David und Lorenz, Gründer von LUHA.WOOD

Es begann mit Wochenenden. Mit Abenden in einer kleinen Werkstatt, mit Möbeln für Freunde und mit der Frage: Was wäre, wenn wir das ernst meinen? David und Lorenz arbeiteten damals noch im selben Fensterbaubetrieb, bauten nebenbei, diskutierten Werte, Herkunft, Qualität. Fünf Jahre später ist LUHA.WOOD ihre Antwort. Eine Marke, die nicht nur aus Massivholz besteht, sondern aus Überzeugung: kurze Wege, klare Linien, ehrlicher Service und die Bereitschaft, Verantwortung für jeden verarbeiteten Baum zu übernehmen.

Im Interview erzählen David und Lorenz, wie aus gemeinsamen Wochenendprojekten ein Unternehmen mit klarer Haltung wurde, warum sie bewusst auf Schweizer Holz setzen, was Nachhaltigkeit für sie im Alltag bedeutet und weshalb ein Möbelstück für sie immer auch eine Geschichte in sich trägt.

David, Lorenz, ihr arbeitet seit Jahren mit Holz – wie hat eure gemeinsame Leidenschaft LUHA.WOOD entstehen lassen?

David: Wir haben beide Schreiner gelernt und lange im gleichen Fensterbaubetrieb gearbeitet. Die Leidenschaft für Holz war immer da. Aber vor etwa fünf Jahren kam der Punkt, an dem wir gemerkt haben: Wir wollen konsequent mit Massivholz arbeiten und die Herkunft stärker in den Fokus rücken. Nachhaltigkeit und Langlebigkeit waren für uns keine Schlagworte, sondern eine Haltung. Also haben wir LUHA.WOOD gegründet.

Lorenz: Kennengelernt haben wir uns im Betrieb. Es gab dort eine kleine Werkstatt für Massanfertigungen. Am Wochenende oder abends haben wir Möbel für Freunde gebaut. Man half sich, tauschte Ideen aus. Irgendwann sagte David: „Eigentlich müssten wir mal was zusammen machen.“ Wir haben uns hingesetzt und unsere Werte definiert: Massivholz, regionale Partner, kurze Wege, ehrlicher Kontakt. Und genau das leben wir seit über fünf Jahren.

Wie habt ihr euch als Gründerduo ergänzt – gibt es klare Rollen zwischen Design, Handwerk und Kundenbetreuung, oder verschwimmen diese Bereiche?

David: In der Werkstatt sind wir beide gleich präsent. Im Büro haben sich die Aufgaben nach Stärken verteilt: Lorenz verantwortet Marketing und Social Media, ich Finanzen und Buchhaltung. Die Kundenbetreuung und Verkauf machen wir gemeinsam.

Lorenz: Uns ist wichtig, dass nichts „übergeben“ wird. Wer berät, bleibt Ansprechpartner bis zur Auslieferung. Viel läuft über WhatsApp Business: Zeichnungen, 3D-Ansichten, Offerten. Schnell, direkt, transparent. Wir ergänzen uns gut: David hält die Zahlen im Blick, ich investiere eher in Sichtbarkeit. Und in der Werkstatt müssen wir oft zu zweit sein – Massivholz trägt man nicht allein durchs Leben.

Eure Möbelstücke werden in der eigenen Werkstatt in Zürich gefertigt. Wie hat sich diese Werkstatt für euch entwickelt, und welche Rolle spielt sie für eure Marke?

David: Am Anfang waren wir eingemietet, mit gemieteten Maschinen. Es war funktional, aber nicht unser Ort. In Zürich haben wir dann eine bestehende, komplett zugestellte Schreinerei gefunden. Vier Monate Eigenleistung später war daraus unsere Werkstatt geworden – so, wie wir sie uns vorgestellt haben.

Lorenz: Die Werkstatt ist nicht nur Produktionsort, sondern auch Beratungsraum. Wir haben sogar bei neuen Maschinen auf passende Farben bestanden. Viele Kunden sagen beim Reinkommen: „So eine Werkstatt habe ich noch nie gesehen.“ Genau das wollten wir. Wer uns auf Instagram folgt, sieht die Entstehung. Wer hier steht, erlebt sie.

Nachhaltigkeit wird bei euch großgeschrieben – könnt ihr ein paar Beispiele nennen, wie ihr das konkret angeht?

David: Wenn man realisiert, dass man Bäume verarbeitet, die 80 oder 150 Jahre gewachsen sind, verändert das den Blick. Für uns bedeutet Nachhaltigkeit: kurze Wege, Schweizer Holz, regionale Partner.

Lorenz: Und ganz praktische Entscheidungen: Für Maßaufnahmen in Zürich nehmen wir, wenn möglich, das Lastenrad. Wir haben neben unserem Transporter auch einen vollelektrischen ID-Bus. Späne pressen wir zu Pellets – im Winter heizen wir damit selbst, im Sommer verkaufen wir Überschuss. Abschnitte werden zu Untersetzern oder kleinen Accessoires weiterverarbeitet. Wir arbeiten nahezu papierfrei und nutzen lebensmittelechte, schadstoffarme Oberflächen. Und: Für jeden Tisch pflanzen wir in der Schweiz einen neuen Baum.

Ihr setzt auf Schweizer Holz. Warum?

David: Nicht, weil es besser ist als anderes Holz sondern wegen der kurzen Wege und der Verantwortung. Jedes Land sollte seine eigenen Ressourcen nutzen.

Wir haben auch das Schweizer Holzzertifikat, das uns erlaubt und gleichzeitig verpflichtet, nur Schweizer Hölzer zu verwenden. Und wir arbeiten mit Partnern in der Nähe damit Transportwege klein bleiben.

Wie geht ihr mit Maserungen, Ästen und Rissen um – Herausforderung oder Inspiration?

David: Für uns sind das die schönsten Stellen. Was bei anderen vielleicht als Brennholz endet, ist für uns Charakter. Äste, Risse, „Leben“ im Holz machen jede Platte einzigartig. Wir kaufen bewusst rustikale Stämme und verwandeln sie in hochwertige Möbel. Gerade diese Imperfektion macht sie besonders.

Wie wählt ihr eure Partner aus – und welche Rolle spielt lokale Vernetzung?

Lorenz: Regionalität ist wichtig, aber entscheidend ist das Menschliche. Wir arbeiten nur mit Partnern, mit denen Kommunikation schnell und respektvoll funktioniert – oft ganz unkompliziert über WhatsApp. Fotos aus dem Lager, kurze Abstimmungen, direkte Entscheidungen.

Unser Servicegedanke ist stark: Kundinnen und Kunden sollen innerhalb von 24 Stunden eine Offerte erhalten – häufig sogar schneller. Wer bei uns einen Tisch bestellt, investiert bewusst. Dieses Vertrauen verdient Tempo und Verlässlichkeit. Deshalb beantworten wir auch mal eine Nachricht am Wochenende, wenn es schnell geht.

Eure Kunden können den Baum zu ihrem Tisch via QR-Code nachverfolgen. Wie wirkt sich das aus?

Lorenz: Der QR-Code führt zu dem neuen Baum, den wir pflanzen – nicht zum gefällten. Das Schweizer Holzzertifikat ist zwar so aufgebaut, dass man einen Baum nachvollziehen kann: wo er stand, wann er geschlagen wurde, wie lange und wo er getrocknet wurde, aber wir richten den Blick der Kunden eher in die Zukunft. Mit unserem Partner Almighty Tree pflanzen wir regelmäßig im Raum Zürich für jeden Tisch, der unsere Werkstatt verlässt, einen neuen Baum. Mittlerweile wurden so schon 272 Bäume gepflanzt. Kunden können live dabei sein und erhalten ein Zertifikat für ihren persönlichen Baum, bei größeren Aufträgen drucken wir das auch gerne auf Holz.

Wenn man im Wald steht, mit dem Förster spricht und selbst pflanzt, bekommt das Material eine andere Dimension. Man merkt: Dieses Holz war vielleicht 200 Jahre Teil eines Waldes. Das prägt den Umgang auch mit jedem einzelnen Abschnitt.

Mit dem Papillon Tabouret habt ihr den Future Forward Award gewonnen! Wie entstand der Papillon Tabouret – und was macht ihn besonders?

David: Über eine Anfrage von Jonas von Vogt Landschaftsarchitekten. Der Hocker war bereits für einen Großanlass entworfen worden. Die Frage war: Lässt sich das in Holz umsetzen? Die Konstruktion war anspruchsvoll, aber wir fanden eine Lösung. Als die ersten Exemplare fertig waren, war klar: Das hat Potenzial. Wir produzieren ihn exklusiv und bieten ihn in verschiedenen Holzarten wie Nussbaum, Eiche und Douglasie an.

Der Papillon Tabouret ist „Reduziert auf das Wesentliche“ – wie habt ihr das erreicht?

Lorenz: Der Hocker besteht aus zwei Teilen, die sich ineinander verkeilen. Flach lagerbar, ohne zusätzliche Verschraubung. Die technische Umsetzung – vor allem bei Gehrung und Verbindung – war komplex, aber nach außen wirkt alles klar und selbstverständlich. Gerade Linien, kein Schnickschnack. Diese Reduktion prägt auch viele unserer anderen Projekte.

Was bedeutet der Future Forward Award für euch?

David: Er war eine Bestätigung. Man weiß nie, wie ein neues Produkt aufgenommen wird. Der Award hat uns Rückenwind gegeben – und Mut, weiterzugehen.

Ihr seid erstmals auf der BLICKFANG. Was erwartet die Besucher:innen?

Lorenz: Offenheit. Präsenz. Zwei Menschen, die hinter ihrem Produkt stehen. Für mich ist es die erste Messe – das wird intensiv, aber genau darauf freue ich mich: auf Gespräche mit Menschen, die Design und Handwerk wertschätzen. Wir wollten es mit LUHA.WOOD ganz oder gar nicht machen. Jetzt passt der Moment.

Was müsste sich ändern, damit nachhaltige Möbel Standard werden?

David: Mehr Transparenz – wie bei Lebensmitteln. Klare Angaben zu Herkunft und Verarbeitung. Und ein Umdenken weg von Wegwerf-Möbeln hin zu langlebigen Stücken.

Lorenz: Und strengere Kontrollen bei Labels wie „Swiss Made“. Wer Nachhaltigkeit wirklich lebt, sollte geschützt werden. Wenn wir wieder regionaler und bewusster denken, wäre viel gewonnen.

Wenn du Holz nicht nur sehen, sondern spüren willst, dann besuche LUHA.WOOD auf der BLICKFANG Basel. Erlebe die Materialien, stell Fragen, bleib stehen. Vielleicht beginnt genau dort die Geschichte deines nächsten Möbelstücks.

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Für echte Gewinnertypen

Die BLICKFANG steht für exzellentes, unabhängiges Design – und genau das würdigt auch in diesem Jahr der begehrte Designpreis.

Die Auszeichnung richtet sich an herausragende Designer:innen und kreative Köpfe, die mit innovativen Konzepten und einzigartiger Ästhetik überzeugen. Der Designpreis ist auch in diesem Jahr eines der Highlights der BLICKFANG und wird erstmals in drei Kategorien vergeben: Neben den etablierten Bereichen Möbel & Produktdesign sowie Mode & Schmuck wird nun auch die Kategorie Mode- und Wohnaccessoires ausgezeichnet.

Eine unabhängige Fachjury entscheidet über die Preisträger:innen in allen Kategorien und legt dabei besonderen Wert auf die gestalterische Qualität, das kreative Konzept, die handwerkliche Umsetzung und eine überzeugende Präsentation. Der Designpreis hebt nicht nur exzellentes Design hervor, sondern setzt auch ein Zeichen für die Bedeutung nachhaltiger und innovativer Gestaltung.

