Helena Harfst entwickelt Kleidung aus natürlichen Materialien, die sich selbstverständlich in den Alltag einfügt. Was als persönliche Suche nach einer Alternative zur klassischen Brautmode begann, wurde 2020 zum eigenen Label. Im Gespräch erzählt sie, warum für sie alles beim Material beginnt, was sie an Hanf fasziniert und weshalb Heimat für sie weniger ein konkreter Ort als ein Gefühl ist.
Helena, dein Label ist aus einem sehr persönlichen Bedürfnis heraus entstanden. Wie kam es dazu?
Eigentlich hat alles schon mit meiner ersten Selbstständigkeit angefangen. Ich hatte selbst geheiratet und festgestellt, dass es für mich kaum Brautkleider gab, die sich wirklich nach mir angefühlt haben. Vieles war aus Synthetik, sehr dick, mit Korsagen und hatte für mich eher etwas von einem Kostüm.
Ich wollte ein Kleid aus Naturfasern, das sich wie ein echtes Kleid anfühlt und nicht wie etwas, in das ich mich verkleiden muss. Dadurch habe ich mich zum ersten Mal sehr intensiv mit Stoffalternativen beschäftigt und dabei einen tollen Lieferanten aus meiner Region gefunden. Mit ihm arbeite ich bis heute eng zusammen.
Später habe ich mich dann nach Materialien umgesehen, die auch zu meinem eigenen Alltag passen. Daraus ist schließlich die Idee für eine Kollektion entstanden. Erst habe ich die Kleidung nur für mich gemacht, dann kam aus meinem Umfeld immer wieder die Frage: „Kann ich das auch haben?“ Im Frühjahr 2020 ist daraus schließlich das Label entstanden.



Du sagst, dass deine Designs immer beim Material beginnen. Was bedeutet das konkret für deinen Entwurfsprozess?
Bei mir ist es tatsächlich fast immer andersherum, als man es vielleicht erwarten würde. Ich habe ganz selten zuerst eine Idee für ein Kleidungsstück und suche danach das passende Material. Ich sehe ein Material und dann entstehen die Ideen.
Mich interessiert, was ein Stoff haptisch mit mir macht, wie er fällt, wie er verarbeitet werden kann und welche Eigenschaften er mitbringt. Das Material gibt mir oft schon eine Richtung vor. Bei Hanf war es zum Beispiel diese besondere Struktur, die mich sofort angesprochen hat.
Hanf spielt eine wichtige Rolle in deiner Kollektion. Was fasziniert dich daran?
Hanf ist ein unglaublich dankbares Material. Er ist robust, langlebig und strapazierfähig und bringt viele Eigenschaften mit, die ich spannend finde. Mein Hanf kommt zum größten Teil aus Rumänien, weil mir auch kurze Transportwege wichtig sind.
Was ich aber besonders mag, ist seine Haptik. Bei meinem ersten Hanfstoff konnte man teilweise noch diese fast strohartigen Faserstränge sehen. Das wirkt auf eine Art unperfekt und gleichzeitig unglaublich schön. Ich bin da schon ein bisschen nerdig: Solche Details bringen mich ins Träumen und wieder zurück ins Design.
Und ich mag, dass Hanf oft unterschätzt wird und einen dann überrascht. Ich würde mir wünschen, dass er irgendwann nicht mehr nur mit einem bestimmten Öko-Image verbunden wird, sondern einfach als das wahrgenommen wird, was er ist: ein vielseitig einsetzbares Material.

„Sorgloskleidung“ ist ein Begriff, den du selbst verwendest. Was bedeutet Sorglosigkeit für dich?
Für mich besteht das aus mehreren Ebenen. Ein Kleidungsstück soll sich gut anfühlen, unkompliziert in den Alltag integrieren lassen und einfach zu pflegen sein. Gleichzeitig möchte ich wissen, woher das Material kommt und wo produziert wurde.
Dieser ethische Aspekt gehört für mich genauso dazu. Ich habe mir selbst versprochen, die Produktion dort zu lassen, wo sie ist, und deutsches Handwerk zu unterstützen. Natürlich wäre es günstiger, im Ausland produzieren zu lassen. Aber dann würde ich einen Teil von dem aufgeben, wofür mein Label steht.
Manchmal bedeutet das auch, dass ich mich von einem Design verabschieden muss, wenn ich es mit den Materialien und Produktionsbedingungen, die ich mir wünsche, nicht umsetzen kann. Das gehört für mich dazu.
Eines deiner Beispiele dafür ist die Gartenjeans. Was steckt hinter diesem Stück?
Die Idee war ganz einfach: Ich wollte etwas haben, mit dem ich im Garten arbeiten, mir die Hände abwischen und danach nur die Schuhe wechseln kann, um mit einer Freundin noch etwas trinken zu gehen. Die Kleidung soll sich meinem Alltag anpassen und nicht umgekehrt.
Genau das ist für mich ein Sorglos-Piece. Es funktioniert, ohne dass ich ständig darüber nachdenken muss, was ich damit machen kann oder wie ich es pflegen muss. Wenn Kund:innen mir später erzählen, dass ein Kleidungsstück zu ihrem Lieblingsstück geworden ist und diesen Sorgloscharakter für sie wirklich bekommen hat, dann weiß ich, dass die Idee funktioniert.
Neben den Materialien spielt auch das Thema Heimat eine große Rolle in deiner Arbeit. Was verbindest du damit?
Das beschäftigt mich tatsächlich schon seit meiner Kindheit. Ich glaube, mich fasziniert an Heimat dieses Gefühl von Verwurzeltsein, Ankommen und Ruhe. Ich selbst bin eher ein getriebener Mensch, immer voller Energie und mit dem Wunsch, Neues zu erleben und hinaus in die Welt zu gehen. Vielleicht ziehen mich gerade deshalb die Gegensätze so an.
Und Heimat muss für mich auch nicht an einen bestimmten Ort gebunden sein. Ich kann unterwegs sein und plötzlich merken: Das, was mich hier berührt, fühlt sich genauso nach Heimat an.
Aus diesem Gedanken heraus bin ich auch bei Tradition und Folklore gelandet. Kleidung ist eine Form, sich auszudrücken. Gerade traditionelle Kleidung steckt voller Symbolik.


Du beschäftigst dich dafür auch intensiv mit historischen Kleidungsstücken. Was findest du dort?
Mich fasziniert, wie clever viele dieser alten Lösungen sind. In Museen schaue ich mir die Verarbeitung teilweise wirklich ganz genau an. Früher musste Kleidung funktionieren. Man konnte nicht einfach sagen: Wenn der Rock nächsten Monat nicht mehr passt, kaufe ich einen neuen.
Viele dieser Konstruktionen haben über Jahrhunderte funktioniert und waren für ganz unterschiedliche Körper gedacht. Diese Lösungen inspirieren mich sehr. Ich nehme nicht einfach eine Tracht und mache daraus moderne Kleidung, sondern schaue mir an, was dahintersteckt: Warum wurde etwas genau so verarbeitet? Was funktioniert daran so gut? Und wie kann man diesen Gedanken in einen zeitgemäßen Kontext übersetzen?

