Es gibt Kunst, die betrachtet man. Und es gibt Kunst, die verändert, wie sich ein Raum anfühlt.

Bei Stella Jean passiert genau das: Ihre Werke wirken zunächst zurückhaltend: minimalistisch, ruhig, fast still. Und doch verändert sich alles, sobald man länger hinsieht. Licht bricht sich in der Oberfläche, Schatten verschieben die Wahrnehmung, Strukturen beginnen zu leben. Genau dieses Spannungsfeld beschreibt sie selbst als das, was viele Betrachter später als „lebendige Ruhe“ bezeichnen – ein Zustand zwischen Stille und Bewegung, den ihre Arbeiten im Raum erzeugen.

Räume statt Leinwände: Der Ursprung eines künstlerischen Ansatzes

Der Weg in die Kunst war bei Stella Jean weniger ein klassischer biografischer Plan als vielmehr eine Beobachtung, die sich über Jahre verdichtet hat. Nicht das reine Bild, sondern die Wirkung von Räumen hat sie früh beschäftigt.

„Mich hat immer mehr interessiert, wie Räume wirken – nicht nur visuell, sondern atmosphärisch“, erzählt sie. Immer wieder sei ihr aufgefallen, dass Räume zwar ästhetisch gestaltet sein können, sich aber trotzdem nicht stimmig oder ruhig anfühlen.

Aus diesem Spannungsfeld entstand ihr künstlerischer Ansatz: Kunst nicht als Dekoration, sondern als Teil eines Raumgefüges zu denken. Ihr Fundament liegt im Kunstabitur, geprägt von einem Lehrer, der sie früh bestärkte, ihren eigenen Weg konsequent zu verfolgen. Vieles entwickelte sich danach autodidaktisch weiter, getragen von einer Kontinuität, die sie bis heute beibehält. Leinwand und Staffelei wurden nie beiseitegestellt.

Zwischen Design und Kunst: Die Frage nach dem richtigen Maß

Stella Jean bewegt sich bewusst an der Schnittstelle zwischen Kunst und Design. Ihre Perspektive ist stark interior-orientiert, ihre Arbeiten entstehen im Dialog mit dem Ort, an dem sie später leben sollen. Stil ist für sie kein starres System, sondern ein offener Prozess. Entscheidend ist nicht die Wiedererkennbarkeit um ihrer selbst willen, sondern die Frage: Was braucht dieser Raum wirklich?

Diese Haltung führt zu Arbeiten, die sich nicht in den Vordergrund drängen sondern sich einfügen – fast so, als wären sie schon immer Teil des Raumes gewesen.

Viele ihrer Serien arbeiten mit emotionalen Landschaften. In „Take the Wave“ etwa geht es um das Gefühl eines Spaziergangs am Meer, nicht als Bild, sondern als Erinnerung an Bewegung, Ruhe und Weite. Die Herausforderung liegt darin, diese Eindrücke stark reduziert sichtbar zu machen. Ein Zuhause soll kein statischer Ort sein, sondern ein Zustand, ein Ruhepol, ein Ankommen.

Struktur, Licht und Material: Die Sprache ihrer Werke

Zentral in ihrer Arbeit ist die Struktur. Sie ist nicht nur Oberfläche, sondern Träger von Wirkung. In Kombination mit Licht entsteht eine Dynamik, die sich im Tagesverlauf verändert. Je nach Lichteinfall wirken die Werke flächig und ruhig oder plötzlich tief und beweglich. Genau diese Wandelbarkeit ist für viele Betrachter entscheidend, ein Werk, das sich nicht festlegt, sondern immer wieder neu gelesen werden kann.

Auch das Material spielt dabei eine zentrale Rolle. Neben Ton arbeitet Stella Jean mit natürlichen Bestandteilen wie Marmormehl oder Sand, aus denen sie eigene Strukturpasten entwickelt. Besonders Ton hat es ihr angetan.

„Ich liebe es, etwas in der Hand zu haben und daraus Tiefe zu schaffen, etwas, das dazu einlädt, berührt zu werden.“

„Flower Meadow“: Wenn Kunst Funktion bekommt

Ein Beispiel für diese Verbindung aus Ästhetik und Raumwirkung ist ihre Serie „Flower Meadow“. Der Name verweist auf eine abstrahierte Blumenwiese, ruhig, fließend, organisch. Doch die Werke gehen über das Visuelle hinaus. Sie besitzen schallisolierende und wärmedämmende Eigenschaften und verbinden damit Kunst und Funktion auf ungewöhnliche Weise. Für Stella ist das kein Gegensatz, sondern eine Erweiterung. Kunst, die nicht nur betrachtet, sondern Teil der Raumqualität wird.

Der Prozess: Zwischen Idee und Offenheit

Am Anfang steht oft eine Idee, aber selten ein festes Bild. Viel wichtiger ist der Prozess selbst.

„Ich weiß am Anfang nie genau, wie das fertige Werk aussehen wird“, sagt sie. Die Idee sei eher ein Ausgangspunkt, aus dem sich das Werk über Wochen oder Monate entwickelt.

Dieser offene Prozess ist bewusst Teil ihrer Arbeitsweise. Raum für Entwicklung ist kein Nebenprodukt, sondern Voraussetzung. Erst im Verlauf zeigt sich, wohin sich Struktur, Licht und Material tatsächlich bewegen.

Bei Auftragsarbeiten kommt eine weitere Ebene hinzu. Hier wird der Raum selbst zum Ausgangspunkt. Materialien, Lichtverhältnisse und Atmosphäre werden analysiert, teilweise vor Ort oder digital in den Raum eingebettet. Ziel ist immer dasselbe: ein Werk zu schaffen, das nicht hinzugefügt wirkt, sondern integriert.

Ein Beispiel, das besonders in Erinnerung geblieben ist, ist ein Projekt in einem Haus in St. Peter-Ording. Die unmittelbare Nähe zum Meer, die Helligkeit und die Weite des Ortes waren dort der Ausgangspunkt. Daraus entstanden sehr reduzierte, helle Arbeiten, die genau dieses Gefühl von Leichtigkeit und Küstenatmosphäre aufnehmen und in den Innenraum übertragen.

„Mir geht es darum, ein Gefühl von Zuhause aufzugreifen und es im Werk sichtbar zu machen“, beschreibt Stella ihren Ansatz. Entscheidend sei dabei nicht das Werk selbst als Objekt, sondern die Wirkung im Raum, als etwas, das sich selbstverständlich einfügt.

Atelier als Begegnungsraum

Ihr Atelier in Eppendorf ist nicht nur der Ort, an dem ihre Werke entstehen, sondern bewusst auch ein öffentlicher Raum. Durch das Schaufenster können Passant:innen bei der Arbeit zusehen, ein Aspekt, der anfangs ungewohnt war.

„Am Anfang war es schwierig, im Flow zu bleiben“, erinnert sie sich. Die Beobachtung von außen verlangte eine neue Form der Konzentration.

Mit der Zeit hat sich daraus jedoch etwas anderes entwickelt: ein Ort der Begegnung. Menschen bleiben stehen, treten ein, stellen Fragen, kommen ins Gespräch. Für Stella Jean ist genau diese Nähe inzwischen ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit.

Workshops: Kreativität ohne Perfektionsdruck

Neben ihrer künstlerischen Arbeit gibt sie regelmäßig Workshops, in denen sie ihre Technik der abstrakten Spachtelarbeit vermittelt. Im Mittelpunkt steht dabei nicht das Ergebnis, sondern der Umgang mit Material und Struktur.

Die Teilnehmenden kommen aus sehr unterschiedlichen Kontexten – Freundesgruppen, Familien, Kolleg:innen. Manche kehren wieder, bringen andere mit oder entdecken gemeinsam neue Zugänge zur Kreativität.

„Es geht darum, den Kopf auszuschalten und mit den Händen zu arbeiten“, beschreibt sie die Atmosphäre dieser Abende.

Blickfang und die Verbindung zum Raum

Die Teilnahme an der BLICKFANG beschreibt Stella Jean als konsequenten Schritt in ihrer Entwicklung. Die Messe versteht sie als Plattform für gestaltete Räume und Objekte, die Atmosphäre prägen – genau dort sieht sie ihre Arbeiten verortet.

Ihre Werke sollen nicht nur gezeigt, sondern im Kontext von Raumgestaltung verstanden werden: als Elemente, die Licht, Material und Stimmung verändern.

Stella arbeitet an einem feinen Gleichgewicht zwischen Stille und Bewegung, Struktur und Offenheit, Raum und Werk. Ihre Kunst drängt sich nicht auf, sie ergänzt, was bereits da ist.

Oder anders gesagt: Sie macht Räume nicht lauter, sondern genauer hörbar.

Wer ihre Arbeiten auf der BLICKFANG entdeckt, begegnet daher weniger einzelnen Objekten als vielmehr einem Gefühl: einer ruhigen, klaren Präsenz, die bleibt, auch wenn man längst weitergegangen ist.

Auf der BLICKFANG in Hamburg kannst du Stella persönlich kennenlernen ihre Werke in Ruhe betrachten und sogar direkt mitnehmen!

Jetzt Tickets sichern!

