ÉTAUDORÉ: Möbel für Menschen, nicht für Kataloge

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Ein Zuhause, in dem Möbel nicht einfach ausgestellt, sondern gelebt werden: In Thalwil am Zürichsee hat Anna Ksiezopolska ihre eigene Wohnung zum Showroom von ÉTAUDORÉ gemacht. Umgeben von einer sorgfältig kuratierten Auswahl an Möbeln für Essbereich, Wohnen, Arbeiten und Aufbewahren können Besucher:innen erleben, wie die Stücke im Alltag funktionieren und wie selbstverständlich sie Teil eines Zuhauses werden.

Anna Ksiezopolska Gründerin & Designerin

Die Idee für ÉTAUDORÉ entstand aus einer ganz persönlichen Suche. Auf der Suche nach besonderen Möbelstücken für ihr eigenes Zuhause besuchte Anna Designmessen in der Schweiz und in Polen. Dort begegnete sie Handwerker:innen, deren Arbeit sie nachhaltig beeindruckte. Was mit einigen wenigen Stücken für die eigene Wohnung begann, entwickelte sich nach und nach zu einer kuratierten Kollektion, die heute gemeinsam mit ausgewählten Partnerwerkstätten entsteht.

Für Anna geht es dabei um mehr als Form und Ästhetik. Qualität, langlebige Materialien und die Geschichten hinter den einzelnen Stücken sind ihr ebenso wichtig wie die Frage, wie ein Möbelstück tatsächlich in das Leben der Menschen passt, die mit ihm leben.

Im Interview erzählt sie, wie die verschiedenen Orte, an denen sie gelebt hat, ÉTAUDORÉ geprägt haben, warum ihr eigenes Zuhause der bessere Showroom ist und wie aus persönlichen Ideen in Zusammenarbeit mit Kund:innen und Handwerker:innen neue Möbelstücke entstehen.

Anna, du hast einen Hintergrund in Elektrotechnik, Data Science und AI Product Management. Wie bist du von dieser Welt zu Möbeln und Design gekommen?

Eigentlich verbinde ich die beiden Welten nach wie vor. Ich arbeite weiterhin im AI Product Management. Studiert habe ich Elektronik und Elektrotechnik, später bin ich beruflich in die Bereiche Data Science, Data Analytics und AI gewechselt, mit einem Schwerpunkt auf der Finanzbranche.

Das alles ist sehr spannend, aber natürlich auch sehr abstrakt. Ich arbeite viel mit Computern und Daten. Gleichzeitig bin ich ein vielseitiger Mensch und habe mich schon immer für Dinge interessiert, die greifbarer sind: Interiors und Möbel, also die physische Welt im Gegensatz zur virtuellen Welt von AI und Finanzen.

Der eigentliche Ausgangspunkt war meine eigene Wohnung in Zürich. Damals war ich auf der Suche nach schönen Dingen für mein Zuhause und begann, viele Designmessen zu besuchen. Besonders die Atmosphäre dort hat mir gefallen. Ich komme ursprünglich aus Polen und habe deshalb auch viele Messen dort besucht. Ich lernte Handwerker:innen kennen und war von ihrer Arbeit so begeistert, dass ich irgendwann dachte: Ich möchte diese Stücke nicht nur in mein eigenes Zuhause bringen, sondern auch in andere Wohnungen.

Heute arbeiten wir mit verschiedenen Handwerker:innen in Polen zusammen: Eine Werkstatt ist auf Massivholzmöbel spezialisiert, eine andere auf Polstermöbel, eine weitere auf Möbel aus Stahl und wieder eine andere auf Holzleuchten. Einige Stücke entwickeln wir auch selbst und setzen sie gemeinsam mit diesen Handwerker:innen um.

Du bist in Polen aufgewachsen, hast in Schottland und den USA gelebt und bist heute in der Schweiz zu Hause. Wie prägen diese verschiedenen Orte ÉTAUDORÉ?

Ich bin sehr oft umgezogen, nicht nur zwischen verschiedenen Ländern, sondern auch innerhalb einzelner Länder. Jeder Umzug war eine Gelegenheit, einen Raum wieder ganz von vorne zu gestalten. Ich glaube, das hat meine Liebe zu Interiors und Möbeln stark geprägt.

