Ein Portrait von Vera und Rolf.
Vera und Rolf von Claude Brannen

Mit feinem Gespür für Materialien, einer tiefen Liebe zur Gestaltung und einem besonderen Blick für das Schöne erschaffen Vera Brannen und Rolf Claude unter dem Label Claude Brannen Schmuck- und Designobjekte, die irgendwo zwischen Kunst und Handwerk schweben. Ihre Stücke erzählen Geschichten von Jahrtausenden, von Natur, Zeit und Achtsamkeit. Im Gespräch erzählen die beiden, wie sie arbeiten, was sie antreibt – und warum jedes Objekt auch eine Begegnung ist. 

Die Peacock-Leuchte.

Wie kam es dazu, dass ihr euer eigenes Label Claude Brannen gegründet habt? 

Vera: „Ich mache seit über zehn Jahren Schmuck – anfangs einfach aus Leidenschaft. Mit der Zeit ist daraus etwas Gewachsenes entstanden, etwas, das sich richtig anfühlte. Irgendwann war klar: Jetzt ist es Zeit, etwas Eigenes zu gründen.“ 

Rolf: „Bei uns war das kein klassischer Business-Plan-Moment, sondern ein organisches Wachsen. Die Leidenschaft war einfach größer als alles andere.“ 

Viele eurer Objekte entstehen aus persönlicher Neugier oder aus einem eigenen Bedürfnis heraus. Wie schafft ihr es, dass sie auch andere Menschen ansprechen? 

Vera: „Das passiert eigentlich ganz natürlich. Wir holen uns viel Feedback – von Architekt:innen, Innenausstatter:innen, potenziellen Nutzer:innen. Gerade beim Peacock, unserer Leuchte, war das so. Es gibt zig Iterationen, bis es stimmig ist. Ich habe viele Jahre im Bereich Kundenorientierung gearbeitet, das hilft natürlich: Die Nutzerseite mitzudenken, ohne sich selbst zu verlieren.“ 

Rolf: „Und am Ende ist es immer eine Auseinandersetzung – mit uns selbst, mit anderen, mit dem Material.“ 

Ein silberner Ring in besonderer Form: schwungvoll und doch markant.
Die Peacock-Leuchte auf einem Tisch.

Apropos Material: Ihr arbeitet mit faszinierenden Stoffen – von Meteorit bis Mammut-Elfenbein. Was reizt euch daran besonders? 

Vera: „Das Mammut-Elfenbein ist für mich etwas ganz Besonderes. Es ist zehntausend Jahre alt – allein das macht ehrfürchtig. Wenn du es berührst, fühlt es sich warm, fast lebendig an. Die feinen Linien, die Farbe, die Geschichte, die darin steckt – das ist einfach faszinierend.“ 

Rolf: „Mich begeistern solche natürliche Materialien. Bei Meteoriten zum Beispiel spürt man diesen Hauch von ‚Outer Space‘. Du hältst ein Stück Sternschnuppe in der Hand – das inspiriert.“ 

Vera: „Und Tahiti und Südsee Perlen erst. Ihr großes Farbenspektrum, der tiefe Lüster, die barocken Formen – da komme ich ins Schwärmen, bei dieser organischen Eleganz.“

Woher nehmt ihr eure Inspiration für neue Arbeiten? 

Rolf: „Aus dem Leben, aus der Natur, aus kleinen Momenten. Heute Morgen hat Vera in ihren Tee geschaut und gesehen, wie der Dampf in der Sonne glitzert. Solche Details, dieses achtsame Sehen – daraus entstehen Ideen.“ 

Vera: „Ja, das passiert einfach. Auf Reisen, im Garten, in Museen oder in Gesprächen mit anderen Künstler:innen. Wir bleiben offen – Inspiration kommt, wenn man hinsieht.“ 

Wie läuft euer kreativer Prozess dann konkret ab? 

Vera: „Am Anfang steht entweder eine Idee oder ein Material. Beim Mammut-Elfenbein war es klar das Material, bei der ‚Tahiti-Perle‘-Kollektion die Idee. Ich arbeite oft wochenlang an einer Form, zeichne, denke, träume davon. Der eigentliche Designprozess ist dann fast tranceartig – ich bin komplett im Flow.“ 

Rolf: „Wir arbeiten sehr pingpongartig. Einer bringt etwas ein, der andere ergänzt. Am Ende wissen wir oft gar nicht mehr, von wem was kam. Aber genau das macht es spannend.“ 

Wie schafft ihr es, bei so viel Kreativität trotzdem fokussiert zu bleiben? 

Vera: „Ich habe zwei Jahrzehnte ein Unternehmen geführt – Struktur liegt mir im Blut. Wir trennen klar zwischen der neugierigen, kreativen Phase und der strukturierten Umsetzungsphase.“ 

Rolf: „Ja, in der kreativen Phase darf alles passieren. Da gibt’s keine Grenzen. Aber wenn es dann in die Umsetzung geht, sind wir sehr fokussiert – da zählt Präzision.“ 

Die Peacock-Leuchte in weißer Farbe.

Ihr habt unterschiedliche berufliche Hintergründe – Kunst und Soziologie auf der einen Seite, Ingenieurwesen auf der anderen. Wie beeinflusst das eure Zusammenarbeit bei Claude Brannen? 

Vera: „Ich bringe vielleicht das intuitive, gestalterische Gespür mit, Rolf eher die analytische und technische Seite.“ 

Rolf: „Das ergänzt sich perfekt. Sie denkt in Formen und Farben, ich in Systemen und Prozessen. Und so entsteht das, was wir beide schön finden.“ 

Euer gemeinsames Projekt, die Peacock-Leuchte, ist fast schon ein Symbol für eure Arbeit geworden. Warum liegt euch dieses Stück so am Herzen? 

Vera: „Weil es alles vereint: Material, Form, Funktion und Emotion. Drei Jahre Arbeit, unzählige Iterationen, viel Feedback – und am Ende ein Lichtobjekt, das Räume verändert.“ 

Rolf: „Ja, und auch die Herstellung war besonders: kaltverformter Stahl, handgebogen, handverpackt, alles in der Schweiz produziert. Jedes Detail trägt eine Geschichte. Wenn die Leuchte jetzt hängt, spürst du einfach, dass sich jede Mühe gelohnt hat.“ 

An der BLICKFANG Zürich zeigt ihr eure Arbeiten nun einem größeren Publikum. Worauf freut ihr euch am meisten? 

Rolf: „Auf die Begegnungen – auf Menschen, die ein Auge für solche Dinge haben. Die BLICKFANG bringt Design auf Augenhöhe. Es geht nicht um Inszenierung, sondern um Authentizität. Um ehrliche Gespräche, echtes Interesse. Wir freuen uns darauf, unsere Arbeiten zu zeigen – und vielleicht auch ein bisschen zu lernen, wie andere auf das reagieren, was wir tun.“ 

Vera: „Für uns ist die BLICKFANG wie ein lebendiges Atelier – ein Ort, an dem sich Menschen wirklich begegnen. Wo Gestaltung spürbar wird, weil man sie anfassen, erleben, teilen kann. Diese direkte Resonanz ist unglaublich inspirierend. Wenn jemand stehen bleibt, hinschaut und sich für ein Objekt entscheidet, weil er berührt ist – dann hat sich alles gelohnt.“ 

An der BLICKFANG in Zürich kannst du Vera und Rolf begegnen und erleben, wie Claude Brannen Handwerk, aussergewöhnliche Materialien und die Freude am Schaffen zu lebendiger Gestaltung verbindet. Hier geht es zu den Tickets!

Ein langer Ohrschmuck von Monoi, der bis über die Schulter ragt

In den Schmuckstücken von Monoi liegt eine besondere Ruhe – eine stille Selbstsicherheit, geformt durch Präzision, Balance und Licht. Jedes Stück wirkt, als sei es direkt aus der Stille heraus gemeißelt: architektonisch und doch zutiefst menschlich, modern und zugleich zeitlos. Gegründet von den Geschwistern Maja und Marko Bacanin, entstand das Label aus einer gemeinsamen Leidenschaft für Form und einem tiefen Respekt vor traditionellem Handwerk. Aufgewachsen in der Schmuckwerkstatt ihrer Familie und mit einem Hintergrund in Architektur, schaffen die beiden Stücke, in denen Präzision auf Emotion trifft. Monois Philosophie beruht auf Reduktion – auf der Suche nach Schönheit durch Klarheit und den bewussten Einsatz von recyceltem Silber und Gold. 

Die beiden Geschwister Maja und Marko
Maja und Marko von Monoi

Maja, du und dein Bruder haben Monoi 2018 gegründet. Wie haben die Jahre in eurer Familienwerkstatt, euer Architekturstudium und eure Aufenthalte im Ausland dazu geführt, ein eigenes Schmucklabel zu starten? Gab es einen Moment, in dem euch klar wurde, dass das euer Weg sein sollte?

„Schmuck war Teil unserer Kindheit, weil unsere Familie eine kleine Werkstatt betrieben hat; diese praktischen Jahre haben uns tief geprägt. Marko und ich haben beide Architektur studiert – er wurde Architekt, ich Innenarchitektin – und viele Jahre in diesem Bereich gearbeitet, unter anderem lange in Dubai. Das Studium hat uns gelehrt, über Proportionen, Raum und reduzierte Formen nachzudenken. Nach einer Weile wollte ich jedoch etwas Kleineres, Intimeres gestalten. Ich begann zuhause mit einfachen Aluminiumstücken und kleinen Ringen zu experimentieren. Wir zeigten sie Freunden, und ihre positive Resonanz überraschte uns. Was als privates Experiment zwischen uns Geschwistern begann, entwickelte sich langsam zu Monoi. Mit der Zeit und stetiger Ermutigung wurde daraus aus einem Hobby unsere volle Berufung.“

Ein runder Ohrring von Monoi.

Der Sprung von einem Experiment zu einem Vollzeit-Label ist groß. Wie hast du diesen Übergang erlebt, und welche unerwarteten Aufgaben oder Lektionen hast du dabei gelernt?

„Es war befreiend und demütigend zugleich. Anfangs führten wir Monoi parallel zu unseren Architekturjobs, der Wechsel war also allmählich. Als das Label uns zu tragen begann, wagten wir den Sprung – doch Freiheit bringt Verantwortung mit sich. Wir mussten schnell die geschäftliche Seite erlernen: Produktionsplanung, Preisgestaltung, Promotion. Kreativ hat sich nichts geändert; wir entwerfen immer noch aus Neugier. Aber die administrativen Aufgaben – Entscheidungen, die das Leben anderer betreffen – haben mir Geduld und Disziplin beigebracht. Ein eigenes Label zu führen, macht Freude, bedeutet aber auch, die Verantwortung für jede Entscheidung zu tragen.“

Eure Stücke wirken modern und zugleich handwerklich verwurzelt. Wie verbinden sich eure architektonische Ausbildung und die traditionellen Methoden eurer Familie beim Entwerfen?

