Thomas Feichtlbauer und Andreas Greive entwickeln drehbare Lamellenwände aus Holz. Ihr System trennt Räume, ohne sie dauerhaft zu verschließen, und verändert mit einer Bewegung Licht, Blickachsen und Atmosphäre.

Manchmal braucht ein Raum eine Grenze. Allerdings keine, die unverrückbar festlegt, wie er genutzt werden soll. Eine klassische Wand schafft Schutz und Ruhe, nimmt einem Raum aber häufig auch Licht, Weite und Verbindung. Genau in diesem Spannungsfeld arbeitet Lamellenwerk.

Die Idee entstand aus einer konkreten Anfrage. Ein Architekt suchte nach einem Sichtschutz, dessen Lamellen sich gemeinsam drehen lassen. Thomas Feichtlbauer entwickelte dafür einen patentierten Drehbeschlag, der alle Lamellen mit nur einem Handgriff oder motorisiert synchron bewegt. Diese Technik ist aktuell einzigartig am Markt. Für die Holzelemente und das Materialwissen suchte Feichtlbauer anschließend einen erfahrenen Schreiner und traf auf Andreas Greive.

Obwohl sich die beiden zuvor nicht kannten, stellten sie schnell fest, dass sie dieselbe Vorstellung von guter Gestaltung und Qualität teilten. Die Technik sollte zuverlässig funktionieren, sich aber nicht in den Vordergrund drängen. Gleichzeitig sollten die Lamellen nicht wie ein nachträglich eingesetztes Bauteil wirken, sondern selbstverständlich zur Architektur gehören. Aus der zunächst einzelnen Lösung entwickelte sich deshalb ein gemeinsames Produkt und schließlich eine eigene Marke.

Seit Anfang 2025 führen Feichtlbauer und Greive Lamellenwerk gemeinsam. Dabei begleiten sie jedes Projekt persönlich, vom ersten Gespräch über die Auswahl des Holzes bis zur fertigen Wand.

Offen bleiben und trotzdem Rückzug finden

Offene Grundrisse wirken großzügig und verbinden unterschiedliche Lebensbereiche miteinander. Im Alltag zeigt sich jedoch schnell, dass Offenheit allein nicht immer genügt. Im Homeoffice fehlt die Ruhe für ein vertrauliches Gespräch, zwischen Wohnraum und Küche entsteht der Wunsch nach zeitweiliger Abgrenzung oder im Bad soll die Aussicht erhalten bleiben, während der Raum zugleich vor Einblicken geschützt wird.

Die drehbaren Lamellen reagieren auf genau diese Situationen. Je nachdem, in welchem Winkel sie stehen, verbinden oder trennen sie Bereiche, geben den Blick frei oder filtern ihn. Dabei entsteht keine Wand im klassischen Sinn, sondern ein bewegliches Element, das sich an unterschiedliche Bedürfnisse anpassen kann.

Wie vielseitig dieses Prinzip funktioniert, zeigt ein Café in Graz. Dort trennt eine Lamellenwand ein Separee vom übrigen Gastraum. Tagsüber stehen die Lamellen offen, sodass beide Bereiche als zusammenhängender Raum wahrgenommen werden. Finden Besprechungen oder geschlossene Veranstaltungen statt, werden sie gedreht und schaffen eine geschützte Zone. Der Raum verändert seine Funktion, ohne seinen ursprünglichen Charakter zu verlieren.

Ähnliche Lösungen entstehen in Wohnungen, Büros, auf Galerien oder im Außenbereich. Für das Team von Lamellenwerk liegt darin die besondere Qualität des Systems: Ein Raum muss sich nicht endgültig zwischen Offenheit und Geborgenheit entscheiden, sondern kann je nach Situation beides bieten.

„Wir können Sichtachsen öffnen, schließen und verändern. Dadurch entstehen immer wieder neue Lichtstimmungen.“

Wenn Räume erst mit der Zeit zeigen, was ihnen fehlt

Oft zeigt sich erst im Alltag, wo einem Raum Rückzug oder Abgrenzung fehlt. Genau dort lassen sich die Lamellenwände auch nachträglich einbauen. Der Eingriff in die bestehende Architektur bleibt überschaubar, während sich die Wirkung des Raums spürbar verändert.

Für Feichtlbauer und Greive ist entscheidend, dass die neue Lösung nicht wie ein Fremdkörper erscheint. Holzart, Farbe und Oberfläche werden deshalb auf den jeweiligen Raum abgestimmt. Die Lamellen können Materialien aufgreifen, die bereits im Boden, in Einbaumöbeln oder anderen Elementen vorkommen. Mitunter liefern Schreinereien sogar ein vorhandenes Furnier, damit die neue Wand exakt zur übrigen Einrichtung passt.

