre Verpuppung abschließen können, ohne getötet zu werden. Dies geschieht nämlich in de konventionellen Seidenherstellung, um die Seidenfäden möglichst lang zu erhalten. „Dieser Prozess erfordert natürlich mehr Arbeit, da die Raupen den Kokon verlassen müssen, aber es ist uns wichtig, im Einklang mit der Natur zu arbeiten“, erklärt sie.
Darüber hinaus spielt auch Cupro eine zunehmende Rolle in den Kollektionen. Dieser nachhaltige Stoff aus recycelten Überresten der Baumwollproduktion besticht durch seine unglaubliche Weichheit und eignet sich perfekt für die einzigartigen Printdesigns von KOMANA. Darüber hinaus spielt auch Cupro eine zunehmende Rolle in den Kollektionen. Dieser nachhaltige Stoff aus recycelten Überresten der Baumwollproduktion besticht durch seine unglaubliche Weichheit und eignet sich perfekt für die einzigartigen Printdesigns von KOMANA.
Handarbeit als Herzstück von KOMANA
Was KOMANA besonders einzigartig macht, ist die enge Verbindung zum traditionellen Handwerk. “Handarbeit hat etwas sehr Persönliches, meditatives, kulturell tiefsinniges. Ich finde es wichtig, dass man diese Mentalität dahinter versteht und wertschätzt.” Livia arbeitet eng mit Kunsthandwerkern und Manufakturen in Indien zusammen, die die Stoffe von Hand weben, nähen und auch bedrucken. Besonders stolz ist Livia dabei auf den traditionellen Blockdruck in Japiur. Eine Technik, mit der ein geschnitzter Block als Stempel für verschiedenste Muster auf den Stoffen verwendet wird. Diese Partnerschaften mit KOMANA, die auf Vertrauen und Respekt basieren, haben sich im Laufe der Jahre gefestigt und sorgen dafür, dass jede Kollektion eine besondere Note erhält. „Es gibt eine Unregelmäßigkeit in den Stoffen und Mustern, die sie einzigartig macht. Man sieht, dass sie von Hand gefertigt wurden – es ist etwas sehr Persönliches.“


Die Vision für die Zukunft
KOMANAs Reise ist noch lange nicht zu Ende. Für Livia steht das Jahr 2025 im Zeichen neuer Projekte, Partnerschaften und Räume. Ein wichtiger Schritt in dieser Entwicklung ist der Umzug ihres Ateliers nach Zürich. „Bald eröffnen wir einen neuen Shop mit Showroom, und ich freue mich darauf, noch mehr kreative Köpfe an Bord zu holen“, sagt sie mit einem Lächeln.
Zudem plant Livia, die Community, die ihre Arbeit schätzt, weiter zu stärken und durch Kollaborationen mit inspirierenden Persönlichkeiten mehr Aufmerksamkeit auf ihre Vision zu lenken. In einer Welt, die oft von negativen Nachrichten geprägt ist, setzt sie auf Positivität und den gemeinsamen Einsatz für eine bessere Zukunft: „Die Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten, teilen dieselben Werte – und diese Werte sind heute wichtiger denn je.“
Mit einem klaren Fokus auf kreative Freiheit, ethische Verantwortung und die Freude an Handwerkskunst wird KOMANA auch in Zukunft die Modewelt auf seine eigene, bunte Weise bereichern.
Triff Livia und ihr Label Komana Live an der BLICKFANG Zürich. Jetzt Ticket sichern und im November vorbeischauen.
Im Herzen Wiens verwandelt Caroline Ertl textile Strukturen in zeitlose Schmuckstücke, die Geschichte erzählen. Die Gold- und Silberschmiedin erschafft Statement-Pieces, deren Charakter sich durch das Tragen kontinuierlich entfaltet und vertieft.