Ermöglicht wird die Vergabe durch die Unterstützung der D.E.S.I.G.N. Foundation, die sich für die Förderung herausragender Designleistungen einsetzt. Mit dieser Auszeichnung bleibt die BLICKFANG ihrer Mission treu, Designschaffende zu stärken und die besten Ideen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die Fachjury der BLICKFANG Stuttgart 2026:

Cyrus Ghanai I Dipl.-Ing. (FH) für Innenarchitektur

Cyrus Ghanai absolvierte zunächst eine Ausbildung als Tischler und Möbelrestaurateur, bevor er Innenarchitektur an der Hochschule für Technik Stuttgart studierte. Sein Portfolio reicht von hochwertigen Interior-Konzepten für Privathäuser und Gewerbebauten bis zu Cafés, Bars und Restaurants. Auch Badplanungen sowie moderne Festzeltarchitektur gehören zu seinem Schwerpunkt – hier nimmt er eine Vorreiterrolle ein. Ghanai ist Mitglied im Bund Deutscher Innenarchitekten (BDIA) und realisierte zahlreiche Projekte in Stuttgart, darunter die Festzelte Göckelesmaier und beim Benz, das Classic Rock Café und das Restaurant Brunner. 

1. Was macht für dich gutes Design aus?  

Ein ästhetisches  Zusammenspiel aus Form, Farbe, Material und modernster Finesse aus Technik und Produktion. Nachhaltig, auch mal überraschend, neu, immer den aktuellen Zeitgeist treffend und dann doch zeitlos !

 2. Welches Designstück hat dich in letzter Zeit begeistert und warum?  

Einen Esstisch aus dem Naturstein Verde Alpi den ich für mich selber entworfen habe. Ich war mit einem befreundeten Steinspezialisten in Verona auf einer internationalen Marmormesse und wir haben dort einen ganzen Block von dem Naturstein gekauft.

Zu Hause habe ich mir dann aus einer Steintafel des Blockes einen eigenen Tisch kreiert, jeden Tag erfreue mich über diese Geschichte und das Resultat.

3. Wohin wird sich in deinen Augen Möbel-Design in Zukunft entwickeln?  

Ich denke das Thema Materialkreislauf spielt immer mehr eine Rolle, mir gefallen immer mehr Materialien die aus recycelten Stoffen entstehen und wir daraus neues Design entwickeln können. Da entstehen vielleicht die neuen Klassiker von morgen, das ist ja dann wieder nachhaltig, beständig und muss nicht ausgetauscht werden.

4. Die BLICKFANG ist wichtig, weil … 

…hier in einem regelmässigem Turnus Gestalter und Handwerk ihr aktuelles Portfolio und Können einem großen Publikum öffentlich präsentieren können.

5. Welchen guten Rat würdest du jungen Designer:innen heutzutage mit auf den Weg geben? 

Immer interessiert, informiert und offen zu sein. Innovationen aus Materialität und Technik zu erkennen, zu verwenden und diese dann innovativ, nachhaltig und überraschend zusammenzubringen.

Marcus Brenner I Master of Furniture Design & Technology, Schreinermeister

Marcus Brenner wuchs im Familienbetrieb aus Schreinerei und Möbelhaus auf und absolvierte eine Ausbildung zum Schreiner sowie zum Betriebsassistenten. Nach seinem Studium an der Buckinghamshire University in England (Master of Furniture Design & Technology) folgte die Meisterschule in Freiburg. Seit 2002 leitet er den Betrieb in vierter Generation. Mit einem Team von zehn Mitarbeitenden realisiert er innenarchitektonische Planungen und ganzheitliche Einrichtungskonzepte im privaten und gewerblichen Bereich. Seit 2020 ist er Vorsitzender des Ausschusses Formgebung im Landesfachverband Schreinerhandwerk Baden-Württemberg.

1. Was macht für dich gutes Design aus?

Eine innovative Idee ist die Basis für gutes Design. Natürlich muss das Produkt in besonderer Weise einen Zweck oder eine Funktion erfüllen und gut zu benutzen sein. Oft machen nur Details den Unterschied.

Mich begeistert Design, wenn es spannend ist und mich im wahrsten Sinn verfolgt. Solche Objekte haben das Potential Menschen eine lange Zeit zu begleiten und bei jeder Nutzung Spaß zu machen.

2. Welches Designstück hat dich in letzter Zeit begeistert und warum?

Jedes Jahr freue ich mich besonders auf die Arbeiten und Projekte der Studierenden und jungen Designerinnen und Designer bei den diversen Shows im Kontext der Salone del Mobile in Mailand.

Nirgendwo sonst treffen anarchische Designideen und Konzepte aus aller Welt mit solcher Wucht auf kommerziell angepasste Entwürfe.  

3. Wohin wird sich in deinen Augen Möbel-Design in Zukunft entwickeln?

Extreme Designansätze werden sich verstärken, aber auch das Zusammenbringen der gegensätzlichen Positionen in einem Raum und sogar in einem Objekt.

Auf der einen Seite enorme Reduktion in Form und Farbe. Auf der anderen Seite absolute Opulenz. Hochwertige Materialien im Kontrast mit explizit einfachen. Harte, kantige Formen und kalte Materialien werden im Möbeldesign gezielt mit weichen Formen und Materialien kombiniert. Der Mensch in seiner Individualität als Nutzer und Bewohner wird immer wichtiger werden. Das wird sich sowohl im greifbaren, materiellen Design, als auch durch die Verbindung mit virtuellem Design wie z.B. KI gesteuerter Haustechnik widerspiegeln. 

4. Die BLICKFANG ist wichtig, weil…

… Designer und Designer-Maker an einem realen Ort in konzentriertem Austausch mit Ihren Kunden stehen. Entwürfe und Produkte werden begutachtet und direkt bewertet. So eröffnet sich eine große Chance den Markt und die Menschen tatsächlich kennenzulernen.

Auch der Kontakt und Austausch innerhalb der Kreativen der `Blickfang-Familie` erweitert den eigenen Horizont und inspiriert.

5. Welchen guten Rat würdest du jungen Designer:innen heutzutage mit auf den Weg geben?

Gute Ratschläge zu geben sind nicht so mein Ding. Meist wird geraten den eigenen Weg zu finden, in den Entwürfen authentisch und ehrlich zu sein. Das macht Ihr sowieso.

Ich möchte junge Designerinnen und Designer dazu ermuntern neugierig zu sein, sehr genau hinzuschauen, auch abzuschauen, aber niemals zu kopieren.

Vertraut euch und vertraut eurer Kreativität.

Silvia Olp I PR- und Marketing-Managerin

Silvia Olp ist PR- und Marketing-Expertin mit Schwerpunkt Architektur und Design. Sie ist Gründungsmitglied des aed e.V. in Stuttgart, war viele Jahre im Vorstand tätig – zuletzt als Vorsitzende – und initiierte den Nachwuchswettbewerb aed neuland. Mit ihrer Agentur Silvia Olp Public Relations berät sie designorientierte Industrie, Agenturen und Architekturbüros. Zuvor verantwortete sie die Kommunikation bei Phoenix Design und burkhardt leitner modular spaces. Zudem ist sie als Jurymitglied in verschiedenen Architektur- und Designformaten aktiv.

1. Was macht für dich gutes Design aus?

Ob Medizintechnik oder Handtasche – gutes Design dient dem Menschen, löst Probleme, ist funktional und von emotionaler Ästhetik die mich berührt. Zeitgemäßes Design trägt Verantwortung in Produktion und Material. Die Nachhaltigkeitskriterien sind fester Bestandteil von gutem Design.

2. Welches Designstück hat dich in letzter Zeit begeistert und warum?

Erst vor kurzem entdeckt. Eine tragbare Tischleuchte mit dem Namen LIUM von Johannes Lindner. Der blattähnliche Schirm ruht leicht auf einem Sockel und schafft so ein skulpturales Zusammenspiel von Form, Schatten und Licht. Minimalistisch und doch warm, ausdrucksstark mit perfekter und funktionale Präzision –l einfach gutes Design.

3. Wohin wird sich in deinen Augen Möbel-Design in Zukunft entwickeln?

Aus meiner Sicht wird sich das handwerklich und langlebige Möbel-Design stärker wieder durchsetzen. Auch wenn es preislich anspruchsvoller wird. Naturmaterialien rücken wieder in den Fokus. Individueller Stil darf sein und Kombinationen mit Vintage-Elementen gern gesehen.  

4. Die BLICKFANG ist wichtig, weil…

…sie ein Ort für Inspiration und Gemeinschaft ist, ideal für spannende Entdeckungen. Die BLICKFANG hält außergewöhnliches Design live zum Anfassen und sofort Kaufen bereit. Designer:innen spüren direkt wie ihre Produkte wahrgenommen werden von Besuchenden wie auch von den Standnachbar:innen.

5. Welchen guten Rat würdest du jungen Designer:innen heutzutage mit auf den Weg geben?

Auf jeden Fall internationale Erfahrungen sammeln in Praktika,s – spüren wie Teams agieren. Gutes Design entsteht in iterativen Prozessen – Designer:innen aus unterschiedlichen Disziplinen kennenlernen und zusammenarbeiten. Aus diesem Prozess erkennt man letztlich seine eigenen Stärken. An diesen dann bitte weiterarbeiten.

In einer Zeit, in der Einrichtungstrends kommen und gehen wie Jahreszeiten, in der Möbel oft schneller ersetzt als repariert werden, wirkt manches wohltuend entschleunigt. Es gibt Labels, die sich bewusst gegen das Flüchtige entscheiden. Die nicht für den Moment entwerfen, sondern für viele Jahre. Für Räume, die wachsen dürfen. Für Dinge, die bleiben. 

Janis Rauza, Gründer von MINT Furniture
Janis Rauza von MINT Furniture

Wer am Stand von MINT Furniture vorbeigeht, spürt genau das. Klare Silhouetten, warme Holzoberflächen, eine stille Selbstverständlichkeit. Nichts ist laut, nichts inszeniert sich. Und doch entsteht sofort der Wunsch, näherzutreten, die Kanten nachzufahren, die Verbindungen zu betrachten, das Gewicht eines Stuhls zu testen. Diese Möbel erzählen nicht von Trends – sondern von Haltung. 

Im Zentrum des lettischen Labels steht Gründer und leitender Designer Janis Rauza. Seine Arbeit ist geprägt von traditionellem Tischlerhandwerk, von Respekt vor Material und Konstruktion – und von der Überzeugung, dass Möbel ehrlich, langlebig und zutiefst menschlich sein sollten. Vor der kommenden Messe haben wir mit ihm über Werte, Formensprache und darüber gesprochen, warum echte Nachhaltigkeit vor allem eines bedeutet: lange zu bleiben. 

Der Raumtrenner von MINT Furniture.

Welche Werte bilden das Fundament von MINT Furniture? 

„Unsere Werte basieren auf dem Respekt vor traditioneller Möbelhandwerkskunst. Im Produktionsprozess halten wir uns an das, was für uns am wichtigsten ist: Plattenmaterialien werden mit Massivholz umleimt und anschließend mit Laminat oder Echtholzfurnier veredelt. Diese Konstruktionsweise war bereits in den 1930er-Jahren weit verbreitet und sorgt für Haltbarkeit, Langlebigkeit und die Möglichkeit, Möbel im Laufe der Zeit zu restaurieren. Außerdem bietet sie einen besseren Schutz vor Feuchtigkeit und unbeabsichtigten physischen Einwirkungen.“ 

Eure Entwürfe wirken zeitlos statt trendgetrieben. Wie würdest du eure Formensprache beschreiben? 

„Gestalterisch ist unsere Arbeit vom Modernismus der 1950er- und 60er-Jahre geprägt. Unser Hauptfokus liegt jedoch auf Funktionalität, Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Räume und der Fähigkeit von Möbeln, auch als Raumteiler zu funktionieren. Zum Beispiel ein Regal, das sowohl Stauraum bietet als auch einen Raum gliedert; ein Bett, das frei im Raum stehen kann; oder ein Schranksystem, das Bereiche voneinander trennt.“ 

Die Vinyl Console CONTE von Mint Furniture.
Der Herstellungsprozess der Tische von MINT Furniture.

Ihr arbeitet mit unterschiedlichen Designer:innen zusammen. Wie gelingt es euch, dennoch eine stimmige Gesamtidentität zu bewahren? 