Neben unterschiedlichen Holzoberflächen lassen sich auch Spiegel oder grafisch gestaltete Flächen integrieren. Dadurch wird die Lamellenwand nicht nur zum Sichtschutz, sondern zu einem eigenständigen Gestaltungselement, das die vorhandene Atmosphäre aufnimmt und weiterführt.

Holz darf sich verändern

Für Greive gehört zur Arbeit mit Holz auch ein ehrlicher Umgang mit seinen natürlichen Eigenschaften. Das Material bleibt nicht dauerhaft gleich. Sonnenlicht verändert seine Farbe, Wärme und Kälte wirken auf seine Oberfläche ein und im Außenbereich können Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen sichtbare Spuren hinterlassen.

Lamellenwerk versucht nicht, diese Veränderungen zu verstecken. Sie gehören zum Material und damit auch zur Geschichte eines Raums. Eine hochwertige Lamellenwand zeichnet sich für Greive deshalb nicht durch absolute Gleichförmigkeit aus, sondern durch sorgfältige Verarbeitung, stimmige Proportionen und eine Gestaltung, die zum jeweiligen Ort passt.

Gefertigt wird im Landkreis Rosenheim. Feichtlbauer und Greive haben die beteiligten Werkstätten und Zulieferer bewusst in der Region ausgewählt. Die Fertigung erfolgt zu nahezu 100 Prozent in der Region; auch rund 90 Prozent der Materialien werden regional bezogen. Die kurzen Wege und die enge Zusammenarbeit sind ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeitsweise.

So verbindet Lamellenwerk lokale Fertigung mit einer großen gestalterischen Offenheit. Jede Wand entsteht passend zu ihrem Raum und zu den Menschen, die ihn nutzen.

Den Ausblick bewahren

Der Leitsatz von Lamellenwerk lautet „rotate your view“. Er beschreibt nicht nur die Bewegung der Lamellen, sondern auch die Möglichkeit, einen Raum immer wieder aus einer neuen Perspektive zu erleben.

Im Chiemgau wird dieser Gedanke besonders greifbar. Viele Häuser öffnen sich zur Landschaft und leben vom Blick auf Berge, Wiesen und Weite. Wer einen Raum abtrennen möchte, will diese Verbindung meist nicht verlieren. Eine leicht gedrehte Lamelle kann Einblicke verhindern, während der Ausblick erhalten bleibt. Gleichzeitig fällt das Licht je nach Stellung anders in den Raum und verändert dessen Stimmung.

So reagiert derselbe Raum auf den Rhythmus des Tages und auf die Bedürfnisse seiner Bewohnerinnen und Bewohner, statt dauerhaft eine einzige Nutzung festzulegen.

Eine Begegnung zwischen Handwerk und Erfindergeist

Auf der BLICKFANG zeigen Feichtlbauer und Greive neue Materialien und eine Weiterentwicklung ihres Systems, über die sie vorab noch nicht alles verraten möchten. Sicher ist nur, dass Lamellenwerk auch damit an seiner ursprünglichen Idee festhält: Gute Raumgestaltung setzt nicht einfach Grenzen. Sie schafft Möglichkeiten.

Die BLICKFANG Designmesse begrüßt H.O.M.E als neuen Hauptmedienpartner – und setzt damit ein starkes Zeichen für kuratiertes Design, unabhängige Gestaltung und inhaltliche Tiefe. Zwei Plattformen, die eines verbindet: die Leidenschaft für Design und die Überzeugung, dass Gestaltung mehr ist als Funktion.  

Mit der Partnerschaft bündeln BLICKFANG und H.O.M.E. ihre Reichweite, ihre kuratorische Kompetenz und ihre redaktionelle Perspektive – und schaffen eine Bühne für spannende Labels.

Gemeinsame Werte, gemeinsame Vision 

Seit jeher steht die BLICKFANG für sorgfältig kuratierte Designlabels, für den direkten Austausch zwischen Gestalter:innen und Publikum – und für eine bewusste Alternative zum Massenmarkt.  

H.O.M.E. versteht sich als Magazin für Menschen, die Gestaltung als Haltung begreifen. Als Leitmagazin für zeitgemäßes Wohnen liefert H.O.M.E. Competence Content im Kontext des modernen Lifestyle-Universums: exzellente Expertise, Gespür für Zeitgeist und Leidenschaft für Storytelling. Tiefgreifende Porträts über internationale Design-Ikonen, Home-Storys aus den Metropolen der Welt und umfassende Reportagen zu globalen Design-Trends machen H.O.M.E. zum Schaufenster für inspirierende Gestaltungskonzepte. 

