Atelierbesuch bei Elfe11 & Fink und Star

Zwei Label, ein Laden. Seit über einem Jahrzehnt teilen sich die Modelabels ‚Fink und Star‘ und ‚ELFE11‘ einen Laden im Herzen Zürichs. Kennengelernt haben sie sich auf der BLICKFANG Zürich.

Nina Lehmann von ‚Fink & Star‘ ist eine erfahrene Schneiderin und international anerkannte Designerin.
Kathrin Wegmann, Gründerin und Inhaberin von ‚ELFE11‘ hat ihren ganz eigenen Weg zur Mode gefunden.

Ein Besuch im Atelier bietet nicht nur Einblicke in nachhaltige Mode, sondern zeigt auch die kreative Arbeitsweise der Labels. Mit ihrer Hingabe zur Qualität und der Förderung fairer Arbeitsbedingungen setzen sie ein wegweisendes Zeichen für eine verantwortungsvolle Modebranche. 

ELFE11

Kathrin von ‚ELFE11‘ legt grossen Wert auf faire Produktionsbedingungen in Ungarn und der Schweiz. Die Kollektion zeichnet sich durch hochwertige Stoffe von Designern wie Armani und Dior sowie GOTS-zertifizierte, Bio- und Recyclingmaterialien aus. Kathrins persönliche Bedürfnisse und ihre Leidenschaft für Tanz spiegeln sich in den facettenreichen Schnitten wider: „Meine Kleider sind vielseitig tragbar und passen sich verschiedenen Figurtypen an, zum Beispiel dank Knöpfen an den Hosenbeinen. Da ich selbst sehr gerne tanze, ist mir ein angenehmes Körpergefühl besonders wichtig.“ 

ELFE11 zeigt jährlich Bestseller in neuen Stoffen und Farben. Die Erfolgsgeschichte startete 2003 mit einem innovativen Reissverschluss-Pullover, der sich in einen Jupe und einen Rucksack verwandeln liess. Seitdem etablierte sich die Marke mit einem eigenen Laden und zwei Kollektionen pro Jahr. 

Der Stil von ELFE11 zeichnet sich durch die Kombination unaufdringlicher Raffinesse und Lockerheit aus.
Die Stoffe für die Designs stammen grösstenteils aus Restposten bekannter Designer.
Ergänzende Materialien Stoffe sind GOTS-zertifiziert, aus Biobaumwolle oder Recyclingmaterialien.

Kathrin, kannst du uns ein wenig über deinen Werdegang erzählen und wie du Designerin geworden bist?  

Mein Werdegang ist ziemlich unkonventionell. Ich habe immer Kleider für mich selbst genäht, weil ich einfach nicht das fand, das ich wollte. (…) Zu Beginn arbeitete ich gemeinsam mit meiner Zwillingschwester, die ebenfalls nähte. So entstand auch unser Label, repräsentiert durch zwei Einsen, die Rücken an Rücken stehen. Uns wurde geraten, professionell mit einer speziellen Maschine zu nähen. Also begab ich mich in eine professionelle Werkstatt. Dort sah jemand meinen Pullover und schlug vor, ihn in ihrem neu eröffneten Laden zu verkaufen und ihn in Paris produzieren zu lassen. Ich bin natürlich mitgekommen. Und so nahm das dann seinen Lauf.

(…)Nach meiner Ausbildung zur Primallehrerin wollte ich nicht direkt als Lehrerin arbeiten und begann stattdessen als Freelancerin in der Textilwerkstatt. Obwohl eigentlich eine Schneiderin erforderlich war, richtete meine Kollegin für mich eine Praktikumsstelle ein. Ich setzte mir klare Ziele und erstellte einen Lehrplan, um mein technisches Niveau als Schneiderin zu verbessern. (…) Schliesslich holte ich mir ein Atelier und erhielt bei einer Laufbahnberatung ermutigende Worte, die mir den Mut gaben, einen eigenen Laden zu eröffnen. Eines Morgens wurde dann neben meinem Atelier diese Ladenfläche frei, wir haben uns beworben und den Laden bekommen. Da ich wenig Geld hatte, teilte ich den Laden von Anfang an mit jemand anderem und fertigte alles selbst an, von den Stangen bis zur Theke. Mit der Zeit wagte ich mich an immer mehr Stücke heran, insbesondere an Hosen. (…)

…und dein Weg zur BLICKFANG?