Von der medizinischen Berufung zur metallischen Passion
Was als Praktikum für eine Laufbahn als Ergotherapeutin begann, verwandelte sich in eine lebenslange Hingabe an das Schmuckhandwerk. Nach vierjähriger Ausbildung und einem Meisterkurs etablierte sich Ertl als freischaffende Künstlerin, die Freiheit und Originalität über kommerzielle Konventionen stellt.
Die Charakterspanne: Feminin bis rebellisch
Eines der Markenzeichen von Caroline Ertls Arbeit ist die Bandbreite ihrer Kollektionen. Sie bedient bewusst verschiedene Ästhetiken. Sie kreiert bewusst eine stilistische Brücke, die ihre Kundinnen behutsam von klassischen Formen zu mutigen Statements führt. Ihr Ziel: zu überzeugen, „dass man eben auch ein bisschen größer werden kann und dass es gut ausschaut und dass es spannend ist.“
Oberflächendialoge
Das Herzstück ihrer Arbeit ist die faszinierende Interaktion zwischen Textil und Metall. Ertl brennt, walzt und gießt textile Strukturen ins Silber – ein alchemistischer Prozess, der unverwechselbare Schmucklandschaften schafft. Ob Hanf, Jute oder feine Gewebe – ihre „eingewebten“ Texturen erzeugen eine sinnliche Spannung zwischen Härte und organischer Weichheit.
In dieser Material-Metamorphose liegt Ertls künstlerische Signatur. Die Oberflächen selbst werden zu Inspirationsquellen, „die mich quasi anleiten, etwas Neues zu entwerfen, weil sie für sich selbst sprechen.“ Neben diesen avantgardistischen Techniken ehrt sie traditionelles Handwerk wie gehämmerte Strukturen – eine jahrtausendealte Technik, die in ihrer Schlichtheit zeitlose Eleganz bewahrt.
Kollektive Kreativität
Seit 1996 arbeitet Caroline Ertl in der Werkstattgemeinschaft „Stoß im Himmel“ im ersten Wiener Bezirk. Was einst als Zusammenschluss von fünf Künstlerinnen begann, ist mittlerweile zu einem etablierten Kollektiv herangewachsen. „Keiner von uns hat Lust, allein zu sein“, erklärt sie den Grundgedanken der Gemeinschaft, in der sich aktuell sieben Künstlerinnen den Raum und die Aufgaben teilen. „Die einen machen den Newsletter, die anderen machen Social Media, wieder andere machen Buchhaltung“, beschreibt sie die Arbeitsaufteilung in diesem „Zusammenschluss von freischaffenden Künstlerinnen.“



Vom Prototyp zur Kleinserie
Caroline Ertls Arbeitsprozess beginnt mit der Entwicklung von Prototypen – eine Phase, für die sie sich besonders Zeit“ nimmt. „Ein Prototyp kann dauern, solange es eben dauert“, erklärt sie. Manchmal entstehen in intensiven Arbeitsphasen Ideen für ein halbes Jahr. Nach der Fertigstellung eines Prototyps erstellt sie Silikonformen, um Wachsmodelle herzustellen, die dann reproduziert werden können. Diese Kombination aus künstlerischem Unikat und Kleinserie macht ihre Arbeit sowohl kreativ erfüllend als auch wirtschaftlich tragfähig.
Zeitlose Transformation
Besonders eindrucksvoll sind Ertls geschwärzte Silberstücke, die durch das Tragen eine persönliche Geschichte entfalten. Die dunkle Oberfläche poliert sich individuell ab – ein intimer Dialog zwischen Schmuck und Träger, der jedem Stück eine einzigartige Biografie verleiht. „Je länger man das Schmuckstück trägt, umso schöner wird es eigentlich, weil es dann so eine Lebendigkeit hat.“