Katharina Roedlius Porträt

Lokaldesign ist mehr als ein herkömmliches Möbelgeschäft in Hamburg. Unter der Leitung der Gründerin Katharina Roedelius hat sich das Unternehmen zu einem Ort entwickelt, an dem Wohnen als ganzheitliches, oft psychologisches Thema begriffen wird. Die zentrale Philosophie lautet „Enablement“: Kund:innen sollen nicht einfach nur Möbel kaufen, sondern dazu befähigt werden, ihre eigenen Wohnprojekte intuitiv, selbstbewusst und nach ihren individuellen Bedürfnissen zu gestalten.

Das Sortiment: Design mit Weitblick

Die bei Lokaldesign angebotenen Produkte sind als langfristige Begleiter gedacht. Was alle Labels vereint? Die sind unabhängig und produzieren ihre Möbel und Interior-Stücke innerhalb eines kleinen Radius.

Katharina Roedelius weiß, dass Entscheidungen für hochwertige Möbel Zeit brauchen – oft begleiten sie ihre Kunden über Jahre hinweg im Entscheidungsprozess, bevor ein Stück endgültig Einzug in das Zuhause findet. Mit ihrem Ansatz schafft sie eine Brücke zwischen anspruchsvollem Design und einer gesunden, authentischen Wohnkultur.

Wohnpsychologie als Fundament

Für Katharina Roedelius ist die eigene Wohnung der intimste Bereich, der die Persönlichkeit widerspiegeln und als Rückzugsort Kraft geben sollte. In ihren Beratungen und Workshops, die sie oft als eine Art „Coaching“ oder sogar „Paartherapie“ beschreibt, geht es darum, die tieferliegenden Ursachen für Unwohlsein in den eigenen vier Wänden zu finden.

Befreiung von Rechtfertigungszwängen: Katharina ermutigt dazu, die „Oberhand“ über das eigene Zuhause zurückzugewinnen. Sie vertritt die Ansicht, dass man sich nicht rechtfertigen muss – sei es für den Besitz von 52 Teedosen oder die Entscheidung, sich von teuren, aber unpassenden Geschenken oder Erbstücken zu trennen.

Identifikation von Störfaktoren: Oft sind es nicht nur unaufgeräumte Ecken, sondern emotional belastete Gegenstände, die blockieren.

Struktur statt Fehlkäufe

Ein häufiges Problem im Handel ist laut Katharina Roedelius, dass Menschen Stauraum kaufen, ohne genau zu wissen, was sie darin unterbringen wollen. Dies führt oft zu teuren Fehlkäufen. Ihr Ansatz setzt früher an: Erst wenn die Struktur und die eigenen Bedürfnisse klar sind, folgt die Auswahl der Möbel. Dabei vermittelt sie auch praktisches Wissen zu Themen wie Farbe, Licht und geschickten Interior Hacks, um vorhandene Möbel neu zu kombinieren.

Workshop auf der BLICKFANG

Auf der BLICKFANG Hamburg lädt Lokaldesign zu kurzen Schnupper-Workshops rund um bewusstes Wohnen ein. Gemeinsam mit Katharina entwickelst Du ein Gefühl dafür, was Dein Zuhause wirklich braucht – mit wohnpsychologischen Impulsen und einem kreativen MUT-Board als persönlichem Kompass.

In 45 Minuten entsteht kein Moodboard, sondern Klarheit: für Deinen Stil, Deine Bedürfnisse und Deinen eigenen Weg im Wohnen.

Treue Aussteller:innen bei der BLICKFANG – wir sagen DANKE!

Unsere langjährigen Aussteller:innen sind das Herzstück der BLICKFANG und machen das Event jedes Jahr zu einem besonderen Erlebnis. Mit ihrer Leidenschaft für Design und ihrem handwerklichen Können bereichern sie die BLICKFANG immer wieder aufs Neue und bringen ihre einzigartigen Kreationen direkt zu euch.

Lokaldesign

Erinnerst du dich noch an deine erste BLICKFANG-Teilnahme? Wann und wo war das? 

Ja, total. Das war ziemlich am Anfang von Lokaldesign – damals noch in einer Phase, in der ich selbst viel ausprobiert habe und noch gar nicht genau wusste, wohin die Reise geht.
Die erste Teilnahme war in Hamburg – und ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie besonders sich das angefühlt hat: Plötzlich war man Teil einer kuratierten Auswahl, nicht einfach irgendein Aussteller.

Dieses Gefühl, zwischen so vielen unabhängigen Designer:innen zu stehen, die alle ihre eigenen Ideen und Produkte mitbringen, war damals ziemlich prägend für mich.

Wie hat die BLICKFANG dich und dein Unternehmen vorangebracht? 

Die BLICKFANG war für mich von Anfang an viel mehr als nur eine Verkaufsmesse. Zum einen natürlich ganz konkret: Sichtbarkeit. Man trifft dort ein unglaublich designaffines Publikum, das bewusst nach individuellen, langlebigen Produkten sucht – genau die Menschen, die auch zu Lokaldesign passen. Aber fast noch wichtiger war der Austausch. Mit anderen Designer:innen, mit Kund:innen, mit Presse.
Die Gespräche dort sind oft ehrlicher, direkter und intensiver als im klassischen Ladenalltag.

Und: Man bekommt sofort Feedback. Zu Produkten, zu Preisen, zu Ideen. Das hat mir über die Jahre immer wieder geholfen, mich weiterzuentwickeln und mein Sortiment klarer zu positionieren.

Was bedeutet dir die BLICKFANG? 

Für mich ist die BLICKFANG so ein bisschen wie ein Klassentreffen der unabhängigen Designszene. Man trifft Menschen wieder, die man teilweise seit Jahren kennt, entdeckt neue spannende Labels und merkt jedes Mal aufs Neue, wie viel Leidenschaft in dieser Branche steckt.

Und gleichzeitig ist es immer auch ein Perspektivwechsel:
Raus aus dem eigenen Laden, rein in ein Umfeld, in dem man Teil eines größeren Ganzen ist. Ich war ja letztes Jahr sogar in der Jury – und das hat mich noch mal mehr Stolz gemacht. Zu sehen, wie sich Lokaldesign und ich mich mit dem Konzept entwickele. 

Warum ist die BLICKFANG auch weiterhin ein festes Datum in deinem Kalender? 

Weil sie genau das verkörpert, wofür auch Lokaldesign steht: Unabhängigkeit, Haltung und echtes, durchdachtes Design.

Die BLICKFANG ist ja nicht einfach irgendeine Messe, sondern eine kuratierte Plattform, auf der nur ausgewählte Labels ausstellen dürfen und ihre Produkte persönlich präsentieren. Und genau das macht sie so besonders. Für mich ist sie deshalb nicht nur ein Vertriebskanal, sondern auch ein Ort für Inspiration, Austausch und Weiterentwicklung. Oder anders gesagt: Solange ich Lust auf gutes Design und echte Begegnungen habe, wird die BLICKFANG ein fester Bestandteil davon bleiben.

ZAMT

Erinnerst du dich noch an deine erste BLICKFANG-Teilnahme? Wann und wo war das?

Die erste Blickfang für ZAMT war in Basel im Jahre 2020 ?! , wir hatten einen Brand in unserem Berliner Showroom gehabt zu der Zeit und waren für Monate geschlossen. Es tat unheimlich gut wieder Kundenkontakt zu haben und sich unter so viele Gleichgesinnte Aussteller zu mischen. Es entstanden Freundschaften die noch immer andauern. 

Was bedeutet dir die BLICKFANG und warum ist sie auch weiterhin ein festes Datum in deinem Kalender? 

Die Blickfang ist in der sich seit einigen Jahren nun doch sehr schnell wandelnden Welt eine Konstante für uns. Abgesehen davon, dass es für uns einfach immer wieder eine wunderschöne Bestätigung darstellt in so geballter Form ein vielfältiges positives Feedback zu unserer Arbeit auf unsere Produkte zu bekommen, ist es darüberhinaus einfach unglaublich wichtig mit einer Konstante zu rechnen. Es strukturiert unseren Kalender und bildet mittlerweile einen festen Termin am dem man die Kundinnen aus den verschiedenen Regionen Wiedersehen kann. 

Schnupper-Workshop: Form follows feeling

Wohn endlich Deinen eigenen Weg.

Deine Wohnung ist mehr als ein Raum.
Sie ist ein Spiegel Deiner Persönlichkeit.
Und genau dann macht sie Dich am glücklichsten: wenn sie Dich zeigt.

Aber:
Wann hast Du Dich das letzte Mal wirklich bewusst mit ihr beschäftigt?

In diesem Schnupper-Workshop lädt Katharina von Lokaldesign Dich ein, in einen neuen Dialog mit Deinem Zuhause zu gehen.

08.-10. Mai 2026

BLICKFANG Hamburg
Deichtorhallen
Stand von Lokaldesign

Termine: 
Freitag: 16h und 18h
Samstag: 14h und 17h
Sonntag: 13h und 16h

Dauer: ca. 45 Minuten

Was Dich erwartet:

  • Wohnpsychologische Impulse: Wir machen eine kleine (T)Raumreise durch Deine Wohnung: Du entdeckst, welche Ecken Dir gut tun – und wo Veränderungspotenzial steckt.
  • Kreativ-Session: In einem kreativen Part entwickelst Du Dein persönliches MUT-Board – Deinen emotionalen Kompass für Dein Zuhause. Kein klassisches Moodboard. Sondern ein erster Schritt in Richtung Deines eigenen Wohn-ICHs.