„Die Zusammenarbeit mit H.O.M.E. ist für uns ein konsequenter Schritt“, sagt Dieter Hofmann, Geschäftsführer der BLICKFANG. „Wir teilen die gleiche Begeisterung für Design und für Produkte mit Substanz. Diese Partnerschaft ist mehr als Medienpräsenz – sie ist ein inhaltlicher Schulterschluss.“ 

Auch seitens H.O.M.E. wird die Kooperation als inhaltliche Synergie verstanden:  
H.O.M.E. schafft Verbindungen – zwischen Kreativen und Marken, zwischen Branchentrends und Konsument:innen, zwischen Inspiration und Umsetzung. „Wir freuen uns, den Besucherinnen und Besuchern der BLICKFANG Messen mit unseren Inhalten die Design-Inspiration liefern können, mit der sie das eigene Zuhause kreativ gestalten können“, erklärt Christine Zeine, verantwortlich für Kommunikation & Marketing bei H.O.M.E. 

Mehr Sichtbarkeit für unabhängige Labels 

Im Rahmen der Partnerschaft plant H.O.M.E. die BLICKFANG zu begleiten – mit Bildern von den Veranstaltungen, ausgewählten Designstücken und von den Menschen hinter den Marken. Für die BLICKFANG bedeutet das: zusätzliche Sichtbarkeit in einer designaffinen Community, die Wert auf Qualität, Individualität und Nachhaltigkeit legt. Für H.O.M.E. eröffnet sich der direkte Zugang zu einer lebendigen Szene, die Gestaltung nicht nur denkt, sondern lebt.   

Eine Einladung zur Begegnung 

Die Partnerschaft ist ein klares Bekenntnis zur Relevanz von unabhängiger Gestaltung – und zur Bedeutung von Plattformen mit Anspruch, die kuratieren statt konsumieren.  

Wir freuen uns auf das gemeinsame Jahr mit H.O.M.E. als Hauptmedienpartner und auf viele inspirierende Begegnungen – auf der Messe, im Magazin und darüber hinaus. Wer sich vor der BLICKFANG noch die aktuellen Design-Trends holen möchte, kann sich jetzt das kostenlose E-Paper der H.O.M.E. sichern!  

Manche Entwürfe überdauern Generationen. Sie überzeugen durch ihre klare Form, ihre Funktion und eine Qualität, die nicht aus der Zeit fällt. Der Rowac-Schemel ist genau so ein Designklassiker. Zum 30-jährigen Jubiläum der BLICKFANG Zürich bekommt er einen besonderen Auftritt: exklusiv in BLICKFANG Magenta.

Über 100 Jahre Designgeschichte, neu interpretiert

Hinter Rowac stehen Alide und Dieter Amick, die seit 2020 daran arbeiten, die traditionsreiche Marke wiederzubeleben und das Erbe ihres Gründers Karl Robert Wagner zu bewahren. Der dreibeinige Rowac-Schemel gilt als das weltweit erste genietete Sitzmöbel aus Stahlblech. Bereits vor über 100 Jahren setzte er auf eine Gestaltung, die bis heute überzeugt: reduziert, zweckmäßig und auf Langlebigkeit ausgelegt.

Bis heute wird der Rowac-Schemel originalgetreu und in seiner ursprünglichen Region gefertigt. Statt kurzlebigen Trends folgt Rowac einer klaren Haltung: Produkte sollen lange Bestand haben, ihre Funktion ehrlich erfüllen und Menschen über Generationen hinweg begleiten.

Ein Designklassiker in BLICKFANG Magenta

Zum 30. Geburtstag der BLICKFANG Zürich erhält der ikonische Rowac-Schemel eine neue Farbe. Das kräftige BLICKFANG Magenta trifft auf die sachliche, industrielle Form des Klassikers und macht ihn zu einem besonderen Jubiläumsstück. Mit der Sonderedition begegnet ein zeitloser Designklassiker der charakteristischen Farbe der BLICKFANG und bekommt damit einen ganz neuen Auftritt.

Doch der Rowac-Schemel ist nicht nur ein Sammlerstück für Designliebhaber:innen: Er wird auch unsere neue BLICKFANG Lounge ausstatten und damit bei kommenden Veranstaltungen Teil des Messeerlebnisses sein. So wird aus dem Jubiläumsdesign ein Möbelstück, das Menschen zusammenbringt und im Alltag zeigen kann, wie zeitlos gutes Design ist.