„Unsere Kollektionen entstehen in Zusammenarbeit mit verschiedenen Designer:innen. Jede und jeder bringt eine eigene Perspektive ein. Durch die Vereinheitlichung von Materialien und Produktionsprozessen haben wir jedoch eine klare, zusammenhängende visuelle Sprache entwickelt. Das Ergebnis sind Möbel, die Wärme und Behaglichkeit ausstrahlen.“ 

Man hat das Gefühl, dass eure Stücke ganz selbstverständlich zusammengehören – fast wie ein durchdachtes Wohnsystem. 

„Unsere Leitidee ist, dass man seinen gesamten Wohnraum mit unserer Kollektion einrichten kann – man muss nur ein wenig Kreativität zulassen.“ 

Die Stühle von MINT Furniture sind auffallend leicht und zugleich erstaunlich stabil. Wie gelingt euch dieser Balanceakt zwischen Eleganz und Robustheit? 

„Bei der Entwicklung unserer Stühle haben wir bewusst an die Natur und ihre Ressourcen gedacht. Hochwertiges Holz ist teuer, und es dauert lange, bis nutzbares Holz nachwächst. Deshalb verwenden wir dünnere Materialstärken und reduzieren die Dicke von standardmäßig 50 Millimetern auf 40 Millimeter. So sparen wir etwa 20 Prozent Material ein. Stabilität und Langlebigkeit werden durch die Handwerkskunst unserer Tischler und hohe Qualitätsstandards gewährleistet.“ 

Welche Rolle spielen Materialien und Farben innerhalb deiner Kollektion? 

„Wir bieten verschiedene Oberflächen an, folgen aktuellen Designtrends und bewahren gleichzeitig die natürlichen Holztöne. Wir haben festgestellt, dass unsere Kund:innen meist natürliche Holzarten bevorzugen und Farbe eher als Akzent einsetzen.“ 

Der Herstellungsprozess der Stühle von MINT Furniture.
Das MINT Furniture Doppelbett Moretta.

Eure Arbeit ist stark im Handwerk verwurzelt. Woher stammt dieses Wissen? 

„Das Wissen, das ich in mir trage, stammt von den Meisterhandwerkern, von denen ich lernen durfte – Männer, die selbst noch bei Vorkriegsmeistern ausgebildet wurden und deren Erfahrung weitergegeben haben. Heute ist es mir wichtig, dieses Wissen weiterzutragen und zu teilen.“ 

Klassische Formen, enge Zusammenarbeit, Nachhaltigkeit und Langlebigkeit scheinen bei MINT Furniture untrennbar zusammenzugehören. Wie greifen diese Aspekte ineinander? 

„Ich glaube, dass klassische Formen Menschen stärker berühren als futuristische. Klassische Umgebungen vermitteln Ruhe und ermöglichen echte Entspannung. 

Bei der Entwicklung unserer Kollektionen arbeite ich mit Menschen zusammen, die ähnliche Werte teilen. Sie leben mit den Möbeln, die wir schaffen – genauso wie ich. 

Wenn wir über Nachhaltigkeit sprechen, freue ich mich besonders über Kund:innen, die unsere Möbel vor zehn Jahren gekauft haben und sie heute restaurieren oder weiterverkaufen. Das zeigt, dass die Zeit ihren Wert nicht gemindert hat. Die Produktionstraditionen, die wir pflegen, geben unseren Möbeln ein langes und sinnvolles Leben.“ 

MINT wurde international ausgezeichnet und weltweit ausgestellt. Was hat dir dieser Weg mitgegeben – und was wünschst du dir, dass Besucher:innen auf der Messe erleben? 

„Designpreise und internationale Ausstellungen haben uns Selbstvertrauen und den Mut gegeben, diesen Weg weiterzugehen. Vor allem aber bewahren wir unsere Haltung gegenüber jedem einzelnen Produkt, das wir herstellen. 

Ich hoffe, dass unsere neue Kollektion die Besucher:innen anspricht und nicht unbemerkt bleibt. Noch wichtiger ist mir jedoch, dass sie unsere Hingabe und unseren Anspruch an Qualität spüren.“ 

Der MINT Furniture-Stuhl GHOST.
Maria Seifert Gründerin von "Maria Seifert" und Leiterin der Manufaktur Seifert
Maria Seifert Gründerin von „Maria Seifert“ und Leiterin der Textilmanufaktur Seifert

© Victoria Kaempfe

Manchmal beginnt Veränderung mit einer klaren Entscheidung. Für Maria Seifert bedeutete das, zurückzugehen: zurück nach Sachsen, zurück in die Produktion – und hinein in eine Rolle, die in der Modebranche selten geworden ist. Designerin, Unternehmerin und Produktionsverantwortliche in einer Person.

Mit ihrer Manufaktur verbindet sie Gestaltung und Herstellung so direkt wie kaum jemand. Während Mode oft über Trends und Saisons erzählt wird, geht es ihr um Menschen, Arbeitsrealitäten und die Frage, welchen Wert Kleidung wirklich hat.

Ihr Weg führte vom Designstudium und vielen Jahren in der Berliner Kreativ- und Kostümszene zurück in die textile Produktion. Als die Inhaberin der Manufaktur, in der ihre Kollektionen gefertigt wurden, aus Altersgründen aufhören wollte, übernahm Maria Seifert den Betrieb – auch, um Arbeitsplätze zu sichern und handwerkliches Know-how zu erhalten.

Heute bewegt sie sich zwischen Design, Produktion, Vertrieb und Unternehmensführung – und zeigt, dass Mode mehr sein kann als ein Produkt: nämlich ein System, das man aktiv mitgestalten kann.

© Sebastian Donath

„Faire Mode für faire Frauen“ – was steckt für dich hinter diesem Claim?

Für mich bedeutet das mehrere Ebenen: Natürlich geht es zuerst um die Materialien – also ökologisch vertretbare Stoffe, viel GOTS-zertifizierte Baumwolle, Tencel und ähnliche Materialien. Aber es geht genauso darum, für wen und unter welchen Bedingungen produziert wird.

Wir sprechen Frauen an, die bewusst konsumieren – die nicht nur auf ökologische Stoffe achten, sondern auch darauf, dass Kleidung in einem Frauenunternehmen entsteht und Arbeitsplätze für Frauen sichert. Gerade in einer Branche, die extrem vom Preiskampf geprägt ist, ist das ein riesiges Thema.

International – aber auch in Europa – sehen wir teilweise Zustände, die für mich schon Richtung Menschenrechtsverletzungen gehen. Menschen müssen von ihrer Arbeit leben können. Und auch in Deutschland stehen wir permanent unter Preisdruck. Deshalb wollen wir viel transparenter kommunizieren und Kund:innen ansprechen, die sich dieser Situation bewusst sind und solche Unternehmen aktiv unterstützen.

© Sebastian Donath
© Victoria Kaempfe

Du bist heute Geschäftsführerin, Designerin und Unternehmerin zugleich. Wie bist du in diese Rolle gekommen?

Die Eigenmarke hatte ich schon vorher – die habe ich nicht übernommen, sondern selbst aufgebaut. Die Textilproduktion habe ich später gekauft, als die vorherige Inhaberin aus Altersgründen aufhören musste.

Ich habe Modedesign in Berlin studiert und etwa 15 Jahre dort gelebt und gearbeitet, vor allem im Kostümbereich. Ehrlich gesagt hatte ich nie den Plan, mich mit einer eigenen Marke selbstständig zu machen. Ich bin eher so reingerutscht – und habe dann gemerkt, dass es funktioniert.

2015 bin ich nach Leipzig zurückgekehrt und habe als Freelancerin gearbeitet. Darüber kam der Kontakt zur Textilmanufaktur zustande, in der meine Sachen produziert wurden. Als klar war, dass die Produktion schließen würde, habe ich mich entschieden, sie zu übernehmen – vor allem, um sie zu erhalten und die Arbeitsplätze zu sichern.

Der Beruf der Industrienäherin verschwindet langsam. Und ich finde: Das muss nicht sein.

© Victoria Kaempfe

Wie sieht dein Arbeitsalltag heute konkret aus?

Ich mache viel Vertrieb und Pressearbeit, aber ich arbeite auch aktiv in der Produktion mit. Seit drei Jahren bin ich im Zuschnitt eingearbeitet und arbeite dort regelmäßig mit. Das war mir extrem wichtig. Wenn du selbst im Prozess stehst, verstehst du Preisverhandlungen ganz anders. Du weißt, was Arbeitsschritte bedeuten, wo Kompromisse möglich sind – und wo eben nicht.

Viele unterschätzen total, was es heißt, Kleidung in Serie unter Zeitdruck herzustellen. Gleichzeitig bist du als Geschäftsführerin natürlich auch für Büro, Kommunikation, Personalthemen und Organisation verantwortlich. Am Ende bist du irgendwie für alles zuständig.

© Sebastian Donath

Wie war es, eine bestehende Produktion mit erfahrenen Mitarbeiterinnen zu übernehmen?

Das war ein Prozess. Vor allem im Erzgebirge musst du dir Vertrauen wirklich erarbeiten. Ich musste sehr genau zuhören, Bedürfnisse verstehen und sensibel vorgehen.

Ich komme auch aus Konzernstrukturen, aus Betriebsratsarbeit – aber so kannst du hier nicht führen. Du musst viel transparenter und persönlicher kommunizieren. Ich war sehr präsent in der Produktion, habe viel mitgearbeitet und offen über wirtschaftliche Situationen gesprochen.

Heute haben wir ein sehr gutes Teamgefühl. Der Krankenstand ist extrem niedrig, wir haben auf eine Vier-Tage-Woche reduziert – und das Miteinander ist wirklich stark.

Warum ist dir Produktion in Deutschland so wichtig?

Wir haben eine eigene Produktionsstätte – und damit auch Verantwortung für Arbeitsplätze. Dazu kommen kurze Kommunikationswege, schnelle Entscheidungen und direkte Kontrolle über Qualität.

Wenn jemand wirklich extrem günstig produzieren will, muss er sehr weit weg produzieren. Europa ist gar nicht so günstig, wie oft behauptet wird. Und für mich geht es auch um Wertschätzung für den Beruf der Industrienäherin hier in Deutschland.

Ich werde niemals zulassen, dass jemand für mich ein T-Shirt für fünf Euro näht. Das ist menschenunwürdig. Jeder, der selbst an der Maschine gearbeitet hat, weiß, dass das nicht funktionieren kann.

Wie unterscheidet sich die Produktion für externe Marken von deiner Eigenmarke?

Die Abläufe sind eigentlich sehr ähnlich. Der Unterschied liegt vor allem in der Vorbereitung: Welche Materialien werden verwendet, welche Logistik wird benötigt, welche Verpackung oder Versandstruktur verlangt der Kunde.

Manchmal entwickeln wir auch Schnitte oder unterstützen stärker in der Produktionsvorbereitung. Aber grundsätzlich ist Produktion Produktion – egal für wen.

Deine Eigenmarke stand zuletzt etwas im Hintergrund. Warum?

Weil wir zuerst den B2B-Bereich stabil aufbauen mussten. Die Produktion musste laufen, die Aufträge mussten gesichert sein.

Jetzt wollen wir wieder stärker auf unsere eigene Marke fokussieren – unter anderem über die Teilnahme an der BLICKFANG. Uns fehlt aktuell vor allem der direkte Kontakt zu Kund:innen. Online bekommst du nur begrenzt Feedback.

Wie wichtig ist dir dieser direkte Kundenkontakt?

Extrem wichtig. Online bekommst du vielleicht eine Retoure mit „zu groß“ oder „zu klein“. Aber du spürst nicht wirklich, wie Produkte ankommen.

Ich will sehen, wie Menschen reagieren, wenn sie die Kleidung anfassen, anprobieren, erleben. Und ich will dieses direkte Feedback – auch für das Team. Wenn ich zurückkomme und sagen kann: Es kam gut an, die Verarbeitung wurde gelobt – das ist für alle ein riesiges Signal.

Wer trägt deine Mode?

Unsere Kundinnen sind unglaublich unterschiedlich – vom Alter her etwa Mitte 20 bis Mitte 60 oder sogar 70. Das freut mich total, weil wir nie nur eine Altersgruppe ansprechen wollten.