Ich habe mich bei der BLICKFANG Wien beworben und wurde genommen. (…) Ich war sehr happy, wie es gelaufen ist und seither bin ich regelmässig bei der BLICKFANG Zürich, Wien, Stuttgart und Basel. Es sind jetzt schon über 40-mal. Die Teilnahme an Messen wurde zu einer festen Einnahmequelle. Gleichzeitig sieht man auch so viele Typen von Figuren und Frauen – das inspiriert mich. Auf der BLICKFANG lernte ich auch Nina von Fink und Star kennen und lud sie in meinen Laden ein. Seitdem ist sie seit 12 Jahren hier, und ich selbst seit 18 Jahren.

Wodurch lässt du dich inspirieren? 

Meistens kommt mir eine Idee, wenn ich mit dem Zug oder der Tram fahre. Aber auch Lebensgefühle inspirieren mich. Wenn ich an einem Ort bin, der mir besonders gefällt, dann denke ich “Oh, jetzt hätte ich besonders gerne sowas an”. Ich gehe eigentlich immer von meinen Bedürfnissen aus – brauche ich beispielsweise ein neues T-Shirt, integriere ich es in meine Kollektion. (…) Ausserdem tanze ich sehr gerne, womit das Körpergefühl eine entscheidende Rolle für mich spielt. Es ist eben wichtig, dass die Kleidung angenehm zu tragen ist und der Schnitt bequem sitzt. Kund:innen bestätigen oft, dass sie den Unterschied spüren, wenn sie unsere Kleidungsstücke tragen.

Fink und Star

Das Label ‚Fink und Star‘ steht für faire und nachhaltige Mode, die mit Liebe in der Schweiz und Ungarn gefertigt wird. Nina Lehmann legt grossen Wert auf lokale Fertigung und stellt eine absolut transparente Produktionskette sicher. Hier entstehen nicht nur die Entwürfe der einzelnen Modelle, sondern auch ein Teil der Kollektion. Kleinserien werden in ausgewählten Produktionsstätten in der Schweiz und Ungarn hergestellt. „Fink und Star wird in limitierten Auflagen produziert, um Überproduktionen zu vermeiden. Slow Fashion setzt auf Qualität, hochwertige Rohstoffe werden unter umweltfreundlichen Verfahren zu Kleidung verarbeitet, die lange getragen werden kann“, sagt die Designerin. Sie ist sich sicher: „Nachhaltige Mode wird immer mehr in den Fokus rücken.“ 

Die HW 23/24-Kollektion ‚Schattenwurf‘: Inspiriert von den Licht- & Schattenspielen im Herbst. 
Bequeme, alltagstaugliche Kleidung, die sich unterschiedlich tragen und kombinieren lässt.
Perfekte Schnitte und nachhaltige Materialien sind für Fink und Star selbstverständlich.

Nina, wie bist du Designerin geworden?  

Schon in der Schule war mein Lieblingsfach das textile Werken, weshalb ich nach der Schulzeit eine dreijährige Ausbildung als Damenschneiderin gemacht habe. Nach dieser Lehre wurde mir klar, dass ich nicht nur als Schneiderin arbeiten möchte. Daher zog es mich nach Zürich, wo ich die Modedesign-Schule besuchte. Im Anschluss absolvierte ich Praktika bei verschiedenen Designer:innen im In- und Ausland, darunter Kleinbasel in Basel sowie in Amsterdam und New York. Danach kehrte ich zurück und gründete gemeinsam mit einer anderen Kollegin mein eigenes Modelabel – und so ist Fink und Star entstanden.  

Was macht dein Label aus?

Seit der Gründung des Labels hat sich der Stil etwas verändert. Der Grundgedanke vom Namen Fink und Star – sprich die Leichtigkeit, die Freiheit sich wohlzufühlen in den Kleidern – das ist immer noch der Hauptgedanke. Beim Kreieren der Stücke denke ich besonders daran, dass ich wirklich Lieblingsstücke an die Frau bringen möchte. Kleidung, die zeitlos und langlebig ist und immer wieder getragen werden kann. Das sind meine Schlagworte: Lieblingsstücke, die Freude bereiten.