Dein Stück BLICKFANG Geschichte

Bei der BLICKFANG Wien vom 06. bis 08. November 2026 und der BLICKFANG Stuttgart vom 12. bis 14. März 2027 kannst du ihn live entdecken und direkt vor Ort kaufen. Außerdem wird er auch schon bald online im BLICKFANG Designshop erhältlich sein.

Ob als funktionales Lieblingsstück, farbenfroher Akzent oder Sammlerstück mit Geschichte: Dieser Rowac-Schemel bringt ein Stück BLICKFANG Jubiläum zu dir nach Hause. Und erinnert dich jeden Tag daran, dass gutes Design nicht aus der Mode kommt, sondern bleibt.

Biljana Rachenzentner, Gründerin & Designerin

Es beginnt mit einem Garten in Südserbien, mit Nachmittagen bei der Großmutter und den Stoffen und Garnen im Atelier der Mutter. Für Biljana Rachenzentner sind diese Erinnerungen bis heute eng mit dem verbunden, was sie unter Mode versteht: Nähe, Qualität, Zeit und die Dinge, die von einer Generation an die nächste weitergegeben werden.

Mit ihrem Wiener Label VUUNA übersetzt sie diese persönlichen Erfahrungen in zeitgenössische Mode. Handgestrickte Pullover entstehen nicht in Eile, sondern über viele Stunden hinweg, Masche für Masche. Kleine Unregelmäßigkeiten bleiben sichtbar und machen jedes Stück zu einem Unikat. Tradition wird dabei nicht konserviert, sondern weitergedacht: mit modernen Schnitten, einem Gespür für Materialien und dem Wunsch, Kleidung zu entwerfen, die nicht nur eine Saison lang gefällt.

Im Gespräch erzählt Biljana, warum sie sich bewusst gegen schnelle Trends entscheidet, was sie am „Unperfekten“ liebt und weshalb ein Kleidungsstück manchmal weit mehr sein kann als das, was man am Körper trägt.

VUUNA hat seine Wurzeln in Südserbien und ist heute in Wien zu Hause. Wie prägen beide Orte deine Arbeit und deinen Blick auf Mode?

Meine serbischen Wurzeln sind tief in mir verankert. Ich bin mit viel Liebe aufgewachsen. Österreich ist heute meine Heimat, wo ich meine Familie gegründet habe. Ich habe mich hier integriert, ohne mich selbst oder meine Wurzeln zu verändern. Genau diese Verbindung macht mich authentisch. Und genau diese Authentizität verbinde ich mit Mode mit VUUNA.

Du erzählst von den Nachmittagen im Garten deiner Großmutter und vom Atelier deiner Mutter. Welche Erinnerungen aus dieser Zeit sind dir bis heute geblieben?

Die schönsten Nachmittage im Garten meiner Oma und die Liebe meiner Eltern, gemeinsam mit den Momenten im Atelier meiner Mutter, sind Erinnerungen, die mir bis heute besonders viel bedeuten. Sie haben mich tief geprägt und verbinden mich mit der Natur, dem Respekt für Menschen und der Wertschätzung von Qualität, Tradition und Langlebigkeit.

Deshalb sind auch die VUUNA Produkte tief emotional, hochwertig und zeitlos, wie die Nachmittage im Garten meiner Oma und die Momente im Atelier meiner Mama. Übrigens meine Mama ist jetzt 74 und führt nach wie vor gemeinsam mit meinem Papa ihr Atelier in Serbien. Ich bin so Stolz darüber!

Wann wurde aus dieser persönlichen Verbindung zu Stoffen und Handarbeit die Idee, mit VUUNA ein eigenes Label zu gründen?  

Ich habe immer gewusst, dass Mode mein Beruf wird. Es war nur eine Frage der Zeit.

Handstricken ist ein wichtiger Teil von VUUNA. Was fasziniert dich bis heute an einer Technik, die eigentlich sehr traditionell ist?  

Es geht darum, dass die Tradition weiterlebt. Es geht um etwas, das mit den Händen entstanden ist. Das ist für mich sehr wertvoll und einzigartig. Ich liebe die Schönheit der Handarbeit. Wir entwickeln moderne Produkte und neue Schnitte, bewahren dabei aber die Tradition und das Handwerk.

Ein Pullover kann bei euch 25 bis 40 Stunden Handarbeit bedeuten. Wie verändert diese Zeit deinen Blick auf ein Kleidungsstück?

Menschen, die Zeit schätzen, schätzen auch Qualität und die Tiefe eines Produktes und leben bewusster. Zeit ist kostbar, und genau deshalb sollte man sie genießen. Bei einem VUUNA Produkt geht es nicht nur um den Preis, sondern um die Zeit, die darin steckt. Zu wissen, dass jemand viele Stunden mit seinen Händen daran gearbeitet hat, verändert meinen Blick auf jedes einzelne Stück. Diese Zeit und Handarbeit schätze ich sehr.