Es sind Menschen, die Qualität und Passform schätzen, aber keine komplett durchoptimierte Konfektionsmode wollen. Die Kleidung darf bequem sein, flexibel im Alltag funktionieren und trotzdem gut aussehen.

Wir haben viele treue Kundinnen, die immer wieder bestellen – und aktiv fragen, was als Nächstes kommt. Das ist für mich extrem wertvoll.

© Sebastian Donath

Was bedeutet die Teilnahme an der BLICKFANG für dich?

Es ist ein wichtiger Schritt, um unsere Eigenmarke wieder stärker sichtbar zu machen. Natürlich hoffen wir auf Verkäufe – aber genauso auf Feedback, Austausch und direkte Bestätigung. Und ehrlich gesagt: Für mich zählt am Ende die Reaktion der Endkundin. Wenn sie sagt: „Bleibt bei euren Farben“ oder „Wir wollen mehr davon“ – dann ist das für mich entscheidend.

Auf der BLICKFANG in Stuttgart kannst du Maria persönlich kennenlernen ihre Kleidungsstücke aus der Manufaktur anprobieren und direkt mitnehmen!

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Porträt von Mela Elger

Mela Elger
Gründerin von dem Taschenlabel MILLA VON COSY

Mela Elger beobachtet Taschen, seit sie denken kann – ihre Formen, ihre Funktion, ihre Wirkung im Alltag. Was als frühe Faszination begann, wurde 2023 zu einem klaren Entschluss: ein eigenes Taschenlabel, das Ästhetik und Verantwortung verbindet.

Im Mittelpunkt ihrer Entwürfe steht ein Material, das den Charakter der Taschen prägt: Apfeltextil. Es entsteht aus Resten der Apfelsaftproduktion – Schalen, Fasern und Kernen, die getrocknet, zu Pulver verarbeitet und mit einem Bindemittel Schicht für Schicht auf einen textilen Träger aufgebracht werden. In Südtirol wird so aus landwirtschaftlichen Nebenprodukten ein veganes Leder mit weicher Haptik und hoher Strapazierfähigkeit.

Als ressourcenschonende Alternative zu tierischem Leder nutzt Apfelleder vorhandene Rohstoffe, reduziert CO₂-Emissionen im Vergleich zu konventionellen Materialien und kommt ohne tierische Bestandteile aus. Dass MILLA VON COSY dieses Material wählt, ist Ausdruck einer klaren Haltung.

Gefertigt in Europa, ergänzt um einen handgearbeiteten LoveTag als Zeichen der Verbundenheit, stehen ihre Taschen für bewusste Entscheidungen – gegen Schnelllebigkeit und für Wertschätzung. Sie sind so entworfen, dass sie tagsüber ebenso funktionieren wie am Abend, reduziert in der Form und zugleich persönlich im Detail.

Bevor du Mela Elger auf der BLICKFANG Stuttgart persönlich begegnest, gibt sie hier Einblick in ihre Gedankenwelt, ihre Motivation und den Weg hinter MILLA VON COSY.

Wie hat alles begonnen – erinnerst du dich an den Moment, in dem aus einer Idee der Wunsch wurde, ein eigenes Taschenlabel zu gründen?

Ich kann mich nicht an diesen einen Moment erinnern – es war eher ein Prozess, und der liegt schon lange zurück. Die Liebe zu Taschen begleitet mich seit vielen Jahren. Meine Mutter hatte einen regelrechten Taschenfimmel, und ich habe früh angefangen, darauf zu achten, welche Taschen Menschen tragen und wie sie sie kombinieren.

Vor etwa zwölf Jahren hatte ich das erste Mal eine konkrete Modellidee und habe sie sogar bis zur Produktionsreife entwickelt. Damals habe ich es nebenberuflich gemacht und nicht umgesetzt. 2023 habe ich dann entschieden: Jetzt setze ich es wirklich um. So ist MILLA VON COSY entstanden – mit dem festen Willen, es diesmal durchzuziehen.

Wann war für dich klar, dass Tierleder keine Option ist?

Von Anfang an. Ich habe nie damit geliebäugelt, mit Leder zu arbeiten – zum einen wegen des Tierleids, zum anderen wegen der enormen Umweltbelastung durch die Gerberei. Ich habe mich intensiv mit Alternativen beschäftigt und mir die Zahlen zu CO₂- und Wasserverbrauch angesehen. Im Vergleich dazu schneiden viele pflanzliche Materialien deutlich besser ab. Für mich war deshalb klar: Das ist nicht der Weg, den ich gehen möchte.

Apfeltextil ist ein Material, das viele erst kennenlernen müssen. Was hat dich daran besonders überzeugt?

Vor allem die Haptik. Apfelleder gibt es in unterschiedlichen Qualitäten – etwas steifer oder weicher –, sodass man je nach Schnitt gut wählen kann.

Außerdem entstehen die Apfelreste in Europa, vor allem in Südtirol, wo sie auch verarbeitet werden. Die Transportwege sind kurz. Diese Kombination aus Qualität und regionaler Nähe war für mich ausschlaggebend.

Wie entsteht eine Tasche bei MILLA VON COSY – vom ersten Entwurf bis zur fertigen Serie?

Am Anfang steht eine Idee. Ich zeichne und nähe einen ersten Rohprototypen, zunächst ohne Futter, nur um die Form zu testen. Wenn ich zufrieden bin, arbeite ich mit einer Technikerin zusammen, die meinen Schnitt produktionsreif macht. In der Näherei entsteht dann ein weiterer Prototyp. Erst wenn alles stimmt, geht das Modell in Serie.

Dieses Jahr gehe ich für vier Monate nach Mailand, um 3D-Konstruktion zu lernen. Ich möchte die Prozesse künftig noch besser selbst steuern können. Perspektivisch wünsche ich mir außerdem eine eigene Näherei in Hamburg – auch wenn das eine große Herausforderung ist, weil viele handwerkliche Strukturen hier kaum noch existieren.

Du produzierst bewusst in Europa. Was bedeutet dir diese Nähe?

Es ist für mich eine Grundvoraussetzung, dass durch meine Produktion kein Leid entsteht. Ich möchte wissen, unter welchen Bedingungen gearbeitet wird.

Darüber hinaus schätze ich den respektvollen, persönlichen Austausch mit allen Beteiligten sehr – in der Näherei genauso wie bei Details wie den LoveTags. Diese Zusammenarbeit auf Augenhöhe macht für mich einen großen Unterschied.

Deine Taschen begleiten durch Alltag, Reisen und Abendtermine. Wie beeinflusst das deine Entwürfe?

Sehr stark. Wenn ich selbst verreise, möchte ich eine Tasche haben, die tagsüber funktioniert und abends genauso gut passt. Viele Modelle lassen sich deshalb unterschiedlich tragen – tagsüber crossbody, abends ohne Gurt in der Hand.

In der neuen Kollektion gibt es außerdem eine große Tote Bag mit gepolstertem Notebookfach. Sie ist elegant, aber absolut alltagstauglich. Diese Verbindung ist mir wichtig.

Der LoveTag ist ein sehr persönliches Element. Wie ist diese Idee entstanden?

Ursprünglich wollte ich ein Modell entwerfen, das für Verbundenheit steht – zwei Taschen, die zusammengehören. Eine trägt vielleicht deine beste Freundin oder deine Mutter.

Daraus entstand die Idee, aus jeder Tasche ein kleines Stück herauszulösen. Dieser Teil wird zum LoveTag. Man kann ihn selbst behalten oder weitergeben – als Zeichen von Nähe. Auch im Logo fehlt dieses kleine Stück. Es befindet sich im Schlüsselanhänger. Tasche und LoveTag tragen dieselbe Seriennummer und gehören zusammen. Das bedeutet viel Handarbeit, aber es symbolisiert genau das, worum es mir geht: Verbindung.

Wo findest du Inspiration für neue Designs?

Überall – in der Natur, beim Spaziergang, beim Beobachten von Menschen. Manchmal entsteht Inspiration auch aus einem ganz persönlichen Bedürfnis heraus.

Für den Herbst plane ich zum Beispiel einen Rucksack, weil ich selbst selten einen finde, der meinen Geschmack trifft. Dann denke ich: Das möchte ich besser machen.

Viele Labels sprechen über Nachhaltigkeit. Woran erkennt man, ob sie wirklich gelebt wird?

Für mich ist Nachhaltigkeit ein Prozess. Man kann nicht sagen: „Wir sind nachhaltig – Punkt.“ Es geht darum, sich stetig zu verbessern.

In der neuen Kollektion haben wir zum Beispiel weniger Metallteile eingesetzt, weil deren Herstellung viel Energie verbraucht. Wir prüfen neue Futterstoffe und testen Materialien aus Orangenresten mit natürlichen Harzen. Wichtig ist, dass Bewegung drin ist – kein Stillstand.

Wenn du nach vorne blickst: Womit beschäftigst du dich aktuell?

Ein Rucksack und ein Portemonnaie sind in Planung. Außerdem stellen wir die LoveTags auf Englisch um, damit sie international verständlich sind. Und ich bin sicher, dass ich aus Mailand mit vielen neuen Ideen zurückkomme.

Was wünschst du dir im Umgang mit Konsum und Wertschätzung?


Mir ist wichtig, dass Menschen bewusst unterscheiden. Natürlich kann sich jede und jeder eine Tasche kaufen, wie er oder sie möchte. Aber wenn ich eine Tasche für 50 Euro kaufe, sollte mir klar sein, dass sie sehr wahrscheinlich nicht unter menschenwürdigen Bedingungen entstanden ist. Das ist eine freie Entscheidung – mir geht es nicht ums Urteilen. Mir geht es um Bewusstsein. Wenn wir bestimmte Wege gehen, Materialien sorgfältig auswählen, in Europa produzieren und viel Handarbeit investieren, dann hat das seinen Preis. Gleichzeitig ist auch ein sehr hoher Preis kein Garant für gute Produktionsbedingungen.

Ich wünsche mir mehr Bewusstsein dafür – dass Verbraucherinnen und Verbraucher lernen, Preise einzuordnen und Hintergründe zu verstehen.

Was wünschst du dir, dass Menschen fühlen, wenn sie eine MILLA VON COSY-Tasche tragen?

Ich wünsche mir, dass jede Tasche ein Versuch ist, Liebe in die Welt zu bringen – nicht kitschig gemeint, sondern ganz ernst. Und dass sie ihre Trägerin wirklich glücklich macht.

Mela Elger kannst du an der BLICKFANG in Stuttgart kennenlernen, noch mehr über ihre Geschichte und ihre Produkte erfahren und diese natürlich direkt ausprobieren und kaufen. Hier geht es zu den Tickets!

Garten & Outdoor – Design für Draußen

Mit den ersten warmen Tagen verschiebt sich der Blick. Wohnen endet nicht mehr an der Terrassentür, es dehnt sich aus – auf Balkone, Innenhöfe, Stadtgärten und offene Landschaften. Die BLICKFANG 2026 in Stuttgart greift diese Entwicklung auf und erweitert ihr Spektrum um die kuratierte Sonderschau „Garten & Outdoor“.

Im Zentrum stehen Möbel, Leuchten und Accessoires für urbane Außenräume, die Langlebigkeit, Materialbewusstsein und funktionale Klarheit verbinden. Innen- und Außenraum werden dabei nicht mehr getrennt gedacht, sondern als zusammenhängende Bühne des Alltags.

April Furniture: Lounge-Möbel mit Flexibilität

April Furniture präsentiert exklusive Lounge-Gartenmöbel von Florian Asche, die Eleganz, Funktionalität und höchste Qualität vereinen. In einer deutschen Manufaktur gefertigt, überzeugen die Sets aus Lounge-Ecken, Sesseln und Polsterhockern durch minimalistisch-zeitloses Design und robuste Materialien. Besonders die modulare Bauweise erlaubt es, die Möbellandschaften individuell zu gestalten – ganz nach den Bedürfnissen der Nutzer:innen. Ob große Terrassen oder kleine Balkone, die flexiblen Elemente schaffen Rückzugsorte und Begegnungszonen zugleich und laden zum Verweilen im Freien ein.