Natürlich bringt jedes Land auch seine eigenen ästhetischen Einflüsse mit. Vier Jahre in Edinburgh haben mich beispielsweise für Tradition und historische Architektur sensibilisiert. Die Architektur dort ist unglaublich. Die mittelalterliche Altstadt mit ihren jahrhundertealten Steingebäuden kann sich immer noch so anfühlen, als würde man 300 Jahre in der Zeit zurückreisen. Es hat etwas sehr Beeindruckendes, von Materialien und handwerklichen Arbeiten umgeben zu sein, die über Jahrhunderte Bestand hatten. Dadurch entwickelt man eine Wertschätzung für Dinge, die den Test der Zeit bestehen. Ich glaube, das führt ganz natürlich zu einer Liebe für Möbel aus Massivholz und Stahl, die über Generationen weitergegeben werden können.

Polen steht für mich für einen starken Unternehmergeist. Viele Menschen gründen dort ihre eigenen Marken und Werkstätten, und handwerkliche Traditionen werden oft über Generationen weitergegeben. Gleichzeitig gibt es eine große Liebe zum Detail.

Die Schweiz hat mich auf eine andere Weise geprägt. Das Leben hier hat meine Wertschätzung für Präzision, Qualität und eine gewisse Zurückhaltung im Design verstärkt. Dinge müssen nicht laut sein, um schön zu sein. Gleichzeitig gibt es eine starke Verbindung zur Natur. Die Berge, Seen und wechselnden Jahreszeiten sind ständig präsent. Ich glaube, auch das beeinflusst die Materialien, Farben und die Ruhe, die ich in Interiors suche.

Diese drei Einflüsse kommen bei ÉTAUDORÉ zusammen.

Was muss ein Möbelstück für dich mitbringen, damit du sagst: Das passt zu ÉTAUDORÉ?

Qualität steht für mich an erster Stelle. Ich würde unsere Positionierung als „Affordable Luxury“ beschreiben: sehr hochwertige Möbel, die langlebig sind, aber nicht das gesamte Budget sprengen. Deshalb achten wir sehr genau auf Verarbeitung und Details. Wir testen alle Stücke selbst, bevor wir sie in die Kollektion aufnehmen.

Nachhaltigkeit ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Alle unsere Möbel werden auf Bestellung gefertigt. Wir halten keine großen Lagerbestände und produzieren nicht einfach im Voraus. So können wir Abfall vermeiden und bewusster produzieren.

Und dann gibt es noch etwas sehr Persönliches: die Menschen hinter den Möbeln. Wir bauen Beziehungen zu unseren Partner:innen auf und werden manchmal sogar Freund:innen. Nächste Woche fahre ich beispielsweise nach Krakau, um unsere Partnerin für Massivholz zu besuchen.

Auch die Herkunft der Materialien ist wichtig. Das Holz für unsere Massivholzmöbel wird lokal in Polen bezogen und verarbeitet, während die Stoffe für unsere Polstermöbel aus Italien kommen. Uns ist wichtig, dass innerhalb Europas produziert wird und die Menschen fair für ihre Arbeit bezahlt werden.

Wie entstehen die Designs bei ÉTAUDORÉ?

Es ist eine Mischung. Manche Stücke kommen direkt von unseren Handwerker:innen und werden Teil der Kollektion. Andere Designs entwickeln wir selbst und lassen sie anschließend von unseren Partner:innen produzieren. Wir haben beispielsweise eigene Esstische, einen Couchtisch und sogar einen Tisch für Brett- und Kartenspiele entwickelt. Bei einigen Projekten arbeiten wir außerdem mit anderen Designer:innen oder Interior Creatives zusammen.

Das Spannende ist, dass sich aus einer individuellen Idee manchmal ein Produkt für die Kollektion entwickelt. Ein gutes Beispiel ist unser organisch geformter Esstisch mit passender Bank, den wir gemeinsam mit der in der Schweiz ansässigen Interior Creatorin Raquel von @ourwabisabihome entwickelt haben. Irgendwann haben wir gemerkt, dass die Stücke so interessant sind, dass sie auch für andere Menschen funktionieren könnten. So wird aus einem individuellen Projekt ein reguläres Produkt, das weiterhin auf Bestellung gefertigt wird.

Du beschreibst deinen Stil als klar, ausgewogen und zurückhaltend. Was macht ein Möbelstück für dich zeitlos?

Für mich beginnt Zeitlosigkeit mit Qualität. Ein Möbelstück muss langlebig sein. Massivholz und Stahl bringen diese Eigenschaften ganz natürlich mit. Auch unsere Stoffe sind beispielsweise pflegeleicht, sodass sie viele Jahre halten können, selbst wenn einmal Kaffee oder Wein darauf verschüttet wird.