Ich mache jedes halbe Jahr eine neue Kollektion, neue Kollektion heisst nicht immer neue Stücke, sondern es gibt Teile, die ich immer wieder mit einfliessen lasse. Bei diesen Teilen gibt es dann verschiedene Kombinationen oder Variationen. Das heisst, dass man diese Bluse wirklich auch verschieden tragen kann – zum Beispiel in die Hose hereingesteckt, offen als Jacke oder auch zugeknüpft. Das ist der Grundgedanke dabei.

Wie entstehen die Kleidungsstücke deiner Kollektionen?

Ich beginne immer mit einem Prototyp und dem Schnittmuster. Ich mache immer noch alles von Hand und habe es nicht digitalisiert. Im Atelier nähe ich dann meine Prototypen und produziere hier auch eine kleine Serie. Sonst lasse ich in Thun und in Ungarn, hier in Europa, produzieren. Es ist mir sehr wichtig den direkten Kontakt mit den Produzenten zu haben. Deshalb habe ich auch Modellblätter, wo ich dann die Skizzen mache und die Anzahl notiere. Diese sende dann zur Produktion.

ELFE11 | Fink und Star

ELFE11 auf Instagram | Fink und Star auf Instagram

Zentralstrasse 52

8003 Zürich

Verbindung zur Natur, Kultur und Handwerkskunst

Sacha Klemm aus Luzern hat mit seinem Label nodis eine einzigartige Verbindung aus traditionellem Handwerk und moderner Technologie geschaffen. Die zeitgemässen Massivholzmöbel werden ohne den Einsatz von Schrauben oder Beschlägen gefertigt, stattdessen setzen sie auf die bewährte Methode des einfachen Fügens und Steckens. Dabei kommt nur so viel Holz zum Einsatz, wie wirklich benötigt wird.

Klemm, der sowohl Innenarchitekt als auch Produktdesigner ist, strebt mit seinen Objekten danach, in unserer hektischen, digital dominierten Welt einen Gegenpol zu setzen. Seine Möbel schaffen eine Verbindung zum traditionellen Handwerk, zur lokalen Schweizer Produktion und zur greifbaren Wertigkeit. In seiner Arbeit entstehen individuelle Möbelstücke für jedes Projekt, begleitet von eigens entworfenen Wandbemalungen, Tapeten und speziellen Beschlägen.

Das Label nodis steht für ein architektonisches Möbelsystem, das auf handwerklich gefertigten Holzverbindungen basiert – höchst stabil und von zeitloser Ästhetik. Es ist eine harmonische Verbindung aus althergebrachten Fertigungstechniken im zeitgenössischen Kontext. Die Möbel zeichnen sich durch ihre reine Holzstruktur aus, ohne den Einsatz von komplizierten Befestigungselementen. In dieser Einfachheit liegt ihre besondere Faszination.

Die Kraft der Einfachheit

In einer schnelllebigen, digitalen Ära, ist es Klemm ein Herzensanliegen, die Bedeutung der Einfachheit hervorzuheben. Seine Möbel sind bewusst schlicht und setzen einen Kontrapunkt zur technologischen Überfrachtung. Es handelt sich um nahe liegende, zugängliche Möbel, die bewusst auf Extravaganzen verzichten. Dieser Ansatz schafft eine tiefere Verbindung zum traditionellen Handwerk und zu den Materialien aus der Schweiz, die allesamt regional gefertigt werden. Qualitäten, die in der heutigen Gesellschaft von unschätzbarem Wert sind.

Die Produkte von nodis finden ihre ideale Bestimmung bei Menschen, die Freude an Design, Handwerkskunst, Gestaltung, Kultur, Einfachheit und Minimalismus haben. Sie sind eine Ode an die Schönheit des Reduzierten und laden dazu ein, eine persönliche Identifikation mit den Möbeln zu finden. Sacha Klemm und sein Label nodis setzen somit nicht nur auf zeitloses Design, sondern auch auf eine zeitlose Botschaft: Die Kraft der Einfachheit.