Rowac-Schemel – Ein Industriedesign-Klassiker kehrt zurück

Rowac steht für zeitloses Industriedesign und klare, ehrliche Konstruktion. Seit 2020 arbeiten Alide und Dieter Amick daran, das Erbe von Karl Robert Wagner neu zu beleben. Mit dem dreibeinigen Rowac-Schemel kehrt das weltweit erste genietete Sitzmöbel aus leichtem Stahlblech in originalgetreuer Form zurück.

Produziert in der ursprünglichen Region, überzeugt der Schemel durch Zweckmäßigkeit und Unverwüstlichkeit. Das reduzierte Design folgt konsequent der Funktion. Rowac vereint Transparenz in der Herstellung mit langlebiger Qualität – ein Objekt, das Geschichte trägt und zugleich zeitlos bleibt.

Siqual Design – Präzision aus Metall

Siqual Design entstand aus der Zusammenarbeit des Stuttgarter Designstudios Doser + Zimprich mit dem Metallverarbeiter Georg Simzian. Gemeinsam verfolgen sie ein klares Ziel: reduzierte, funktionale und hochwertige Metallmöbel zu entwickeln, die durch ihre klare Formensprache und robuste Konstruktion überzeugen.

Entworfen in Stuttgart und gefertigt in Europa, steht die Kollektion für präzise Verarbeitung, langlebige Materialien und zeitloses Design. Materialstärke, Konstruktion und Verpackung sind konsequent auf Haltbarkeit ausgerichtet – Möbel, die viele Jahre im Einsatz bleiben und den Außenraum mit ruhiger Klarheit prägen.

Siqual Design verbindet damit durchdachtes Produktdesign mit verlässlicher europäischer Fertigung und einer Ästhetik, die bewusst auf das Wesentliche reduziert ist. Robust, funktional und gleichzeitig überraschend elegant – Metallmöbel für draußen, die lange bleiben.

Jasna Studio – Licht aus Naturmaterialien

Jasna Studio entwickelt Lichtobjekte, die Handwerk, moderne Technologie und Naturinspiration verbinden. Papier, Blätter, Blüten und Zweige bilden die Grundlage für lokal und nachhaltig gefertigte Leuchten. Eine eigens entwickelte Technik ermöglicht materialschonendes, abfallfreies Formen, unterstützt durch 3D-gedruckte Werkzeuge.

Die limitierte Leuchte „Floralis Orange“ wird von Hand aus Orangenschalen und Hanf gefertigt. Ihr warmes Licht erzeugt ein zartes Blüten-Schattenmuster. So entstehen Objekte mit poetischer Ausstrahlung, die Naturmaterialien in zeitgenössisches Design übersetzen.

2260°F – Keramik, die Hitze kennt und Haltung zeigt

Wenn Keramik bei 2260°F gebrannt wird, entsteht mehr als nur ein Alltagsobjekt – es entsteht Charakter. Hinter dem Label 2260°F steht Tina, die Funktionalität und klare Formensprache miteinander verbindet. Die hohe Brenntemperatur von rund 1237°C steht sinnbildlich für das, was ihre Arbeit ausmacht: Widerstandskraft, Qualität und Langlebigkeit.

Ihre Gefäße, Teller und Schalen sind robust genug für den Einsatz draußen – auf dem Gartentisch, beim langen Frühstück auf der Terrasse oder beim Dinner unter freiem Himmel. Gleichzeitig tragen sie eine markante, unverwechselbare Ästhetik: kraftvolle Farben, präzise Silhouetten und eine Handschrift, die sofort ins Auge fällt.

finbeaux – Design mit Haltung

finbeaux steht für minimalistisches Wohndesign, das eine klare Botschaft transportiert: an das eigene Potenzial zu glauben. Die Gründer Jonas und Christoph entwickeln Wohnaccessoires, die persönliche Erfahrungen in Gestaltung übersetzen und Impulse zur Veränderung setzen.

Reduzierte Formen treffen auf narrative Elemente, die zur Reflexion anregen. Die Produkte verstehen sich als Begleiter im Alltag und verbinden ästhetische Zurückhaltung mit inhaltlicher Tiefe – Accessoires, die Räume nicht nur gestalten, sondern Bedeutungen einschreiben.

Petit Jardin – Glasgärten als Miniaturwelten

Petit Jardin gestaltet handgefertigte, immergrüne Glasgärten, die als pflegeleichte Biotope konzipiert sind. Inspiriert von der Bonsai-Tradition entstehen kleine, lebendige Landschaften aus tropischen Pflanzen und Bonsaibäumen.

Jeder Glasgarten ist ein Unikat, geprägt von sorgfältig komponierten Formen und Farben. Die gestalterischen Wurzeln im Modedesign verbinden sich mit einer tiefen Naturverbundenheit. So werden Miniaturwelten geschaffen, die Ruhe, Balance und Kraft in den Raum tragen.

hum – Textile Ruhepunkte für draußen

hum entwickelt wetterfeste Outdoor-Kissen, die Ästhetik und Funktion verbinden. Gegründet von Helen und Michael Rolfe, die seit über 20 Jahren in der Produktentwicklung tätig sind, entstehen handgefertigte Unikate aus zertifizierten Materialien in Deutschland.

Die Designlinien – von BART über FRANS bis zu Leinenkissen wie LUI – zeichnen sich durch sorgfältig abgestimmte Farbwelten und langlebige Qualität aus. Die Haptik bleibt weich und einladend, auch im Außenbereich. hum schafft textile Ruhepunkte, die Innen- und Außenraum atmosphärisch verbinden.

vertical – Die Wand wird zum Garten

Seit 2022 entwickeln Alex und Marco mit ihrem Label vertical modulare Pflanzensysteme für die Wand. Das Design folgt konsequent dem Prinzip „Form follows Function“: Die Töpfe treten visuell zurück, die Pflanze selbst rückt in den Mittelpunkt.

Ein zweiteiliger Aufbau aus wasserdurchlässigem Innentopf und wasserdichtem Außentopf schützt die Wand, ein integriertes Reservoir versorgt die Wurzeln bedarfsgerecht. Die Montage erfolgt mit nur einem Nagel oder Haken und erlaubt flexible Erweiterungen. vertical zeigt, wie selbst kleinste Räume in lebendige, vertikale Gärten verwandelt werden können.

Mergel Manufaktur – Lederhandwerk in dritter Generation

Die Mergel Manufaktur ist ein Familienunternehmen in dritter Generation und produziert in der Schweiz hochwertige Echtlederprodukte. Zum Sortiment gehören Lederschürzen, Kaminholzkörbe, Messertaschen, Flaschenträger und Wohnaccessoires.

Verarbeitet wird vegetabil gegerbtes, schadstoffarmes Leder aus artgerechter Haltung. Jedes Stück entsteht in sorgfältiger Handarbeit und kann durch Heißprägung personalisiert werden. Funktionalität und Langlebigkeit stehen im Mittelpunkt – Lederobjekte, die Patina entwickeln und den Außenbereich um robuste Eleganz ergänzen.

Performa – Schwäbische Präzision

Performa aus Heilbronn fertigt mit einem zehnköpfigen Team Möbel von klarer, funktionaler Ästhetik. Moderne CNC-Technik trifft auf handgeschliffene Details. Materialien wie Linoleum und Kautschuk sorgen für warme, elastische Oberflächen.

Lokale Zulieferer, unter anderem aus der Autoindustrie, garantieren technische Präzision. Neben maßgeschneiderten Lösungen entwickelt die Manufaktur eine eigene Kollektion, die handwerkliche Sorgfalt mit industrieller Perfektion verbindet – Möbel, die durch Qualität und Materialehrlichkeit überzeugen.

Partner der Sonderschau Garten & Outdoor:

Outdoor-Küche von Miele

kupka garten – Der Garten als Gesamtkonzept

kupka garten versteht Außenräume als Erweiterung des Wohnens. Projekte entstehen aus intensiven Gesprächen über Atmosphäre, Nutzung und persönliche Vorstellungen. Auf dieser Basis werden individuelle Entwürfe entwickelt – geradlinig, naturnah, genussorientiert oder aktiv.

Ergänzt wird die Planung durch ein kuratiertes Sortiment: Miele Outdoor-Küchen, Grills und Pizzaöfen, Pools und Wellnesslösungen, wetterfeste Möbel, Sonnenschutz sowie Beleuchtung für Garten und Wasserflächen. Cortenstahl-Elemente und ein Spiegelhaus als Design Tiny House erweitern das Spektrum. So entsteht ein ganzheitliches Konzept, das Gestaltung, Funktion und Lebensstil miteinander verknüpft.

Uhl Schöner Leben – Wohnkultur als Erlebnis

Das Einrichtungshaus Uhl Schöner Leben in Ludwigsburg versteht Wohnkultur als Zusammenspiel von Planung, Genuss und Begegnung. Im Mittelpunkt steht die Küche als Herz des Zuhauses, ergänzt durch Wohn-, Schlaf- und Badwelten sowie durchdachte Lichtkonzepte.

Mit der „City of Innovative Living“ wurde ein in Deutschland einzigartiges Präsentationskonzept etabliert, bei dem Hersteller ihre Marken eigenverantwortlich inszenieren. Kochkurse, Vinothek und Veranstaltungsformate erweitern das Haus zu einem kulturellen Treffpunkt. In der Gartensonderschau zeigt sich dieser Anspruch auch im Außenraum: als Erweiterung des Wohnens unter freiem Himmel.

Holz Waidelich – Bregenzer Wald trifft Schwäbische Tradition

Seit über 150 Jahren steht Holz Waidelich für hochwertige Holzprodukte und verbindet Familientradition mit aktueller Architektur: Ausgezeichnet mit dem Holzbaupreis des Landes Baden-Württemberg in Anlehnung an die Architektur des Bregenzer Waldes wird die Tradition des Holzhandels und der Holzbearbeitung bereits in der 5. Generation geführt.

Besonderes Augenmerk gilt der Verbindung vom sägerauen Brett bis zur formvollendeten Montage von Parkett, Holzzäunen und Holzterrassen in kompletter Eigenleistung mit einem Ansprechpartner.
In der Sonderschau wird die handwerkliche Präzision anhand moderner Zaun- und Terrassenplanung gezeigt, dauerhaft und doch wandelbar.

Otto Arnold Gartengestaltung: Räume im Grünen gestalten

Seit über sechs Jahrzehnten steht Otto Arnold Gartengestaltung für durchdachte Gartenarchitektur und nachhaltigen Landschaftsbau. Das Familienunternehmen aus Leinfelden-Echterdingen entwickelt individuelle Außenräume – von modernen Villengärten mit Pool über urbane Rückzugsorte bis hin zu naturnahen Graslandschaften oder Dachgärten.

Mit einem interdisziplinären Team aus Landschaftsarchitekt:innen, Ingenieur:innen, Techniker:innen und Gärtner:innen verbindet das Unternehmen gestalterische Ideen mit handwerklicher Präzision. Das Ergebnis sind Gärten, die nicht nur schön aussehen, sondern echte Lebensräume schaffen – Orte der Entspannung, Begegnung und Naturerfahrung. Auf der BLICKFANG Gartensonderschau wird sichtbar, wie durchdachtes Gartendesign Außenräume in persönliche Wohlfühlorte verwandeln kann.

Projekte von Studierenden:

Hängrum: Natur und Ruhe im urbanen Raum

Julia Baisch von der TH Würzburg-Schweinfurt präsentiert mit „Hängrum“ eine Wandinstallation, die urbanen Wohnraum in einen Ort der Ruhe und Entspannung verwandelt. Hochgeklappt dient das Objekt als platzsparende Garderobe und Stauraum, mit nur einem Handgriff wird es zur Hängematte oder zum Gästebett – ideal für kleine Wohnungen oder Studierendenwohnheime. Das tragende Paracord-Netz und die versenkten Stützfüße zeigen technische Raffinesse, während die organischen Formen eine direkte Verbindung zur Natur schaffen. „Hängrum“ macht deutlich, dass Design urbane Lebensqualität steigern kann, ohne Kompromisse bei Funktion oder Ästhetik einzugehen.