„Sie sind untrennbar verbunden. Die Architektur gibt uns eine Sprache für Geometrie und Proportion; die Werkstatt der Familie lehrte uns die Materialwahrheit von Metall. Praktisch bedeutet das: Ein Entwurf beginnt mit einer klaren formalen Idee – einer Linie, einer Fläche, einem Winkel – und wird dann mit Techniken umgesetzt, die wir als Kinder gelernt haben. Ein Großteil unserer Produktion ist immer noch handgefertigt. Wir veredeln und recyceln Silber selbst, formen die Bleche, schneiden und polieren von Hand. Diese Mischung – disziplinierte, fast architektonische Klarheit kombiniert mit handwerklicher Materialkenntnis – verleiht jedem Stück seine eigene Stimme.“

Monoi ist zeitlos, nicht trendgetrieben. Was bedeutet Zeitlosigkeit für dich, und wie hängt das mit recycelten Metallen und nachhaltiger Arbeit zusammen?

„Zeitlosigkeit bedeutet für mich Unabhängigkeit von Jahreszeiten und flüchtigen Moden. Ein zeitloses Stück ist vielseitig: Es passt zu verschiedenen Stilen, lässt sich mit Erbstücken kombinieren und bleibt dabei ehrlich. Diese Langlebigkeit geht Hand in Hand mit unseren Materialentscheidungen. Wir kaufen kein neues Silber, sondern recyceln und veredeln vorhandenes Metall. Wenn ein Stück materiell und emotional langlebig ist, ist es automatisch nachhaltiger. Ich liebe die Vorstellung, dass unsere Ringe oder Halsketten weitergegeben werden; diese Kontinuität liegt sowohl im Herzen zeitlosen Designs als auch verantwortungsvoller Praxis.“

Euer Schmuck wirkt oft einfach, doch diese Einfachheit erfordert enorme Präzision. Welche technischen Herausforderungen stecken hinter dieser Klarheit, und gibt es ein Stück, das dir besonders am Herzen liegt?

„Einfachheit ist kompromisslos. Wenn eine Form auf eine klare Fläche oder eine präzise Kante reduziert ist, lässt sich kein kleiner Fehler verbergen. Polieren, Finish und Proportion müssen perfekt sein. Deshalb haben wir sehr spezifische Wege entwickelt, unsere Silberbleche herzustellen – bestimmte Stärken und Oberflächen, die zu unserer Geometrie passen – und dieses Produktionswissen ist einzigartig. Persönlich bedeutet mir der erste Ring, den ich gefertigt habe, ‚Lumen‘, am meisten. Er ist klein, zurückhaltend und das Stück, das ich täglich trage; er trägt die Erinnerung an den Anfang und erinnert mich daran, warum wir das tun.“

Der schulterlange Monoi-Ohrring in Nahaufnahme.
Ein silberner stabförmiger Ohrring von Monoi

Ihr fertigt sowohl tragbare Alltagsstücke als auch skulpturale, auffällige Arbeiten. Wie entscheidet ihr, wann ihr einer kühnen Idee folgt, und wie reagieren Kunden auf Unerwartetes?

„Wir folgen dem, was uns interessiert, nicht einem strikten Plan. Manchmal wirkt ein einfacher Ring vollkommen; manchmal zieht uns eine längere, skulpturale Linie an, und wir setzen sie um. Manche Stücke sind für den Alltag gemacht, andere für Momente, in denen man gesehen werden möchte. Die schöne Überraschung war, wie viele unterschiedliche Menschen sich mit unserer Arbeit verbinden. Wir dachten, unser Publikum wären vor allem Designer und Architekten, doch Menschen aus allen Bereichen finden unsere Stücke bedeutungsvoll. Sie kombinieren sie mit altem Schmuck, tragen sie auf neue Weise; die Reaktionen zeigen, dass ein starkes, ehrliches Design-Teil vieler Leben werden kann.“

Ihr seid wieder auf der BLICKFANG in Wien vertreten. Was schätzt ihr an Messen wie Blickfang, und wie beeinflusst der direkte Austausch mit den Menschen eure Arbeit?

„Messen sind kostbar – die wenigen Momente, in denen wir die Werkstatt verlassen und die Menschen treffen können, die unserem Schmuck Bedeutung geben. Die BLICKFANG letztes Jahr war warmherzig und neugierig; die Besucher kamen mit offenen Augen, und wir lernten viel über Passform, Maßstab und Wünsche. Dieses direkte Feedback ist unbezahlbar. Wenn viele Besucher beispielsweise eine bestimmte Halskettenlänge oder Ringproportion ansprechen, hören wir zu und passen an. Für die Messe bereiten wir uns sorgfältig vor; wir bringen sowohl neue Ideen als auch bewährte Stücke mit und freuen uns auf die Gespräche genauso wie auf den Austausch selbst.“

Rückblickend – was macht Monoi deiner Meinung nach wirklich besonders im Vergleich zu anderen zeitgenössischen Schmucklabels?

„Ich denke, es ist die Kontrolle und Sorgfalt von Anfang bis Ende. Wir stellen unsere Bleche selbst her, veredeln das Metall, formen und vollenden jedes Objekt von Hand. Proportionen und Oberflächen sind bis ins letzte Detail bedacht. Dadurch haben unsere Stücke eine erkennbare Stille – eine Präzision, die wie ein Markenzeichen wirkt. Kombiniert mit unserem Engagement für recycelte Materialien und der Werkstatttradition unserer Familie entsteht etwas, das einfach, aber hart erarbeitet ist: minimalistisch, aber niemals beiläufig.“

Ein silberner stabförmiger Ohrring von Monoi

Entdecke Monoi auf der BLICKFANG in Wien – triff Maja und Marko, erlebe Handwerkskunst und nimm ein Stück stiller Perfektion mit nach Hause. Hier geht es zu den Tickets!

Mit Liebe zum Handwerk, einem Gespür für Minimalismus und einer klaren Vision für bewusstes Leben gestalten Jonas und Christoph von finbeaux Produkte, die nicht nur Räume verschönern, sondern Menschen begleiten. Im Interview erzählen sie, was hinter ihren ‚soulmade‘ Objekten steckt, welche Inspirationen sie antreiben – und warum jedes Detail eine kleine Einladung ist, innezuhalten und bewusst zu leben. 

Jonas und Christoph, ihr kommt beide aus dem Tischlerhandwerk. Wie hat euch dieser Hintergrund bei der Gründung von finbeaux geprägt – handwerklich, aber auch in eurer Haltung zum Design? 

Jonas: „Das Tischlerhandwerk hat uns auf zweierlei Weise geprägt. Einerseits haben wir durch die Arbeit in hochwertigen Betrieben einen großen Erfahrungsschatz gesammelt – in Materialkunde, Verarbeitung, Prototypenbau und im Umgang mit verlässlichen Zulieferern. Das hilft uns heute enorm, wenn wir Ideen wirklich umsetzen wollen. 

Andererseits mussten wir lernen, diese handwerkliche Schule im Entwurfsprozess auch mal auszuschalten. Zu lösungsorientiertes Denken kann die gestalterische Freiheit blockieren. Und das loszulassen – das ist gar nicht so einfach. Aber genau da beginnt das echte Design.“ 

Die beiden Gründer von finbeaux: Jonas und Christoph
Jonas und Christoph von finbeaux
Der Wandspiegel REFLECT!, dessen Rückseite beschrieben werden kann.
Produkt: REFLECT!

Was inspiriert euch? Gibt es Menschen, Orte oder Erlebnisse, die finbeaux geprägt haben? 

Christoph: „Unsere größte Inspiration ist das Leben selbst – Begegnungen, Gespräche, die Momente dazwischen. Wir leben hier am Nordzipfel des Rheins, zwischen Wasser, Wind und Weite – da schwingt etwas Skandinavisches mit. Diese Ruhe und Klarheit, wie man sie etwa bei Carl Hansen oder Moebe findet, spricht uns sehr an. Es ist dieser warme Minimalismus, der nicht kühl, sondern menschlich wirkt. Design darf für uns nie nur Oberfläche sein – es soll berühren, Halt geben, vielleicht sogar heilen.“ 

Jonas: „Und viele Ideen kommen uns draußen, in der Natur. Nichts ist für mich belebender als frische Luft und Bewegung. Gleichzeitig entstand finbeaux auch aus einem inneren Wandel – aus dem Wunsch heraus, etwas zu schaffen, das Menschen stärkt. Weg vom reinen Arbeiten hin zu Sinn und Wirkung.“ 

Ihr sprecht vom „Mut zum Neuanfang“ – eine Haltung, die sich in euren Produkten deutlich spüren lässt. Welche Rolle spielt dieser Mut im kreativen Prozess? 

Christoph: „Mut und Glaube gehören für uns zusammen. Am Anfang eines Entwurfs sind wir mutig, probieren aus, denken groß. Aber irgendwann kommt der Moment der Entscheidung: Mit welchem Modell gehen wir ins Rennen? Da braucht es Glauben – an sich selbst, an die eigene gestalterische Qualität. Natürlich gibt es Tage, an denen alles großartig ist, und Tage voller Zweifel. Dann hilft nur reden, reflektieren, weitermachen. Wir erinnern uns gegenseitig daran, was wir schon erreicht haben, und fokussieren uns auf das Positive. Wie Bob Proctor sagt: ‚Du bist nicht besser als irgendjemand – aber keiner ist besser als du.‘“ 

Und wie übertragt ihr diesen Gedanken an Mut und Achtsamkeit in eure Produkte? 

Christoph: „Unsere Produkte sind wie kleine Anker im Alltag. Sie erinnern dich daran, kurz innezuhalten, zu reflektieren oder einfach freundlich mit dir selbst und anderen zu sein. 

Nehmen wir GIVE! Als Beispiel – die Idee dahinter ist, dass Geben immer auch etwas zurückbringt. Wenn du in einer angespannten Situation bist und dich bewusst entscheidest, mit Ruhe und Verständnis zu reagieren, verändert das den Moment. Unsere Produkte stehen genau dort, wo das Leben passiert – in der Küche, im Wohnzimmer, im Büro – und geben dir diesen stillen Impuls, dich wieder mit dem Wesentlichen zu verbinden.“ 

Jonas: „Design ist für uns eine Haltung. Wir gestalten Objekte, die nicht nur schön aussehen, sondern begleiten sollen – mit Bewusstsein und Zuversicht. So wird Design zu etwas, das stärkt und dich jeden Tag ein Stück näher zu dir selbst bringt.“ 

Eure Produkte nennt ihr „soulmade“. Was bedeutet das für euch? 

Christoph: „Es klingt vielleicht esoterisch, aber wir glauben, dass alles Energie ist. Wir sind spirituelle Wesen in einem menschlichen Körper – und wenn man sich auf diese feinen Frequenzen einlässt, passiert Magisches. Viele unserer Ideen entstehen nach Meditationen. 