Wie gelingt dir dabei die Balance zwischen Folklore und moderner Alltagskleidung?
Ich möchte immer eine Balance finden. Man kann natürlich einen kompletten Look daraus machen und sehr deutlich in diese Ästhetik gehen. Aber man kann genauso gut nur ein Teil zu einer Jeans tragen und hat dann lediglich ein ganz subtiles Gefühl von Folklore.
Genau das finde ich spannend: dass die Kleidung nicht voraussetzt, dass man seinen ganzen Alltag verändert. Sie kann ein kleines Stück dieser Ästhetik mitnehmen, ohne dass man gleich von Kopf bis Fuß darin gekleidet sein muss.
Für deine kommende Frühjahrskollektion bist du noch tiefer in dieses Thema eingestiegen. Was können wir erwarten?
Ich bin dafür noch einmal sehr intensiv in historische Sammlungen gegangen und habe mir die Verarbeitungen genau angesehen. Gemeinsam mit meiner Schnittdirektrice und der Produktion haben wir dann überlegt, wie wir diese Ideen umsetzen können.
Ich kann noch nicht zu viel verraten, aber ich bin sehr glücklich damit, wie die Kollektion geworden ist. Auch die Retailer haben bisher sehr positiv darauf reagiert. Jetzt bin ich gespannt, wie sie bei den Kund:innen ankommt.
Nähen und textile Verarbeitung liegen bei dir auch in der Familie. Welche Rolle spielt diese Geschichte für deine Arbeit?
Eine sehr große. Meine Großmutter war Schneidermeisterin. In den Ferien habe ich oft tagelang bei ihr im Nähzimmer gesessen. Später hat sie sich vor allem der Patchwork-Kunst gewidmet und riesige Decken gemacht. Sie hat wirklich Kunst aus Stoff geschaffen.
Meine Mutter hat uns als Kinder ebenfalls viel genäht und ist heute, seit sie im Ruhestand ist, fest in mein Atelier integriert. Sie kommt sogar mit nach Wien. Wir teilen schon immer diese Begeisterung für Mode, aber heute sprechen wir natürlich auch über die wirtschaftliche Seite und darüber, dass manche Dinge einfach funktionieren müssen.
Meine Oma lebt zwar nicht mehr, aber wenn meine Mutter und ich gemeinsam im Atelier sind, denken wir oft an sie. Diese Familiengeschichte fließt auch in meine Arbeit ein. Gerade der Gedanke des Patchworks, aus vielen kleinen Stücken etwas Neues entstehen zu lassen, ist für mich bis heute präsent.
Deine Kundschaft ist dabei erstaunlich vielfältig. Wie würdest du sie beschreiben?
Ich habe immer wieder versucht, meine Kundschaft für Website und SEO genau zu definieren. Aber sobald ich auf einer Messe stehe, werde ich selbst immer wieder überrascht. Es gibt für mich kein klares „Du bist meine Kundin und du nicht“.
Was viele verbindet, ist eine Wertschätzung für handwerkliche Verarbeitung und natürliche Materialien. Manche kommen wegen der Materialien und entdecken dann das Design für sich. Bei anderen ist es genau andersherum.
Auch der Unisex-Bereich ist dadurch immer größer geworden. Ursprünglich habe ich nur Womenswear gemacht, aber häufig waren Frauen mit Männern an meinem Stand, die sich ebenfalls für die Materialien und die Kleidung begeistert haben. Daraus sind immer mehr Teile entstanden, die für beide funktionieren.


Und welches Stück aus deiner Kollektion trägst du selbst am liebsten?
Im Winter ist es gerade ganz klar die Wickeljacke aus Wolle. Die gehört schon lange zu meinen Klassikern. Und das Unisexhemd trage ich tatsächlich fast jeden dritten Tag in irgendeiner Variante.
Ich liebe es, weil es so viele Möglichkeiten gibt. Ich habe es schon zu Events und Festlichkeiten getragen, aber genauso im Alltag, wenn ich einfach schnell irgendwohin muss. Es gibt einem dieses komfortable, einhüllende Gefühl und gleichzeitig kann man sich darin richtig gut fühlen. Das Hemd würde ich gerade definitiv empfehlen.
Wer Helena und ihre Kollektion live erleben möchte, hat dazu bei der BLICKFANG Wien vom 6. bis 8. November 2026 im MAK die Gelegenheit. Helena wird vor Ort ihre aktuellen Entwürfe präsentieren und damit genau das zeigen, was ihre Arbeit ausmacht: natürliche Materialien, durchdachte Verarbeitung und Kleidung, die sich selbstverständlich in den Alltag einfügt. Hier kannst du dir dein Ticket sichern!
Lust noch mehr Labels besser kennenzulernen? Dann schau jetzt in unserem Journal vorbei und lass dich inspirieren!

Mode gehört seit vielen Jahren fest zur BLICKFANG Zürich. Zum 30. Jubiläum bekommt sie eine ganz besondere Bühne: Gemeinsam mit der STF Schweizerischen Textilfachschule wird die BLICKFANG zum Laufsteg.
Beim Fashion Walk präsentiert die STF ausgewählte Mode-Entwürfe und bringt sie mitten ins Messegeschehen. Besucher:innen erleben Fashion dabei nicht nur am Stand, sondern in Bewegung und als inszeniertes Live-Erlebnis. Unterschiedliche Looks, Materialien und Silhouetten treffen aufeinander und zeigen die Vielfalt zeitgenössischer Mode. An allen Messetagen ziehen dreimal täglich Models beim FASHION-WALK by STF über die BLICKFANG und machen die Messe kurzerhand zum Laufsteg.
Die Kooperation mit der STF verbindet dabei Design, Ausbildung und die Zukunft der Schweizer Textil- und Modeszene. Als Bildungsinstitution für Fashion, Textil, Design und Management bringt die STF junge Perspektiven und aktuelles Know-how auf die BLICKFANG.
Fashion-Walk by STF
20.–22. November 2026
BLICKFANG Zürich, Kongresshaus
Start an der Bühne 1. OG
Fashion Walks:
Freitag: 14:00, 17:30 und 19:00 Uhr
Samstag: 13:00, 16:00 und 18:00 Uhr
Sonntag: 13:00, 15:00 und 17:00 Uhr
Ein besonderes Live-Highlight zum Jubiläum – gemeinsam mit der STF Schweizerischen Textilfachschule.




Ein Balkon, eine Abrissparty und eine orange-gelbe Markise: Viel mehr brauchte es zunächst nicht, damit aus einem alten Sonnenschutz eine Produktidee entstand. Während Alex Benz mit Freund:innen auf dem Balkon eines Gebäudes grillte, das kurz darauf abgerissen werden sollte, fiel sein Blick auf die Markisen. Am nächsten Tag war er mit einem Teppichmesser wieder vor Ort, um die ersten Stücke „zu ernten“. Daraus entstand der erste Shopper von Attached.
Heute macht das Schweizer Label genau daraus sein Prinzip: Ausgediente Markisenstoffe werden eingesammelt, aufbereitet und in sozialen Werkstätten zu Taschen und Accessoires verarbeitet. Dabei gibt das Material selbst den Ton an. Farben, Muster und Gebrauchsspuren entscheiden mit darüber, was aus einer Markise werden kann – und machen viele der Stücke zu echten Einzelstücken.