Mediterrane Muse
Die Inspirationsquelle für ihre Entwürfe findet Ertl oft während ihrer Sommerausflüge auf kroatischen Gewässern. Diese meditativen Momente in der Natur verdichten sich zu kreativen Impulsen, die ihre Arbeit für Monate bereichern.
Caroline Ertls Schmuck ist mehr als Accessoire – er ist materialisierte Poesie, die sich zwischen Tradition und Innovation, zwischen Textil und Metall, zwischen Trägerin und Objekt entfaltet.
Auf der BLICKFANG Stuttgart 2025 kannst du Caroline vom 14.-16. März persönlich kennenlernen.
Wenn du mehr über Caroline Ertl, ihren Schmuck und das Label erfahren möchtest, besuche ihre Website, indem Du hier klickst:
Bei Jeanne Koepp findet man Glasvasen und Dosen aus Keramik, die nicht nur schön aussehen, sondern auch die Geschichte der Designerin erzählen. Im Interview berichtet sie uns, wo sie Inspiration findet, wie ihre Kindheit sie geprägt hat und was hinter ihrem Label steckt.
Jeanne, du bist in der DDR aufgewachsen. Wie hat diese Erfahrung deine Entwicklung beeinflusst?
Ich bin in Dresden groß geworden, damals gab es nur drei schwarze Kinder in dieser Stadt. Dieses Gefühl der Nichtzugehörigkeit hat mich stark beeinflusst. Ich wollte nie in ein klassisches Arbeitsleben eintreten, weil ich nichts mit einer Gesellschaft zu tun haben wollte, in welcher ich mich fremd fühlte. 1990 habe ich meine Galerie gegründet, die bis heute auf der Kollwitzstrasse im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg existiert.

Was war die Motivation hinter deinem Label?
Ein Gestaltungswunsch. Dieser Wunsch führte mich zur Keramik, ich begann eine Töpferausbildung in Halle an der Saale. Der klassische Weg dieser Ausbildung wurde mir zu monoton, daher brach ich die Ausbildung ab und begab mich direkt in die Selbständigkeit. Da meine Fähigkeiten zu diesem Zeitpunkt nicht ausreichten und mir es später immer mehr Freude bereitete zu gestalten als selbst zu drehen, arbeitete ich seit dieser Zeit mit viele Scheibentöpfern zusammen. Diese waren großartige Handwerker und setzten meine Ideen an der Töpferscheibe exakt so um wie ich es haben wollte, ich konnte mich ganz auf Form und Oberflächen konzentrieren.



Du hast im Laufe der Zeit oft dein Material gewechselt. Warum?
Ich begann mit dem Material Ton, welcher auf der Töpferscheibe zu Vasen, Schalen, Tee-Services oder Tellern verarbeitet wurde . Um auf internationalen Messen Einkäufer zu finden, musste ich schnell bei gleichbleibender Qualität vervielfältigen, daher entschied ich mich für das Gießen von Keramik.
Jedes Material hat seinen eigenen Reiz, bei dem Werkstoff Glas stehen mir neben der Transluzidität des Werkstoffes zusätzlich ein intensives Farbspektrum zur Verfügung. Die Leuchtkraft und Farbigkeit waren der Impuls, sich mit dem erstmal noch neuen Werkstoff auseinanderzusetzen und die ästhetischen und material-immanenten Möglichkeiten für ihr eigenes Schaffen zu erforschen. Die Glasbläser auf der Insel Murano sind großartige Handwerker, meine Ideen sind dort in den allerbesten Händen.
Wie unterscheiden sich diese beiden Arbeitsweisen aus Keramik und Glas für dich?
Die Arbeitsweise unterscheidet sich am Anfang kaum. Ich entwickle einen Prototyp, dann wird eine Form gebaut. Die Keramik gieße ich selbst in meiner Werkstatt in Berlin. Beim Glas hingegen ist meine kreative Leistung hauptsächlich die Formgebung. Die Produktion findet in der Glasfabrik in Italien statt. Ich bin natürlich während des Herstellungsprozess anwesend und kann Einfluss nehmen, etwa beim Schleifen der Kanten und bei der Farbauswahl.