Soulmade bedeutet für uns: Unsere Produkte sind mit dieser Energie durchdrungen. Sie sind klar in der Form, minimalistisch im Design, aber sie tragen Dynamik in sich – Vertrauen, Bewegung, Energie.“ 

Jonas: „Soulmade heißt für uns, dass ein Objekt Seele hat. Wenn du es berührst, spürst du, dass es mit Bewusstsein entstanden ist – und genau das macht es besonders.“ 

Der Küchenrollenhalter GIVE!
Produkt: GIVE!
Das Schneidebrett TRY!
Produkt: TRY!

Eure Designs wirken zeitlos und bewusst zurückhaltend. Wie steht ihr zum Thema Langlebigkeit – und welche Haltung steckt für euch hinter Nachhaltigkeit? 

Christoph: „Für uns bedeutet gutes Design auch Verantwortung. Wir leben in einer Zeit des Überflusses – und genau deshalb möchten wir Objekte schaffen, die bleiben. Dinge, die man nicht nur benutzt, sondern mit denen man lebt.“ 

Jonas: „Wir arbeiten fast ausschließlich mit Holz – ein Material, das wächst, altert, Geschichte trägt. Wenn du so ein Stück in der Hand hältst, spürst du: Das ist etwas, das bleibt.

Sprache spielt bei euch eine große Rolle – viele eurer Produkte tragen Verben als Namen: TRY!, GROW!, REFLECT! Warum? 

Christoph: „Sprache ist für uns Ausdruck von Bewusstsein – und zugleich eine Form von Gestaltung. In einer Zeit, in der Kommunikation oft verkürzt und automatisiert ist, möchten wir Worte wieder mit Bedeutung füllen. 

Verben sind dabei unsere Lieblingsworte, weil sie für Bewegung stehen. Veränderung geschieht nur durch Tun – und genau diese Energie möchten wir transportieren. Jedes Wort, ob TRY!, GROW! oder REFLECT!, ist wie ein kleiner Impuls, der dich erinnert, aktiv zu werden, zu reflektieren, oder einfach weiterzugehen. Sprache ist für uns Kunst – und Teil unseres Designs.“ 

Gibt es ein Produkt, das euch persönlich besonders am Herzen liegt? 

Christoph: „FLY! – unser Vogelhaus. Die Idee entstand in einem kleinen Dorf in der Normandie, Sotteville. Ich saß dort mit meinem Vater vor einem Bistro, sah Schwalben über die Dächer fliegen und zeichnete die Form auf einen Bierdeckel. Zwei Jahre später hielt ich das fertige Produkt am Strand in der Hand – und wusste: Das ist unsere Richtung. Es war der Beginn von finbeaux.“ 

Jonas: „Für mich ist es der Spiegel REFLECT!. Die beschreibbare Rückseite lädt dich ein, Gedanken oder Affirmationen zu notieren. Es ist ein stilles, poetisches Objekt – und das liebe ich daran.“ 

Auf der BLICKFANG trefft ihr bald euer Publikum. Worauf freut ihr euch am meisten? 

Jonas: „Wir freuen uns vor allem auf die Begegnungen. Uns geht es nicht ums reine Verkaufen, sondern um den Austausch – um das ehrliche Gespräch mit Menschen, die sich für Design begeistern. Wir möchten hören, was unsere Produkte bei ihnen auslösen, welche Gedanken sie damit verbinden. Und vielleicht erreichen wir jemanden, der sich selbst wieder ein Stück näherkommt. Das wäre das Schönste überhaupt.“ 

Das Vogelhaus FLY!
Produkt: FLY!

Auf der BLICKFANG in Wien kannst du Jonas und Christoph persönlich begegnen, ihre Produkte erleben und mit einem kleinen Alltagsanker nach Hause gehen. Hier geht es zu den Tickets!

In einer Welt, die von Trends, Schnelligkeit und Überfluss geprägt ist, schafft Anna Z’Brun mit ihrem Label les solides einen ruhigen Gegenpol. Ihre Schmuckstücke erzählen von Zeitlosigkeit, handwerklicher Präzision und einer Haltung, die über Ästhetik hinausgeht. Entstanden auf Bali und veredelt in der Schweiz, vereint les solides kulturelle Sensibilität mit einer klaren, minimalistischen Formsprache. Im Interview spricht die Designerin über den Mut zur Reduktion, das Vertrauen in den Prozess – und darüber, warum wahre Schönheit nichts mit Perfektion zu tun hat. 

Du hast les solides im Jahr 2017 gegründet. Was war der Ausgangspunkt für deine Entscheidung, ein eigenes Schmucklabel zu starten, und was waren die ersten Schritte auf diesem Weg?

Eigentlich begann alles mit Möbeln auf Bali. Ich war schon immer fasziniert von Materialien, Metallen und Dekoration. Schmuck habe ich zunächst für mich selbst von einem lokalen Handwerker anfertigen lassen – vor allem, weil mich die Qualität vieler Stücke auf dem Markt enttäuschte, insbesondere bei der Vergoldung. Immer wieder wurde ich auf meinen Schmuck angesprochen, und da ich ohnehin etwas, das meinen eigenen Werten entspricht, in die Schweiz bringen wollte, begann ich, in kleinen Mengen bei einem balinesischen Familienunternehmen zu produzieren und die Stücke in die Schweiz zu importieren. So entstand nach und nach les solides.

Ein Model trägt eine Goldkette von les solides.
Zwei goldene, ein silberenes Schmuckstück von les solides.

Vor dem Schmuckdesign hast du auch andere Designfelder wie Möbeldesign oder Taschenherstellung ausprobiert. Kannst du dazu etwas mehr erzählen?

Ich verbrachte zwei Jahre auf Bali und startete dort verschiedene Projekte, um über die Runden zu kommen. Ich mietete eine Villa und baute für diese mit lokalen Produzent:innen Möbel und Einrichtungsgegenstände. Durch die Untervermietung einiger Zimmer konnte ich mir ein stabiles Einkommen sichern und begann, Möbel für lokale Hotels und Cafés herzustellen.

Da Möbel jedoch schwer in die Schweiz zu bringen sind, suchte ich nach einem handlicheren Produkt – und so entstand die erste Kollektion hochwertiger Ledertaschen unter dem Label les solides. Als meine Mutter in Bern immer wieder auf diese Taschen angesprochen wurde, begann ich, sie in der Schweiz zu verkaufen.

Über die Jahre lernte ich auf Bali viele lokale Handwerker:innen kennen – darunter ein Familienunternehmen, das sich auf Edelmetallverarbeitung spezialisiert hat. Fasziniert von deren Kunst, begann ich mit Wachsmodellen zu experimentieren und erste Schmuckstücke herzustellen. Die Resonanz auf meine ersten Designs, die ich an einem Weihnachtsmarkt in der Schweiz zeigte, war überwältigend – das war der Beginn meiner Schmucklinie. Heute arbeiten rund 22 Handwerker:innen auf Bali für les solides und fertigen neue sowie bewährte Designs in sorgfältiger Handarbeit.

Les solides steht für zeitlose, minimalistische Designs, die unabhängig von Trends funktionieren. Was bedeutet für dich „zeitlos“?

Meine Grossmutter hat mich stark inspiriert – sie trug über Jahrzehnte denselben Schmuck, klassische Hoops, aber auch verspielte Stücke. Zeitlos bedeutet für mich nicht nur ein Design, das Bestand hat, sondern auch Qualität, die über Jahre hält. Man kann noch so nachhaltig produzieren – wenn ein Produkt nach einer Saison aus der Mode kommt, ist es nicht wirklich zeitlos. 

Der Schmuck von les solides ist genderfluid – er funktioniert für alle Menschen. Wie kam es zu dieser Entscheidung, und was bedeutet das für die Designs?

Mich haben immer wieder Männer gefragt, ob ich auch Schmuck für Männer mache. Für mich war aber von Anfang an klar: Ich mache keinen Schmuck für bestimmte Geschlechter – ich mache Schmuck für Menschen. Schmuck ist Ausdruck von Identität und Persönlichkeit, nicht von Geschlechterrollen.

Ich habe mich in den letzten Jahren intensiv mit dem Thema Gender und den gesellschaftlichen Erwartungen auseinandergesetzt. Die klassischen Grenzen zwischen „männlich“ und „weiblich“ verschwimmen immer mehr – und genau das spiegelt sich auch in meinen Designs wider. Sie sind bewusst offen gestaltet, weich, manchmal minimalistisch, manchmal verspielt – aber immer so, dass sie Raum lassen für Individualität.

Jede:r soll die Möglichkeit haben, ein Stück so zu tragen, wie es sich richtig anfühlt – unabhängig von Normen oder Labels. Deshalb verkaufe ich bei les solides auch alle Designs einzeln: So kann jede Person die Stücke frei kombinieren und ihren eigenen Ausdruck finden. Es geht nicht darum, eine fertige Identität anzubieten, sondern darum, der eigenen Kreativität und Authentizität Raum zu geben.

Bali spielt eine zentrale Rolle in deiner Produktion. Was hat dich ursprünglich dorthin gezogen, und warum hast du dich entschieden, dort zu produzieren?

Nach meiner Matura reiste ich mit meiner Familie nach Bali – ein kurzer Urlaub, der für mich zu kurz war. Ich verlängerte spontan, um die Insel alleine zu erkunden, Freundschaften zu schliessen und die Kultur abseits des Tourismus kennenzulernen.

Später kehrte ich zurück, arbeitete vor Ort an Grafik- und Interior-Projekten für Hotels und Cafés und genoss die Balance zwischen Arbeit und Leben. Während meines Studiums an der Zürcher Hochschule der Künste entschied ich mich schliesslich, mein Austauschsemester nicht in Rio, sondern wieder auf Bali zu verbringen.

Die Kultur und die Handwerkskunst dort haben mich tief beeindruckt. Natürlich bringt die Produktion auch Herausforderungen mit sich – die balinesische Arbeitsweise unterscheidet sich stark von der europäischen. Aber über die Jahre sind enge, vertrauensvolle Beziehungen entstanden, und genau das macht *les solides* für mich besonders.

In einem muschelförmigen Teller wird Schmuck von les solides aufbewahrt.

Wie hat sich dein kreativer Prozess durch die Zusammenarbeit mit den balinesischen Handwerker:innen verändert?

Die Zusammenarbeit mit den balinesischen Handwerker:innen hat meinen kreativen Prozess stark verändert. Ich bin eigentlich Perfektionistin – manchmal steht mir das im Weg. Die Qualitätsansprüche meiner Produzenten sind zwar sehr hoch, aber das Arbeiten dort lehrt mich, loszulassen. Nicht jedes Stück sieht exakt so aus, wie ich es gezeichnet habe – manchmal fällt etwas grösser oder kleiner aus. Diese kleinen Abweichungen machen den Schmuck lebendig und einzigartig.

Gleichzeitig entsteht vieles direkt im Austausch mit den Handwerker:innen. Oft entwickeln sich Ideen spontan – manchmal sogar aus einem vermeintlichen Fehler heraus. Ich habe gelernt, flexibler zu denken und mich vom Prozess überraschen zu lassen. Es hat etwas Spielerisches, fast Kindliches – manchmal fühle ich mich, als würde ich an einem Basteltisch sitzen und einfach ausprobieren. Leider fehlt im Alltag oft die Zeit, ganz konzeptionell zu arbeiten, aber genau dieses intuitive Entstehen bringt oft die spannendsten Ergebnisse hervor.