Alex, wie ist die Idee zu Attached entstanden und wann war für dich klar: Aus alten Markisen sollen neue Produkte werden?
Die Geschichte von Attached muss man eigentlich in zwei Teile aufspalten. Die Brand gibt es schon seit ungefähr 2020, damals hatte sie aber noch gar nichts mit dem Upcycling von Markisen zu tun. Wir haben zuerst Schlüsselanhänger und Brillenbändchen gemacht, die in geschützten Werkstätten hergestellt wurden.
Die interessantere Geschichte ist dann die mit den Markisen. Ich war bei einem Freund auf einer Abrissparty, das Gebäude wurde komplett abgerissen. Wir standen auf dem Balkon und haben gegrillt, und da sind mir diese orange-gelben Markisen aufgefallen. Am nächsten Tag habe ich bei der Verwaltung angerufen und durfte mit einem Teppichmesser die ersten Stücke „ernten“. Daraus wurde dann unser erster Shopper.
Heute haben wir mehrere Produktkategorien, die aus Markisenstoffen entstehen. Von Anfang an war uns dabei wichtig, so lokal wie möglich zu produzieren und aus einem Abfallmaterial ein lokales Schweizer Produkt zu machen.


Bei den Shopper Bags war also das Material zuerst da und daraus ist das Produkt entstanden. Wie entwickelt man ein Produkt, wenn nicht die Idee, sondern das Material den Anfang macht?
Das war tatsächlich genau so. Ich wusste zuerst gar nicht, was ich machen wollte. Ich habe zunächst versucht, einen Rucksack daraus zu machen, aber die Streifen haben für mich überhaupt nicht dazu gepasst. Das Material hatte eher Strand-Vibes.
Irgendwann war klar: Die Textilie hat das Produkt entschieden, nicht umgekehrt.
Wenn eine alte Markise bei euch ankommt: Wie entscheidet ihr, was daraus entstehen kann?
Das ist relativ spontan. Bestimmte Stoffe eignen sich besser für kleinere Produkte, andere für größere. Bestimmte Farbpatterns funktionieren zum Beispiel gut für eine Strandtasche oder einen Shopper. Sehr breite Streifen würde man auf einem Laptop Case dagegen gar nicht richtig sehen.
Wir haben mittlerweile ein relativ großes Lager und entscheiden dann, was mit welchem Stoff gut funktionieren könnte. Dabei spielen auch die Farben eine Rolle. Wir haben natürlich sehr viel Gelb und Orange, versuchen aber, insgesamt eine gute Mischung zu haben.
Eine große Herausforderung war am Anfang überhaupt, genügend Material zusammenzubekommen. Wenn du von einer einzelnen Markise nur ein paar Quadratmeter hast und die dann zehn verschiedene Farben enthält, kannst du daraus keine richtige Kollektion aufbauen.
Mittlerweile haben wir gute Kontakte zu 2-3 Herstellern. Sie schenken uns zum Teil Restbestände aus ihren Lagern, die sonst entsorgt würden. Gleichzeitig arbeiten wir auch mit Bauherren, Baugenossenschaften und Architekturbüros zusammen, die uns darauf aufmerksam machen, wo Gebäude abgerissen oder umgebaut werden. So können wir teilweise ganze Reihenhäuser von ihren Markisen befreien. Und manchmal bekommt der Bauherr anschließend Taschen für die Nachmieter:innen, die die Markisen vorher an den Häusern hatten.

Ihr nutzt also sowohl sehr alte Markisen als auch neue Restbestände. Was verändert sich durch den Zugang zu größeren Materialmengen?
Wenn du eine alte Markise direkt vom Balkon holst, muss sie erst gewaschen und aufbereitet werden. Auch der Zuschnitt ist schwieriger, wenn der Stoff schon 30 oder 40 Jahre am Balkon gehangen hat. Trotzdem wollen wir diese Materialien nicht weglassen. Beides ist Upcycling, aber bei einer alten Markise wird wirklich ein Material, das jahrzehntelang im Einsatz war, in ein zweites Leben überführt.
Und natürlich hat es auch etwas, wenn man beim Produkt noch sieht, woher der Stoff kommt. Das gibt dem Ganzen noch mehr Seele und Geschichte.
Markisenstoff ist für den Außenbereich gemacht. Welche Eigenschaften des Materials nutzt ihr bewusst für eure Produkte?
Die Wasserresistenz ist vor allem bei der Verarbeitung interessant. Dabei gibt es einen großen Unterschied zwischen einem neuen und einem alten Stoff. Bei älteren Markisen geht die Wasserresistenz irgendwann verloren und der Stoff wird deutlich weicher.
Wenn wir einen alten Stoff bekommen, der eine tolle Farbe hat, machen wir daraus zum Beispiel eine Crossbody Tasche, die sich weicher dem Körper anschmiegt. Neuere Stoffe, die noch komplett wasserresistent und fester sind, verwenden wir eher für Laptop Cases oder Necessaires. Gerade da ist es cool, wenn das Wasser wirklich komplett abperlt.
Bei Attached geht es also nicht nur darum, Material wiederzuverwenden, sondern auch darum, Menschen neue Perspektiven zu ermöglichen. Wie kam dieser soziale Aspekt zu eurem Konzept?
Das war eigentlich von Anfang an da. Eine gute Freundin von mir hatte ein Burnout und hat uns damals darauf aufmerksam gemacht, dass man in geschützten Werkstätten Modeaccessoires herstellen lassen kann. So haben wir angefangen.
Ich kenne viele Menschen und auch mich selbst, die manchmal mit mentalen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Ich finde es wichtig, dass man darüber spricht. Wenn du ein Burnout hast oder in einer Depression steckst, kann es hilfreich sein, wieder eine gewisse Struktur in den Alltag zu bekommen und etwas Wertschöpfendes zu machen. Ich glaube, das funktioniert mit unseren Taschen sehr gut. Die Leute können eine Tätigkeit machen, bei der am Ende ein richtiges Produkt entsteht.


Ihr produziert bewusst lokal in der Schweiz. Welche Vorteile bringt diese Nähe für euch?
Wir wollten von Anfang an möglichst lokal produzieren. In der Schweiz gibt es praktisch keine Textilindustrie mehr, dafür aber viele soziale Einrichtungen, die teilweise staatlich unterstützt werden und richtig gute Arbeit leisten.
Natürlich bringt das auch Herausforderungen mit sich. Wenn jemand gerade nach einem Burnout wieder in den Arbeitsalltag zurückfindet, kannst du nicht sagen: „Mach 100 Stück bis zum Ende der Woche fertig.“ Wir sind deshalb ganz bewusst nicht auf schnelle Produktion ausgelegt. Unser Ansatz ist eher: stetig langsam.
Wir holen immer mehr soziale Einrichtungen dazu, die unsere Produkte herstellen können. So können wir langsam auch skalierbare Stückzahlen erreichen, ohne einzelne Einrichtungen oder Menschen mit zu viel Arbeit zu überlasten.