Du gehst nicht mit mehr Trends raus.
Sondern mit mehr Klarheit darüber, was sich für Dich richtig anfühlt.

Anmeldung & Teilnahme: 

Pro Termin stehen 10 Plätze zur Verfügung. Um dir deinen Platz zu sichern, kannst du dich vorab über unser Anmeldeformular registrieren. Ein kleiner Teil der Plätze wird zudem spontan vor Ort vergeben.

Komm vorbei und erlebe, wie sich Wohnen verändert, wenn Du bei Dir selbst anfängst.




* Hinweis: Die Plätze pro Termin sind auf 10 Teilnehmer:innen begrenzt und werden nach dem First come, first serve-Prinzip vergeben. Eine Teilnahmebestätigung erfolgt im Anschluss an die Anmeldung. Der Workshop findet im Rahmen der BLICKFANG Hamburg am Stand von Lokaldesign statt. Für die Teilnahme ist ein gültiges BLICKFANG-Ticket erforderlich.

Die BLICKFANG steht für exzellentes, unabhängiges Design – und genau das würdigt auch in diesem Jahr der begehrte Designpreis.

Die Auszeichnung richtet sich an herausragende Designer:innen und kreative Köpfe, die mit innovativen Konzepten und einzigartiger Ästhetik überzeugen. Der Designpreis ist auch in diesem Jahr eines der Highlights der BLICKFANG und wird erstmals in drei Kategorien vergeben: Neben den etablierten Bereichen Möbel & Produktdesign sowie Mode & Schmuck wird nun auch die Kategorie Mode- und Wohnaccessoires ausgezeichnet.

Eine unabhängige Fachjury entscheidet über die Preisträger:innen in allen Kategorien und legt dabei besonderen Wert auf die gestalterische Qualität, das kreative Konzept, die handwerkliche Umsetzung und eine überzeugende Präsentation. Der Designpreis hebt nicht nur exzellentes Design hervor, sondern setzt auch ein Zeichen für die Bedeutung nachhaltiger und innovativer Gestaltung.

Ermöglicht wird die Vergabe durch die Unterstützung der D.E.S.I.G.N. Foundation, die sich für die Förderung herausragender Designleistungen einsetzt. Mit dieser Auszeichnung bleibt die BLICKFANG ihrer Mission treu, Designschaffende zu stärken und die besten Ideen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die Fachjury der BLICKFANG Hamburg 2026:

Sören Jungclaus | Industriedesigner

Sören Jungclaus ist Industriedesigner aus Hamburg und arbeitet seit über 25 Jahren an der Schnittstelle von Architektur, Innenraum und Produktdesign. Nach seinem Studium an der Muthesius Hochschule in Kiel war er unter anderem bei System Design in München sowie Winderlich Enterprise in Hamburg tätig. Es folgten 15 Jahre als Chefdesigner der Hadi Teherani AG, wo er zahlreiche international ausgezeichnete Produkte und Serien für Marken wie Interstuhl, Poggenpohl, Walter Knoll und Zumtobel verantwortete. Seit 2016 arbeitet Jungclaus selbstständig in Hamburg-Ottensen und entwickelt Möbel, Leuchten und Interior-Konzepte mit architektonischer Klarheit, hoher Materialqualität und funktionaler Präzision. Mit seiner langjährigen Erfahrung an der Schnittstelle von Design, Architektur und Industrie bringt er eine fundierte Perspektive auf funktionales, zeitloses Produktdesign in den internationalen Kontext ein.

1. Was macht für dich gutes Design aus?  

Gutes Design muss mich ansprechen und ich muss lange Spaß mit dem Produkt haben. Charles Eames hat es in meinen Augen mit folgenden zwei Fragen auf den Punkt gebracht: Löst das Produkt ein Problem? Wie sieht das Produkt in 10 Jahren aus?

 2. Welches Designstück hat dich in letzter Zeit begeistert und warum?  

Es gibt ein Paar Dinge, die mir über die Jahre ans Herz gewachsen sind und die mich immer wieder aufs Neue begeistern. Meine letzte Anschaffung, die ich als „Designstück“ bezeichnen würde, ist ein Wasserkocher von Stelton. Auch, wenn Erik Magnussen den nicht mehr selbst gestaltet hat, ist es aus meiner Sicht eine gut gemachte Ergänzung der Serie EM77. Funktion, Gewicht und Handling sind gut. Das Wichtigste, wenn man mit kochendem Wasser hantiert, ist doch, dass man das Wasser gut und gefahrlos ausgießen kann. Komischerweise habe ich einige gut aussehende Wasserkocher getestet, bei denen das ausgerechnet nicht gegeben ist.

3. Wohin wird sich in deinen Augen Möbel-Design in Zukunft entwickeln?  

Es gibt diesen schönen Spruch: Wir leben in einer Zeit in der jeder den Preis, aber kaum noch jemand den Wert einer Sache kennt. Leider habe ich gerade das Gefühl, dass der Markt immer stärker von Billigprodukten überschwemmt wird. Von Produkten, die aus 5 Meter Entfernung vielleicht sogar ganz passabel aussehen und ein Versprechen abgeben, welches sie schon nach kurzer Zeit nicht mehr halten. Auf der anderen Seite gibt es Möbel und Produkte, die sorgfältig entwickelt wurden und bei denen Gestalter einen starken Einfluss hatten. Das alles ist aufwendig und schlägt sich auf die Kosten nieder. Ich habe die Sorge, dass viele Verbraucher diese Preisdifferenz nicht nachvollziehen können. Mehr „gesundes“ Mittelmaß würde ich mir da wünschen. Eine gute Qualität zu einem nachvollziehbaren Preis.

4. Die BLICKFANG ist wichtig, weil … 

… man sich trifft, sich live austauschen kann und man sich einem interessierten Publikum präsentieren kann. Ich kenne viele Beispiele von Start-ups, für die die Blickfang ein Sprungbrett war.

5. Welchen guten Rat würdest du jungen Designer:innen heutzutage mit auf den Weg geben? 

Sich gut zu fokussieren. Je klarer man ist, desto stärker bleibt man in Erinnerung.

Was kann und möchte ich bewegen? Wofür möchte ich stehen? Es freut mich immer, wenn ich auf der Blickfang Produkte betrachte und darin eine Haltung ablesen kann. Mein Rat: Macht etwas gut und mit Leidenschaft, aber macht nicht alles…

Janine Jäger-Otte | Sustainable Stylistin

Janine Jäger-Otte ist Sustainable Stylistin mit Fokus auf Personal Styling und bewussten Konsum. Bereits während ihres Studiums im Medien- und Kommunikationsmanagement entdeckte sie ihre Leidenschaft für Mode als Ausdruck von Persönlichkeit und vertiefte ihr Styling-Wissen an der AMD. Heute unterstützt sie Kund:innen dabei, ihren individuellen Stil mit vorhandener Garderobe neu zu entdecken und nachhaltige Entscheidungen zu treffen. Mit ihrem Ansatz – weniger, aber bewusster zu konsumieren – setzt sie sich aktiv für einen verantwortungsvollen Umgang mit Mode und gegen Fast Fashion ein.

1. Was macht für dich gutes Design aus?

Im Modedesign sollte jedes Kleidungsstück eine eigene Sprache sprechen. Es sollte nicht nur für sich selbst stehen, sondern auch in Kombination mit anderen Teilen eine kraftvolle Wirkung entfalten. Kleidung ist das stärkste nonverbale Kommunikationsmittel, und das Designteam sollte diese Möglichkeit optimal nutzen.

2. Welches Designstück hat dich in letzter Zeit begeistert und warum?

Die Kollektionen von Cecile Bahnsen begeistern mich zutiefst. Jedes Jahr kooperiert das Team mit funktional orientierten Marken und kreiert Kollektionen, die Weiblichkeit und Funktionalität harmonisch verbinden. Diese Mode spricht für mich eine äußerst ästhetische und authentische Sprache. Die Grenzen verschwimmen, und genau das macht diese Marke für mich so einzigartig.

3. Wohin wird sich in deinen Augen Design in Zukunft entwickeln?

Unumgänglich: Kreislaufwirtschaft Viele Start-Ups setzen bereits seit Jahren auf die Entwicklung von Loop-Systemen, sowohl im Möbelbereich als auch in der Mode. Besonders in der Modebranche ist es entscheidend, den Fokus auf nachhaltige Praktiken zu richten, da diese Industrie riesig ist und einen erheblichen Beitrag zu einem umweltbewussteren Leben leisten kann.

4. Die BLICKFANG ist wichtig, weil…

…die Lernkurve bei der Entwicklung neuer Produkte erheblich steigt, wenn wir im direkten Kontakt mit unseren Kund*innen stehen. Die BLICKFANG bietet genau diesen Raum. Es geht darum, sich kennenzulernen, Netzwerke zu bilden, zuzuhören, neue Inspirationen zu erhalten und Synergien zu schaffen – das ist letztendlich das Ziel.

5. Welchen guten Rat würdest du jungen Designer:innen heutzutage mit auf den Weg geben?

Insgesamt sollte jeder seinen individuellen Weg entdecken. Dennoch empfehle ich, auf die eigene Intuition zu achten und im Austausch mit anderen zu bleiben, um gesellschaftliche Strömungen wahrzunehmen. Mode kommuniziert ständig und dieses Ausdrucksmittel sollte wieder verstärkt genutzt werden und als das gesehen werden.