Ein Ring von les solides, eingefroren in einem Eiswürfel.

Du pflegst eine sehr persönliche Beziehung zu deinen Produzenten. Wie beeinflusst das die Qualität und den Designprozess?

Ich weiss genau, welcher Handwerker welches Stück gefertigt hat. Diese Nähe schafft Vertrauen und gegenseitigen Respekt. Wenn die Qualität stimmt, muss weniger korrigiert werden – das spart Zeit und stärkt die Zusammenarbeit. Natürlich muss man auch Grenzen setzen, damit es professionell bleibt, aber insgesamt fühle ich mich in meiner Vision sehr unterstützt.

Nachhaltigkeit spielt eine grosse Rolle bei les solides. Wie stellst du sicher, dass deine Materialien fair und hochwertig sind – und warum wird die Vergoldung in der Schweiz gemacht?

Die Vergoldung findet in der Schweiz statt, weil wir hier mit Fairtrade- und recyceltem Gold arbeiten. Auf Bali ist das Thema zertifizierte Edelmetalle weniger etabliert, daher war mir wichtig, diesen Schritt zu verlagern. Das Silber hingegen beziehen wir weiterhin lokal, da es dort in guter Qualität erhältlich ist.

Les solides steht im Kontrast zu Massenkonsum und Schnelllebigkeit. Welche Herausforderungen siehst du in der Modebranche, und wie positionierst du deine Marke dagegen?

Ich sehe die grösste Herausforderung darin, dass die Modebranche durch Überfluss und ständige Verfügbarkeit geprägt ist. Heute wird konsumiert, weil man kann, nicht unbedingt, weil man will. Vor ein paar Jahren war das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Qualität deutlich stärker – viele Menschen haben überlegt, woher ein Produkt kommt und wie lange es hält. Heute steht Schnelligkeit im Vordergrund, befeuert durch Plattformen wie Temu oder Shein.

Für ein Label wie les solides bedeutet das, sich bewusst davon abzugrenzen. Meine Stücke sind langlebig, zeitlos und hochwertig – sie sollen über Jahre getragen werden, nicht nur für eine Saison. Gleichzeitig merke ich, dass Exklusivität und Limitierung für viele Kund:innen wieder wichtiger werden. Wenn ein Produkt nicht jederzeit verfügbar ist, wird der Kauf bewusster und emotionaler.

Darum arbeite ich zunehmend mit limitierten Editionen, wie zum Beispiel der Lux Collection. Diese Verknappung schafft Wertschätzung – man entscheidet sich gezielt für ein Stück, statt es impulsiv zu kaufen. Auch weil meine Kund:innen oft schon mehrere Schmuckstücke besitzen, geht es weniger um schnellen Konsum, sondern um langfristige Beziehungen zu den Objekten. Ich sehe les solides als ruhigen Gegenpol zur Schnelllebigkeit – als Einladung, bewusster zu wählen, was man trägt.

Du hast gemeinsam mit zwei anderen Labels den OURS Flagship Store in Zürich gegründet. Was war die Idee dahinter?

Die Inspiration kam definitiv von meiner Zeit auf Bali. Ich liebe es, Menschen zu verbinden und gegenseitige Unterstützung zu fördern. In Zürich habe ich dieses Gemeinschaftsgefühl vermisst. Als kleines Label ist es oft herausfordernd, alles allein zu stemmen – deshalb wollten wir einen Raum schaffen, in dem man Synergien nutzen und voneinander lernen kann. Der OURS Store ist mehr als ein Geschäft – er ist ein Ort des Austauschs und der Begegnung.

Was sind deine langfristigen Ziele für les solides?

Ich möchte Menschen inspirieren – zu einer bewussteren Lebensweise, zu mehr Kreativität und Mut, ihren eigenen Weg zu gehen. Langfristig wünsche ich mir, Projekte auf Bali zu realisieren, die den Handwerker:innen vor Ort etwas zurückgeben – etwa durch Ausbildungsprogramme oder soziale Initiativen.

Ich sehe les solides nicht nur als Schmucklabel, sondern als Plattform, um Menschen miteinander zu verbinden und ihnen Raum zu geben, sich selbst zu entfalten.

Auf der BLICKFANG Zürich kannst du Anna Z’Brun persönlich kennenlernen und eintauchen in die Welt von les solides – wo jedes Schmuckstück eine Einladung ist, den eigenen Stil bewusst und authentisch zu leben. Hier geht es zu den Tickets!

Für echte Gewinnertypen

Auf jeder BLICKFANG wird der Designpreis in den Kategorien „Möbel & Produktdesign“, „Mode“ sowie „Accessoires“ verliehen.

Der Designpreis ist auch dieses Jahr wieder ein Highlight im Programm der BLICKFANG: Die besten gestalterischen Produkte und Konzepte werden unter Berücksichtigung einer besonders ansprechenden Präsentation ausgezeichnet. Für die Auswahl ist eine hochkarätige Fachjury verantwortlich.

Der Designpreis wird von der D.E.S.I.G.N. Foundation gefördert.

Die Fachjury der BLICKFANG Zürich 2025:

Roger Furrer I Brand Curator und Gründer von Studio Lookout

Roger Furrer ist Brand Curator und Gründer von Studio Lookout, einer Plattform für Design, Architektur und gesellschaftliche Transformation. Nach zehn Jahren als Global Director bei LAUFEN Bathrooms kuratiert er heute Projekte an der Schnittstelle von Marke, Kultur und Kreislaufdenken. Mit seinem Ansatz als „Chief Design Officer as a Service“ schafft er Räume für Verbindungen, Inspiration und neue Perspektiven – von Care-Initiativen bis zu internationalen Designformaten.

1. Was macht für dich zeitgemäßes und relevantes Design aus?

Für mich ist Design zeitgemäss und relevant, wenn es mehr ist als Form und Funktion. Es muss Resonanzräume schaffen – zwischen Menschen, Materialien und Kontexten. Relevantes Design denkt in Kreisläufen, respektiert Herkunft und Ressourcen und bleibt zugleich offen für neue Perspektiven. Es verbindet Haltung mit Wirtschaftlichkeit und erzählt eine Geschichte, die über den Moment hinaus Bestand hat.

2. Welches Designstück oder Label hat dich in letzter Zeit besonders inspiriert – und warum?

Projekte, die aus Tradition Zukunft formen, faszinieren mich. Ein Beispiel ist der Schweizer Rosshaarmatratzenhersteller und Designer Daniel Heer, der in Berlin zeigt, wie Handwerk und Haltung ineinandergreifen können. Hier verbinden sich Handwerk, Materialwissen und kulturelles Gedächtnis zu einem Produkt, das in unserer Gegenwart wieder Sinn macht. Solche Arbeiten zeigen, wie Design Identität stiften und zugleich nachhaltig wirken kann.

3. Wo siehst du die spannendsten Entwicklungen im Möbel- bzw. Mode-Design der kommenden Jahre?

Im Spannungsfeld von Kreislaufwirtschaft, Bioregionalität und Inklusivität. Möbel und Mode werden nicht mehr als fertige Objekte gedacht, sondern als Teil größerer Systeme – von Materialkreisläufen über lokale Wertschöpfung bis hin zu sozialer Verantwortung. Spannend wird es dort, wo Design nicht nur Produkte hervorbringt, sondern ganze Lebensweisen neu denkt.

4. Die BLICKFANG ist für die Designszene hier wichtig, weil…

…sie eine Brücke schlägt zwischen Designer:innen, Produzent:innen und Publikum. Sie schafft Sichtbarkeit für unabhängige Labels und macht die Vielfalt zeitgenössischen Designs erfahrbar – nicht im geschlossenen Elfenbeinturm, sondern mitten in der Stadt, mitten im Leben.

5. Welchen Rat gibst du jungen Designer:innen mit auf den Weg?

Habt Mut, euren eigenen Weg zu gehen, und verliert dabei nie die Haltung. Beobachtet genau, was Menschen wirklich bewegt, und bleibt neugierig auf andere Disziplinen – denn die spannendsten Ideen entstehen oft an den Schnittstellen. Und: Versteht Design nicht nur als Objekt, sondern als Möglichkeit, Verbindungen und neue Perspektiven zu schaffen.

Simone Züger I Designerin, Künstlerin & Unternehmerin

© J. Weiberl 

Mit ihren unkonventionellen Kreationen schlägt Simone Züger eine Brücke zwischen Kunst und Design, sichtbar in Werken von Malerei über Wohnobjekte bis hin zu textilen und raumgreifenden Installationen. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Galerie und Wohnraum, zwischen Funktion und Poesie – sinnlich, skulptural und voller Haltung. Die gebürtige Appenzellerin lebt und arbeitet in Zürich, wo sie 2015 ihr eigenes Designstudio gründete und neben Kundenprojekten eigene künstlerische Arbeiten realisiert. Seit Beginn ihrer Karriere ist Simone Züger eine Aktivistin für Gleichberechtigung: Sie initiierte eine Gesprächsreihe zur Vernetzung von Frauen in der Kreativwirtschaft, war im Vorstand der Medienfrauen Schweiz tätig und ist Mitgründerin des Fintech-Startups ellexx, das Frauen den Zugang zu Finanzthemen erleichtert.

1. Was macht für dich zeitgemäßes und relevantes Design aus?

Zeitgemässes Design trägt Verantwortung – gegenüber der Gesellschaft, der Umwelt und den Menschen, die damit leben. Nachhaltigkeit ist für mich kein Trend, sondern eine Haltung. Relevantes Design erfüllt nicht nur eine Funktion, sondern berührt auch die Seele. Mich interessiert es, jenseits gängiger Strömungen Leben in die Umgebung von Menschen zu bringen. Ich spiele gerne mit der Balance zwischen Funktion, Ästhetik und Emotion – unabhängig vom Material oder Medium. Ein gutes Designobjekt darf ruhig ein Liebhaberobjekt sein, das Menschen über lange Zeit begleitet.

2. Welches Designstück oder Label hat dich in letzter Zeit besonders inspiriert – und warum?

Ich bin von sehr talentierten Designer:innen in meinem Umfeld umgeben – zum Beispiel von der Keramikkollaboration zwischen Mara Tschudi und PUUL Ceramics. Ihre Arbeit zeigt, wie sensibel Materialität, Farbe und Form ineinandergreifen können. Diese Verbindung von Kunst, Handwerk und emotionalem Ausdruck berührt mich – weil sie zeigt, wie Design Poesie und Funktion zugleich sein kann.

3. Wo siehst du die spannendsten Entwicklungen im Möbel- bzw. Mode-Design der kommenden Jahre?

Ich wünsche mir eine Bewegung hin zu mehr Individualität, Charakter und Eigensinn – weg von der Massenproduktion. Wohnräume und Objekte brauchen Persönlichkeit, um den vielfältigen Lebensstilen gerecht zu werden. Zu viele Einrichtungen sehen gleich aus. Je mehr Poesie, Haltung und Eigenwilligkeit ein Entwurf zulässt, desto lebendiger und vielfältiger wird die gestaltete Welt.