Wie erlebt ihr die Zusammenarbeit mit den Menschen in den Werkstätten?
Eine sehr enge persönliche Beziehung zu einzelnen Mitarbeitenden aufzubauen, ist gar nicht so einfach, weil das Ziel ja eigentlich ist, dass sie möglichst nicht so lange dort bleiben, sondern wieder einen normalen Job oder eine andere Tätigkeit aufnehmen können.
Wir sind aber regelmäßig vor Ort. Gerade bei einer neuen Werkstatt ist mir das persönlich sehr wichtig. Wir haben zum Beispiel eine neue Einrichtung in der Nähe von Gelsenkirchen, die ziemlich weit entfernt ist. Da war ich jetzt schon zweimal und habe mir angeschaut, wie die Arbeitsbedingungen und die Strukturen vor Ort aussehen.
Wir bekommen auch viel Feedback direkt aus der Herstellung. Das Coole an unseren Produkten ist, dass der Produkttyp zwar gleich bleibt, aber immer wieder andere Farben dazukommen. Dadurch entsteht Abwechslung und es ist nicht einfach nur eine klassische Laufbandarbeit.
Und wir machen viel Brainstorming mit den Menschen dort. Nicht alle Designs kommen von mir. Das Necessaire zum Beispiel ist eigentlich unser komplexestes Produkt in der Herstellung. Das haben die Mitarbeitenden selbst entwickelt. Sie haben einfach zwei oder drei Entwürfe gemacht und daraus ist dann dieses Produkt entstanden.
Gibt es ein Produkt aus eurer bisherigen Kollektion, an dem besonders viel ausprobiert und getüftelt wurde?
Definitiv der Shopper. Das ist unser erstes Produkt und gleichzeitig immer noch unsere große Knacknuss.
Wir dürfen bei den Produkten nicht zu komplex werden, weil sonst der Preis explodiert und die Qualität darunter leidet. Deshalb brauchen wir relativ simple Cuts und wollen das eigentlich auch so beibehalten.
Beim Shopper ist aber wichtig, dass er auch leer steht und eine gewisse Struktur hat. Und je nachdem, wie gut die Qualität des jeweiligen Markisenstoffs ist, verhält er sich wieder etwas anders. Wir haben ewig nach einem Innenmaterial gesucht, das den Shopper richtig stehen lässt und gleichzeitig möglichst komplett upgecycelt ist.
Momentan verwenden wir dafür teilweise ein recyceltes Vinyl-Netz. Das kann man in den Shopper einspannen, sodass er schön steht und sich außerdem gut reinigen lässt. Es ist aber schwieriger zu verarbeiten und nicht immer komplett upgecycelt.
Es ist schon lustig, dass man drei Jahre an so einem vermeintlich einfachen Produkt herumtüfteln kann.
Was macht für dich den Reiz der unterschiedlichen Markisenstoffe aus?
Die Stoffe verändern sich ständig. Für mich sind die einzelnen Farben dadurch fast wie Limited Editions. Wenn du eine eigene Tasche willst, musst du einen Stoff nehmen, der dich wirklich vom Hocker haut. Und dann weißt du gleichzeitig: Den gibt es vielleicht später nicht mehr.
Manche Stoffe habe ich tatsächlich nur einmal gesehen. Und manchmal sehe ich auf der Straße in Zürich eine Tasche und denke: Wow, diese Farbe hatten wir auch mal.Das ist für mich auch eine Art Qualitätscheck. Wenn ich Produkte aus Stoffen sehe, die ich schon längst vergessen hatte, weiß ich gleichzeitig: Die Leute haben diese Taschen schon ziemlich lange.

Was möchtest du mit Attached in Zukunft noch ausprobieren?
Wir bleiben auf jeden Fall beim Upcycling.
An neuen Produkten arbeiten wir sowieso. Als Nächstes kommen wahrscheinlich kleine Gürtel mit Stoffresten, ein bisschen im Stil der 2000er. Und ein richtig cooler Weekender schwebt mir schon lange vor.
Eine Collab würde ich ebenfalls gerne machen. Wir hatten zum Beispiel schon eine Zusammenarbeit mit Alnatura. Dafür wurden ehemalige Werbeplakate von Alnatura zu einer Limited Edition verarbeitet, die an mehreren Standorten verkauft wurde. So etwas in der Art mit anderen Designer:innen, die unterschiedliche Upcycling-Materialien zusammenbringen, fände ich richtig cool. Und vielleicht findet sich ja bei BLICKFANG jemand, mit dem wir so etwas umsetzen können.


Und zum Schluss ganz persönlich: Welche Attached-Tasche begleitet dich selbst im Alltag am häufigsten?
Eigentlich das Laptop Case und der Crossbody. Ich bin lustigerweise eher ein Rucksacktyp, obwohl ich eine Taschenbrand habe. Aber ich fahre sehr viel Fahrrad in der Stadt und der Crossbody funktioniert dafür einfach am besten. Mein Laptop passt rein und viel mehr brauche ich eigentlich nicht.
Und obwohl ich die Möglichkeit hätte, habe ich tatsächlich nur zwei Taschen von Attached. Noch. Es kommt gerade eine richtig coole Farbe, da werde ich mir wahrscheinlich noch eine holen.
Wer mehr über die Geschichte hinter Attached erfahren und Alex Benz persönlich kennenlernen möchte, hat gleich zweimal die Gelegenheit dazu: Attached ist bei der BLICKFANG Wien vom 6. bis 8. November 2026 im MAK und bei der BLICKFANG Zürich vom 20. bis 22. November 2026 im Kongresshaus mit dabei. Vielleicht wartet vor Ort ja genau die Markisenfarbe auf dich, die es so nur einmal gibt.
Lust noch mehr Labels besser kennenzulernen? Dann schau jetzt in unserem Journal vorbei und lass dich inspirieren!
Hier entstehen die Designideen von morgen! Die BLICKFANG bietet jungen Talenten eine einzigartige Plattform, um ihre kreativen Visionen sichtbar zu machen und neue Wege im Möbel- und Produktdesign zu beschreiten. Gemeinsam mit der D.E.S.I.G.N. Foundation vergibt die BLICKFANG den Future Forward Award an Nachwuchsdesigner, die mit innovativen, nachhaltigen und eigenständigen Konzepten die Designwelt bereichern.
Bei der BLICKFANG Zürich 2026 geht die Auszeichnung an Mademoiselle Jo und Tobias Hirt
Mademoiselle Jo
Hinter Mademoiselle Jo steht die belgische Designerin Joan Bebronne, die ihre Erfahrungen aus Architektur sowie Mode- und Textildesign in zeitgenössische Möbel und Wohnobjekte übersetzt. Ihre Entwürfe verbinden eine reduzierte Formensprache mit hochwertigen Materialien und präziser handwerklicher Verarbeitung.
Besonders eindrucksvoll zeigt sich dieser Ansatz in ihren skulpturalen Tischen aus verschmolzenem Murano-Glas. In den Werkstätten von Murano entstehen die limitierten Editionen in aufwendiger Handarbeit: Mehrere Glasschichten werden miteinander verbunden und erzeugen lebendige Oberflächen, in denen sich Licht, Farbe und Tiefe immer wieder neu begegnen.
Mademoiselle Jo verbindet damit traditionelle Fertigungstechniken mit einer zeitgemäßen Materialästhetik. Die Zusammenarbeit mit europäischen Handwerksbetrieben und der Fokus auf langlebige Materialien machen ihre Arbeiten zu zeitlosen Objekten, die handwerkliches Können sichtbar machen und zugleich neue Perspektiven auf Gestaltung eröffnen.




Tobias Hirt
Der zweite Gewinner des Future Forward Awards in Zürich ist der Schweizer Designer Tobias Hirt. Nach seiner Tischlerausbildung in Schaffhausen studierte er Produktdesign in Darmstadt und verbrachte anschließend Zeit an der Kyushu University in Japan, wo er sich intensiv mit traditionellem Handwerk auseinandersetzte. Weitere prägende Erfahrungen sammelte er im Studio von Sebastian Herkner, bevor er sein eigenes Studio gründete.
Heute bewegt sich seine Arbeit zwischen Möbeln, Objekten und Räumen. Dabei treffen handwerkliches Wissen, klare Konstruktion und experimentelle Gestaltung aufeinander. Hirt legt besonderen Wert auf Materialien, Details und den Entwicklungsprozess selbst. Wie aus dieser Haltung eigenständige Objekte entstehen, zeigt etwa sein Beistelltisch ALU-CC, bei dem eine präzise Konstruktion aus drei Aluminiumteilen zur charakteristischen Form wird.
Seine Arbeiten verbinden so funktionale Präzision mit einer ruhigen, emotionalen Qualität und zeigen, wie eng Denken und Machen miteinander verbunden sind.