Elena Jaworski & Lilith Wagner: Vom Acker in den urbanen Raum – die „Erntebank“

Wie aus landwirtschaftlichen Reststoffen ein langlebiges Möbelstück entstehen kann, zeigen Elena Jaworski und Lilith Wagner vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) mit ihrer „Erntebank“. Im Sinne von „Agricultural Reuse“ verwandeln sie massive PVC-Kerne aus der Zuckermais-Ernte – eigentlich ein Nebenprodukt ohne weitere Verwendung – in eine skulpturale Sitzgelegenheit für den urbanen Raum.

Der Entwurf lebt vom spannungsvollen Zusammenspiel der Materialien: robuste Kunststoffrollen treffen auf eine filigrane Unterkonstruktion aus Restmetall. Die natürlichen Farbnuancen der Rollen machen jede Bank zum Einzelstück. Gleichzeitig folgt die Gestaltung einem Prinzip radikaler Einfachheit: Mit nur vier Schrauben konstruiert, lässt sich das Möbel vollständig zerlegen und weiterdenken. Die „Erntebank“ steht damit exemplarisch für einen bewussten, zirkulären Umgang mit Ressourcen – und zeigt, wie aus Abfall durch kluges Design neue Werte entstehen können.

Johann Seidl & Nicholas Friedrich: Vom Garagentor zum Stadtmöbel

Ausgediente DDR-Garagentore bilden den Ausgangspunkt für das Projekt von Johann Seidl und Nicholas Friedrich, Studenten der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Im Rahmen des Flagship-Projekts #3000Garagen der Europäischen Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 verleihen sie den Relikten einer prägenden Alltagskultur ein neues Leben und überführen sie in funktionale Stadtmöbel.

Die Garagenhöfe, einst Treffpunkte, Werkstätten und soziale Knotenpunkte, verlieren heute zunehmend ihre Bedeutung. Seidl und Friedrich bergen die charakteristischen Trapezbleche direkt vor Ort und formen sie durch präzise Schnitte und Kantungen zu minimalistischen Sitzbänken. Das robuste Material bleibt sichtbar, Gebrauchsspuren werden Teil der Gestaltung. So entstehen Möbel, die nicht nur funktional sind, sondern ihre Herkunft bewusst erzählen. Ein starkes Beispiel für zirkuläres Design, das regionale Geschichte bewahrt und in den öffentlichen Raum zurückbringt.

Wenn das Draußen zum gestalteten Lebensraum wird

Die Sonderschau „Garten & Outdoor“ versammelt Positionen, die Materialkreisläufe neu denken, Handwerk und Technologie verbinden und Außenräume als gestaltete Lebensräume begreifen. Zwischen modularen Loungemöbeln, recycelten Stadtbänken, Myzel-Experimenten und vertikalen Gärten entsteht ein Panorama zeitgenössischer Outdoor-Kultur. Das Draußen wird nicht dekoriert, sondern konzipiert – als Ort der Begegnung, der Ruhe und der nachhaltigen Gestaltung.

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Neue Perspektiven aus Stuttgart

Die neuen „Stuttgart Locals“ auf der BLICKFANG Stuttgart erzählen keine einheitliche Designgeschichte – sondern fünf sehr eigene. Zwischen skulpturalem Holz, architektonischem Licht, bewusst kuratierten Heimtextilien, handgeflochtenem Raffia und feinem Schmuck aus der Werkstatt entsteht ein vielschichtiges Bild dessen, was regionale Gestaltung heute bedeuten kann.

Im Mittelpunkt stehen Materialien mit Charakter: Holz mit ausgeprägter Maserung, historische Keramikelemente mit Patina, natürliche Fasern, edle Metalle. Sie werden nicht dekoriert, sondern ernst genommen – in ihrer Struktur, ihrer Herkunft, ihrer Wirkung im Raum.

Die Sonderschau, unterstützt von der Wirtschaftsförderung der Stadt Stuttgart, rückt Labels ins Licht, die Verantwortung und Ästhetik zusammendenken. Manche arbeiten direkt in der Stadt, andere vernetzen Stuttgart mit Madagaskar oder Südamerika. Allen gemeinsam ist eine klare gestalterische Haltung und der Anspruch, Substanz zu schaffen statt Oberfläche.

Die „Stuttgart Locals“ 2026 zeigen: Regionalität ist kein Stil, sondern eine Entscheidung. Und Design beginnt dort, wo Überzeugung sichtbar wird.

Lichtobjekt Hellmut – Architektur wird Atmosphäre

Manchmal liegt die Zukunft im Fragment der Vergangenheit. Lichtobjekt Hellmut nimmt die ikonischen Horten-Kacheln – einst prägendes Element deutscher Warenhausarchitektur – und überführt sie in einen neuen Kontext.

Die geometrisch geformten Fassadenelemente, jahrzehntelang dem Stadtraum ausgesetzt, tragen Patina, Geschichte und Struktur in sich. Eingefasst in klare Gehäuse und indirekt hinterleuchtet, entfalten sie eine überraschend ruhige, fast meditative Präsenz. Was früher Gleichförmigkeit symbolisierte, wird hier zum individuellen Lichtobjekt mit Charakter.

So entsteht aus Architekturgeschichte ein zeitgenössisches Statement – zwischen Erinnerung, Materialästhetik und präziser Inszenierung.


IKIALA – Handwerk, das verbindet

IKIALA bringt die Leichtigkeit Madagaskars nach Stuttgart. Die handgefertigten Raffia-Taschen und -Hüte entstehen in traditioneller Flechtarbeit und tragen die individuelle Handschrift erfahrener Handwerkerinnen.

Natürliche Texturen, eine ruhige Farbwelt und klare Formen prägen die Kollektion. Die Stücke sind zeitlos gedacht – gemacht für Alltag und Reise, für Sommer wie Übergangszeit. IKIALA arbeitet in direkter Partnerschaft mit den Produzentinnen vor Ort. So entstehen Accessoires, die nicht nur gestaltet, sondern verantwortungsvoll gefertigt sind – kulturell verwurzelt, fair produziert und mit Respekt für Mensch und Material.

Rond Holzobjekte – Form in ihrer reinsten Präsenz

Rond Holzobjekte steht für ein konsequentes Spiel mit Volumen, Proportion und Maserung. Aus Nussbaum, Zirbelkiefer, Eiche oder Amaranth entstehen reduzierte Gefäße, Schalen und skulpturale Körper, die durch ihre Klarheit wirken.

Jedes Objekt ist handgefertigt und präzise definiert – kein dekoratives Beiwerk, sondern konzentrierte Form. Serien wie die „Pedestrals“ oder die „Lumina Series“ zeigen, wie Holz als tragendes Element, als Studie oder als Lichtobjekt eine ruhige, eigenständige Präsenz entfalten kann. Hier wird Material nicht inszeniert, sondern ernst genommen – in seiner Struktur, seinem Gewicht und seiner Wirkung im Raum.

Perlenpool – Zeitlose Eleganz aus der Werkstatt

Seit 2005 entsteht bei Perlenpool in Stuttgart Schmuck mit handwerklicher Präzision und feinem Gespür für Proportion. Jedes Stück wird in der eigenen Werkstatt gefertigt und verbindet klassische Eleganz mit einer klaren, modernen Linie.

Die Entwürfe richten sich an eine stilbewusste Kundschaft, die Qualität und Savoir-vivre schätzt – Schmuckstücke, die nicht laut sind, sondern durch Haltung und Detail überzeugen.


LAMA Living – Bewusst wohnen, bewusst wählen

LAMA Living denkt Heimtextilien neu – als langfristige Begleiter statt kurzlebige Trends. Der Online-Marktplatz kuratiert ausschließlich Marken, die strenge Nachhaltigkeitskriterien erfüllen, und macht transparente, verantwortungsvoll produzierte Produkte sichtbar.

Im Fokus stehen natürliche Materialien, faire Produktionsbedingungen und die Geschichten der Hersteller:innen. Besonders wichtig ist die Förderung frauengeführter Unternehmen und Kooperativen, unter anderem in Südamerika.

LAMA Living schafft eine Plattform für Marken mit Haltung – und für Konsument:innen, die ihr Zuhause bewusst gestalten möchten.

Stuttgart Locals – Jetzt entdecken

Die „Stuttgart Locals“ zeigen, wie viel gestalterische Substanz direkt vor unserer Haustür entsteht. Fünf Labels, fünf Haltungen, fünf sehr unterschiedliche Zugänge zu Material, Verantwortung und Form – vereint in einer Sonderschau, die Regionalität als Stärke begreift.

Auf der BLICKFANG Stuttgart wird Design zum Dialog: mit den Objekten, mit den Geschichten dahinter und mit den Menschen, die sie entwickelt haben. Wer genauer hinsieht, entdeckt nicht nur Produkte, sondern Perspektiven.

Die „Stuttgart Locals“ sind eine Einladung, die Vielfalt der Stuttgarter Designszene neu zu erleben – persönlich, unmittelbar und mit einem klaren Blick auf das, was Gestaltung heute leisten kann.

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Für echte Gewinnertypen

Die BLICKFANG steht für exzellentes, unabhängiges Design – und genau das würdigt auch in diesem Jahr der begehrte Designpreis.

Seit vielen Jahren ist der Designpreis eines der zentralen Highlights der BLICKFANG – eine Auszeichnung, die herausragendes Design sichtbar macht und kreativen Talenten eine Plattform bietet. In diesem Jahr erweitert sich der Preis um eine dritte Kategorie: Neben Möbel & Produktdesign sowie Mode & Schmuck werden nun auch Mode- und Wohnaccessoires prämiert.

Eine hochkarätige Fachjury aus Expert:innen der Designbranche bewertet die Designlabels in allen Kategorien und wählt die Gewinner:innen aus. Dabei wird neben der gestalterischen Qualität auch der konzeptionelle Ansatz sowie die handwerkliche Umsetzung berücksichtigt.

Gefördert wird der Designpreis von der D.E.S.I.G.N. Foundation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, außergewöhnliches Design und kreative Talente zu unterstützen. Mit dieser Auszeichnung setzt die BLICKFANG erneut ein starkes Zeichen für innovative Gestaltung und hochwertige Designprodukte.

Die Fachjury der BLICKFANG Basel 2026:

Sophie Mercedes Lardon I Szenografin, Designerin & Künstlerin 

Sophie Mercedes Lardon ist Designerin und Künstlerin mit Sitz in Basel. 2019 gründete sie Studio Mercedes, ein interdisziplinäres Studio für Interior, Szenografie und Produktdesign. Zuvor studierte sie an der Central Saint Martins in London und arbeitete als Raumdesignerin sowie in der kreativen Leitung für Institutionen wie die Royal Academy of Arts und das Trinity Laban Conservatoire. In ihrer Praxis verbindet sie räumliche Konzeption mit Materialforschung und beschäftigt sich künstlerisch mit Biomimikry und natürlichen Kreislaufsystemen. Zudem ist sie Co-Host des Kulturpodcasts „This is Basel“.

1. Was macht für dich gutes Design aus?  

Gutes Design schafft einen Moment ästhetischer Ruhe – selbst wenn es komplex ist. Es wirkt selbstverständlich, ohne banal zu sein, und hinterlässt eine subtile Neugier. Idealerweise ist es zeitlos gedacht: nicht dem Trend verpflichtet, sondern einer Haltung.

2. Welches Designstück hat dich in letzter Zeit begeistert und warum?  

Kein direktes Stück aber die Arbeiten von Dimore Studio beeindrucken mich immer wieder. Sie verweben Szenografie und Interior Design auf radikale, aber zugleich sehr zugängliche Weise. Ihre Räume erzählen Geschichten die vollgepackt sind mit Charisma.

3a. Wohin wird sich in deinen Augen Möbel-Design in Zukunft entwickeln?  

Ich hoffe Nachhaltigkeit und Ästhetik werden sich nicht länger gegenüberstehen, sondern als Einheit gedacht werden. Ohne gestalterische Qualität bleibt Nachhaltigkeit wirkungslos – und umgekehrt. Gleichzeitig sehe ich eine Rückbesinnung auf Handwerk und lokale Produktion. Entscheidend wird sein, ob das mehr ist als ein kurzfristiger Trend.