Du machst auch Collagen, die durch deine Reise nach Kamerun inspiriert sind. Kannst du ein bisschen mehr über den Einfluss dieser Reise und der Bedeutung der Collage als Ausdrucksmittel erzählen?
Vor ca. zehn Jahren fand ich mittels Collage eine Form, meiner Kreativität Ausdruck zu verleihen. Ich verwende dabei verschiedene Materialien, wie zum Beispiel Fotografien, Federn, Metall, Plastik, Bindfäden – vor allem aber verschiedene Arten von Papier, Ausschnitte aus Zeitungen, Postkarten, alte Rechnungen, Einpackpapier; letztendlich alle Papiersorten, die man finden kann. Außerdem arbeite ich oft mit Materialien, die ich auf der Straße finde – zum Beispiel platt gefahrene Teile aus Metall oder Plastik, auch Blüten und Blätter lasse ich gerne in meine Arbeiten einfließen.
Angefangen habe ich mit meinen Collagen auf einer dreimonatigen Autoreise von London nach Kamerun / West-Afrika. Zuerst als eine Art Reisetagebuch gedacht, ließ mich seither diese Form des Ausdrucks meiner persönlichen Sicht in und auf die Welt nicht mehr los, und so fing ich an, nicht nur auf Reisen, sondern auch zu Hause in Berlin meinem Innersten auf diese Weise eine Form zu geben.
Woher nimmst du denn die Inspiration für deine Produkte?
Durch genaues Hinschauen, das Besuchen von Museen, Ausstellungen und Spaziergängen durch die Natur auf der Suche nach zeitlosen Formen. Mein Ziel ist es eine Vase schaffen, die nicht dem Zeitgeschmack unterliegt. Oft bekomme ich Rückmeldungen von Kunden, die mir sagen, was sie noch suchen oder brauchen. Dann überlege ich, ob das Sinn für mich macht. Ich arbeite ungern rein praktisch, die Ästhetik steht immer an erster Stelle.
Wie hat sich dein Label seit der Gründung verändert?
Ich hatte immer eine Vision, wohin ich will. Früher habe ich mit Krakeleé beschäftigt und diese zur Perfektion gebracht. Zweifarbige Schalen mit Krakeleé waren eine zeitlang der Renner und das sogar in vielen Läden in New York. Jetzt bin ich dem Glas verfallen.


Welche Rolle spielen Messen wie die BLICKFANG für dich und deine Arbeit?
Messen sind für mich extrem wichtig, durch den Messeauftritt bei der BLICKFANG habe ich in Stuttgart, Wien, Konstanz, Hamburg ect. Läden gefunden, die meine Produkte verkaufen. Mein Ladenlokal betreibe ich seit vielen Jahren, dadurch habe ich ein Stammpublikum aus Berlinern und Touristen, trotzdem ist es extrem wichtig sich zu bewegen, um neue Kontakte zu knüpfen.
Wo siehst du dein Label in fünf Jahren?
Ich hoffe, über Messebesuche so viele Läden zu finden, dass sich einen Teil meines Umsatzes daraus generieren kann. Vielleicht habe ich in ein paar Jahren mehr Zeit für Experimente – etwa für Objekte, Vasen, welche nicht unbedingt benutzbar sind, sondern als Kunst funktionieren.
Mit einer klaren und zeitgenössischen Formensprache, vereint mit herausragender Handwerkskunst, überzeugen meine Arbeiten durch ihre hohe Funktionalität, die zugleich Schönheit und Poesie in den Alltag bringen. Solides Handwerk und künstlerischer Anspruch verbinden sich zu sinnlichen Objekten der Alltagskultur.
Auf der BLICKFANG Stuttgart 2025 kannst du Jeanne Koepp vom 14.-16. März persönlich kennenlernen.
Wenn du mehr über Jeanne Koepp und ihre Kreationen erfahren möchtest, besuche ihre Website, indem Du hier klickst:

Adam und Monika Štok teilen ihre Leidenschaft für hochwertiges Design und stehen seit 2020 hinter ihrem nachhaltigen Label “two hundred tons”. Mit ihrer UNROLL-Kollektion revolutionieren die beiden konventionelles Möbeldesign und schaffen durch das „Abrollen“ von Stahlrohren größere, stabile Formen – ohne Materialverschwendung. UNROLL verbindet industrielle Eleganz mit durchdachtem Design und zeigt, wie Metall in seiner reinsten Form überraschend flexibel sein kann.