4. Die BLICKFANG ist für die Designszene hier wichtig, weil…

…sie Raum schafft, um Neues zu entdecken, sich zu zeigen, auszutauschen und voneinander zu lernen. Sie bringt Designer:innen, Hersteller:innen und Konsument:innen auf eine sehr persönliche Art zusammen – jenseits des anonymen Onlinehandels. Das macht sie zu einem wichtigen Ort für Begegnung, Inspiration und Gemeinschaft.

5. Welchen Rat gibst du jungen Designer:innen mit auf den Weg?

Den Mut haben, Vertrautes zu verlassen und ins Unbekannte einzutauchen – denn nur so wird das Leben und das Gestalten zum Abenteuer. Kennt eure Werte, eure Stärken und auch eure Schwächen. Der Designprozess ist immer auch ein persönlicher Entwicklungsprozess: Wir formen nicht nur Objekte, wir formen uns selbst. Je besser man sich kennt, desto klarer wird die eigene Haltung – und darin liegt die Kraft, wirklich Neues und Eigenes zu schaffen.

Martin Meyer I Gründer von EINZIGART

Mit EINZIGART eröffnete Martin Meyer vor fast zwanzig Jahren einen der ersten Concept Stores Zürichs – und schuf damit einen Ort, an dem Design, Qualität und Zugänglichkeit aufeinandertreffen. Was einst mit eigenen Produkten begann, ist heute eine feste Größe für stilvolle Wohnaccessoires und Möbel, oft mit skandinavischem Einfluss und Fokus auf Langlebigkeit.

Neben den Zürcher Standorten ist EINZIGART inzwischen auch in Luzern und Aarau vertreten. Martins Anspruch bleibt dabei derselbe: ehrliche Nachhaltigkeit, ein herzliches Einkaufserlebnis und ein Sortiment, das inspiriert – ganz im Sinne des Namens: einzigart.

1. Was macht für dich zeitgemäßes und relevantes Design aus?

Zeitgemässes Design soll langlebig und nachhaltig sein, in der Herstellung und im Design.

2. Welches Designstück oder Label hat dich in letzter Zeit besonders inspiriert – und warum?

Phantom Hands produziert in Bangalore handgefertigte Möbel aus dem Projekt Chandigarh, einer Hommage an die modernistischen Möbel, die von einem Kollektiv unter der Leitung von Pierre Jeanneret für die Stadt Chandigarh entworfen wurden.

3. Wo siehst du die spannendsten Entwicklungen im Möbel- bzw. Mode-Design der kommenden Jahre?

Die Nachfrage nach hochwertigen und handgefertigten Möbel oder Objekte findet vermehrt wieder Anklang.

4. Die BLICKFANG ist für die Designszene hier wichtig, weil…

…sie jungen Designer:innen eine gut besuchte Plattform bietet.

5. Welchen Rat gibst du jungen Designer:innen mit auf den Weg?

Immer dranbleiben und seinen Weg verfolgen. Design muss nicht nur schön sein sondern auch funktional – super normal.

PATRICK PIERAZZOLI I Chefredakteur von FACES

FACES im Tivo

Patrick Pierazzoli wurde am 24. Oktober 1966 in London geboren und wuchs in der Schweiz auf. Er ist verheiratet und hat eine Tochter. Bis 1995 arbeitete er in der elterlichen Mode-Großhandelsfirma, bevor er 1997 gemeinsam mit seinem Bruder eine Agentur für Webdesign und Online-Marketing gründete. Nach dem Verkauf der Agentur im Jahr 2001 erfüllten sich die beiden einen lang gehegten Jugendtraum und riefen das Magazin FACES ins Leben. Bis heute ist Patrick Pierazzoli Chefredakteur des Magazins, das monatlich mit eigenen Ausgaben in der Schweiz, Deutschland und Österreich erscheint – sowie mit einer internationalen, englischsprachigen Ausgabe, die weltweit vertrieben wird.

1. Was macht für dich zeitgemäßes und relevantes Design aus?

Zeitgemäßes und relevantes Design zeichnet sich für mich durch drei eng miteinander verwobene Dimensionen aus: Haltung, Kontext und Sinnlichkeit.

Relevantes Design hat immer eine klare innere Haltung. Es entsteht nicht aus dem Wunsch, „schön“ zu sein, sondern aus dem Bedürfnis, etwas Bedeutsames zu schaffen. Designer müssen Position beziehen, zu Nachhaltigkeit, Ethik, sozialer Verantwortung oder technologischer Innovation. Ein Objekt ohne Haltung ist austauschbar.

Zeitgemäßes Design versteht den Kontext, in dem es entsteht. Es reagiert auf gesellschaftliche, ökologische und technologische Entwicklungen. Es ist nicht nostalgisch, sondern resonant – es schwingt mit seiner Zeit mit, ohne ihr blind zu folgen.

Und schließlich braucht Design Sinnlichkeit. Diese subtile Verbindung aus Material, Proportion, Haptik und Emotion, die ein Objekt „lebendig“ macht.
Zeitgemäßes und relevantes Design ist kein Stil, sondern eine Haltung zur Welt. Es ist bewusst, verantwortungsvoll, poetisch, und vor allem menschlich.

2. Wo siehst du die spannendsten Entwicklungen im Möbel- bzw. Mode-Design der kommenden Jahre?

Alles wird spannend in den kommenden Jahren. Digitale Tools und KI verändern das Design fundamental, und das nicht nur in der Entstehung: digitale und physische Welten verschmelzen zunehmend. 

Mode- und Möbeldesign befinden sich an einem Wendepunkt: Weg vom reinen Objektdenken, hin zu Systemen, Ritualen und Atmosphären. Wir erleben ein radikales Umdenken in der Materialkultur. Und man sieht eine Rückkehr zur taktischen Sinnlichkeit: weniger Dekor, mehr Atmosphäre. Mode und Möbel werden wieder zu Trägern von Werten: Zeit, Herkunft, Handwerk und Verantwortung zählen.

Insgesamt wird das Design der kommenden Jahre weniger um Objekte, als um Haltungen kreisen. Es wird leiser, intelligenter, zirkulärer, und menschlicher.

Die relevantesten Designerinnen und Designer verstehen heute, dass Gestaltung ein kultureller Akt ist – eine Sprache, um über Gesellschaft zu sprechen. 

3. Die BLICKFANG ist für die Designszene hier wichtig, weil…

Design entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern im Gespräch zwischen Menschen, Disziplinen und Generationen. Begegnung und Dialog sind das soziale Fundament des Designs. Regionale Messen und Märkte schaffen genau diesen Raum des Austauschs, den kein Algorithmus ersetzen kann. Sie verbinden globale Trends mit lokaler Substanz, schaffen Nähe, fördern Vielfalt und halten Design als soziales Gebilde lebendig.

Man könnte meinen, physische Designmessen oder lokale Märkte hätten in einer globalisierten, digital vernetzten Welt an Bedeutung verloren, aber das Gegenteil ist der Fall: sie sind essentiell für die Vitalität, Glaubwürdigkeit und Identität der Designszene.

4. Welchen Rat gibst du jungen Designer:innen mit auf den Weg?

Entwickle eine Haltung, keinen Stil. Viele beginnen und wollen „ihren Stil“ finden. Doch Stil ist das Ergebnis, nicht der Anfang. Wenn du weißt, wofür du gestaltest, was du glaubst, welche Welt du mitgestalten willst, dann ist eine klare Haltung ist wie ein innerer Kompass und hilft dir, Entscheidungen zu treffen, auch wenn der Markt laut oder unübersichtlich wird. Wenn du Haltung hast, formt sich Stil von selbst: glaubwürdig, natürlich, eigen.

5. Welches Designstück oder Label hat dich in letzter Zeit besonders inspiriert – und warum?

Jil Sander + Thonet Collaboration

Dass es sowohl bei Jil Sander als auch bei Thonet nicht um spektakuläre Showeffekte geht, ist klar. Die subtile Neuinterpretation historischer Klassik in einem heute relevanten Kontext, die Reduktion sowie die Wahl der Materialien finde ich bemerkenswert.

Gufram + Charley Vezza

Gufram war ja schon immer ein Statement. Objekte wie der „Pratone“ oder die “Bocca”-Couch sind Klassiker des radikalen Designs. Wie spielerisch und provokativ Gufram unter der Führung von Charley Vezza in die Zukunft schreitet und zugleich verankert in seiner Geschichte bleibt, finde ich sehr spannend.

Avavav 

Was Beate Karlsson mit Avavav macht, finde ich bemerkenswert. Sie geht über Mode hinaus, macht Performance, Konzeptkunst und dekonstruiert Erwartungen zum Thema. Sie spricht eine mutige Sprache.

Teenage Engineering

Teenage Engineering hat eine fast schon mythische Aura in der kreativen Szene erreicht. Ihre Geräte wirken wie Spielzeug, dennoch sind sie ernsthafte Werkzeuge. Die Schnittstellen sind oft minimal, ikonisch und dennoch intuitiv. Jedes Produkt trägt erkennbar die Handschrift der Marke: Formen, Farben, Typografie und Haptik sprechen eine gemeinsame visuelle Sprache. Design als Identität, als Verbindung von Emotionalem, Funktionalem und Ästhetik.

Soeder

Soeder verkörpert für mich, wie sich Beauty heute weiterentwickeln sollte: mit Substanz, Stil und bewusstem Design. Ihre Produkte wirken reduziert, sauber, fast klinisch, mit einer ruhigen Wirkung. Soeder inszeniert Schönheit als etwas, das mit Erinnerung, Natur und Achtsamkeit zu tun hat, nicht mit Effekthascherei.

Byredo 

Byredo steht beispielhaft für Duft als Designmedium. Nicht nur als Produkt, sondern als sinnliche Botschaft im Raum. Es geht nicht einfach darum, gut zu duften, sondern um Geschichten, Erinnerungen, emotionale Metaphern, die sich mit der Zeit entfalten. Die Flakons sind minimalistisch, klar, mit einem Fokus auf Proportion und Typografie. Verpackung und visuelle Identität stützen den Charakter der Düfte, ohne sich in Überfluss zu verlieren.

🎧 Podcast-Tipp: Studio Lookout Salon x BLICKFANG Zürich

Wie sieht gute Gestaltung im Jahr 2025 aus – zwischen Markt, Haltung und Identität?
In einer neuen Folge des Studio Lookout Salon Podcasts, produziert in Kooperation mit der BLICKFANG Zürich, diskutieren Host Roger Furrer (Brand Curator, Studio Lookout, Jury BLICKFANG Zürich 2025), Designerin Simone Züger (Simone Züger Design Studio, Jury BLICKFANG Zürich 2025) und Daniel T. Maurer (CEO WOGG) über die Verantwortung, Sinnlichkeit und Zukunftsfähigkeit von Design als kulturelle Praxis.