Beim Design ist es etwas komplizierter, weil sich Geschmäcker verändern. Deshalb sind wir grundsätzlich nicht gegen Trends. Organische und runde Formen sind momentan sehr beliebt, und auch in unserer Kollektion gibt es mehrere Stücke mit solchen Formen. Aber ich glaube, es geht immer um Balance. Wenn ein gesamtes Zuhause ausschließlich aus organischen Formen besteht, kann es irgendwann weniger zeitlos wirken. Kombiniert man sie mit älteren Möbeln oder klaren, kantigen Formen, können sie dagegen sehr lange funktionieren.

Viele der Möbel stehen auch in deiner eigenen Wohnung. Wie wichtig ist es für dich, die Stücke selbst im Alltag zu erleben?

Sehr wichtig. Für mich bedeutet das, dass die Möbel nicht einfach Produkte aus einem Online-Katalog sind. Wir leben tatsächlich mit den Stücken und können erleben, wie sie sich im Alltag bewähren. Wie einfach sind sie zu reinigen? Wie verändern sie sich durch die Nutzung? Wie fühlen sie sich im täglichen Gebrauch an?

Ich finde es wichtig, ein Möbelstück nicht nur auf einem Foto zu sehen, sondern es tatsächlich zu erleben. So können wir es später auch mit viel mehr Überzeugung anderen Menschen empfehlen.

Deine Wohnung in Thalwil ist gleichzeitig dein Showroom. Wie kam es dazu?

Etwa ein Jahr nach der Gründung von ÉTAUDORÉ zog ich in eine neue Wohnung. Sie war komplett leer und bot mir damit die perfekte Gelegenheit, wieder ganz von vorne anzufangen.

Der große Wohn- und Essbereich befindet sich im Erdgeschoss. Ich habe die Erlaubnis der Eigentümerin bekommen, dort das Unternehmen anzumelden und nach Terminvereinbarung Kund:innen und Interior Designer:innen zu empfangen.

Für mich ist es eine Mischung aus Zuhause und Showroom. Eigentlich würde ich sagen: Wir laden Menschen in unser Zuhause ein. Wir leben hier ganz normal. Meine Katzen schlafen beispielsweise auf dem Daybed hinter mir. Wir behandeln die Möbel also nicht so, als dürften sie eigentlich nicht benutzt werden.

Und genau das finde ich spannend: Besucher:innen sehen, wie die Möbel tatsächlich im Alltag genutzt werden. Nicht nur, wie sie in einem perfekt inszenierten Showroom aussehen.

Du sagst, dass ein Möbelstück auch Bedeutung haben sollte. Was bedeutet das für dich?

Wenn wir ein neues Stück entwerfen, denken wir nicht nur über seine Funktion nach. Wir überlegen auch, wer später damit leben wird. Bei unserem organisch geformten Esstisch haben wir beispielsweise daran gedacht, wie eine Familie daran zusammensitzt. Wo werden die Kinder sitzen? Wie verändert sich die Dynamik am Tisch, wenn sie älter werden?

Bei einem aktuellen Projekt entwickeln wir einen Tisch mit einer Bank und einem maßgefertigten Sitzkissen. Die Kund:innen haben uns erzählt, dass sie die Bank nicht nur am Tisch nutzen möchten. Sie wollen auch mit dem Rücken zum Tisch darauf sitzen und aus dem Fenster schauen können.

Ich finde solche Dinge schön. Man denkt nicht nur darüber nach, wie ein Möbelstück aussieht, sondern auch darüber, wie Menschen tatsächlich damit leben werden. Vielleicht ist das auch der Unterschied zur anonymen Massenproduktion: Wir wissen, für wen wir etwas entwerfen.

Gibt es ein Möbelstück aus eurer Kollektion, zu dem du eine besonders persönliche Verbindung hast?

Als Erstes fällt mir ein neues Stück ein, das ich komplett selbst entworfen habe. Es ist ein kleiner, asymmetrischer Tisch, der hinter dem Sofa steht. Die Idee dahinter war ganz einfach: Man sitzt auf dem Sofa, ist in eine Decke eingekuschelt und möchte nicht bis zum Couchtisch greifen. Also gibt es hinter einem eine kleine Ablagefläche, auf die man sein Glas oder seinen Teller stellen kann.