Entdecke die Gewinnerlabels bei der BLICKFANG Zürich
Was beide Gewinner verbindet, ist die Suche nach neuen Wegen, Materialien, Formen und Handwerk miteinander zu verbinden. Bei der BLICKFANG Zürich vom 20. bis 22. November 2026 im Kongresshaus Zürich kannst du Mademoiselle Jo undTobias Hirt sowie mehr als 180 weitere kuratierte Labels live entdecken. Komm mit den Designer ins Gespräch, erlebe ihre Arbeiten aus nächster Nähe und finde dein persönliches Lieblingsstück, das du direkt vor Ort mit nach Hause nehmen kannst.
Drei Labels, drei Geschichten und 30 Jahre BLICKFANG Zürich.
Zum Jubiläum richten wir den Blick auf drei besondere Wegbegleiter, die seit den Anfängen der BLICKFANG Zürich dabei sind und die Messe über drei Jahrzehnte begleitet haben: Irion, Thismade und Lichtprojekte.
Ihre Designs stehen stellvertretend für die Vielfalt, die BLICKFANG seit 30 Jahren ausmacht: eigenständige Ideen, zeitloses Design und die Leidenschaft, Dinge immer wieder neu zu denken. In der Jubiläumssonderschau treffen ihre Arbeiten aufeinander und erzählen ganz persönlich von drei Jahrzehnten Designgeschichte.
Dabei geht es nicht nur um die Produkte selbst, sondern auch um die Menschen, Entwicklungen und Veränderungen dahinter: Was hat sich in 30 Jahren verändert? Welche Ideen sind geblieben? Und wie blickt man als langjähriges BLICKFANG-Label auf die Zukunft?
„3 Labels – 30 Jahre“ ist eine Hommage an unsere langjährigen Ausstellenden – und an alle Designer:innen, die die BLICKFANG Zürich über die Jahre zu dem gemacht haben, was sie heute ist.
Ein Möbel, das mit dem Leben mitwächst: Irion
Bei Irion steht eine einfache, aber wegweisende Idee im Mittelpunkt: Ein Möbel soll sich an seine Nutzenden anpassen – nicht umgekehrt. Seit 1999 entstehen in der Schweizer Manufaktur modulare Regalsysteme, die individuell konfiguriert und immer wieder verändert werden können. Eine eigens entwickelte Verbindungstechnik sorgt dabei für Flexibilität und Stabilität. Birkensperrholz, HPL und präzise gefertigte Beschläge treffen auf eine reduzierte Formensprache. Entwickelt und produziert wird in der Schweiz – mit dem Anspruch, Möbel zu schaffen, die viele Lebensphasen begleiten.




Wenn Material und Funktion die Form bestimmen: THISMADE
Wie leicht darf ein stabiles Möbel sein? Und wie weit lässt sich die Statik ausreizen, ohne dass Funktionalität und Ästhetik verloren gehen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich THISMADE. Das Schweizer Designlabel entwickelt Möbel und Raumkonzepte, bei denen sich die Form aus dem Zusammenspiel von Material und Funktion ergibt. Gefertigt werden die Entwürfe in kleinen Serien zu 100 % in der Schweiz. Das Ergebnis: klare, zeitlose Möbel, bei denen jedes Element seinen Platz hat und das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile.
Licht als Teil des Raumes: Lichtprojekte
Bei Lichtprojekte beginnt Gestaltung nicht unbedingt mit einem Objekt, sondern mit der Frage, wie ein Raum erlebt werden soll. Das Schweizer Studio und Planungsbüro unter der Leitung von Christian Deuber entwickelt individuelle Lichtkonzepte für private und öffentliche Räume und entwirft daneben eigene Leuchtenkollektionen. Gefertigt wird in Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmen, montiert werden die Leuchten im eigenen Atelier von Hand. So treffen planerisches Denken, funktionales Licht und sorgfältiges Handwerk aufeinander.


30 Jahre BLICKFANG Zürich – feiert mit uns!
Entdeckt „3 Labels – 30 Jahre“ und noch viele weitere Highlights auf der Jubiläums-BLICKFANG Zürich vom 20. bis 22. November 2026 im Kongresshaus Zürich. Freut euch auf unabhängiges Design, besondere Begegnungen und 30 Jahre BLICKFANG-Geschichte – und natürlich auf einen Blick nach vorn.


Für Joan Bebronne war Kreativität nie auf eine einzige Disziplin beschränkt. Nach 25 Jahren in der Lingerie-Branche machte die belgische Designerin ihre langjährige Leidenschaft für Architektur, Materialien und Objekte zum Mittelpunkt ihrer eigenen Designpraxis: Mademoiselle Jo. Heute arbeitet sie mit Glas, Holz, Stein, Metall und Leder und entwickelt charakterstarke Objekte, die langlebig sind, sich in unterschiedliche Interieurs einfügen und dazu einladen, sie auf die eigene Art zu nutzen.
Im Zentrum ihrer aktuellen Arbeit steht Glas, insbesondere Muranoglas. Seine wechselnden Reflexionen und Schatten lassen ihre Objekte im Laufe des Tages mit dem Licht immer wieder anders erscheinen. Wir haben mit Joan darüber gesprochen, welchen Einfluss die Mode auf ihren Designprozess hat, warum sie mit Kunsthandwerker:innen in ganz Europa zusammenarbeitet, weshalb Zeitlosigkeit für sie so wichtig ist und warum Anderssein nicht unbedingt laut sein muss.
Joan, Kreativität scheint sich wie ein roter Faden durch deine gesamte Laufbahn zu ziehen. Wie kam es zu deinem Wechsel vom Mode- und Lingerie-Design hin zu Möbeln und Objekten?
Ich war schon immer von Kreativität in all ihren Formen fasziniert. Für mich spielt es eigentlich keine Rolle, ob es um Möbel, Schmuck, Schuhe, Küchen oder Musik geht.
Ursprünglich habe ich Modedesign studiert und 25 Jahre lang in der Lingerie-Branche gearbeitet. Gleichzeitig haben mich Architektur und Interior Design immer interessiert. Ich habe mehrere Häuser als persönliche Projekte renoviert und dabei nicht nur die Räume gestaltet, sondern auch Möbel und andere Elemente selbst entworfen. Mit der Zeit wurde mir klar, dass das mehr als nur ein Hobby war. Es war eine weitere Möglichkeit, meine Kreativität auszudrücken. Nach 25 Jahren in der Lingerie war ich bereit für ein neues Kapitel. Ich wollte Objekte mit einer starken Identität schaffen – Stücke, die poetisch und überraschend wirken und sich ein wenig von dem unterscheiden, was man überall sieht.