Christine Zeine | Kommunikation & Marketing bei ahead media für H.O.M.E. & flair

Ihre Karriere startete Christine Zeine beim Deutschen Fachverlag, wo sie im Marketing für die Lebensmittel Zeitung und Horizont zuerst in Frankfurt am Main, danach für Sportswear International in Mailand tätig war. Durch ihre jahrelange Erfahrung im Verlagswesen und die Tätigkeit bei der Premium Group im Bereich Communications für verschiedene Modemesseformate sowie als Editor-in-Chief des Berlin Fashion Week Magazine gilt sie als Expertin für Markenkommunikation und -positionierung, Kollaborationen und Storytelling mit exzellentem Mediennetzwerk im Lifestylebereich. Aktuell verantwortet sie den Bereich Kommunikation & Marketing für die renommierten Lifestyle-Titel H.O.M.E. & flair bei ahead media GmbH in Berlin.

1. Was macht für dich gutes Design aus?

Gutes Design zeichnet sich dadurch aus, dass die Form der Funktion nicht nur folgt, sondern diese ausmacht und dabei Ästhetik, Form, Innovation und Langlebigkeit in sich vereint.

2. Welches Designstück hat dich in letzter Zeit begeistert und warum?

Das Regal von USM Haller, das ich als Schreibtisch/Sekretär im Home-Office nutze. Das modulare System macht einfach jede erdenkliche Kombination möglich und passt sich perfekt an aktuelle Gegebenheiten und die eigenen Wünsche an. Design, Funktion und Farbe in einem zeitlosen Designstück vereint.

3. Wohin wird sich in deinen Augen Möbel-Design in Zukunft entwickeln?

Es gibt sehr viele verschiedene Entwicklungen im Bereich Möbel-Design. Meiner Meinung werden aber besonders Faktoren wie Nachhaltigkeit, ressourcenschonende Verarbeitung, Qualität, Langlebigkeit und Funktion in Zukunft eine immer größere Rolle spielen. Da urbaner Wohnraum mehr und mehr zum Luxusgut wird und die Grenzen zwischen Wohnen, Arbeiten und Schlafen zunehmend verschwimmen, sollte Möbeldesign außerdem ein gewisses Maß an Flexibilität mitbringen, um sich wechselnden Gegebenheiten anzupassen.

4. Die BLICKFANG ist wichtig, weil…

… sich der Trend im Bereich Wohnen meiner Ansicht nach immer weiter zu Individualität und Persönlichkeit entwickelt. Weg vom uniformierten Einheitsstil hin zu einem eklektischen Mix aus Premiummarken, hochwertigen Designklassikern und Contemporary Design kombiniert mit Vintage-Möbeln, handgefertigten Werkstücken und besonderen Unikaten. Auf der Blickfang Designmesse findet man genau diese kleinen feinen wertvollen Fundstücke, die dem persönlichen Space die gewisse individuelle Note verleihen.

5. Welchen guten Rat würdest du jungen Designer:innen heutzutage mit auf den Weg geben?

Ich glaube, für Designer:innen ist es vor allem wichtig, die eigene Handschrift und den persönlichen Stil zu finden. Außerdem helfen ein weites interdisziplinäres Netzwerk und Kollaborationspotential als wichtige Grundlagen für Reichweite und Skalierung.  

Claus Krogmann | Gründer und CEO von Charles & Marie

Claus Krogmann ist Gründer und CEO von Charles & Marie, einer internationalen Online Plattform für hochwertige Design- und Lifestyleprodukte. Seit 2005 kuratiert er ein Sortiment unabhängiger Marken und macht diese für ein designaffines Publikum in Europa zugänglich. Zuvor war er unter anderem bei Vitra Deutschland sowie bei der Objektform GmbH und beriet mit Krogmann Consult Unternehmen im Designkontext. Mit seiner langjährigen Erfahrung an der Schnittstelle von Design, Marke und Handel bringt er eine fundierte Perspektive auf internationale Designtrends und Marktpotenziale mit.

1. Was macht für dich gutes Design aus?

Gutes Design ist der sichtbare Beweis, dass ein Mensch wirklich nachgedacht hat – über ein Problem, eine Lücke, eine bessere Lösung oder einfach über umwerfende Schönheit. Hinter jedem guten Produkt steckt eine Meinung, und genau dafür lohnt es sich zu bezahlen.

2. Welches Designstück hat dich in letzter Zeit begeistert und warum?

Nicht ein einzelnes Stück – sondern die Konsequenz: Apple über 50 Jahre, der Porsche 911, Braun unter Dieter Rams und seine Designprinzipien, der Eames Lounge Chair. Was diese Ikonen eint ist, dass sie nicht für einen Moment gemacht wurden, sondern aus einer Überzeugung heraus, die den Moment überlebt hat.

3. Wohin wird sich in deinen Augen Möbel-Design in Zukunft entwickeln?

Weg von der Wegwerfkultur, hin zu Stücken, die man bewusst kauft und behält. Die Gegenbewegung zu austauschbarem Massendesign wird kommen – und Handwerk, Material und Haltung werden wieder als das erkennbar, was sie immer waren: Qualitätsmerkmale.

4. Die BLICKFANG ist wichtig, weil…

…sie jungen Designern und Marken eine Plattform bietet, Meinungen und Feedback zu ihren – meist frühen – Produkt-Ideen einzuholen. Hier kann jeder Designer im direkten Dialog zu Endkunden und Design-Insidern wichtige Erkenntnisse für seine Arbeit gewinnen.

5. Welchen guten Rat würdest du jungen Designer:innen heutzutage mit auf den Weg geben?

Entwickle eine Haltung und hab den Mut, sie zu verteidigen – aber vergiss nie, dass Design erst dann zur Welt gehört, wenn es jemand kaufen kann. Die schönste Idee scheitert am Markt, wenn sie sich nicht rechnet. Verstehe Preise, Margen und Vertriebswege genauso gut wie Form und Funktion.

Porträt von  Björn Schirmacher

Zwischen Werkstatt und Wohnraum entsteht bei Björn Schirmacher mehr als ein Möbelstück. Jeder Entwurf beginnt mit einem Annähern – an Räume, an Gewohnheiten, an Menschen. Und doch bleibt bis zuletzt ein Moment der Neugierde. Ob ein Stück wirklich trägt, zeigt sich erst dort, wo es seinen Platz findet: im Alltag.

Du sagst, das Wichtigste ist am Ende das „gute Gefühl“ des Kunden. Woran merkst du während der Arbeit, dass ein Möbelstück dieses Ziel erreichen wird?

„Das ist eine schwierige Frage. Letzten Endes brauche ich immer die Bestätigung des Kunden. Es ist bis zum letzten Punkt spannend. Ich denke während der Arbeit nicht: Das wird klar funktionieren. Ich denke eher: Das kann gut werden. Aber die Bestätigung kommt erst, wenn das Möbel beim Kunden steht. Wenn dann jemand sagt, er freut sich, die Rechnung zu begleichen, weil es so gut geworden ist, dann weiß ich, dass es angekommen ist.“

Deine Entwürfe sind oft sehr schlicht. Warum ist es dir so wichtig, dass die Möbel dem Nutzer Raum für eigene Fantasien lassen?

„Ich versuche Möbel so zu gestalten, dass sie sich mit dem Kunden im Leben entwickeln. Sie sollen ein begleitendes Stück sein. Die Menschen bringen ohnehin Unruhe in Räume, lassen Dinge liegen, verändern ständig etwas. Deshalb sollte das Möbel in der Formsprache reduziert sein. Es soll sich integrieren und zur Wohnlichkeit beitragen, ohne sich aufzudrängen.“

Wie schaffst du es, Möbel zu bauen, die auch in vielen Jahren noch modern wirken und nicht nur einem Trend folgen?

„Trends sind immer Phasen. Wenn man sich die Epochen anschaut, hat sich Gestaltung ständig verändert. Ich glaube, durch die Reduktion der Formsprache kann man eine gestalterische Langlebigkeit erreichen. Wenn ein Möbel nicht überladen ist, wirkt es auch nach vielen Jahren noch stimmig. Dazu kommt die Qualität – es muss auch halten.“

Bei dir „schreiben die Kunden die Geschichte mit“. Wie viel von deiner eigenen Handschrift steckt am Ende in einem Möbel, das nach Kundenwunsch entsteht?

„„Beides spielt eine Rolle. Ich frage zuerst: Was soll das Möbel können? Welche Funktion sollte es haben? Die Kunden kommen oft mit konkreten Vorstellungen, die ich aufnehme. Gleichzeitig lasse ich meine eigenen Gedanken einfließen. Am Ende entsteht etwas, in dem beides steckt. Und ich glaube, meine Formsprache erkennt man trotzdem immer wieder.“

Du betonst, dass Kommunikation zum Handwerk gehört. Warum ist das tiefe Verständnis für den Kunden für dich genauso wichtig wie die Arbeit mit dem Holz?

„Ein Möbel zu bauen ist etwas Intimes. Deshalb versuche ich, die Menschen zu verstehen – wie sie leben, wie sie eingerichtet sind. Das ist manchmal auch eine Herausforderung. Ich sitze dann an einer Skizze und frage mich: Habe ich diese Menschen richtig verstanden? Das begleitet den ganzen Entwurfsprozess.“

Für den „Stuhl Bjørn“ gab es viele Varianten. Warum war dir dieser lange Weg so wichtig, um die Essenz guter Gestaltung zu finden?