Sacha Klemm – Von der Schreiner-Ausbildung zur Innenarchitektur, geprägt von der Leidenschaft für Handwerk, Design und Kunst.

Kreative Vielfalt mit minimalem Materialeinsatz: Natürliche Holzverbindungen in reinem Massivholz.
Nach alter Tradition gefügt und gesteckt – ganz ohne Schrauben oder Beschläge.
Die Möbelsysteme von nodis – zeitlos, nachhaltig, regional.

Was waren deine ersten Gedanken, als du erfahren hast, dass du den Future Forward Preis gewonnen hast? 

Mein erster Gedanke, als ich erfahren habe, dass ich gewonnen habe, war: „Voll geil!“. Ich freue mich sehr darüber, dass ich bei der BLICKFANG dabei sein darf und die Möglichkeit habe, meine Produkte zu präsentieren. Für mich bedeutet das eine unglaubliche Chance, mich selbst und meine Produkte einem breiteren Publikum vorzustellen und mit interessanten Kontakten aus der Branche in Kontakt treten zu dürfen.  

Warum ist eine Plattform wie die BLICKFANG für dich wichtig? 

Die BLICKFANG Zürich ist für mich aus mehreren Gründen wichtig, einerseits kann ich mich einem breiteren Publikum präsentieren – sowohl als Firma Sacha Klemm als auch mit meinem Produkt nodis. Aber auch der Austausch mit Persönlichkeiten aus der Branche ist in meinen Augen sehr wichtig.  

Was braucht die unabhängige Designszene? 

In meinen Augen ist es jedoch unglaublich wichtig, dass ein Austausch stattfinden kann. Ein Austausch zwischen einer Käuferschaft, aber auch zwischen Fachpersonen – seien es Designer:innen, Hersteller:innen, Schulen oder Student:innen. Ich glaube es ist unglaublich wichtig, dass Plattformen existieren, die einen Austausch gewährleisten und kultivieren können. Aus diesem Grund freue ich mich immer auf Messen, sei es Mailand, Paris oder eben auch die BLICKFANG.   

Meisterhaft gefügte Holzverbindungen für stabile Eleganz.
Die Natur als Quelle der Inspiration – natürliche Materialien.
Nodi Pavillon im Skulpturenpark Ennetbürgen – Holzkonstruktion trifft auf japanische Baukunst.

Besuche die BLICKFANG Designmesse in Zürich und entdecke die zeitgemässen Produkte von Sacha Klemm. Hier hast du die Möglichkeit, direkt vor Ort mit den Macher:innen zu sprechen und die Produkte in inspirierender Atmosphäre zu erleben. Sei dabei und lerne die Future Forward Gewinner:innen persönlich kennen.

17. – 19. November BLICKFANG Zürich im Kongresshaus.

Jetzt dein Ticket für BLICKFANG Zürich vom 17. – 19. November sichern

FÜR ECHTE GEWINNERTYPEN

AUF JEDER BLICKFANG WIRD DER DESIGNPREIS IN DEN KATEGORIEN „MÖBEL & PRODUKTDESIGN“ SOWIE „MODE & SCHMUCK“ VERLIEHEN.

Der Designpreis ist auch dieses Jahr wieder ein Highlight im Programm der BLICKFANG Zürich: Die besten gestalterischen Produkte und Konzepte werden unter Berücksichtigung einer besonders ansprechenden Präsentation ausgezeichnet. Für die Auswahl in den beiden Kategorien Möbel und Produktdesign sowie Mode und Schmuck ist eine hochkarätige Fachjury verantwortlich. Der Designpreis wird von der D.E.S.I.G.N. Foundation gefördert.


JURYMITGLIED Jürgen Laub I Diplom Designer

   

Jürgen Laub ist einer der zwei Partner von jehs+laub in Stuttgart. Die Projekte des Designduos finden sich hauptsächlich im Bereich Möbel- und Produktdesign wieder. Sie entwerfen zahlreiche Produkte für Unternehmen wie Brunner, Cassina, Cor, Fritz Hansen, HermanMiller, Knoll, Nemo, Stelton oder Wilkhahn. Jürgen Laub arbeitet mit Markus Jehs seit 30 Jahren zusammen und sie erhielten im Laufe der Zeit diverse Designpreise für ihre Projekte.