Die Folge wirft einen inspirierenden Blick hinter die Kulissen des zeitgenössischen Designs:
über Haltung und Materialwahl, über Reduktion als ästhetischen wie ethischen Akt, über die Verbindung von Handwerk und Technologie – und darüber, warum gutes Design leise spricht, aber lange bleibt.

Der BLICKFANG Designpreis wird in den Kategorien „Möbel & Produktdesign“, „Mode“ sowie „Mode- und Wohnaccessoires“ verliehen. Er steht für Innovation, Authentizität und herausragende handwerkliche Qualität. Die hochkarätige Jury aus renommierten Design-Expert:innen setzte auch in diesem Jahr hohe Maßstäbe und hatte die anspruchsvolle Aufgabe, bei ihrer persönlichen Tour über die Messe die besten Entwürfe auszuwählen.

Bewertet wurden nicht nur die Ästhetik und die Originalität, sondern auch die kreative Vision und der gesamte Designprozess, der hinter den Produkten steht. Die Jury-Mitglieder – Tina Barankay (Design- und Architekturjournalistin), Lisa Braun (Projektleitung Munich Creative Business Week), Jessica Kiefer (Co-Gründerin Weißglut Concept Store) und Katrin Lehbruner (Style Coach) – brachten ihre tiefgehenden Erfahrungen und vielseitigen Perspektiven in die Beurteilung der Designs ein. Ihre Expertise gewährleistete eine fundierte Auswahl der Preisträger:innen, die durch außergewöhnliche Gestaltung, Nachhaltigkeit und innovative Konzepte überzeugten.

Die diesjährigen Gewinner:innen des BLICKFANG Designpreises zeigen eindrucksvoll, wie Design als Verbindung von Funktion, Nachhaltigkeit und Ästhetik verstanden wird. Die ausgezeichneten Labels stehen für eine moderne, verantwortungsbewusste Gestaltung und demonstrieren die Innovationskraft der zeitgenössischen Designszene.

Designpreis Verleihung

München Designpreis 2025

München, eine Stadt voller Kreativität und Designbegeisterung, bot auf der BLICKFANG erneut eine lebendige Plattform für unabhängige Designer:innen. Die Jury zeichnete drei herausragende Labels aus, die mit innovativen Konzepten, durchdachten Lösungen und nachhaltiger Gestaltung überzeugten:

Möbel & Produktdesign: Lamellenwerk

Lamellenwerk entwickelt flexible Raumtrenn- und Sichtschutzlösungen aus drehbaren Holzlamellen. Die Wände lassen sich stufenlos öffnen oder schließen und schaffen so eine elegante Balance zwischen Offenheit und Privatsphäre. Dank des unsichtbaren Schienensystems bewegen sich die Lamellen gleichmäßig und harmonisch – perfekt für lichtdurchflutete Räume oder geschützte Rückzugsorte. Die Jury lobte die Verbindung aus ästhetischem Design, hoher Funktionalität und cleverer Handwerkskunst.

Mode: Maison Corinna Houidi

Maison Corinna Houidi kreiert unisex Mode, die klassische Grenzen sprengt und femininen wie maskulinen Elementen sowie robusten Details Platz gibt. Die Kollektionen setzen auf Slow Fashion, höchste Qualität und zeitlose Designs. Handgefertigte Details, exklusive Materialien und ein konsequent markanter Look machen die Stücke zu Statements, die Individualität und Authentizität ausstrahlen. Die Jury würdigte besonders die visionäre Kombination aus Emotionalität, Handwerkskunst und avantgardistischem Design.

Wohnaccessoires: NEOZOON

Neozoon steht für interaktive Leuchten und Einrichtungsobjekte, die Wohnräume lebendiger und individueller machen. Langlebige Materialien, Reparaturfähigkeit und Kreislauffähigkeit stehen im Fokus, während die Produkte spielerisch Charakter und Wärme in den Alltag bringen. Lukas Heintschel überzeugte die Jury mit einer Vase, die das klassische Konzept radikal neu denkt: Statt Blumen in eine Form zu stellen, werden sie um eine Keramikstruktur arrangiert und mit Bändern fixiert. So entsteht ein lebendiges Spiel zwischen Natur, Form und Funktion – nachhaltig produziert und voller Leichtigkeit.

Die Gewinner:innen des BLICKFANG Designpreises München 2025 zeigen eindrucksvoll, wie vielfältig die zeitgenössische Designszene ist: kreativ, nachhaltig, handwerklich exzellent und innovativ. Die BLICKFANG München hat einmal mehr bewiesen, dass Design weit über Ästhetik hinausgeht – es ist eine Verbindung aus Funktion, Haltung und Inspiration.

Der Gedanke, ein Minitrampolin aus Holz neu zu denken, klingt simpel – doch hinter Arpina steckt eine tiefgehende Leidenschaft für ehrliche Materialien, Innovation und echte Handwerkskunst. Silvan, Maschineningenieur mit Hang zum Holzbau, erzählt, wie aus einer Alltagsidee und vielen Stunden in der Werkstatt ein außergewöhnliches Produkt wurde. 

Alles beginnt mit Alltag und Neugier 

„Wir nutzen Trampoline seit Jahren privat – sie sind gesund und machen Spaß, doch das Design gefiel mir nie. Die meisten Modelle waren aus Metall, standen immer im Weg und sahen einfach nicht schön aus,“ erinnert sich Silvan. „Ich wollte etwas schaffen, das funktioniert, langlebig ist und auch zuhause Freude macht. Den grössten Wert für Menschen entfalten Trampoline dann, wenn sie langfristig präsent sein dürfen und damit spontan genutzt werden. Ich glaube da liegt ein besonderer Wert unseres Produkts: ein Trampolin, das zugleich Möbel ist und bleiben darf.“ 

Silvan von Arpina hält in seiner Werkstatt ein großes Stück Holz.
Silvan von Arpina in seiner Werkstatt

Leidenschaft fürs Holz: Von der Idee zum Prototyp 

 Die Lösung sollte aus Holz sein – ehrlich, warm, nachvollziehbar. „Holz fasziniert mich. Was sichtbar ist, soll auch echt sein. Also haben wir kurzerhand ein eigenes Trampolin gebaut – aus Massivholz,“ erzählt er. Doch so einfach war es nicht: Zahlreiche Prototypen entstanden mit Hilfe eines befreundeten Zimmermanns, unzählige Tests folgten. „Wir haben alles ausprobiert: fallen gelassen, Dachziegel gestapelt, Belastungstests gemacht. Bis es wirklich stabil war, hat es lange gedauert. Aber irgendwann hat es gehalten – und das war ein großartiges Gefühl. 

Handwerk und Ingenieurskunst vereint 

Die technische Herausforderung: Holz muss Metall ebenbürtig sein. „Wir haben herausgefunden, dass Esche und Eiche – wenn man sie richtig verarbeitet – mindestens so stabil wie Metallrahmen sind. Wir arbeiten mit speziellen Holzverbindungen, Injektionsklebungen und nachhaltigen Rohstoffen aus der Region.  

Die grösste technische Herausforderung war dabei die Verbindung von Rahmen und Beinen: Wie lässt sich ein schlankes Möbelstück so stabil bauen, dass es die Kräfte eines Trampolins trägt? Wir haben dazu eine Beinverbindung entwickelt, die diese Funktion übernimmt. Aber auch der Rahmen selbst war tatsächlich eine besondere Herausforderung, der Überraschungen bereithielt. 

Jedes einzelne Trampolin ist präzise konstruiert und handwerklich gefertigt – dabei hilft uns viel Know-how aus dem Maschinenbau, aber auch echtes Zimmermannshandwerk. 

Persönlicher Antrieb und echte Lebensnähe 

Was Arpina so besonders macht, ist die persönliche Geschichte dahinter. Seit über zehn Jahren arbeitet Silvan beruflich mit Trampolinen. Er gestaltet Produkte, Produktionsprozesse und Mensch – Maschinen Schnittstellen, kurzum sehr technisch. „Meine Frau bekam gerade unser zweites Kind, und in dieser Zeit haben wir viel zuhause trainiert. Die ersten Prototypen waren regelrechte Familienprojekte – gebaut am Wochenende, getestet im Alltag,“ lacht Silvan. „Für mich bringt das Produkt echte Lebensqualität: 15 Minuten Bewegung am Morgen, bei jedem Wetter – das gibt Energie und tut einfach gut.“ 

Innovation mit Patent: Die reine Gummifederung 

Ein Meilenstein der Entwicklung war das eigens patentierte Gummifederungssystem. „Wir wollten ein Trampolin, das möglichst große und ergonomische Trainingsfläche bietet – ohne störende Bauteile wie Klammern oder Metallhaken. Nur Gummi, von Rand zu Rand, und einfach austauschbar. Das macht unser Trampolin einzigartig langlebig: Verschleißteile wie Gummis kann jeder Kunde ganz leicht selbst tauschen.“ 

Nachhaltigkeit, Langlebigkeit und Vielseitigkeit 

Neben Massivholz und Ergonomie setzt Arpina konsequent auf regionale Materialien, sortenreine Bauteile, durchdachte Verbindungen und einen offenen Reparaturansatz. „Unsere Möbel sollen nicht weggeworfen werden, sondern einfach gepflegt und repariert. Dazu zählen waschbare Matten, austauschbare Einzelteile und Rohstoffe mit klarer Herkunft. Wir wissen oft noch, von welchem Baum das Holz stammt. Wir fertigen sie in klassischer Handarbeit und verbinden die einzelnen Ringsegmente mit präzisen Schwalbenverbindungen. Oft entstehen dabei spontan auch Einzelstücke, aus fast weißem Bergahorn oder besonders gemaserter Kern – Esche“ erläutert Silvan. Die Fertigung ist möglichst lokal im Toggenburg.  

Die Beinrohlinge stellt das Johanneum im Obertoggenburg her. Eine Institution, die Arbeitsplätze für besondere Menschen schafft. Das Finish und die Endmontage aller Produkte ist immer in Amden, wo sie seit rund 4 Wochen ein Studio eröffnet haben, der als Werkraum, Showroom, Office und einfaches für alles dient, was nicht Holzspäne und Staub gibt.  

Ein Mädchen springt auf einem Arpina-Trampolin, während ein Junge ihr lächeln zuschaut.
Zwei Kinder liegen unter einem Arpina-Trampolin, während eines gemütlih darauf sitzt. Auf dem Trampolin sind außerdem Kissen platziert.

Ein Produkt, viele Gesichter 

An der BLICKFANG sorgt Arpina für Staunen und ein Lächeln. „Das Schönste ist, wie vielfältig die Nutzung ist: Für manche ein Trainingsgerät, für andere Sessel, Spielplatz oder Statement-Piece – sogar der Hund hat es schon für sich entdeckt. Was daraus wird, entscheiden die Nutzer:innen selbst. Silvan lächelt: „Genau das macht uns am meisten Spaß. Wir haben unsere Ideen, aber die Menschen machen Arpina zu ihrem ganz eigenen Möbel. Unsere Arbeit ist relativ introvertiert, die Blickfang im Frühling war das Gegenteil davon und ein grosse Bereicherung und Motivation für uns. Merci nochmals für eure tolle Begleitung und den schönen Standplatz.“ 

An der BLICKFANG in Zürich kannst du Silvan persönlich kennenlernen, noch mehr über ihn erfahren und seine Produkte direkt kaufen. Hier geht es zu den den Tickets!