„Am Anfang stand ein einfaches Modell aus Spanplatten. Mir ging es zuerst um das Sitzen, um die Proportionen. Dann kam die Gestaltung. Ich habe viele Varianten gebaut und immer wieder angepasst, teilweise nur um wenige Millimeter. Das hat mehrere Jahre gedauert. Aber ich wollte etwas entwickeln, das wirklich funktioniert und für Menschen eine Bereicherung ist.“

Du nutzt moderne Computer-Bilder für die Planung. Wie hilft dir diese Technik dabei, deine traditionelle Handwerksarbeit besser zu machen?

„Ich arbeite gemischt. Viel beginnt auf Papier. Wenn es konkreter wird, arbeite ich mit AutoCAD für die technischen Zeichnungen. Für die Fertigung ist das sehr hilfreich. Bei Präsentationen nutze ich manchmal Renderings. Aber fotorealistische Bilder können den Kunden auch einschränken – dann ist schon alles festgelegt. Ich lasse lieber noch Raum für eigene Vorstellungen.“

Du arbeitest mit höchster Genauigkeit. Wo liegt für dich die Grenze zwischen perfekter Verarbeitung und der natürlichen Lebendigkeit des Holzes?

„Die Qualität muss perfekt sein. Aber gestalterisch darf es nicht zu perfekt sein. Das Unperfekte erzeugt Spannung. Ein Möbel sollte authentisch bleiben und etwas haben, das den Blick anzieht.“

Deine Möbel sollen eine „zurückhaltende Präsenz“ haben. Wie entwirfst du ein Stück, das zwar Charakter zeigt, aber den Raum nicht dominiert?

„Ich schaue mir die Räume an und versuche, den Stil zu verstehen. Dann überlege ich, welche Funktion das Möbel erfüllen muss. Daraus entstehen die Proportionen und die Form. Die eigene Handschrift entwickelt sich dabei automatisch.“

Du bist eher in die Selbstständigkeit hineingewachsen. Was hat sich in dieser Zeit an deinem Verständnis von „gutem Stil“ am meisten verändert?

„Fertigungstechnisch hat sich viel entwickelt. Heute kann ich ganz anders arbeiten als am Anfang. Gestalterisch empfinde ich manches heute als sehr radikal. Mir fehlt da manchmal die Wärme. Aber das ist individuell – jeder empfindet Gestaltung anders.“

Björn kannst du übrigens persönlich an der BLICKFANG in Hamburg kennenlernen, noch mehr über ihre Geschichte und ihre Produkte erfahren und diese natürlich direkt kaufen. Hier geht es direkt zu den den Tickets!

Lust noch mehr Labels besser kennenzulernen? Dann schau jetzt in unserem Journal vorbei und lass dich inspirieren!

Zwischen Stahl und Holz, zwischen Präzision und Geduld bewegt sich Johann Ahrens mit seinem Label Gudstav. Was als Suche nach einer skalierbaren, aber persönlichen Marke begann, ist heute ein eigenständiges Studio, in der handwerkliche Konsequenz, Materialnähe und ein hoher Qualitätsanspruch zusammenfinden.

Wie ist der Name Gudstav für dein Label entstanden?

„Wenn man den Namen auf Englisch ausspricht, wird die Idee dahinter klar. Ich wollte eine Marke gründen, die skalierbar ist, aber trotzdem persönlich bleibt. Ich war vorher immer Johann Ahrens Produktdesign als Dienstleister und als Person dahinter. 2021 habe ich angefangen, eigene Produkte auf den Markt zu bringen und habe mir überlegt, wie ich das professioneller gestalten kann. Dann ist Gudstav dabei rausgekommen.“

Wie ist Gudstav als Studio entstanden und was hat dich dazu gebracht, mit Holz und Stahl zu arbeiten?

„Ich habe als Metallbauer angefangen und während meinem Praktikum gemerkt, dass ich Dinge herstellen möchte, um Probleme zu lösen. Das fing im Stahlbau an: Ich habe für einen Kunden eine Edelstahlblende gebaut und dafür Geld bekommen. Das war ein Moment, in dem klar wurde, dass ich so weiterarbeiten möchte.

Später kam dann der Designanspruch dazu. Heute ist es so, dass ich Dinge neu mache, wenn sie mir nicht gefallen. Diese Präzision und dieser eigene Anspruch sind erst mit Gudstav gekommen.

Die ersten eigenen Produkte waren gepresste und gezogene Metallschalen. Dazu sind dann die Holzobjekte gekommen als Kontrast. Holz ist eine ganz andere Arbeit. Schneiden, Schleifen, Staub, Lebendig. Das ist für mich eine sehr unmittelbare Form des Arbeitens. Ich möchte beides haben, aber mit einem klaren Fokus.“

Porträt von Johann Ahrens
Johann Ahrens

Wie entscheidest du, wann du mit Holz und wann mit Stahl arbeitest oder beides kombinierst?

„Ich kombiniere inzwischen bewusst nicht mehr, sondern halte die Materialien getrennt. Holz und Metall stehen jeweils für sich. Bei der Garderobe sind zwar Holzstäbe dabei, aber eher als Ergänzung.

Die Schalen produziere ich in Serien, in Zehner oder Zwanzigerschritten, und fülle damit mein Sortiment wieder auf. Die Holzklötze entstehen vor allem dann, wenn ich Zeit habe, in die Werkstatt zu gehen. Das ist ein freier, sehr persönlicher Arbeitsmoment, alleine mit Musik, beim Machen.

Ich arbeite sehr haptisch und nehme kleinste Makel sofort wahr. Gerade darin liegt für mich die Qualität, wenn aus einem rohen Klotz eine glatte Oberfläche entsteht. Diese reduzierte Form und Haptik interessiert mich im Moment am meisten.“

Was bedeutet „Slow Design“ für dich ganz konkret im Alltag?

„Slow Design ist für mich die Liebe zum Detail. Ich könnte auch einen Container mit 10.000 Schalen bestellen und vertreiben. Aber ich versuche, möglichst viel im eigenen Prozess zu behalten und selbst umzusetzen.

Es geht darum, die Dinge sehr sorgfältig und bedacht klein zu halten und nicht auf große Stückzahlen zu setzen, sondern auf Qualität.“

Wie entwickelst du die Formen deiner Objekte, zum Beispiel bei den Schalen oder Holzstücken?

„Die Schalen kommen aus einem technischen Kontext. Ich habe sehr viele Laserteile gezeichnet als Metallbauer und später auch im Möbelbereich. Daraus haben sich diese gepressten und gezogenen Formen entwickelt. Das ist stark vom Produktdesign geprägt und technisch gedacht, auch wenn die Gestaltung am Ende eher weich wirkt.

Beim Holz ist der Prozess ein anderer. Ich säge, hoble, schleife und arbeite mich Schritt für Schritt vor. Das Material ist schwer, massiv und verhält sich ganz anders. Daraus entwickelt sich die Form im Arbeiten.“

Du sprichst von Objekten mit „Geschichte“. Was macht diese für dich aus?

„Jedes Produkt trägt bereits eine eigene Geschichte in sich, durch das Material, seine Herkunft und die Art, wie es verarbeitet wird. Wenn ich diese Geschichte zusätzlich persönlich erkläre und sie so sichtbar und nachvollziehbar wird, entsteht eine zusätzliche Ebene des Verständnisses, die über das Objekt hinausgeht.

Ich arbeite zum Beispiel viel mit Eiche, die Metalleinschlüsse enthält. Diese führen zu schwarzen Verfärbungen im Holz. Das ist ein Materialmerkmal, das in vielen Betrieben aussortiert wird. Mich interessiert genau diese Besonderheit.

Mir ist wichtig, dass Nutzer:innen diese Hintergründe kennen und dadurch ein tieferes Verständnis für das Stück entwickeln. Wenn sie wissen, warum ein Objekt so aussieht, wie es aussieht, können sie seine Geschichte selbst weitertragen und mit anderen teilen.“

Welche Rolle spielen regionale Materialien für deine Arbeit?

„Eine große Rolle. Ich versuche, das Holz möglichst regional zu beziehen. Beim Metall ist das schwieriger, das kommt aus großen Werken. Ich arbeite aber mit regionalen Zulieferern weiter, zum Beispiel beim Pulverbeschichten in meiner Nähe. Mir ist wichtig, dass ich weiß, wo die Materialien herkommen und dass weder Menschen noch Natur darunter leiden.“

Was bedeutet es für dich, alles von Hand zu fertigen, auch im Vergleich zur industriellen Produktion?

„Diese Schalen funktionieren im Grunde ähnlich wie ein industrielles Produkt, nur in einem kleineren Maßstab. In großen Stückzahlen würde der Prozess vergleichbar ablaufen, nur automatisiert und unpersönlich.

Der Unterschied ist, dass ich jedes Stück individuell bearbeite. Die Schalen haben kleine Abweichungen, eine bewusste Asymmetrie, eine eigene Schlagzahl und zusätzliche Bearbeitungsspuren. Das wäre industriell so nicht vorgesehen.