Adam und Monika, euer Unternehmen Two Hundred Tons ist beeindruckend! Was hat euch so sehr an der Metallverformung fasziniert, dass ihr daraus ein erfolgreiches Geschäft gemacht habt?
Unser Weg zum Pressen begann ganz zufällig – mit einem Aluminiumrohr im Schraubstock. Die entstandene Form war faszinierend, blieb aber erstmal in der Schublade. Erst 2018, als wir an unserer ersten Kollektion tüftelten, erkannten wir das Potential dieser Form. Nach einigem Experimentieren entstand unser Marshmallow-Ping-Pong-Tisch – ein echter Hingucker!
Dann entdeckten wir Stahl für uns. Seine Verformbarkeit hat uns regelrecht verzaubert. Klar, es gibt Tücken wie Reißen oder Verziehen beim Schweißen. Aber hey, für uns ist Stahl inzwischen wie Knete zum Spielen. Das sieht man an den coolen Details unserer Produkte – von der geschwungenen Rückenlehne bis zur eleganten Tischverstrebung. Wer hätte gedacht, dass aus einem Zufallsexperiment so viel entstehen würde?

Der Name „Two Hundred Tons“ ist einzigartig. Könnt ihr uns mehr darüber erzählen, wie der hydraulische Pressvorgang und die 200 Tonnen Druck zu einem zentralen Bestandteil der Markenidentität wurden?
Der Name „Two Hundred Tons“ bezieht sich direkt auf die Kraft hinter unserer Arbeit. 2018 begannen wir, mit Metallprofilen auf einer hydraulischen Presse zu experimentieren, die eben 200 Tonnen Druck erzeugte – das entspricht etwa dem Gewicht von 133 Passagierautos. Auf dieser Presse entstanden alle unsere Prototypen. Als wir nach einem Namen für unser Label suchten, wollten wir, dass er das Experiment, das Material, die Funktion und unsere Entschlossenheit widerspiegelt. Am Ende fanden wir Inspiration in der majestätischen Kraft der Maschine, die der Schlüssel zu unserem Prozess war.
Eure „Unroll“-Kollektion birgt ja einige Überraschungen. Was hat euch denn auf die Idee gebracht, Stahlrohre aufzuschneiden und zu entrollen?
Die Idee zur „Unroll“-Kollektion entstand aus der Frage, was man aus einem einzigen Metallprofil machen könnte. Wir lieben Herausforderungen, also begannen wir ein weiteres Experiment, diesmal mit Laserschneiden. In dieser Kollektion spielt das Experiment mit der Formgebung eine noch größere Rolle – wir beginnen mit einem Stahlrohr, das wir zunächst schneiden und dann manuell entrollen. So schaffen wir aus einem einzigen Rohr eine stabile, flache Platte, die als strukturelles Element in unserem Regalsystem dient. Es ist faszinierend, während der Produktion zu beobachten, wie sich das Material verwandelt und seine Form verändert. Wir sagen immer, dass Technologie unser dritter Designer ist, der uns auf dem Weg begleitet.
Hat das auf Anhieb funktioniert?
Bei der Prototypenerstellung gibt es immer viele Hindernisse, aber bei der „Unroll“-Kollektion waren wir überrascht, wie schnell alles zusammenfiel. Der Prozess des Entrollens des Rohrs hat uns völlig in seinen Bann gezogen – wenn ein einzelnes, geschnittenes Profil sich durch manuelles Entfalten in eine breite Platte verwandelt, ist das visuell und technisch beeindruckend.

Wie läuft euer Designprozess ab, wenn ihr als Paar zusammenarbeitet? Geht ihr das Problemlösen und die Kreativität unterschiedlich an oder habt ihr eine ähnliche Vision?
Das ist eine lustige Frage – wir haben nie wirklich darüber nachgedacht! Aber vielleicht ist das der Grund, warum wir eine perfekte Symbiose und Zusammenarbeit haben. Jedes Produkt, das wir in die Prototypen- oder Produktionsphase schicken, wird bis ins kleinste Detail durchdacht, einschließlich jeder Schraube. Wir teilen Ideen und finden immer eine gemeinsame Lösung. Die Grundlage dafür ist Dialog und ein bisschen das Aufbrechen von Stereotypen. Wir können sagen, dass kein Produkt in unserem Portfolio nur das Ergebnis einer Entscheidung einer einzelnen Person ist – es ist immer eine gemeinsame Vereinbarung. Wir stellen sicher, dass nichts unser Studio verlässt, bevor wir beide zu 200 % damit zufrieden sind.