1. Was macht für dich gutes Design aus?
Für mich ist Design gut, wenn die Ästhetik, die Funktion, das Material und die Technologie in einem überzeugenden Zusammenhang gebracht wird. Am besten stellt man sich immer die Frage, ob man etwas davon weglassen könnte oder ob etwas hinzugefügt sollte. Wenn nicht, dann ist es gut so.

2. Welches Designstück hat dich in letzter Zeit begeistert und warum? 
Ich habe mir vor ein paar Monaten den ‚beosound A5‘ von Bang & Olufsen gegönnt. Mir gefällt das Zusammenspiel von Handwerk und industriellem Know-how. Auch das Design von GamFratesi hat mich sehr überzeugt. Das erste Mal habe ich das Gefühl ich habe einen Einrichtungsgegenstand und keinen Lautsprecher gekauft.

3. a) Wohin wird sich in deinen Augen Möbel-Design in Zukunft entwickeln?
In naher Zukunft werden wir wohl weiterhin den ‚warmen Minimalismus‘ sehen. Schöne Hölzer, aufwändige Lacke, Naturmaterialien, Handwerkskunst. Wenn man etwas weiter in die Zukunft blickt, werden wir dann wohl wieder an einer kühleren Welt interessiert sein. Dann kommen wieder mehr Metalle, Fliesen und umbunte Lacke ins Spiel. Am Ende unterliegt der Zeitgeist doch der Mode und nicht nur die Mode dem Zeitgeist.

 b) Wohin wird sich in deinen Augen Mode-Design in Zukunft entwickeln?
An der Mode wird am meisten konsumiert. Deshalb ist es wichtig und unabdingbar, dass die Mode umweltfreundlicher wird. Das wird sich in den Materialien, in der Herstellung, aber auch im Vertrieb durchsetzen. Es wird Designer, Hersteller, Läden und Konsumenten beeinflussen – hoffentlich in eine interessante neue Richtung.

4. Die BLICKFANG in Zürich ist wichtig, weil…
es dort viele interessante kleine Hersteller gibt, die designorientiert arbeiten und produzieren. Gleichzeitig gibt es auch viele Interessenten, die diese Qualität schätzen und kaufen. Das schätze ich sehr an den Schweizern.

5. Welchen guten Rat würdest du jungen Designer:innen mit auf den Weg geben?
Gute Ideen setzen sich durch. Der Markt ist gesättigt, aber es gibt immer noch viel Raum für gute neue Ideen. Findet die Lücke!

Jurymitglied Stephanie Witschi I  Direktorin STF Schweizerische Textilfachschule 

 Stephanie Witschi ist seit Herbst 2023 die neue Direktorin der STF Schweizerischen Textilfachschule. Die STF ist das führende Kompetenzzentrum in der Textil-, Design-, Fashion- und Lifestylebranche in der Schweiz seit 1881. Die Schule steht für eine nachhaltige Bildungskompetenz rund um den gesamten Lebenszyklus von Textil-, Design-, Fashion- und Lifestyleprodukten und bietet zahlreiche Aus- und Weiterbildungen an, von der Grundbildung bis hin zum Master-Abschluss. Davor war Stephanie Witschi an der ZHdK Zürcher Hochschule der Künste für den Fachbereich Theater zuständig. 

 1. Was macht für dich gutes Design aus?

Ein Gedanke, ein Produkt, ein Prozess zeichnet sich durch gutes Design aus, wenn es (m)ein Problem löst, dabei hinter der Lösung zurücksteht und trotzdem präsent ist. Gutes Design macht, dass ich das Problem ein bisschen gern bekommen, weil ich sonst ja das „gute Ding“ nicht benutzen dürfte. 

2. Welches Designstück hat dich in letzter Zeit begeistert und warum?

Meine Visitenkarten der STF, darauf ist vermerkt: „hergestellt aus alten T-Shirts“. Die STF steht für Aus- und Weiterbildung in Textiltechnik, Fashion, Management und Design. Da passen Message und Material perfekt! 