Bei den Holzobjekten ist der Aufwand deutlich größer. Es steckt viel Zeit in jedem Stück. Das lässt sich wirtschaftlich nur schwer abbilden, ist aber genau der Teil, in dem meine Handschrift sichtbar wird.“

Wie läuft ein typischer Herstellungsprozess bei dir ab, vom ersten Material bis zum fertigen Objekt?

„Ich lasse die Laserteile fertigen. Nach einem Konturschliff und einer Schlagzahl forme ich sie mit Hilfe meiner Presse und meinen Händen um und gebe ihnen ihren individuellen Charakter. Danach müssen sie relativ schnell zum Pulverbeschichten, damit nichts rostet.

Anschließend folgen Details wie Kennzeichnung und Verpackung, dann sind sie fertig.

Bei den Holzobjekten ist der Prozess deutlich länger. Das Holz muss zunächst trocknen. Danach säge ich, hoble, schleife und poliere. Je nach Material kann das viele Stunden oder auch Tage dauern.“

Welche Schritte im Prozess sind für dich besonders entscheidend für die Qualität eines Objekts?

„Entscheidend ist, dass das Endprodukt möglichst makellos ist. Ich habe einen hohen Anspruch an mich selbst. Gleichzeitig gehört es dazu, dass sich Materialien wie Holz verändern. Es können Risse entstehen. Das ist Teil des Materials und gehört zum Objekt dazu.“

Wie möchtest du deine Arbeit auf der BLICKFANG zeigen, sodass auch der Prozess dahinter sichtbar wird?

„Ich zeige den Prozess nicht direkt, aber ich habe ein iPad dabei, auf dem Videos laufen. Damit lassen sich viele Fragen bereits klären. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen sich die Arbeiten zunächst in Ruhe anschauen möchten, während andere den Austausch suchen. Darauf versuche ich einzugehen. Wenn Interesse da ist, gebe ich die Objekte gerne in die Hand. So werden das Gewicht und die Qualität unmittelbar spürbar.“

Was möchtest du Besucherinnen und Besuchern der BLICKFANG Hamburg über deine Arbeit mitgeben?

„Es geht darum, dass eine Verbindung entsteht – zu mir und zu den Produkten. Und das funktioniert nur, wenn ich mich dort zeige und meine Arbeit sichtbar mache.

Auf der BLICKFANG Hamburg könnt ihr Johann persönlich kennenlernen und einen direkten Einblick in seine Arbeit und seine Produkte gewinnen.

Portrait von Elisabeth Seidel

Elisabeth Seidel
© Patrick Schwarz

Elisabeth Seidel entwickelt Leuchten, deren Oberfläche nicht geformt, sondern gezüchtet wird. Auf einem Acrylkörper wachsen über Tage hinweg Kristalle, die jedes Objekt zu einem Unikat machen. Im Gespräch erzählt sie von ihrem Zugang zum Material, vom Arbeiten zwischen Kontrolle und Offenheit – und von einem Prozess, der Zeit braucht.

© Patrick Schwarz

Elisabeth, vielleicht ganz am Anfang: Wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen, mit Kristallen zu arbeiten?

„Vor zwei Jahren habe ich meinen Bachelor in Integrated Design gemacht und ich mochte es immer, zu experimentieren und Materialstudien zu machen. Also ein Material zu nehmen, viel zu testen und irgendwann den Mechanismus zu verstehen. Von der Ästhetik her mag ich Transparenzen und Farben. Eigentlich wollte ich zuerst mit einem anderen Material arbeiten, aber das hat an der Uni nicht funktioniert. Dann habe ich in einem Schaufenster einen Kristallzuchtkasten gesehen und mich dafür entschieden. Es war Zufall, aber es hat genau zu dem gepasst, womit ich mich beschäftigen wollte.“

Wann hast du gemerkt, dass in diesem Material mehr steckt als ein Experiment – dass daraus ein eigenständiger Entwurf entstehen kann?

„Ich habe mich zuerst intensiv mit der Chemie und den Kristallstrukturen beschäftigt. Dann habe ich angefangen, Kristalle aus Lösungen zu züchten und mit Acrylglas zu kombinieren. Irgendwann hat das funktioniert und ich hatte einen stabilen Träger. Dann habe ich das im Großen ausprobiert. So ist die erste Leuchte entstanden.“

Wenn man dich ganz konkret fragt: Wie entsteht so eine Leuchte – was sind die einzelnen Schritte?

„Zuerst stelle ich den Körper aus Acrylglas her, der aus Schichten besteht. Dann koche ich die Lösung und gebe die Farbe dazu, wobei ich genau auf Temperatur und Dosierung achten muss. Danach kommt das Objekt in die Lösung und wächst dort ein bis zwei Wochen. Wenn die Bedingungen stimmen, funktioniert es zuverlässig. Danach wird es herausgenommen, getrocknet und mit einem Schutzlack versiegelt.“

© Patrick Schwarz

© Patrick Schwarz

Was passiert in den Tagen, in denen die Kristalle wachsen, und wie nimmst du diese Phase wahr?

„Der Container ist abgedunkelt und wird nicht mehr angefasst. Ich sehe in dieser Zeit nicht, was passiert. Erst nach ein bis zwei Wochen weiß ich, ob es funktioniert hat.“

Welche Rolle spielst du im Prozess – greifst du aktiv ein oder beobachtest du eher, wie sich das Material entwickelt?

„Ich kontrolliere vorher alles genau, also Temperatur, Mengen und Farbe. Während des Wachstums greife ich nicht ein, weil jede Intervention den Prozess stören würde.“

Gibt es Punkte im Ablauf, an denen sich entscheidet, ob ein Objekt „funktioniert“ oder nicht?

„Ja, vor allem äußere Faktoren spielen eine Rolle. Temperaturschwankungen, Licht oder Bewegung können das Wachstum stören. Außerdem habe ich gemerkt, dass mit meiner Technik Flächen am besten funktionieren. Das gibt auch einen gestalterischen Rahmen vor.“

Deine Leuchten verbinden eine klare Grundform mit einer gewachsenen Oberfläche – wie entwickelst du dieses Zusammenspiel im Entwurf?

„Ich arbeite mit organischen Formen und kombiniere sie mit den geometrischen Kristallen. Eine geometrische Grundform wäre naheliegend gewesen, das wollte ich vermeiden. Die erste Form habe ich von schmelzenden Eiswürfeln abgeleitet. Daraus hat sich die Formensprache entwickelt.“

Wenn das Licht hinzukommt: Was verändert sich für dich in der Wahrnehmung der Kristalle?

„Ausgeschaltet wirkt die Leuchte wie eine Kristallskulptur, die das Licht reflektiert. Eingeschaltet werden die Schichten sichtbar und man erkennt den Aufbau der Kristalle. Es werden unterschiedliche Eigenschaften betont. Beide Zustände gehören für mich zusammen.“

© Patrick Schwarz


An welchen Stellen entsteht die Gestaltung bewusst durch dich – und wo überlässt du sie dem Verhalten des Materials?

„Die Grundform gestalte ich selbst über den Acrylkörper. Die Oberfläche entsteht durch die Kristalle. Auch die Farbe entwickelt sich im Prozess und kann variieren. Es gibt immer eine gewisse Bandbreite, auf die ich keinen Einfluss habe.“

Siehst du dich als Designerin oder Künstlerin und verortest du deine Objekte eher im klassischen Design oder im Collectible Design?

„ Von der Lehre her bin ich Designerin und ich würde es auf jeden Fall als Collectible Design einordnen. Die Objekte sind nicht industriell herstellbar, der Wachstumsprozess macht es zu einer Form von Slow Manufacturing, die Zeit braucht und nur kleine Stückzahlen zulässt. Gleichzeitig wird es von vielen, die nicht aus der Branche kommen, als Kunst wahrgenommen. Also ich kann mich mit beidem identifizieren, ob jetzt Designerin oder Künstlerin. Für mich persönlich ist es gar nicht so wichtig, das abzugrenzen.“

Du arbeitest mit einem Material, das nicht geformt, sondern gezüchtet wird – verändert das für dich den Blick auf Ressourcen und Gestaltung?

„Der Prozess ist ressourcenschonend, weil die Lösung nur einmal auf etwa 60 Grad erhitzt wird. Das Wachstum passiert dann bei Raumtemperatur. Für eine glasähnliche Oberfläche ist das eine sehr geringe Energiezufuhr.“

Würdest du sagen, dass hier eine andere Form von Handwerk entsteht, bei der weniger das Machen als das Einrichten von Bedingungen im Vordergrund steht?

„Das Arbeiten mit Acrylglas ist klassisches Handwerk. Der Kristallprozess basiert eher auf chemischen Prinzipien. Es ist ein Zusammenspiel aus Handwerk und Chemie.“

Dein Projekt wurde mit dem Future Forward Award ausgezeichnet – was daran würdest du selbst als zukunftsweisend beschreiben, und welche Gespräche wünschst du dir daraus auf der BLICKFANG?

„Ich habe mich sehr gefreut, dass das auch von einer etablierten Branche gewürdigt wird. Kristalle kommen im Interior Design kaum vor und ich kenne nur wenige vergleichbare Projekte. Ich finde es spannend, sie als Materialalternative zu sehen, die sich selbst bildet und ressourceneffizient ist. Gleichzeitig gibt es keine ästhetischen Nachteile. Ich wünsche mir Gespräche darüber, wie man das Material weiterdenken und einsetzen kann.“

Elisabeth hast du übrigens auch die Möglichkeit, persönlich auf der BLICKFANG in Hamburg zu treffen. Vor Ort kannst du mehr über ihre Geschichte und ihre Produkte erfahren – und deine Favoriten natürlich direkt mitnehmen. Sichere dir hier gleich dein Ticket!