Die Form hatte ich komplett im Kopf. Sie ist asymmetrisch und folgt den Linien des Sofas. Auch die Holzflächen haben eine besondere Blattform, die wir beispielsweise auf unseren Visitenkarten verwenden.

Das Stück ist offiziell noch nicht Teil der Kollektion und braucht auch noch einen Namen. Aber meine Familie liebt es bereits. Meine Tochter und mein Partner nutzen es, wenn sie auf dem Sofa liegen, und unsere Katzen haben es als Schlafplatz entdeckt.

Du entwickelst auch viele Stücke gemeinsam mit Kund:innen oder anderen Designer:innen. Wie entstehen diese Kooperationen?

Oft ganz zufällig. Noemi Gwalter Rubino hat uns beispielsweise über Instagram entdeckt. Sie schrieb mir, dass sie einen Tisch im Kopf hatte, den sie nirgendwo finden konnte. Wir haben dann gemeinsam die Details ausgearbeitet, unter anderem die Position der Tischbeine. Ein paar Monate später war der Tisch fertig und wurde schließlich Teil unserer Kollektion.

Ähnlich war es mit Raquel. Wir haben uns zunächst über Instagram kennengelernt und die Arbeit der jeweils anderen verfolgt. Irgendwann schrieb sie mir, dass es ihr Traum sei, einen Tisch von Grund auf selbst zu entwerfen. Ich habe einfach gesagt: Wenn du das machen möchtest, melde dich. Und irgendwann hat sie es getan.

Ich liebe diese persönlichen Verbindungen. Oft entsteht ein neues Möbelstück aus einem ganz konkreten Bedürfnis: Jemand sucht etwas, findet es nicht und entwickelt es dann gemeinsam mit uns.

Ich arbeite außerdem viel mit Frauen und von Frauen geführten Unternehmen. Mein anderer Beruf im AI Product Management und in der Finanzbranche ist stark männerdominiert. Deshalb genieße ich diese andere Form der Zusammenarbeit besonders.

Du hast auch mit Analia von Spaces for Life Interiors zusammengearbeitet. Wie ist der Lianna Side Table entstanden?

Analia ist Interior Designerin und hat bei vielen ihrer Projekte einen bestimmten Tisch vermisst: einen vielseitigen Beistelltisch, der höher als ein Couchtisch ist und sich sowohl für die Arbeit am Laptop als auch für eine Kaffeepause eignet.

Sie hatte eine klare Vorstellung davon, was sie suchte, konnte aber auf dem Markt nichts finden, das ihren Anforderungen wirklich entsprach. Anstatt Kompromisse einzugehen, beschlossen wir deshalb, den Tisch gemeinsam zu entwerfen. So entstand der Lianna Side Table.

Ich mag solche Kooperationen sehr, bei denen aus einem ganz konkreten Bedürfnis ein neues Möbelstück entsteht. Den Lianna Side Table werde ich bei der BLICKFANG Zürich in verschiedenen Massivholzvarianten zeigen. So können Besucher:innen sehen, wie das Design mit unterschiedlichen Holzoberflächen wirkt.

Was können Besucher:innen neben dem Lianna Side Table bei der BLICKFANG Zürich erwarten?

Wir haben einen Eckstand und möchten daraus ein kleines Wohnzimmer machen. Es wird einen Teppich, einen kleinen Esstisch, ein kleines Sofa, Esszimmerstühle und Bilder an den Wänden geben. Die Idee ist, dass die Besucher:innen nicht einfach einzelne Möbelstücke sehen, sondern ein Gefühl dafür bekommen, wie es wäre, mit ihnen zu leben.

Wir arbeiten sogar an einigen Stücken, die speziell für die BLICKFANG entstehen. Der Esstisch wird kleiner als unsere Standardversion, aber ausziehbar sein, sodass wir auch den Mechanismus zeigen können. Außerdem wird es ein kleines Sofa geben, das eigens für die Messe gefertigt wird. Es ist unsere erste BLICKFANG, deshalb bin ich natürlich ein bisschen nervös. Aber vor allem freue ich mich darauf zu sehen, wie alles zusammenkommt.

Wer Anna kennenlernen und ihr kleines Wohnzimmer live erleben möchte, hat bei der BLICKFANG Zürich vom 20. bis 22. November 2026 im Kongresshaus die Gelegenheit. Hier geht’s zum Ticketshop.

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