 

Manche Erfolgsgeschichten beginnen nicht mit einem Businessplan, sondern mit einem Handarbeitsprojekt. So war es auch bei Judith, gelernte Grafikerin und Gründerin des Labels tief im wald. Aus einem Handschuhschnittmuster aus den 70er Jahren entwickelte sie ein farbenfrohes, modernes Accessoire. Was als Hobby begann, wurde zum kleinen, feinen Label, das heute in Magazinen wie VOGUE und ELLE erscheint.

Der Kern von tief im wald liegt in seinen Werten: Upcycling von Lederresten, handgearbeitete Unikate, die Zusammenarbeit mit geflüchteten Frauen in Franken und eine unverkennbare Farbästhetik. Im Interview spricht Judith über ihre kreative Reise, ihre Designphilosophie und warum Handarbeit für sie unverzichtbar ist.

Portrait von Judith Feyertag, Gründerin von tief im wald

Judith Feyertag, Gründerin von tief im wald

Judith, tief im wald entstand durch ein Handarbeitsprojekt für einen Weihnachtsbasar. Wie wurde daraus das Label, wie es heute ist?

Meine Kinder, die inzwischen erwachsen sind, haben mich durch ihre Schulzeit oft dazu inspiriert, mich in Projekten einzubringen. Für den großen Weihnachtsbasar habe ich beispielsweise Handschuhe aus Fellresten gefertigt und mit bunter Wolle umhäkelt. Die Leute waren total begeistert und fanden sie super.

Eigentlich bin ich freiberufliche Grafikerin und mache die Handschuhe nebenbei. Plötzlich wurden Modejournalisten auf die Handschuhe aufmerksam und wollten sie als Newcomer-Label in Magazinen wie der VOGUE und der ELLE zeigen. So ist das Label über die Jahre gewachsen, auch wenn wir nach wie vor sehr klein sind.

Farben spielen bei deinen Handschuhen eine besondere Rolle. Was inspiriert dich bei der Farbauswahl?

Ich komme aus der Grafik und habe dadurch ein natürliches Gespür für Farben. Wenn ich eine Farbe sehe, habe ich sofort eine Idee für eine Kombination, das passiert ganz intuitiv. Kund:innen bringen auch oft eigene Wünsche mit ein zum Beispiel Handschuhe passend zum Lieblingsmantel. Das mache ich gern. Ob ich gelbes oder blaues Garn nehme, ist mir dabei ganz egal – Hauptsache, es passt und macht Freude.“

Du arbeitest ausschließlich mit hochwertigen Lederresten – warum war dir diese Entscheidung für nachhaltige Materialien von Anfang an so wichtig?

Wir kaufen für tief im wald sogenannte Überschussproduktionen auf. Wenn große Labels Lederwaren herstellen lassen, bestellen sie in den Gerbereien immer etwas mehr Material, da Fell ein Naturprodukt ist und Unregelmäßigkeiten aufweisen kann. Was die großen Firmen dann nicht verwenden, diesen Überhang, kaufen wir auf. Wir haben dadurch natürlich auch keine festen, jährlichen Kollektionen, sondern ein kunterbuntes Angebot. Wenn ein bestimmtes Fell alle ist, dann ist es einfach alle und wird nicht nachproduziert. Dieses Vorgehen möchte ich unbedingt beibehalten, weil es ressourcenschonend und nachhaltig ist. Das Fell, das wir dabei hauptsächlich verwenden, ist Lamm- und Schafsfell, manchmal auch Ziegenfell.

Kannst du uns einmal mitnehmen in den Entstehungsprozess eines neuen Modells – von der Idee bis zum fertigen Handschuh?

Ich fahre regelmäßig persönlich zu meinem Lieferanten, der ein riesiges Lager hat und genau weiß, was ich will. Dann bin ich stundenlang in diesem Lager und schaue mir jedes Fell einzeln an. Wenn ich es mit nach Hause nehme, platziere ich die Vorlagen für die Einzelteile, die gestanzt werden, auf dem Fell. Danach werden die Teile gestanzt und jedes einzelne wird wie beim Friseur mit einer Haarschere sauber gemacht, weil die Fellhärchen an den Löchern sonst beim Häkeln stören würden. Danach sortiere ich die Teile zusammen und gehe an mein Regal, wo ich mittlerweile ungefähr 120 verschiedene Wollfarben habe. Ich halte die Wolle neben das Fell, um die richtige Farbkombination zu finden. Natürlich gibt es auch Klassiker, die irgendwie immer gehen, wie zum Beispiel Kamelbraun mit Flamingopink.

Deine Handschuhe entstehen ausschließlich in Handarbeit. Kannst du uns erklären, warum das so ist?

Es gibt tatsächlich keine Häkelmaschinen, die für unsere Handschuhe geeignet wären. Eine Sonderanfertigung würde in die Hunderttausende gehen das ist für uns als kleines Label keine Option. Außerdem wären solche Maschinen riesig und nur für große Hersteller rentabel, die in Massen produzieren. Genau das widerspricht jedoch unserem Konzept. Handarbeit ist heute leider oft in Vergessenheit geraten. Für genau die Menschen, die den Wert von Handarbeit erkennen und schätzen, machen wir unsere Handschuhe. Und für mich persönlich ist die Herstellung jedes einzelnen Paars nicht nur ein Handwerk, sondern auch eine Herzensangelegenheit es hat fast etwas Meditatives.

Seit einigen Jahren arbeitest du mit geflüchteten Frauen zusammen. Wie kam es dazu – und was bedeutet dir diese Form der Zusammenarbeit?

Durch die steigende Nachfrage konnte ich die Produktion nicht mehr allein bewältigen. Meine Kinder haben schon gehäkelt, waren aber irgendwann total genervt. Meine Schwiegermutter war damals in der Flüchtlingshilfe sehr aktiv und so kam der Kontakt zustande. Heute häkeln geflüchtete Frauen, die auf Minijob-Basis arbeiten, unsere Handschuhe. Die Frauen sind sehr glücklich über die Arbeit und das Geld, das sie verdienen, verwenden sie für sich selbst. Das gibt dem Ganzen einfach einen guten Vibe, den wir sehr schätzen.

Handschuhe sind ein stark saisonales Produkt. Wie gehst du damit um, dass der Großteil der Nachfrage in wenigen Monaten im Jahr besteht?

Handschuhe sind ein absolutes Saison-Geschäft. Das finde ich momentan gar nicht schlimm, weil ich ja auch als Grafikerin arbeite. Wenn ich das ganze Jahr nur Handschuhe machen würde, müsste ich mich entscheiden, die Grafik aufzugeben. Insofern bin ich da gar nicht böse drum. Die Produktion läuft aber das ganze Jahr über, da meine Mitarbeiterinnen auf Minijob-Basis das ganze Jahr über produzieren. Ich habe dann mein Lager, das sich füllt. Die Läden mit denen wir zusammenarbeiten bestellen im Sommer und bekommen ihre Ware im September.

Sind neue Produkte geplant? Denkst du über eine Erweiterung der Kollektion nach?

Wir haben gerade zwei Überlegungen. Zum einen denken wir darüber nach, im Shop auch handgemachte Sachen von anderen kleinen Labels aufzunehmen. Zum anderen möchte ich die Kollektion erweitern. Wir haben schon kleine Brillenetuis, die auch umhäkelt sind. Jetzt kommen noch Schlüsselanhänger dazu, die auch mit dem gelochten Leder und Umhäkeln funktionieren. Das finde ich cool, dass wir im gleichen Look bleiben, aber verschiedene Produkte anbieten. Das hat auch den Vorteil, dass wir das saisonale Geschäft mit den Handschuhen etwas aufbrechen können.

Judith kannst du übrigens persönlich an der BLICKFANG Wien kennenlernen, noch mehr über ihre Geschichte und ihre Produkte erfahren und diese natürlich direkt kaufen. Hier geht es direkt zu den den Tickets!

Lust noch mehr Labels besser kennenzulernen? Dann schau jetzt in unserem Journal vorbei und lass dich inspirieren!

Drei verschieden farbige Tischbeine, ein achtfarbiges Bettgestell oder ein buntes Regal – bei German Design Award Gewinner Ebbers Premium werden nicht nur Farbliebhaber:innen fündig. Mit dem Label hat sich Klaus Ebbers einen lang ersehnten Traum erfüllt: Möbel, die nicht nur nachhaltig sind sondern die gute Laune machen und den Raum erhellen. 

Wenn das Leben nicht nach Plan verläuft 

Alles kommt immer anders als geplant – was jedem bewusst ist, ist Klaus Ebbers Alltag seit Jahren. Anstatt nach seiner Schreinerausbildung den Beruf auszuüben, findet sich Ebbers in einer Vielzahl von Berufen wieder. Mal arbeitet er als Kurator oder verlegt Grafiken, dann ist er Besitzer einer Galerie oder Inhaber eines Magazins. „Ich wollte immer viele Dinge tun und hatte oft das Gefühl, etwas zu verpassen“, erklärt der Möbeldesigner. Doch dann kommt ein Wendepunkt in Ebbers Leben: sein Bruder verstirbt und das ist der Moment, in dem er sich fragt, welche Konsequenzen das Leben mit sich bringt: „Ich habe mir gedacht, ich wollte immer Möbel machen und das muss ich jetzt anfangen, sonst ist es vielleicht zu spät.“

Möbeldesign im Sinne der Kunst 

Skizze, Kontrolle, Feedback, Produktion. So läuft es meistens ab, wenn neue Möbel entstehen. Nicht aber bei Klaus Ebbers. Durch sein frühzeitiges Interesse an der Kunst, lässt sich Ebbers beim Designen und Erschaffen von den Künstlern inspirieren. „Man muss im Grunde eine Atmosphäre schaffen, in der neue Dinge entstehen können“, so Ebbers. Und das passiert in seiner Werkstatt durch das Machen und den Prozess. Vorab planen oder immer wieder gleiche Muster zu verwenden, funktionieren für den Gestalter nicht. Dabei werden seine Produkte immer und immer wieder von ihm selbst auf die gestalterische
Qualität überprüft. Denn wenn Möbel ein Leben lang auch in Hinblick auf die Ästhetik halten sollen, dann müssen sie auch lange geprüft werden.

Farben über Farben 

Wer sich die Möbel von Ebbers Premium anschaut, dem fällt vor allem eines auf: Farbe. Jedes Teil ist bunt, vielfältig und scheint keinem Ordnungskriterium zu folgen. Klaus Ebbers war es wichtig, dass sein Farbkanon zusammenpasst. Sich unterschiedlich kombinieren lässt und auffällt. Über ein Jahr hat er an der Farbzusammenstellung gearbeitet. „Farben waren mir total wichtig. Sie sind der direkte Weg zu den Emotionen und fördern gute Laune“, erklärt der Möbeldesigner. Kein braun oder grau, welches man überall vorfindet. Stattdessen sind seine Möbel Statements, fast schon Angebote, die nicht nur den Raum, sondern auch die Stimmung verändern.