Wenn du Lust hast, noch weitere spannende Labels zu entdecken, schau unbedingt in unserem Journal vorbei und lass dich inspirieren.

Von Entwurf zu Ausstellung – Der Wettbewerb für Studierende

Die BLICKFANG Hamburg ist ein wichtiger Ort für die nächste Generation von Designer:innen. Im Rahmen des Studierendenwettbewerbs präsentieren junge Gestalter:innen ihre aktuellen Projekte – von ersten Prototypen bis hin zu eigenständigen Konzepten. Der Wettbewerb bietet nicht nur die Chance auf Sichtbarkeit, sondern auch wertvolle Rückmeldungen aus der Designpraxis. Hier entstehen neue Ideen, werden Materialien und Funktionen neu gedacht und gestalterische Grenzen ausgelotet – ein idealer Rahmen, um frische Ansätze im Design zu entdecken.

Lara Morr: Mehr als eine Lösung – „Morr than one way“

„Morr than one way“ von Lara Morr ist ein multifunktionaler Tisch, der auf unterschiedliche Anforderungen im Alltag reagiert. Ausgangspunkt ist die Frage, wie sich Arbeiten, Wohnen und gemeinschaftliche Nutzung in einem Möbel verbinden lassen. Durch dreh- und ausziehbare Plattenelemente kann die Fläche flexibel erweitert werden. So lässt sich der Tisch sowohl als Arbeitsplatz als auch als größere Arbeits- oder Essfläche nutzen. Die Konstruktion ermöglicht es, zwischen Offenheit und Ordnung zu wechseln. Arbeitsmaterialien können sichtbar bleiben oder temporär in die Struktur integriert werden. Die organische Formgebung verbindet funktionale Klarheit mit einer wohnlichen Erscheinung.

Ida Westrick: Eine Fläche, viele Funktionen – „LOU“

Mit „LOU“ entwickelt Ida Westrick ein Wandobjekt aus einer einzigen Metallfläche. Durch eine präzise Biegung wird die zweidimensionale Ebene in ein dreidimensionales Objekt überführt, ganz ohne zusätzliche Bauteile.

Die Gestaltung reduziert sich auf einen einzigen Eingriff, bei dem Form, Material und Funktion unmittelbar zusammenwirken. Je nach Ausführung wird LOU zum Spiegel mit räumlicher Reflexion oder zur Ablage mit Stauraum für Alltagsgegenstände.

Lena Gerscher: Frida – Konstruktion als Gestaltung

Mit Frida entwirft Lena Gerscher ein Regal, das seine Konstruktion bewusst offenlegt. Steckverbindungen und sichtbare Holzstrukturen prägen das Erscheinungsbild und verleihen dem Möbel eine klare, handwerkliche Ästhetik. Das modulare System erlaubt flexible Anordnungen und macht Frida anpassbar an unterschiedliche Nutzungsszenarien. Farbige oder grafische Einsätze setzen dabei gezielte Kontraste und erweitern das Regal um eine visuelle Ebene zwischen Funktion und Inszenierung. So entsteht ein Möbel, das sich zwischen Ordnungssystem und Ausstellungsfläche bewegt – reduziert, wandelbar und präzise.

Hannah Gröschel: Zwischen Lichtbild und Objekt – „WALLY“

Die Objektleuchte „WALLY“ von Hannah Gröschel verbindet nostalgische Formelemente mit einer zeitgenössischen, grafischen Gestaltung. Ein Gestell aus verchromtem Edelstahl und Nussbaumholz trifft auf eine Leuchtfläche mit pixelartiger Struktur. Mehrere übereinanderliegende Acrylglasplatten erzeugen ein vielschichtiges Lichtbild. Im eingeschalteten Zustand entsteht eine warme, diffuse Leuchtwirkung, während die Leuchte im ausgeschalteten Zustand ruhig und klar erscheint. So bewegt sich WALLY zwischen funktionaler Beleuchtung und gestalterischem Objekt und thematisiert den Kontrast von analoger Materialität und digitaler Bildsprache.

Michael Döpke: Vom Brett zur Form – Ein Hocker aus gebogenem Holz

Der Bugholzhocker von Michael Döpke reduziert ein Sitzmöbel auf eine durchgehende Materialfläche. Ausgangspunkt ist ein flaches Holzbrett, das mithilfe von Wasserdampf in Form gebracht wird.

Durch das Bugholzverfahren entsteht eine Konstruktion ohne zusätzliche Verbindungselemente, deren Stabilität allein aus der Form entsteht. Der Herstellungsprozess bleibt sichtbar und wird zum gestalterischen Element. So wird der Übergang vom Zweidimensionalen ins Dreidimensionale nachvollziehbar und die Materialität des Holzes betont.

Antonia Fischer: Falten, Licht, Struktur – „mira“

Die Leuchtenserie „mira“ von Antonia Fischer basiert auf einem präzisen Zusammenspiel aus Faltung und Material. Durch gezielte Knicke und Klebepunkte wird das Shoji-Papier in eine plastische, dreidimensionale Form gebracht, die das Licht weich streut und gleichzeitig eine klare Struktur zeigt. Die einzelnen Elemente werden in Handarbeit gefertigt und mithilfe von Magneten verbunden. Dadurch lässt sich die Leuchte zusammenfalten und platzsparend transportieren. Das Leuchtobjekt wird über kleine Kugelmagnete fixiert und bleibt flexibel in der Handhabung. „mira“ ist in mehreren Größen sowie als Tischleuchte erhältlich und verbindet Leichtigkeit mit konstruktiver Präzision.

Amelie Dörflinger und Frauke Rotte: Alltag sichtbar machen – „puck. – Barista Zubehör“

Mit „puck.“ entwickeln Amelie Dörflinger und Frauke Rotte eine Kollektion von Barista-Zubehör, die den Prozess der Kaffeezubereitung bewusst unterstützt und zugleich gestalterisch in den Alltag integriert. Unterschiedliche Formen und Farben setzen gezielte Akzente und machen die Werkzeuge zu sichtbaren Bestandteilen der Küche.

Die Tamper bestehen aus Edelstahl und werden auf der Drehbank gefertigt. Griff und Unterteil sind verschraubt, sodass sich das Unterteil austauschen lässt. Die Abklopfbox wird aus Stahlblech gekantet und durch ein 3D-gedrucktes Inlay ergänzt, das die Belastung beim Gebrauch abfängt.

Camilla von Kaehne: Reduktion und Atmosphäre – „Lücht“

Mit „Lücht“ gestaltet Camilla von Kaehne eine akkubetriebene Tischleuchte mit reduzierter Form und ruhiger Materialkombination. Der Entwurf verbindet Funktionalität mit einer klaren gestalterischen Haltung und fügt sich in unterschiedliche Wohnkontexte ein.

Gesteuert über einen Touchsensor lässt sich die Leuchte stufenlos dimmen. Dank USB C ist sie flexibel einsetzbar. Das warme Licht schafft eine intime Atmosphäre. Holz, Porzellan und PLA sind klar voneinander abgesetzt und verleihen der Leuchte eine zeitlose Anmutung.

Die Sonderfläche des Studierendenwettbewerbs auf der BLICKFANG Hamburg ist ein absolutes Muss für alle Designbegeisterten, die den kreativen Nachwuchs unterstützen und innovative Ideen entdecken möchten. Hier trifft experimentelles Design auf funktionale Lösungen, und die Werke der jungen Designer:innen beweisen, dass die Zukunft des Designs alles andere als langweilig ist.

Ein Besuch auf dieser Sonderfläche bedeutet nicht nur, spannende Prototypen und Konzepte zu sehen, sondern auch die kreativen Köpfe hinter den Ideen kennenzulernen. Nutze die Gelegenheit, dich inspirieren zu lassen und vielleicht sogar den nächsten Designstar zu treffen!

 

Wenn es in Vancouver regnet – und das tut es ziemlich oft – hat Bettina Müller Reichl eine elegante Antwort darauf: Capes, die Wettertauglichkeit und zeitlose Eleganz verbinden. Mit ihrem Label Cape de Coeur hat die gebürtige Österreicherin eine eigene Nische geschaffen: luxuriöse, funktionale Capes, die gleichermaßen Schutz und Stil bieten. Bettina bringt dafür eine beeindruckende Laufbahn mit: Von der Wiener Modeschule über Stationen in der Kostümdesign- und Sportswear-Welt bis hin zur Gründung ihres Labels in Kanada. In Cape de Coeur vereinen sich künstlerische Eleganz, technisches Know-how und eine klare Haltung zu Verantwortung und Nachhaltigkeit. Wir haben mit Bettina über die Entstehung ihres Labels, ihren eigens entwickelten Stoff CoeurTex™ und ihre Vision von verantwortungsvoller Mode gesprochen.

Bettina Mueller-Reichl und ihr Ehemann

Der Name Cape de Coeur ist ein schönes Wortspiel – was bedeutet der Name für Dich persönlich?