3b. Wohin wird sich in deinen Augen Mode-Design in Zukunft entwickeln?  

Nach dem Revival der 90er sehe ich ein wachsendes Interesse an dramatischeren, surrealistischeren Silhouetten – etwa bei Harris Reed oder dem Haus Schiaparelli. Gleichzeitig wird auch hier die Frage nach Materialität und Verantwortung zentraler werden. Vielleicht bleiben die Zyklen, werden aber bewusster reflektiert.

4. Die BLICKFANG ist wichtig, weil … 

…sie Designerinnen und Designern eine unabhängige Plattform bietet, ihre Arbeiten direkt zu präsentieren und unmittelbares Feedback vom Publikum zu erhalten. Dieser direkte Austausch ist gerade für unabhängige Positionen entscheidend.

5. Welchen guten Rat würdest du jungen Designer:innen heutzutage mit auf den Weg geben? 

Kenn deine Nische, aber definiere nicht über den Vergleich mit anderen. Entwickle Haltung und bleib offen für Veränderung, ein Nein ist oft nur ein Umweg.

Rolf Fischer I Innenarchitekt und Fotograf

Rolf Fischer ist Innenarchitekt und Fotograf mit langjähriger Erfahrung als Berater, Planer und Bauherrenvertreter. Seine Projekte reichen vom Kinderzimmer bis zum Grossraumbüro, vom Ausstellungsraum bis zur Kirche. Er entwickelt ganzheitliche Innenraumkonzepte für öffentliche und repräsentative Orte, Geschäftsräume sowie Wohn- und Arbeitswelten. Im Zentrum seiner Arbeit steht das Wohlbefinden der Menschen im Raum – physisch, psychisch und sozial. Neben funktionalen Lösungen gestaltet er Atmosphären, die Beziehungen und Bedeutungen zwischen Mensch und Raum entstehen lassen.

1. Was macht für dich gutes Design aus?

Für mich ist Design die Symbiose von Funktion, Form und Nachhaltigkeit.

Es reagiert auf ein Bedürfnis, einer Anforderung und einer Idee. All dies mit Rücksicht auf Nachhaltigkeit und Ästhetik.

2. Welches Designstück hat dich in letzter Zeit begeistert und warum?

Da ich mich vorwiegend im Möbeldesign bewege, sind für mich die Produkte von Edra und MDF Italia immer wieder überzeugend.

3. Wohin wird sich in deinen Augen Möbel-Design in Zukunft entwickeln?

Ich denke, die Herausforderung wird die menschliche Genialität sein. Kein Produkt sollte  der KI zu «überlassen» werden.

4. Die BLICKFANG ist wichtig, weil…

…dieser Anlass Designer, Produzenten und Publikum auf kleinstem Raum zusammenbringt. Austausch zulässt und Kritik akzeptiert.

5. Welchen guten Rat würdest du jungen Designer:innen heutzutage mit auf den Weg geben?

Ich komme zurück auf Punkt 3. Design sollte nicht durch irgendwelche KI entstehen, sondern durch menschliche Werte wie Empathie, Genialität, Einzigartigkeit.

Dr. phil. Barbara Mutzbauer I Szenografin, Innenarchitektin und Dozentin

Dr. Barbara Mutzbauer ist Szenografin, Innenarchitektin und Dozentin. Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Frage, wie Raumatmosphären sinnlich und intellektuell auf Menschen wirken. Sie unterrichtet Spatial Design an der Hochschule Luzern Design Film Kunst sowie Atmospheric Design an der Zürcher Hochschule der Künste, wo sie auch im MAS Arts & Design lehrt. Mit ihrem Studio Barbara Mutzbauer Creative entwickelt sie narrative und multisensorische Raumkonzepte. In Forschung und Lehre widmet sie sich den Themen Healing Spaces und Immersive Sound sowie den ästhetischen und gesundheitsrelevanten Qualitäten unserer gestalteten Umwelt. Regelmäßig publiziert sie zu Raumwahrnehmung und Kommunikation in und durch Raum.

© Ivan Engler

1. Was macht für dich gutes Design aus?

Gut ist ein Urteil und eine Wertung aus einer binären Denkweise heraus. Wenn es gut gibt, gibt es auch schlecht und dabei geht ein wichtiger Punkt verloren: der Kontext. Es wäre mir auch zu oberflächlich zu sagen, gutes Design müsse zwingend zeitlos sein oder irgendeinem anderen Dogma der Neuzeit entsprechen – mensch denke nur an „form follows function“. Ich würde das gerne anreichern und mehr differenzieren. Denn ein Design kann für die eine Zielgruppe sehr gut sein, während es in einem anderen Nutzungskontext nicht das richtige wäre. Das heisst wir sollten lieber von adäquaten oder im Kontext passenden Lösungen sprechen. Und davon, dass Design eine Dienstleistung für Menschen oder den Planeten als ganzes System sein sollte und es immer darauf ankommt was genau die Bedürfnisse sind. Vor dem Hintergrund kann ich dennoch pointiert antworten: Wenn ein Design nicht wirklich gebraucht wird, dann ist es auch nicht gut

2. Welches Designstück hat dich in letzter Zeit begeistert und warum?

Meine Handtasche von Miomojo. Sie ist komplett aus einem innovativen veganen Material hergestellt und trägt das auch laut als Aufschrift: MADE FROM APPLES. Das hat schon öfter Gegenreaktionen ausgelöst – eine italienische Tasche, die nicht aus gutem Leder sein will?

Diese Tasche begeistert mich, da sie nicht nur haptisch sehr überzeugend, stabil und angenehm in der Hand ist, sondern auch einen speziellen Farbton hat, etwas zwischen Rosa und Terracotta. Das macht die Tasche aufregend zu kombinieren, was mir als Gestalterin meine erfreuliche Dopaminration beim Stylen verschafft.

Noch mehr als Qualität und ästhetische Raffinesse begeistert mich die ethische Grundhaltung der Marke. Die Materialien von Miomojo bestehen aus verschiedenen pflanzlichen Abfallmaterialien der Lebensmittelindustrie und reduzieren so Abfall. Das ist cruelty-free, denn es wird auch keine Fleischindustrie dadurch im Nachhinein gerechtfertigt. Meine Tasche ist ein Statement für bewussteren Modekonsum und zeigt, dass Hochwertigkeit nicht auf die Ausbeutung von Tieren aufbauen muss. Scheinbar ist das provokant, aber ich finde es ist die Diskussion wert

3. Wohin wird sich in deinen Augen Möbel -Design in Zukunft entwickeln?

Die Besinnung auf den Wunsch Dinge zu schätzen und weiterzuverwenden, wird zu weniger Produkten mit höherer Qualität führen. Ich glaube wir werden die Wegwerfgesellschaft hinter uns lassen, zu Gunsten eines zirkulären Denkens. Das bedeutet, dass Materialien und auch Objekte im Kreislauf verbleiben können und Abfall gar nicht mehr entsteht. Ich habe die Hoffnung, dass sich dieses Denken in grosser Dimension in der Baubranche durchsetzen wird und im konkreten menschlichen Massstab im Möbeldesign. Ein Tisch, der handwerklich so wertig hergestellt wurde, dass es sich lohnt ihn wieder aufzuarbeiten, wird nicht entsorgt, sondern gepflegt. Dazu muss er natürlich als schön genug empfunden werden, um die Besitzer:innen in ihrem Leben weiter begleiten zu dürfen.

4. Die BLICKFANG ist wichtig, weil…

In einer Stadt wie Basel trifft viel internationales Know-how auf Menschen, die als Designschaffende unser Leben und unsere Zukunft mitgestalten wollen. Die ersten Metropolen Mesopotamiens haben das vorgemacht: die Co-kreative Kraft von vielen verschiedenen Talenten, Professionen, Bedürfnissen und Überzeugungen führt zu gemeinsamer Kreativität, Innovation und positivem Fortschritt. In solchen Zentren wurden bedeutende Entwicklungen gemacht, wie die Erfindung der Schrift. Die Blickfang ist als Event eine Plattform für die Kreativszene und ein Treffpunkt der Gesellschaft, die von all der Schaffenskraft profitieren kann. Echte Begegnung unter Menschen mit Bedeutung kann nicht nur im digitalen Raum stattfinden. Das Leben ist live und Gemeinschaft braucht das Zusammenkommen: Austausch im Hier und Jetzt. Es braucht dafür Ort und Zeit. Eine Veranstaltung, wie die Blickfang, bietet das.

5. Welchen guten Rat würdest du jungen Designer:innen heutzutage mit auf den Weg geben?

Ich würde es nicht nur auf den Weg geben, ich bespreche das als Dozierende mit den Studierenden sehr intensiv. Designer:innen sollten ästhetische Aussagen mit ihrem Wertekompass zum einen und ihrer Menschlichkeit zum anderen verbinden. Ein Wertekompass ist eine ethische Haltung, ein Mindset. Das Gute am eigenen Mindset ist, dass mensch es nicht blind übernehmen muss, sondern es sich aus der eigenen Überlegung und Haltung heraus zurechtlegen und danach handeln kann. Die andere Komponente ist unsere Menschlichkeit, mit all ihren Zweifeln und Schwierigkeiten, aber auch mit all ihrer Sinnlichkeit, emotionalen Intelligenz und Empathie. In einem hochtechnologisierten Zeitalter sind Mindset und ein Wissen darum, was es bedeutet Mensch zu sein, unerlässlich.

Treue Aussteller:innen bei der BLICKFANG – wir sagen DANKE!

Lost & Found

Erinnerst du dich noch an deine erste BLICKFANG-Teilnahme? Wann und wo war das?

Im Jahr 2012 wagten wir zum ersten Mal den Schritt und präsentierten unsere Produkte an der Blickfang in Basel. Damals war unser Sortiment noch winzig. Wir boten nur Handyhüllen an und stellten unser allererstes Portemonnaie-Modell vor. Unser Messestand war ebenso bescheiden, bestehend aus Möbeln aus der Brockenstube, die wir mit einem minimalen Budget aufgehübscht hatten. Trotz unserer anfänglichen Nervosität war diese Erfahrung äußerst lehrreich und hat uns ermutigt, weiterzumachen.

Wie hat die BLICKFANG dich und dein Unternehmen vorangebracht?

Als damals noch junges Startup bot uns die Blickfang eine der wenigen Gelegenheiten in einen persönlichen Kontakt mit Kunden und einem interessierten Publikum zu treten. Dabei geht es nicht nur ums Verkaufen, sondern insbesondere auch um den regen Austausch, darum den Puls zu spüren und Feedbacks zu sammeln. Daraus entstehen nicht selten Ideen für Produktverbesserungen oder sogar Neuentwicklungen. Auch der rege Austausch mit anderen Ausstellern ist extrem bereichernd und inspirierend. Im Verlauf der Jahre sind aus ehemaligen Standnachbaren Freunde geworden.

Was bedeutet dir die BLICKFANG?

Blickfang ist für uns nicht nur eine Messe, sondern eine Plattform für Kreativität, Inspiration, und persönliche Beziehungen, die für uns von unschätzbarem Wert sind.

Warum ist die BLICKFANG auch weiterhin ein festes Datum in deinem Kalender?

Die Blickfang Zürich und Basel sind einzigartige Events in der Schweizer Messelandschaft, die wir in unserem Kalender nicht missen möchten. Nach so vielen Jahren fühlt es sich an wie ein Wiedersehen unter Freunden. Eine besondere Freude ist es für uns, wenn Kunden an unserem Stand vorbeikommen und uns Artikel von uns zeigen, die sie seit Jahren mit Freude nutzen. Das ist einfach das Grösste.

Claudia Güdel

Erinnerst du dich noch an deine erste BLICKFANG-Teilnahme? Wann und wo war das? 

Ja, sehr gut sogar. Das war vor 24 Jahren im Kongresshaus Zürich. Damals hätte ich nicht gedacht, dass daraus einmal eine so lange Geschichte wird – inzwischen sind es rund 50 Teilnahmen.

Wie hat die BLICKFANG dich und dein Unternehmen vorangebracht? 