 3.  Wohin wird sich in deinen Augen Mode-Design in Zukunft entwickeln? 

 Die Zukunft des Mode-Designs verspricht aufregende Möglichkeiten, darunter die verstärkte Verschmelzung von Technologie und Ästhetik mit fortschrittlichen Materialien und smarten Textilien. Nachhaltigkeit wird weiterhin zentral sein, mit Designern, die recycelte Materialien und ökologische Produktionsprozesse nutzen, um den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Individualisierung gewinnt noch mehr an Bedeutung dank Technologien wie 3D-Druck und personalisierter Mode, die einzigartige Stile ermöglicht. Die STF setzt in ihrer Ausbildung auf diese Themen, um die nächste Generation von Fachkräften für die textile Zukunft vorzubereiten. 

4. Die BLICKFANG in Zürich ist wichtig, weil…

kompakt ein Überblick über aktuelles Schaffen und Denken gegeben wird. Etablierte und neue Namen der Designwelt können sich und ihr Wirken zur Diskussion stellen. Als Besucher:in kann ich mich in der Vorweihnachtszeit dem Sinnesrausch auf hohem Niveau hingeben. 

5. Welchen guten Rat würdest du jungen Designer:innen mit auf den Weg geben?

Eure Visionen gestalten die Welt von morgen. Kombiniert Leidenschaft mit Nachhaltigkeit, lasst Tradition und Moderne verschmelzen, denkt gross. Euer Potenzial ist grenzenlos. Seid dabei mutig, bleibt neugierig und vergesst nie, eure einzigartige Stimme in eure Kreationen einzubringen. Eine gute, praxisnahe Ausbildung sowie ein starkes Netzwerk sind dabei eine unbezahlbare Basis, auf die ihr bauen könnt. 

Jurymitglied Roland Merz I Chefredakteur Atrium & Das ideale Heim, dipl. Architekt ETH

In Luzern geboren (*1967) hat der Genussmensch an der ETH Zürich Architektur studiert. Nach seinem Abschluss begab er sich auf künstlerische Spurensuche, frönte weiterhin seinem geliebten Sport Handball und ging einem befreundeten Schreiner tatkräftig zur Hand. Im Jahr 2000 folgte er dem Ruf eines Studienkollegen und prägte während zehn Jahren still und fleissig «Das Ideale Heim» und «Atrium» mit. Um weitere Erfahrungen zu sammeln, begab er sich auf Wanderschaft und stand u.a. der Schweizer Architekturzeitschrift «Modulør» vor. Seit Februar 2018 ist er zurück an alter Wirkungsstätte und führt die Wohn- und Architekturzeitschrift «Atrium» in Deutschland und Österreich als Chefredakteur in die Zukunft. Und ab dem neuen Jahr wird er in enger Zusammenarbeit mit Anita Simeon-Lutz «Das Ideale Heim» als Co-Chefredakteure verantworten.

1. Was macht für dich gutes Design aus?
Gutes Design ist für mich ehrlich, langlebig, es darf unaufdringlich und selbstverständlich seinen Zweck erfüllen, es soll doch bitte auch nachhaltig und innovativ sein – und wenn es in einem zweiten Schritt auch eine schöne Geschichte erzählt, bin ich glücklich.

2. Welches Designstück hat dich in letzter Zeit begeistert und warum? 
Ich habe auf einer Designreise nach Venedig, eine Glasbläserei besuchen dürfen. Die Stimmung, die in den archaischen Räumlichkeiten herrschte, hat mich umgehend eingenommen. Wie die einzelnen Glasbläser mit einer ureigenen Selbstverständlichkeit und von ihrer Erfahrung getrieben das flüssige Material bearbeitet haben und am Ende kleine sowie grosse Glasobjekte von der Leuchtenmanufaktur Lodes hervorzauberten, war für mich Magie.

3. Wohin wird sich in deinen Augen Möbel-Design in Zukunft entwickeln?
Am Thema Nachhaltigkeit führt auch im Möbeldesign kein Weg vorbei. Für mich müssen soziale, ökologische und ökonomische Aspekte miteinander verknüpft werden. Regionalität und gelebtes Handwerk sind dabei selbstverständlich. Am Ende sollen Objekte stehen, die eine authentische Designgeschichte erzählen sollen.