„Die Geschichte ist ziemlich interessant, denn der Name hat die Ausrichtung meines Labels mitgeformt. Am Anfang wollte ich Capes und Mäntel designen. Eine talentierte Copywriterin entwickelte den Namen ‚Cape de Coeur‘, abgeleitet vom französischen ‚Coup de Coeur‘, das in Modemagazinen ein potenzielles Lieblingsstück beschreibt. Die Idee, mich ganz auf Capes zu spezialisieren und diese perfekt zu machen, hat mich sofort begeistert. So wurde aus einem Namen ein Konzept: Ich beschloss, ein einziges Produkt zu machen, dafür aber richtig gut, und dafür werde ich die Go-to-Brand sein.“

Dein Weg führte von der Wiener Modewelt über Sportbekleidung für Große Labels bis hin zur Couture-Regenbekleidung in Vancouver. Wie fließen deine beruflichen Stationen in deine heutige Arbeit ein?

„Mein beruflicher Weg hat mich im Grunde wieder zu meinen Anfängen zurückgebracht, aber mit all dem Wissen, das ich über die Jahre gesammelt habe. Am Anfang meiner Karriere hatte ich mein eigenes kleines Modellabel in Wien und habe nebenbei Kostümdesign für die Oper und Film gemacht, bin dann aber in die Sportswear-Industrie gerutscht. Dort habe ich gelernt, dass ein Kleidungsstück mehr sein muss als ein trendiges Fashion-Teil, das man nur eine Saison lang trägt. Es geht um Langlebigkeit und um den ‚Purpose‘. All dieses technische Wissen darüber, wie man ein funktionales, langlebiges Kleidungsstück entwickelt, fließt jetzt in meine Capes ein. Ich glaube, die Kombination aus meinen künstlerischen Anfängen und dem technischen Know-how aus der Sportswear-Industrie macht meine Capes so einzigartig.“

Euer eigens für Cape de Coeur entwickelter Stoff CoeurTex™ gilt als Herzstück der Designs. Was macht dieses Material so besonders – auch im Vergleich zu klassischen Performance-Stoffen?

„Ich wollte keinen Stoff ‚von der Stange‘ nehmen, sondern ein Material, das meinen Vorstellungen entspricht. Ich wollte die Performance einer High-Tech-Regenjacke, aber mit der weichen Haptik und dem fließenden Fall eines Wollmantels. Es war eine Suche, die fast zwei Jahre gedauert hat, aber ich habe einen Stofflieferanten gefunden, mit dem ich das Material von Grund auf neu entwickeln konnte. Die Außenschicht und die Innenschicht sind gewirkt, nicht gewebt wie bei herkömmlichen Outdoor-Jacken. Dazwischen liegt eine moderne Membran, die wasserdicht und gleichzeitig atmungsaktiv ist. Ich wollte das typisch raschelnde, steife Gefühl eines technischen Stoffes vermeiden. Außerdem ermöglicht uns die Struktur des Stoffes, eigene Muster zu designen. Die Entwicklung war eine Reise für sich, aber das Ergebnis ist ein Material, das genau das darstellt, was ich mir vorgestellt habe.“

Die Capes sind das Ergebnis von jahrelanger Entwicklung und ständiger Verbesserung. Wie definierst du verantwortungsvolle Luxusmode?

„Für mich besteht Luxus in der Verantwortung. Das beginnt bei den Lieferanten: Ich weiß, wer die Stoffe produziert, wo die Capes hergestellt werden und unter welchen Bedingungen die Menschen arbeiten. Ich habe mich bewusst für europäische Produzenten in Deutschland und Portugal entschieden, die höchste Umwelt- und Sozialstandards erfüllen. Bei der Manufaktur in Portugal, mit der ich schon lange zusammenarbeite, ist Transparenz selbstverständlich. Das Zweite ist die Produktion in sehr kleinen Mengen. Wir schmeißen nichts weg – auch keine Stoffreste. Aus den kleinsten Resten machen wir Accessoires wie Hüte oder Ansteckblumen. Und zu guter Letzt geht es um die Langlebigkeit der Capes selbst. Unsere Designs folgen keinen schnellen saisonalen Trends, sondern sind zeitlose Stücke, die man in zehn Jahren noch mit Freude tragen kann.“

Mit der Zusammenarbeit mit der Pollinator Partnership zeigt Cape de Coeur, dass Nachhaltigkeit bei euch über die Lieferkette hinausgeht. Wie entstand diese ungewöhnliche Verbindung?

„Ich habe eine Leidenschaft, die ich nicht verleugnen kann: Bienen und Insekten. Ich finde es extrem wichtig, dass wir auf sie achten. Ich wollte einfach irgendetwas machen, wo ich mein Label mit meiner persönlichen Leidenschaft verbinden kann. Auch wenn wir vielleicht nur ein paar Leute erreichen, hoffe ich, dass sie sich fragen: ‚Was ist das Pollinator Project?‘ und sich mit dem Thema beschäftigen. Diese Organisation kümmert sich darum, dass Gärten und Felder wieder zu natürlichen Lebensräumen für Bienen und Insekten werden. Die Bienen und Kolibris, die wir auf unseren Capes als Muster haben, spiegeln das wider. Jeder kann etwas beitragen, und das ist meine Mission mit diesem Projekt.“

Der Modealltag in Vancouver unterscheidet sich stark von Wien oder Paris. Welche kulturellen Unterschiede haben deine Designs beeinflusst?

„Ich sehe mich als Europäerin mit tiefen österreichischen Wurzeln. Die Jugendstil-Architektur in Wien, die mich mein Leben lang umgeben hat, hat meinen Stil stark geprägt. Spannenderweise ist der Jugendstil wiederum stark von der japanischen Ästhetik beeinflusst, was erklärt, warum japanisches Design auch meine Capes inspiriert. Der entscheidende Auslöser für das Label war jedoch das ständige regnerische Wetter in Vancouver. Es gab nichts Schönes zum Anziehen, was mich als Modeenthusiastin frustrierte. Das hat mich dazu inspiriert, elegante, wetterfeste Kleidung zu entwerfen. Die Natur in Vancouver hat auch einen großen Einfluss auf meine Designs. Die Vögel und die Flora der Region finden sich in den Mustern meiner Stoffe wieder. Die kanadische Kultur hat aber auch die Expertise geliefert, die ich brauchte, um die Capes umzusetzen – Experten für Hightech-Kleidung, die es in Europa kaum gibt.“

Wer trägt die Mode von Cape de Coeur? Was für ein Bild hast du von deiner Kundschaft im Kopf?

„Unsere Kunden sind häufig Menschen mit einer beruflichen Karriere. Ich sehe sie als professionelle, kreative und selbstbewusste Persönlichkeiten, die Wert auf Qualität, Design und Funktionalität legen. Oft tragen sie teure Kleidung, und sie kennen das Dilemma: Wie schützt man ein teures Outfit auf dem Weg zum Meeting, ohne eine hässliche Regenjacke zu tragen? Unser Cape nimmt ihnen diese Entscheidung ab. Es ist gleichzeitig praktisch und elegant. Es sind Menschen, die sich trauen, aus der Masse herauszustechen, denn man wird mit einem Cape de Coeur überall angeschaut und auch oft angesprochen. Unsere Kund:innen erzählen mir, dass sie von Fremden auf der Straße gestoppt werden. Das ist ein tolles Gefühl, weil es zeigt, dass unser Design einen Nerv trifft.“

Deine Arbeitsweise ist sehr spannend, Du arbeitest in einem dezentralen, globalen Netzwerk mit Expert:innen aus verschiedenen Disziplinen. Wie beeinflusst diese Arbeitsweise deine Arbeit?

„Ich habe von Anfang an beschlossen, mir für alles, was ich nicht perfekt kann, einen Experten zu holen. Die Zusammenarbeit mit der Expertin, die die Capes zusammen mit mir phyisch entwickelt hat, war zum Beispiel unverzichtbar. Ohne sie hätte ich das niemals geschafft. Auf der anderen Seite habe ich im Laufe der Zeit gelernt, wann ich wirklich Hilfe brauche und wann ich mir auch selbst helfen kann. Das war eine spannende Reise, die mich selbstbewusster gemacht hat. Man wird mit der Zeit auch ein bisschen Marketing-Expertin und Social-Media-Expertin. Das Ganze hat mich gelehrt, sicher nach Hilfe zu fragen, wenn ich sie brauche, und die Expertise anderer wertzuschätzen. Man kann nicht alles allein können.“

Und zum Schluss: Worauf dürfen wir uns bei deinem Label als Nächstes freuen?

„Als Erstes freue ich mich, dass ich den Sam Carter Design Award in British Columbia für mein Label bekommen habe! Das zweite ist, dass ich jetzt mit einem österreichischen Stofflieferanten und einer kleinen Manufaktur zusammenarbeite, um neue Woll-Capes zu entwerfen. Die Wolle ist 100% ökozertifiziert und die gesamte Lieferkette ist österreichisch. Ich freue mich schon sehr auf dieses neue Projekt, weil es wieder spannend ist, mit einem ganz anderen Material zu arbeiten.“

Bettina kannst du übrigens persönlich an der BLICKFANG in Hamburg kennenlernen, noch mehr über ihre Geschichte und ihre Produkte erfahren und diese natürlich direkt kaufen. Hier geht es direkt zu den den Tickets!

Lust noch mehr Labels besser kennenzulernen? Dann schau jetzt in unserem Journal vorbei und lass dich inspirieren!