Eine meiner ersten Modeschauen auf der BLICKFANG Zürich war ein entscheidender Moment. Sie hat viele Menschen direkt an meinen Stand geführt – neugierig, offen, interessiert. Einige dieser Kund:innen begleiten mein Label bis heute. Diese langfristigen Beziehungen bedeuten mir unglaublich viel.

Was bedeutet dir die BLICKFANG? 

Für mich ist die BLICKFANG eine echte Plattform für Newcomer:innen und unabhängige Labels. Hier bekommen junge Designer:innen die Chance, ihre Arbeiten einem breiten Publikum zu zeigen – ohne Umwege, im direkten Austausch. Gleichzeitig ist es ein Ort, an dem man sich gegenseitig inspiriert, voneinander lernt und gemeinsam wächst. Diese Mischung aus Professionalität und persönlicher Nähe macht die Veranstaltung so besonders.

Warum ist die BLICKFANG auch weiterhin ein festes Datum in deinem Kalender? 

Designvielfalt entsteht nicht von allein. Sie braucht Engagement, Leidenschaft und einen gemeinsamen Auftritt. Und genau deshalb komme ich immer wieder gern zurück.

Alide und Dieter von Rowac

Manchmal beginnt Designgeschichte auf dem Flohmarkt. Zwischen Patina, Rost und vergangenen Jahrzehnten steht plötzlich ein Objekt, das nicht laut ist – aber klar. Präzise. Zeitlos. 

Für Alide und Dieter war es genau so ein Moment. Ein dreibeiniger Rowac-Schemel, genietet, reduziert, unverwüstlich. Ein Möbelstück, das mehr konnte als nur tragen. Es erzählte von Industriegeschichte, vom Bauhaus Weimar und von Haltung. 

Heute – über hundert Jahre nach seiner ersten Produktion – steht der Schemel wieder in Werkstätten, aber auch in Studios, Lehrräumen und im Wohnraum. Gefertigt im Umkreis von 40 Kilometern, mit derselben konstruktiven Ehrlichkeit wie einst. Und mit einer Vision, die weit über Nostalgie hinausgeht.

Eine Begegnung, die alles veränderte 

Zehn Jahre lebten Alide und Dieter in München. Flohmärkte gehörten zu ihren Ritualen. 2018 entdeckten sie zum ersten Mal einen Rowac Schemel zwischen alten Kisten und Fundstücken. „Wir haben diesen alten Schemel gesehen – und sofort gemerkt: Da hat sich jemand wirklich Gedanken gemacht“, erinnert sich Alide. Sie ist Augenoptikermeisterin, er Industriedesigner. Und beide waren fasziniert von der Detailtiefe dieses unscheinbaren Objekts. 

Keine dekorative Spielerei. Keine modische Attitüde. Sondern technische Präzision. 

Der Schemel war vollständig genietet. Die Füße gebördelt, nicht geschweißt. Die Verbindungen sichtbar. „Das war nicht einfach zusammengeschweißt und fertig“, sagt Dieter. „Das war konstruiert, getestet, raffiniert.“ 

Sie hielten einen Klassiker in Händen – einen der bekanntesten Entwürfe der Marke Rowac, die 1888 in Chemnitz gegründet wurde. Der Name steht für Robert Wagner Chemnitz. Und der Rowac Schemel war unter anderem in den Werkstätten des Bauhaus Weimar und Bauhaus Dessau im Einsatz. 

Doch die Marke war verschwunden. Vergessen wie so viele ostdeutsche Unternehmen nach dem Zweiten Weltkrieg. 

Der Blueprint-Rowac-Schemel
Der Rowac-Schemel in Mountain Green

Ein Brief. Ein Anruf. Ein Neubeginn.

Anstatt nur zu recherchieren, schrieben Alide und Dieter einen Brief. Einen echten, physischen Brief an den damaligen Markenrechtsinhaber. Ihre Idee: die Marke gemeinsam wiederbeleben. Die Geschichte dokumentieren. Vielleicht sogar ein Buch schreiben.

2020 übernahmen sie die Markenrechte – nach einer Phase intensiver Gespräche und gegenseitigen Abtastens. Zuvor hatte es den Moment gegeben, der alles beschleunigte: Am 1. Januar 2020 klingelte das Telefon. „Damit hätten wir nicht so schnell gerechnet“, sagt Alide. Der Markeninhaber hatte selbst immer davon geträumt, Rowac zurückzubringen – doch es fehlten Zeit und Partner. Schließlich stellte er die entscheidende Frage: Ob sie die Marke übernehmen möchten.

Es war ein Vertrauensvorschuss. Und der Beginn einer Mission.

Vor allem aber war es eine bewusste Entscheidung für Tiefe statt Tempo: Nach der Übernahme arbeiteten sie die Geschichte von Rowac systematisch auf, um zu verstehen, „was hinter der Marke steckt – und was aus ihr in Zukunft werden soll“.

Der Schemel. Nicht der Hocker.

Für Alide und Dieter war von Anfang an klar: Es geht um den Rowac-Schemel. Nicht um einen Hocker.

Das Wort „Schemel“ ist bewusst gewählt – historisch korrekt und heute fast in Vergessenheit geraten. „Rowac hat immer vom Schemel gesprochen“, betont Alide. „Und wir wollen uns bewusst vom Hockermarkt absetzen.“ Es ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied. Ein Schemel ist kein beiläufiges Beistellmöbel. Er ist Werkzeug. Arbeitsgerät. Haltung.

Der dreibeinige Klassiker wurde originalgetreu rekonstruiert – als historisches Modell mit Holzsitzplatte. Sitzhöhe: 50 Zentimeter. „Er ist ein Arbeitsschemel“, sagt Dieter. „Für aktives Schaffen gedacht.“ Und ja, er ist höher als viele heutige Sitzmöbel. Aber genau das passt zu einem klassischen 75-Zentimeter-Tisch. Die ergonomische Logik von damals funktioniert noch immer.

Nieten statt Schweißen – eine Haltung zur Konstruktion

Das vielleicht eindrucksvollste Detail ist die Konstruktion.

Alle Verbindungen sind genietet. Sichtbar. Ehrlich. Reparierbar. „Eine Niete ist selbsterklärend“, sagt Dieter. „Man sieht, wie zwei Teile übereinanderliegen und verbunden sind.“ Im Gegensatz zu verschweißten oder verklebten Konstruktionen dehnt sich eine genietete Verbindung unter Überlastung eher, bevor sie bricht. Sie lässt sich reparieren. Jeder Schlosser kann eine Niete neu setzen. Und sie ist weniger energieintensiv in der Herstellung.

In einer Zeit, in der Carbonrahmen und nahtlose Oberflächen technische Perfektion inszenieren, wirkt der ROWAC-Schemel fast radikal. Keine versteckte Verbindung. Kein Designtrick. „Wir glauben, dass es eine Gegenbewegung braucht“, sagt Alide. „Mehr Ehrlichkeit.“

Alide von Rowac beim Herstellungsprozess.
Der Rowac-Schemel mit Beinen in mattem Schwarz.

Über 100 Jahre Belastungstest

Auf dem Flohmarkt war der Schemel nicht zerfallen. Er war benutzt. Aber intakt.

Das ist vielleicht die stärkste Form von Nachhaltigkeit: gelebte Dauerhaftigkeit. Originale aus den 1910er- und 1920er-Jahren sind bis heute im Einsatz. „Wenn Robert Wagner gewusst hätte, dass seine Möbel über hundert Jahre später noch genutzt werden, er hätte sich gefreut“, sagt Alide.

Schon damals war der Schemel kein Billigprodukt. Er kostete mehr als Vergleichsmodelle. Doch die Kommunikation war klar: Über die Zeit ist er die günstigere Option.

Die Rechnung ging auf.

Produktion im 40-Kilometer-Radius

Mit der Markenübernahme kam eine weitere Entscheidung: Die Produktion sollte dorthin zurückkehren, wo sie ihren Ursprung hatte – nach Sachsen. Alide und Dieter zogen von München nach Leipzig.

In Sachsen entstehen Metallverarbeitung, Holzverarbeitung und Beschichtung innerhalb eines 40-Kilometer-Radius im Erzgebirge. Das Holz – Buche, inzwischen auch Eiche und Esche – stammt überwiegend aus regionalen Wäldern. Der Stahl kommt aus Brandenburg. „Wir wollten diese Fähigkeiten in der Region erhalten“, sagt Alide.

In einer globalisierten Produktionslandschaft wirkt dieser Radius fast utopisch. Und doch ist er Realität.

Eine Produktfamilie statt eines Mythos

ROWAC war historisch nie ein Ein-Produkt-Unternehmen. Und auch heute denken Alide und Dieter die Marke als Familie – mit klarer Typologie und nachvollziehbaren Modellen.

Bisher haben sie zwei historische Modelle originalgetreu wieder auf den Markt gebracht:

  • MI-50 (Holzsitzplatte)
  • MI-75 (Holzsitzplatte)

Und zwei Neuentwicklungen mit Stahlsitzplatte:

  • MIS-48 (Stahlsitzplatte)
  • MIS-73 (Stahlsitzplatte)

Die Stahlausführungen sind dabei mehr als nur „Materialwechsel“: Sie öffnen den Schemel in Richtung Outdoor, Werkstatt, Terrasse – und betonen seine funktionale Herkunft als Arbeitssitz.

Auf der diesjährigen BLICKFANG in Stuttgart zeigen sie außerdem einen nächsten Schritt: den Prototyp des ROWAC-Tisches – eine neue Interpretation, die die konstruktive Logik des Originals weiterträgt. „Das wird für uns ein riesengroßes Highlight“, sagt Alide. Es geht nicht um Retro. Sondern um Fortschreibung.

Rowac-Schemel aus Stahl.
Der Rowac-Schemel in Blueprint.

Farbe als zeitgenössische Geste

Neben Schwarz glänzend und Schwarz matt bringen neue Farbvarianten eine eigene Handschrift ins Spiel: Mountain Green und Blueprint.

Hinzu kommen zwei Sonderfarben, die in Zusammenarbeit mit dem ZEIT-Shop entstanden:
Blue Moon und Red Brick. Sie wirken wie eine leise Verneigung vor Architektur und Materialkultur – und geben dem Schemel eine zusätzliche Ebene zwischen Objekt und Umgebung. Nicht schrill, sondern kuratiert.

Zum -entstand zudem eine limitierte Edition mit Zink-Nickel-Beschichtung – eine mikrometerdünne, extrem widerstandsfähige Oberfläche, wie sie in der Automobilindustrie eingesetzt wird. Die ersten 100 Stück haben eine Gravur mit der Produktionsnummer erhalten und zudem einen Kunstdruck: Ein Bauhäusler mit einem Rowac-Schemel.

Die Sonder-edition ist ausverkauft. Die Blue Moon Edition bleibt.

Zwei Lebenswege, ein Projekt

Was als Flohmarktfund begann, ist heute Familienprojekt. Dieter arbeitet weiterhin zu 60 Prozent als Industriedesigner. Alide entschied sich nach der Geburt ihres Kindes 2024 bewusst für Rowac. „Wir haben das nie geplant“, sagt sie. „Es ist einfach zu uns gekommen.“

Vielleicht ist es genau diese Ungeplantheit, die dem Projekt seine Leichtigkeit verleiht. Und seine Glaubwürdigkeit.

Fazit: Eine Ikone mit Zukunft

Der Rowac-Schemel ist kein nostalgisches Relikt. Er ist ein Beweis.

Dass Konstruktion sichtbar sein darf.
Dass Regionalität mehr sein kann als Marketing.
Dass ein über hundert Jahre alter Entwurf aktueller wirken kann als viele Neuheiten.

Bei der BLICKFANG Hamburg wird man nicht nur auf einem Schemel sitzen. Sondern auf einem Stück Industriegeschichte – neu gedacht, präzise gefertigt, mit Haltung. Und vielleicht beginnt die nächste Designgeschichte wieder ganz unspektakulär: mit einer Begegnung am Stand von Rowac.

Zwei Rowac-Schemel, ein höheres Modell, ein niedrigeres.
© Iona Dutz