Die „Unroll“-Kollektion ist sowohl visuell weich als auch industriell. Wie balanciert ihr diese gegensätzlichen Elemente in euren Designs aus?
Das Konzept von „industriell“ geht Hand in Hand mit dem Material, das wir verwenden. Wir versuchen nicht, das Metall zu verstecken oder es in etwas anderes zu verwandeln. Statt gegen das Material zu arbeiten, arbeiten wir mit ihm. Wir versuchen immer, seine Eigenschaften zu betonen und zu zeigen, was man daraus schaffen kann, indem wir die Möglichkeiten auf ein höheres Niveau heben.
Ihr betont Nachhaltigkeit in eurer Arbeit. Wie passt die „Unroll“-Technik zu euren Umweltwerten, insbesondere in Bezug auf Abfallvermeidung?
Ein einziges Stahlrohr wird zum Alleskönner! Mit unserer neuen Schneidetechnik zaubern wir aus sechs Metern Stahl ein ganzes Möbelensemble – Regale, Garderoben, Tischbeine. Und das Beste? Fast kein Abfall! Es ist wie ein Puzzle: Ein Rohr wird zu einem Regal, zwei Tischen und drei Garderobenständern.
Wie stellt ihr die Langlebigkeit eurer Stücke sicher und welche Schritte unternehmt ihr, um ihre Widerstandsfähigkeit zu erhöhen?
Da alle unsere Produkte auf Metallfertigung basieren, ist es für uns entscheidend, sie gegen Korrosion zu schützen. Dies erreichen wir durch gründliche Reinigung und Pulverbeschichtung, die bei 200 °C gebacken wird. Dieser Prozess schützt das Metall und gewährleistet seine lange Lebensdauer.
Was möchtet ihr, dass die Kunden fühlen, wenn sie mit euren Möbeln interagieren? Möchtet ihr durch eure Designs eine bestimmte emotionale Reaktion hervorrufen?
Wir sagen immer, dass Metall wie hartes Modelliermaterial ist, und wir streben danach, dass unsere Produkte ein Gefühl von Leichtigkeit und Eleganz vermitteln, das sowohl das Produkt selbst als auch das Material, aus dem es gefertigt ist, aufwertet. Wir möchten, dass unsere Produkte eine einheitliche visuelle Sprache und Ästhetik haben.
Was steht als Nächstes für Two Hundred Tons an? Gibt es aufregende Projekte oder neue Kollektionen, an denen ihr arbeitet und die ihr mit uns teilen könnt?
In letzter Zeit ist uns aufgefallen, dass es ziemlich schwierig ist, wirklich einfache Produkte zu finden, die Architekten und Innenarchitekten oft durch maßgefertigte Möbel lösen. Diese Produkte sind visuell nicht dominant und auf sehr geradlinige und minimalistische Weise gestaltet. Sie sind Dinge, die nicht unbedingt Aufmerksamkeit auf sich ziehen. In naher Zukunft möchten wir uns auf diese Art von Produkten konzentrieren und sie in unser Portfolio integrieren. Wir sehen eine Herausforderung darin, ästhetisch pure Grundprodukte zu schaffen, während wir gleichzeitig unsere charakteristische Formgebungstechnik einfließen lassen. Ein visuell schlichtes Produkt zu entwerfen, das durch seine Details fesselt, die man nur durch genaueres Hinsehen entdeckt – Das ist oft die größte Herausforderung.

Abschließend: Worauf freut ihr euch am meisten bei eurer Teilnahme an der BLICKFANG?
Vor allem sind wir unglaublich dankbar für die Möglichkeit, auf der BLICKFANG in Hamburg auszustellen. Wir freuen uns sehr darauf, die Besucher:innen zu treffen und ihre Reaktionen auf unsere Möbel zu sehen. Jedes Feedback ist für uns extrem wichtig und inspirierend und gibt sowohl unserer Marke als auch unserer kreativen Arbeit neue Energie.
Entdecke two hundred tons und die Unroll-Kollektion vom 16.-18. Mai auf der BLICKFANG Hamburg. Sichere dir dein Ticket hier!
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