4. Die BLICKFANG in Zürich ist wichtig, weil…
… sie jungen Designer:innen eine Plattform bietet. Die Blickfang ist für die Gestalter:innen eine Chance, sich und ihre Produkte auf einer Bühne, einem designaffinen Publikum präsentieren zu können. Und weiter ist die Blickfang für mich ein Ort der Begegnung, wo sich Menschen treffen, plaudern und Kontakte knüpfen. Aus unerwarteten Begegnungen entstehen wichtige neue Impulse für das Leben.

5. Welchen guten Rat würdest du jungen Designer:innen mit auf den Weg geben?
Bitte verliert nie eure Neugier, geht stets mit offenen Augen und Ohren durch die Welt und bleibt in eurem Tun euch selber treu. Und manchmal tut es gut, einen Schritt zurückzumachen, auszuatmen, um den Blick auf das eigene Wirken zu schärfen.

Jurymitglied Anna Berg I Einrichtungsberaterin und Geschäftsleiterin holm°                                                                                

MSc in Betriebswirtschaft. 1995 aus Schweden in die Schweiz eingewandert. Nach Stationen in der Strategieentwicklung in der Finanzbranche und im Branding seit 2005 Geschäftsleiterin bei Holm AG. Verheiratet und Mutter von zwei Kindern.

1. Was macht für dich gutes Design aus?

„Gutes“ Design soll für den gewünschten Zweck funktionieren, sozial und umweltverträglich produziert sein und eine qualitativ gute Konstruktion haben. Zudem ist es für uns „modernen Menschen“ sehr wichtig, dass ein Objekt die Neugier des Auges kontinuierlich weckt. Oder wie es Sven Lundh, der Gründer der schwedischen Hersteller Källemo so treffend ausgedrückt hat: „Ein Objekt soll dem Verschleiss des Auges standhalten!“

Wenn diese Aspekte in einem Designstück miteinander verschmelzen, bleibt das Design über lange Zeit hinweg relevant, bereitet uns täglich Freude und wird deshalb über einen langen Zeitraum hinweg geschätzt. Es bietet eine Leistung, die unabhängig von aktuellen Trends bestehen bleibt.

2. Welches Designstück hat dich in letzter Zeit begeistert und warum?

Letzthin war es für mich eine erfreuliche Wiederentdeckung: die Wiedereinführung eines zurückhaltend stilvolles Design aus den 50er Jahren: die immer noch relevante Regalserie BM29 von Børge Mogensen.

3. Wohin wird sich in deinen Augen Möbel-Design in Zukunft entwickeln?

Ich glaube, dass im Bereich des Möbeldesigns in Zukunft weniger der Fokus auf funktionale oder ästhetische Alternativen liegen wird, sondern vielmehr auf Design-Lösungen, die sämtliche Aspekte des ökologischen Fussabdrucks eines Produktes umfassend berücksichtigen.

4. Die BLICKFANG in Zürich ist wichtig, weil…

…es etwas bietet was sonst sehr rar geworden ist: ein riesiges Angebot an Handwerk zwischen Kleinstserien und Serienproduktion live und zudem mit der Designerin oder dem Designer als Ansprechpartner:in zu erleben.

5. Welchen guten Rat würdest du jungen Designer:innen mit auf den Weg geben?

Wenn wir gerade beim Thema Blickfang bleiben möchten: Jede Gelegenheit nutzen, um ihre Produkte und Entwürfe einem breiten Publikum vorzustellen, um herauszufinden, wie sie ankommen und um Ideen zur Weiterentwicklung in Gesprächen mit anderen zu sammeln. Und dann schaden Durchhaltewillen und an „sich selber glauben“ nicht…

Auch dieses Mal werden wir dank unserer Medienpartner auf der BLICKFANG zahlreiche interessante Magazine kostenlos bereitstellen, die Auswahl deckt sämtliche Bereiche in den Kategorien Wohnen, Mode und Lifestyle ab. Bediene dich in unserem Mediencenter und nehme deine Lieblingsmagazine kostenlos mit nach Hause.

annabelle

Artmapp

Brand Eins

Falstaff Living

fogs

Ideales Heim

IT’S A PASSION THING

MANNSCHAFT

nomad

Parnass

RAUM UND WOHNEN

reportagen