Was aus deiner Zeit in der Lingerie ist bis heute Teil deines Designprozesses?
Vor allem ein sehr ausgeprägtes Gespür für Details. Wenn man zum Beispiel einen BH entwirft, kann ein Stück von gerade einmal 15 mal zehn Zentimetern aus mehr als 25 verschiedenen Materialien bestehen. Alles muss präzise sein: Die Farben müssen zusammenpassen und die Materialien miteinander funktionieren. Wenn das nicht der Fall ist, ist das Ergebnis weder schön noch erfolgreich.
Diese Detailgenauigkeit begleitet mich bis heute. Manchmal läuft die Produktion nicht exakt so, wie man es sich vorgestellt hat, aber ich versuche immer, so nah wie möglich an die ursprüngliche Idee heranzukommen.
Wo beginnen deine Ideen normalerweise?
Meistens entstehen sie aus einem Material oder einer Alltagssituation. Auch der Besuch bei einem Kunsthandwerker kann viele Ideen und Emotionen auslösen. Sehr oft sind es das Material selbst oder eine bestimmte Technik, die mich inspirieren.
Deshalb beginne ich auch nicht mit einem völlig leeren Blatt und sage: „Ich entwerfe jetzt einen Stuhl.“ Ich starte mit einer Idee, lasse mich dann aber darauf ein, wohin mich der Prozess führt. Wenn ich eine bestimmte Technik entdecke, überlege ich, was ich damit gestalten kann.
Deine Arbeiten verbinden eine sehr reduzierte Ästhetik mit etwas Spielerischem und Poetischem. Was macht ein Design für dich erfolgreich?
Zeitlosigkeit ist für mich sehr wichtig. Ich mag Designs, die an die nächste Generation weitergegeben werden können. Ich habe zum Beispiel eine Leuchte von Ingo Maurer zu Hause, die ich seit Jahrzehnten liebe. Ich möchte, dass ein Objekt etwas ist, das man Jahr für Jahr gerne betrachtet und benutzt, anstatt es zu ersetzen, sobald sich ein Trend verändert. Deshalb muss die Form manchmal sehr klar und reduziert sein. Auch das Material muss langlebig sein. Wenn man etwas 100 Jahre behalten möchte, braucht man ein Material, das über viele Jahre bestehen kann.
Glas spielt in deiner aktuellen Arbeit eine zentrale Rolle. Was fasziniert dich daran?
Ich arbeite mit vielen verschiedenen Materialien, darunter Holz, Stein, Metall, Leder und Glas. Jedes hat seine ganz eigenen Eigenschaften. An Glas liebe ich besonders, wie es mit dem Licht interagiert. Da ist zunächst die Form des Objekts – und dann erzeugt das Licht eine weitere Farbe und eine weitere Form auf dem Boden oder an der Wand. Das verändert sich im Laufe des Tages. Durch das Licht scheint sich das Objekt beinahe weiterzuentwickeln. Ich liebe diese Beziehung zwischen Licht, Schatten und Reflexion. Wenn ich Malerin wäre, würde ich wahrscheinlich mit Licht auf Objekten, Reflexionen und Schatten arbeiten, weil alles ständig in Bewegung ist.
Du bist über eine eher ungewöhnliche Begegnung zum Muranoglas gekommen. Wie kam es dazu?
Eine Frau, die ich auf der Maison & Objet kennengelernt hatte, sah, woran ich arbeitete, und sagte mir, dass sie mich, falls ich irgendwann mit Glas arbeiten wollte, mit Menschen in Murano bekannt machen könnte. Also bin ich dorthin gereist, um die Kunsthandwerker:innen zu besuchen.
Ursprünglich wollte ich etwas ganz anderes entwickeln, aber die Technik und die Menschen, die ich dort kennengelernt habe, haben mir viele neue Ideen gegeben. Besonders interessiert hat mich gegossenes Glas und die Art und Weise, wie das Material das Licht reflektiert. Gleichzeitig wollte ich mit unterschiedlichen Formen und Farben arbeiten, ohne zu stark auf teure Formen und Gussformen angewiesen zu sein.


Das Material folgt deinem Entwurf also nicht einfach, sondern wird selbst Teil des Designprozesses?
Genau. Ich lasse mich von der Technik leiten. Wenn ich verstanden habe, was eine bestimmte Technik leisten kann, beginne ich darüber nachzudenken, welches Design damit möglich ist.
Auch Farbe ist ein sehr wichtiger Bestandteil meiner Arbeit. Ich entwickle meine eigenen Farben über die verschiedenen Kollektionen hinweg, und das nicht nur für Glas. Die richtige Farbe zu wählen, den passenden Farbverlauf zu entwickeln und herauszufinden, wie verschiedene Farben miteinander funktionieren, gehört für mich zu den spannendsten Teilen des Prozesses.


Du entwickelst deine Ideen außerdem physisch, anstatt dich auf digitale 3D-Modelle zu verlassen. Warum ist das wichtig für dich?
Weil ich die Form und die Proportionen im echten Raum sehen muss. Ich arbeite nicht mit einem 3D-Designprogramm. Ich entwickle meine Entwürfe zwar dreidimensional, aber physisch – mit Karton, Schaumstoff oder ähnlichen Materialien.
Das kommt aus meiner Zeit in der Mode. Wenn ich Kleidung entworfen habe, habe ich oft direkt am Körper gearbeitet, anstatt alles flach auf Papier zu zeichnen. So bekommt man ein viel besseres Gefühl für Volumen und Proportionen. Es ist auch deshalb wichtig, weil die Entwicklungskosten hoch sind. Ich muss mir bei einem Projekt ziemlich sicher sein, bevor ich mit der eigentlichen Entwicklung beginne
Viele deiner Objekte lassen sich auf unterschiedliche Weise nutzen oder arrangieren. Warum ist diese Flexibilität für dich wichtig?
Ich möchte, dass jede Person, die eines meiner Objekte kauft, die Möglichkeit hat, es anders in das eigene Interieur und die eigene Atmosphäre zu integrieren. Mich interessiert nicht besonders, dass Menschen einem Trend folgen. Ich mag die Vorstellung, dass sie etwas auswählen, weil es ihnen wirklich gefällt, und es dann zu ihrem eigenen machen.
Ich selbst mache es genauso. Wenn ich ein Objekt kaufe, verändere ich vielleicht etwas daran oder nutze es anders, als ursprünglich vorgesehen. Deshalb möchte ich den Menschen die Möglichkeit geben, meine Entwürfe an ihren eigenen Raum anzupassen. Meine Möbel können in einem sehr traditionellen Haus funktionieren, in einem modernen Loft oder an einem völlig anderen Ort. Es kommt darauf an, wie man das Objekt in die eigene Umgebung integriert.
Du arbeitest mit Kunsthandwerker:innen in Belgien und in ganz Europa. Was bedeutet diese Zusammenarbeit für dich?
Zunächst einmal müssen die Kunsthandwerker:innen an das Projekt glauben. Sie müssen es mögen und Lust darauf haben, daran zu arbeiten. Sonst kann es nicht funktionieren.
Meine Produkte sind sehr unterschiedlich, deshalb brauche ich verschiedene Spezialist:innen für Glas, Stein, Metall, Holz, Leder und Malerei. Es gibt keine Fabrik, die all das abdecken kann. Jede Person hat ihre eigene Spezialisierung.
Normalerweise treffe ich die Menschen direkt in ihren Ateliers. Ich erkläre das Projekt, was ich erwarte und warum bei den kleinen Serien alles besonders präzise sein muss. Ich liebe es, Menschen kennenzulernen, die mit Materialien arbeiten – ganz gleich, ob mit ihren Händen oder mit Maschinen. Ich interessiere mich nicht nur für ein bestimmtes Feld. Ich entdecke gerne, was aus unterschiedlichen Materialien und Techniken entstehen kann, wenn man sie auf eine andere Art einsetzt.