Motivationsfaktor „Spaß“

Das machen, was einem selbst gefällt – das ist das Motto von Ebbers. Und dabei hoffen, dass es dann noch Menschen gibt, denen gefällt, was man macht. Aber Ebbers weiß: nicht nur das Design ist wichtig: „Auf der BLICKFANG Wien wollten ganz viele Platz auf meinem Stuhl nehmen. Die Reaktion war dann immer dieselbe: überrascht, wie bequem er eigentlich ist“, erzählt der Möbeldesigner. Für ihn kommt diese Erkenntnis nicht überraschend, schließlich hat er sich lange mit der Ergonomie auseinandergesetzt und verschiedene Designs getestet.

  

Ein zweites Leben 

Klaus Ebbers arbeitet nicht nur farbenfroh, sondern vor allem auch nachhaltig. „Das ist existenziell für mich. Wo möglich, werden die Komponenten von einer Behinderten Werkstatt hergestellt. So wie bisher können wir als Gesellschaft ja nicht weitermachen“, erklärt der Gestalter. Vor allem durch Altmetall und seine limitierte Anzahl an Auflagen, will Ebbers einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Ein Produkt, das gute Laune macht und das jahrelang – zeitloses Design spielt auch bei Ebbers Premium eine große Rolle: „Ich möchte, dass die Leute ein gutes Gefühl haben, wenn sie bei mir kaufen und sie sich keine Sorgen machen müssen, dass Kinderarbeit oder Abholzung hinter den Produkten steckt.“

 

Inspiration von überall 

Kunst ist mit Sicherheit eines der Felder, durch das sich Klaus Ebbers am meisten inspirieren lässt. Doch damit ist noch nicht genug: „Seit ich denken kann, habe ich mir immer alles ganz genau angeschaut.“ Die Dinge betrachten und hinterfragen. Aber auch die Zusammenarbeit mit anderen stellt einen großen Mehrwert im Design von Ebbers Premium dar. Projekte mit anderen kreativen Köpfen, wie Fotograf:innen, helfen ihm andere Sichtweisen zu sehen und in Betracht zu ziehen. Dabei gibt Ebbers anderen Künstler:innen gerne Raum, ihre eigene Vision zu entwickeln.

Warum „anders sein“ gut ist 

Während andere Möbellabel darauf bedacht sind, so viele Produkte wie möglich zu verkaufen und immer weiter neue Ware zu verkaufen, steht für Ebbers vor allem eines im Vordergrund: das machen, was ihm gefällt. „Meine Möbel haben eine bestimmte Qualität – sowohl vom Material als auch von der Herstellung – und das ist für alle spürbar. Man will sich ja gut fühlen, mit den Dingen, mit denen man sich umgibt und meine Möbel sollen dieses Gefühl freisetzen“, so der Möbeldesigner.

Die BLICKFANG als Inspiration

„Ich habe bisher eine BLICKFANG mitgemacht und die war toll für mich!“, erzählt Ebbers. Mitgemacht habe er zweimal, weil er wissen wollte, wie Leute außerhalb seines Umfelds und seiner Kundschaft auf seine Möbel reagieren. Und das Feedback? Beeindruckend: „Ich hatte das Gefühl, die Besucher:innen haben auf mich und meine Produkte gewartet. Sehr viele haben mir ein so positives Gefühl gegeben.“

Die Gründer Sebastian und Katharina, wie sie beide ihre Farvel-Urnen halten.
Sebastian und Katharina von Farvel

Abschied nehmen ist ein schweres Thema. Besonders, wenn es sich um den finalen Abschied einer geliebten Person handelt. Farvel, ein junges Schweizer Label, wagt es, diesen Moment neu zu denken – mit individuell gestalteten Urnen, nachhaltigen Materialien und einem Designansatz, der Hoffnung und Leichtigkeit vermittelt. Hinter Farvel stehen Sebastian Kuhn-Prohic und Katharina Hogg-Erdrich, die aus der Marketingwelt kommen und nun eine Branche aufbrechen, die bisher vor allem traditionell und zurückhaltend war. Im Gespräch mit Sebastian erfahren wir, wie Farvel Abschied und Erinnerung zu etwas macht, das berührt, inspiriert und auf besondere Weise feiert. 

Eine Farvel-Urne inmitten einer Wiese.
Eine Farvel-Urne zwischen Blumen

Wer ist Farvel – und wie entstand die Idee, Abschied neu zu denken?

„Farvel, das sind Katharina und ich – seit fast 17 Jahren Kollegen und Freunde. Kennengelernt haben wir uns während des Studiums, und sind seitdem Freunde geblieben. 

Die Idee zu Farvel kam an einem warmen Sommerabend am Genfersee. Katharina hatte innerhalb kurzer Zeit zwei Verluste in der Familie erlebt. Sie saß bei beiden Beerdigungen vor einfachen Standard-Urnen und spürte: Da liegt mehr drin. Diese Menschen waren einzigartig, voller Lebensfreude und doch standen da Gefäße, die so austauschbar wirkten. Sie suchte online nach Alternativen, fand aber kaum etwas Schönes oder Individuelles. 

Mit diesem Gedanken kam sie zu mir. Dort, am See, haben wir lange darüber gesprochen, warum Abschied oft so nüchtern gestaltet wird und beschlossen, das zu ändern. So wurde Farvel geboren: aus dem Wunsch heraus, mehr Schönheit, Persönlichkeit und Leichtigkeit in den Moment des Abschieds zu bringen.“ 

Wie seid ihr auf den Namen Farvel gekommen?

„Wir wollten einen Namen, der Bezug zum Thema Abschiednehmen hat, aber nicht zu direkt, nicht zu schwer. Etwas, das sich logisch anfühlt, wenn man es hört. So sind wir von Farewell auf Farvel gekommen. Das bedeutet auf Dänisch und Norwegisch Lebwohl. Es lässt alles offen: Ist es für immer, nur auf Zeit? Es ist eigentlich ein liebevolles Mach’s gut.“

Ihr seid beide branchenfremd. War das nicht eine riesige Hürde?

„Unser Hintergrund liegt im Marketing, bei mir speziell im Employer Branding. Mit Produktentwicklung hatten wir anfangs keinerlei Berührungspunkte. Aber vielleicht war genau das unser Vorteil. Wir konnten unbefangen fragen: Warum muss das alles so düster sein? Warum nicht Hoffnung, Leichtigkeit? Unser Markenauftritt ist inspiriert von einem Sonnenaufgang – nicht vom Untergang. Sie sollen zeigen: Nach der Nacht kommt wieder der Tag.“

Das ist eine mutige Philosophie. Gibt es auch Gegenwind?

„Am meisten Gegenwind kommt eigentlich von den Bestattungsinstituten. Die Branche ist überwiegend traditionell geprägt. Natürlich kann ich nicht für jeden sprechen, aber das trifft auf die Mehrheit zu. Viele sagen: ‚Das funktioniert doch so, warum soll ich etwas ändern?‘ Aber genau deshalb suchen wir den direkten Kontakt zu den Menschen, zum Beispiel an der BLICKFANG. Dort treffen wir designaffine Besucher, die sich für schöne Dinge begeistern. Wir wollen ihnen zeigen: Auch der letzte Moment kann schön sein.“

Drei Farvel-Urnen nebeneinander gereiht.
Drei Farvel-Urnen vor dem Hintergrund eines blauen Himmels.

Und wie entsteht so eine Urne bei euch?

„Es beginnt mit einem Briefing. Unser Designer René Odermatt hat sich für die Lamellenstruktur von einem aufgeklappten Buch inspirieren lassen. Die Herausforderung: In eine Urne müssen bis zu fünf Liter passen und trotzdem soll sie leicht wirken. Danach folgt ein langer Prozess mit 3D-Druck. Eine Urne druckt zwischen 14 und 16 Stunden. Erst danach sehen wir, ob sie fehlerfrei ist. Dann werden die Deckel von Hand gefertigt – übrigens in einer Zürcher Werkstatt, in der Menschen mit und ohne Beeinträchtigung arbeiten. Auch die Baumwollbeutel für die Asche entstehen in sozialen Institutionen. Es ist uns wichtig, dass Farvel nicht nur schön und nachhaltig, sondern auch sozial verantwortlich ist.“

Euer Material ist besonders – warum habt ihr euch dafür entschieden?

„Unsere Urnen bestehen aus einem Holzfilament, das aus Sägeresten gewonnen wird. So schenken wir diesem Material ein neues Leben. Am Ende baut sich die Urne wie Holz ab, optional bleibt dann nur der Marmordeckel – als ewiger Marker, ein kleiner Stein, der auch in 1.000 Jahren noch an den Menschen erinnert. Wir nennen das nachhaltiges Erinnern.“

Gibt es eine Geschichte von einem Kunden, die euch besonders berührt hat?

„Ja, eine ganz besonders. Es war eine Frau, die die Urne für ihren Vater gestalten ließ. Zuerst hatte sie den vollen Namen ihres Vaters ausgewählt – alles ganz korrekt, wie man es eben oft auf Grabsteinen sieht. Dann schrieb sie uns zurück. Sie sagte: Nein, das fühlt sich nicht richtig an. Und sie änderte die Gravur in nur ein einziges Wort: ‚Papa. Für immer in meinem Herzen‘.  
Das hat mich sehr berührt. Dieses eine Wort trägt so viel Liebe und Erinnerung in sich. Es macht die Urne sofort persönlich, intim – nicht ein offizielles Erinnerungsstück, sondern ein Zeichen für die ganz eigene Beziehung zwischen Vater und Tochter. Genau darum geht es bei Farvel: Dass am Ende etwas entsteht, das sich richtig anfühlt.“

Wenn jemand auf der BLICKFANG das erste Mal vor euren Urnen steht – was wünscht ihr euch, dass diese Person fühlt?

„Am berührendsten ist es, wenn jemand innehält und sagt: Das ist wirklich besonders. Genau das wünschen wir uns – dass die Menschen spüren, dass hier etwas mit Liebe und Sorgfalt entstanden ist. Wir wollen das Thema Abschied nicht aufdrücken, sondern einen neuen Blick darauf eröffnen. Wenn es schon ein so schwerer Moment ist, dann soll er zumindest in einem Rahmen stattfinden, der Hoffnung und Leichtigkeit ausstrahlt. Wir möchten zeigen: Auch in der Trauer kann etwas Tröstliches und Schönes liegen.“

Eine Farvel-Urne in einem Regal, neben einer Blumenvase

An der BLICKFANG in Zürich hast du die Chance, Sebastian und Katharina persönlich kennenzulernen, die kunstvoll gestalteten Urnen zu bestaunen und vielleicht ein Unikat mitzunehmen, das dein Herz berührt. Hier geht es zu den Tickets!