Deine Arbeit wurde mit dem BLICKFANG Zürich Future Forward Award ausgezeichnet. Was bedeutet diese Anerkennung für dich?
Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass BLICKFANG meine Arbeit ausgezeichnet hat.
Auch der Zeitpunkt war perfekt, weil ich auf den Schweizer Markt möchte. Ich habe noch nicht viele Geschäfte in Zürich, deshalb ist BLICKFANG eine großartige Gelegenheit, den Menschen dort zu zeigen, woran ich arbeite, sie kennenzulernen und zu verstehen, was ihnen gefällt und wonach sie suchen.


Gibt es ein Stück, das dir besonders am Herzen liegt?
Das ist schwierig zu beantworten, aber ich würde sagen: der Toupy.
Es ist ein hängender Tisch, der von der Decke herunterkommt und einen Platz für Schlüssel, Brille oder alles andere bietet, was man dort ablegen möchte. Zumindest soweit ich weiß, gibt es auf dem Markt nichts Vergleichbares. Ich hoffe, dass ich die Einzige bleibe, die so etwas macht.
Was ich daran mag, ist, dass er einen Raum auf eine andere Art strukturiert. Die meisten Tische kommen vom Boden, und ohnehin haben wir schon viele Dinge, die den Boden einnehmen. Manchmal ist es schön, einen Raum stattdessen von der Decke aus zu strukturieren.
Wenn du Joans Arbeit selbst erleben möchtest, hast du schon bald die Gelegenheit dazu: Mademoiselle Jo ist vom 20. bis 22. November 2026 bei der BLICKFANG Zürich im Kongresshaus dabei. Joan bringt ihre neuesten Entwürfe nach Zürich – und damit ihren unverwechselbaren Umgang mit Materialien, Licht und zeitlosem Design. Für sie ist die BLICKFANG nicht nur eine Gelegenheit, ihre Arbeit zu präsentieren, sondern auch, Menschen zu treffen, ihre Reaktionen zu erleben und herauszufinden, was bei ihnen Resonanz erzeugt. Jetzt Tickets sichern!
Lust noch mehr Labels besser kennenzulernen? Dann schau jetzt in unserem Journal vorbei und lass dich inspirieren!
Czech Design auf der BLICKFANG Wien
Die BLICKFANG Wien bringt auch in diesem Jahr internationale Designpositionen in die österreichische Hauptstadt. Gemeinsam mit CzechTrade präsentiert die Sonderfläche Czech Design eine kuratierte Auswahl zeitgenössischer Labels aus Tschechien. Von innovativem Produktdesign über handgefertigtes Porzellan und Papierkunst bis hin zu nachhaltiger Mode und kreativen Spielkonzepten zeigt die Sonderfläche, wie vielseitig und zukunftsorientiert die tschechische Designszene heute ist.
Design, das Menschen zusammenbringt: Faktum Design
Mit der Marke verember verwandelt Faktum Design Feuerstellen in außergewöhnliche Designobjekte für den Außenbereich. Die in Brünn entwickelten Entwürfe verbinden klare Geometrien, hochwertige Materialien wie Cortenstahl und Edelstahl sowie präzise Handwerkskunst zu langlebigen Begleitern für Garten und Terrasse. Dabei spenden die Feuerstellen nicht nur Wärme, sondern schaffen einen Ort für Begegnung, Gespräche und gemeinsame Momente. Mit ihrer reduzierten Formensprache und durchdachten Konstruktion zeigen sie, wie funktionales Design Atmosphäre schaffen und den Außenraum auf besondere Weise bereichern kann.



Nachhaltig spielen: TOTEMO
Das tschechische Label TOTEMO entwickelt modulare Kreativbaukästen, die Spiel, Gestaltung und Lernen miteinander verbinden. Die langlebigen Elemente werden aus recycelten Materialien gefertigt und gemeinsam mit Pädagog:innen und Psycholog:innen entwickelt. So entstehen Spielwelten, die Kreativität, Selbstvertrauen und freies Entdecken fördern – nachhaltig produziert und für viele Jahre gedacht.
Poesie aus Papier: PORIGAMI
Hinter PORIGAMI steht die Architektin Tereza Hradilková, die aus schlichten Bögen einzigartige Kunstwerke erschafft. Mit Laser-Schnitt und handgefertigten Stempeln verwandelt sie Papier in poetische Objekte, inspiriert von der japanischen Kunst des GAMI. Ihre Arbeiten sind zeitlose Stücke, die die Schönheit des Materials feiern und zeigen, wie filigran Design sein kann.




Mode mit Seele: Eiri
Das Label Eiri, gegründet von Klára Holanová, steht für zeitlose Mode mit klaren Silhouetten, die sowohl minimalistisch als auch skulptural wirken können. Die für die Marke charakteristischen gedeckten Farben und faszinierenden Materialtexturen verleihen den Kleidungsstücken ein Gefühl von Poesie, Geheimnis und Spannung. Die Materialien werden hauptsächlich aus Japan, aber auch aus Italien und der Tschechischen Republik bezogen, wobei die Qualität für die Marke von entscheidender Bedeutung ist. Eiri versteht Mode als Geschichtenerzählerin – jedes Kleidungsstück soll in Resonanz mit der Persönlichkeit der Träger:innen treten.
Luxury Space Punk: Lucie Marková
Mit ihrem unverwechselbaren Stil zwischen Minimalismus, Surrealismus und Sci-Fi prägt Lucie Marková die tschechische Modeszene. Sie selbst beschreibt ihn als „Luxury Space Punk“. Seit 2024 arbeitet sie verstärkt an digitalen Mustern und künstlerischen Projekten, die Mode als Ausdruck innerer Schönheit verstehen. Nachhaltigkeit und Innovation gehen dabei Hand in Hand.




Feminine Stärke in klaren Linien: Josefina Bakošová
Die Designerin Josefina Bakošová verbindet feminine Eleganz mit markanten Schnitten und einem intuitiven Zugang zum Entwerfen. Ihre Kollektionen entstehen aus dem Wunsch heraus, Frauen im Alltag zu stärken und ihnen Kleidung zu bieten, die Bewegungsfreiheit ebenso selbstverständlich ermöglicht wie Selbstbewusstsein. Klare Formen, hochwertige Verarbeitung und eine künstlerische Handschrift verleihen ihren Entwürfen eine besondere Ausdruckskraft.
Familienlabel aus Tschechien: GRAZIA
GRAZIA ist ein tschechisches Familienlabel, das Frauen jeden Alters mit zeitlosen Entwürfen begleiten möchte. In kleinen Serien entstehen Kleidungsstücke aus hochwertigen Naturmaterialien wie Leinen und Seide, gefertigt mit großer Sorgfalt in lokalen Manufakturen. Nachhaltigkeit, ein ressourcenschonender Zero-Waste-Ansatz und ehrliche Handarbeit stehen dabei ebenso im Mittelpunkt wie das Ziel, Kleidung zu schaffen, die Komfort, Eleganz und Individualität miteinander verbindet.




Maßgeschneiderte Nachhaltigkeit: Mikela da Luka
Das Label Mikela da Luka zeigt, wie eng Nachhaltigkeit und Individualität verbunden sein können. Die Designerin begann mit grafischen T-Shirt-Entwürfen und führt heute ein Modelabel für Damen, Herren und Kinder. Gefertigt wird ausschließlich in kleinen Werkstätten aus regionalen Stoffen. Das Ergebnis: zeitlose Mode mit klaren Schnitten, individuellen Drucken und langlebigen Materialien.
Porzellan mit Charakter: Porcelanelerie
In der Prager Manufaktur Porcelanelerie entstehen Porzellanobjekte, die traditionelle Handwerkskunst mit verspielter Gestaltung verbinden. Geschirr und Schmuck werden in sorgfältiger Handarbeit gefertigt und individuell bemalt – von grafischen Mustern bis hin zu floralen und tierischen Illustrationen. Kleine Unterschiede in Farbe und Dekor sind bewusst Teil des Konzepts und machen jedes Stück zu einem unverwechselbaren Unikat. So entstehen Alltagsobjekte mit Charakter, die Freude bereiten und lange begleiten.



Ein Schaufenster für zeitgenössisches tschechisches Design
Die Sonderfläche Czech Design macht sichtbar, wie facettenreich und innovativ die tschechische Designszene heute ist. Zwischen traditionellem Handwerk, neuen Technologien und nachhaltigen Produktionsweisen entstehen Produkte mit einer klaren gestalterischen Haltung und einem hohen Qualitätsanspruch. Wer die BLICKFANG Wien besucht, entdeckt hier nicht nur außergewöhnliche Objekte und Mode, sondern lernt auch die Geschichten und Menschen hinter den Entwürfen kennen
Tickets für die BLICKFANG Wien gibt es hier.
Die BLICKFANG ist nicht nur Bühne für etablierte Labels, sondern auch Sprungbrett für die Designer:innen von morgen. Mit dem Future Forward Award, vergeben in Kooperation mit der D.E.S.I.G.N. Foundation, zeichnet die BLICKFANG junge Talente aus, die mit frischen Ideen, nachhaltigen Konzepten und mutigen Ansätzen die Gestaltung der Zukunft prägen.
In Wien dürfen sich in diesem Jahr zwei Labels über die Auszeichnung freuen – beide zeigen auf ganz unterschiedliche Weise, wie innovativ und richtungsweisend zeitgenössisches Design heute sein kann.
RUND Biomodular Design
Mit RUND Biomodular Design zieht ein Label auf die BLICKFANG ein, das Design buchstäblich wachsen lässt. Gegründet von Max und Andy in Berlin, entwickelt das Studio modulare Möbel und Interior-Objekte aus Myzel und industriellen Reststoffen. Statt klassischer Produktion steht hier ein biologischer Wachstumsprozess im Mittelpunkt.
Das Material basiert auf Zunderschwamm-Myzel und Hanfresten und bildet einen vollständig biologisch abbaubaren Verbundwerkstoff, der leicht, schallabsorbierend und überraschend robust ist. Aus diesem lebendigen Material entstehen Sitzmöbel, Akustikpaneele und weitere Objekte, die Forschung, Handwerk und zeitgenössische Gestaltung miteinander verbinden.
RUND denkt Material vom Ursprung her neu und zeigt, wie Kreislaufwirtschaft nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch überzeugend sein kann. Das Label bewegt sich an der Schnittstelle von Architektur, Interior Design und Materialinnovation – und eröffnet neue Perspektiven auf die Zukunft des Wohnens.




Wontek
Das Warschauer Label Wontek, gegründet 2025 vom Designer Staś Stupkiewicz, verbindet traditionelle Webkunst mit digitaler Fertigung. Inspiriert von den Mustern, Farben und Texturen handgewebter Stoffe versteht das Studio den 3D-Druck als eine zeitgenössische Form des Webens: Schicht für Schicht entstehen ornamentale Oberflächen, die zugleich präzise und überraschend lebendig wirken.
Zum Sortiment gehören individuell konfigurierbare Leuchten und Wohnobjekte, die vollständig in Warschau entworfen und gefertigt werden. Charakteristisch ist das Zusammenspiel von handwerklicher Inspiration, spielerischer Ornamentik und maschineller Präzision. So entstehen Objekte, die vertraut wirken und dennoch eine ganz neue gestalterische Sprache sprechen.
Wontek zeigt eindrucksvoll, wie digitale Technologien traditionelle Gestaltungsideen weiterführen können – nicht als Ersatz des Handwerks, sondern als dessen kreative Weiterentwicklung.




Ein Blick in die Zukunft des Designs
Mit RUND Biomodular Design und Wontek zeichnet die BLICKFANG zwei Labels aus, die die Zukunft des Designs auf sehr unterschiedliche Weise denken: Das eine lässt Möbel aus biologischen Materialien wachsen, das andere übersetzt jahrhundertealte Webtraditionen in die Sprache des 3D-Drucks. Gemeinsam zeigen sie, wie innovativ, experimentell und zugleich poetisch junges Design heute sein kann.
Du möchtest die Future Forward Gewinner live erleben? Dann sichere dir jetzt dein Ticket und komm zur BLICKFANG Wien!
Von Entwurf zu Ausstellung – Der Wettbewerb für Studierende
Die BLICKFANG Wien ist ein wichtiger Ort für die nächste Generation von Designer:innen. Im Rahmen des Studierendenwettbewerbs präsentieren junge Gestalter:innen ihre aktuellen Projekte – von ersten Prototypen bis hin zu eigenständigen Konzepten. Der Wettbewerb bietet nicht nur die Chance auf Sichtbarkeit, sondern auch wertvolle Rückmeldungen aus der Designpraxis. Hier entstehen neue Ideen, werden Materialien und Funktionen neu gedacht und gestalterische Grenzen ausgelotet – ein idealer Rahmen, um frische Ansätze im Design zu entdecken.
Lena Gerscher: Frida – Konstruktion als Gestaltung
Mit Frida entwirft Lena Gerscher ein Regal, das seine Konstruktion bewusst offenlegt. Steckverbindungen und sichtbare Holzstrukturen prägen das Erscheinungsbild und verleihen dem Möbel eine klare, handwerkliche Ästhetik. Das modulare System erlaubt flexible Anordnungen und macht Frida anpassbar an unterschiedliche Nutzungsszenarien. Farbige oder grafische Einsätze setzen dabei gezielte Kontraste und erweitern das Regal um eine visuelle Ebene zwischen Funktion und Inszenierung. So entsteht ein Möbel, das sich zwischen Ordnungssystem und Ausstellungsfläche bewegt – reduziert, wandelbar und präzise.




Kevin Chrzanowski: Ein Möbel für Generationen – „UNI“
Mit dem Schaukelpferd „UNI“ hinterfragt Kevin Chrzanowski die kurze Lebensdauer klassischer Kindermöbel. Sein Entwurf begleitet Kinder beim Aufwachsen und bleibt auch danach Teil des Zuhauses. Gefertigt aus massivem Eschenholz, verwandelt sich das Schaukelpferd später in einen Hocker oder ein skulpturales Möbelstück. Klare Linien, hochwertige Materialien und eine langlebige Gestaltung machen „UNI“ zu einem Designobjekt, das weit über seine ursprüngliche Funktion hinausgeht.
Die Sonderfläche des Studierendenwettbewerbs gehört auch auf der BLICKFANG Wien zu den spannendsten Bereichen der Messe. Hier werden neue Ideen sichtbar, Materialien neu gedacht und gestalterische Grenzen ausgelotet. Wer wissen möchte, wie die Zukunft des Designs aussieht, sollte diesen Bereich auf keinen Fall verpassen – und hat vielleicht sogar die Gelegenheit, die Designer:innen von morgen schon heute kennenzulernen.