Wie entsteht ein neues VUUNA-Modell? Beginnt die Idee eher mit einer bestimmten Form, einem Garn oder einer Farbe?

Ich designe nach Gefühl und dem passenden Schnitt. Für mich beginnt ein neues Modell nicht mit einem Trend, sondern mit einer Idee und dem Gefühl für eine bestimmte Form. Wenn ich designe, gebe ich einem Design immer auch etwas von meiner Lebensphase, eine Persönlichkeit oder eine Message mit. So kann sich die Person, die ihn trägt, damit identifizieren und ihn auf ihre eigene Art und Weise tragen.

Ich möchte, dass meine Stücke lang noch gerne getragen werden. Mit der richtigen Pflege können sie lange erhalten bleiben.

Eure Wolle kommt aus Südafrika, warum habt ihr euch genau für diese Wolle entschieden?  

Ich bin immer auf der Suche nach hoher Qualität und geprüften Materialien. Diese Wolle hat uns bis jetzt mit ihrer Qualität und ihren Eigenschaften überzeugt. 

Die Strickerinnen arbeiten in Serbien in ihrem eigenen Zuhause oder in vertrauter Umgebung. Was bedeutet diese Form der Zusammenarbeit für dich und für die Qualität der Stücke?

Wir produzieren zurzeit in Serbien, sind aber offen für neue Länder und Kooperationen. Wichtig ist für uns, dass die Voraussetzungen und die Qualität stimmen. Die Firma in Serbien, die die Strickerinnen beauftragt, gibt ihnen die Möglichkeit, sich ihre Zeit frei einzuteilen und in Ruhe zu arbeiten. So können sie sich auf ihre Arbeit konzentrieren und die Qualität selbst in der Hand haben.

Dieser Prozess ist nicht immer einfach, denn Selbstdisziplin ist nicht selbstverständlich. Aber genau das gehört zu dieser besonderen Zusammenarbeit und Weiterentwicklung dazu.

Jede Strickerin hinterlässt laut VUUNA ihren eigenen „Knitting Imprint“. Woran lässt sich diese persönliche Handschrift erkennen, auch wenn man sie vielleicht nicht sofort sieht?

Jedes Produkt, das mit der Hand entsteht, ist einzigartig. Die Maschen aus der Maschine sind gleichmäßig, während jede handgestrickte Masche Unterschiede hat. Das macht ein Produkt für mich wertvoll: das Unperfekte.

Wir Menschen auch ich sind nicht perfekt. Sobald wir uns selbst so akzeptieren, wie wir sind, werden wir authentisch. Genau das macht uns einzigartig.

Was ist die größte Herausforderung, wenn traditionelle Handarbeit mit einem modernen Kleidungsstück zusammenkommen soll?

Für mich ist die größte Herausforderung, traditionelle Handarbeit in ein modernes Design zu bringen und dabei zeitlos zu bleiben. Etwas zu schaffen, das im Jetzt funktioniert und trotzdem lange schön bleibt, genau das ist für mich Kunst.

Wenn du an die Zukunft von VUUNA denkst: Welche Idee, Technik oder Materialkombination möchtest du unbedingt noch ausprobieren?

Ich würde gerne Wollstoff mit Handstrick kombinieren. Aber ich bin offen für Neues und mache mir Gedanken darüber, die Produktpalette zu erweitern. Alles aber step by step!!

Und zum Schluss ganz persönlich: Gibt es ein Kleidungsstück, das du selbst seit Jahren trägst und mit dem du eine besondere Erinnerung verbindest?

Ja, mehrere! Aber mein Lieblingsstück ist eine rote Seidenbluse, die meine Mama selbst genäht hat.

Was mich besonders glücklich und stolz macht, dass meine 23-jährige Tochter auch mit einer Seidenbluse von ihrer Oma (meine Mama) kommt und sagt: „Schau, was ich von der Oma bekommen habe!“ Dann kombiniert sie sie mit einer Jeans oder Hose und trägt einen VUUNA Pullover dazu. Sie inspiriert mich voll und so wird die Tradition von meiner Mama über mich an meine Tochter weitergegeben. Ist das nicht cool und schön.


Wer Biljana und ihre Kollektion live erleben möchte, hat dazu bei der BLICKFANG Wien vom 6. bis 8. November 2026 im MAK die Gelegenheit. Hier kannst du dir dein Ticket sichern!

Lust noch mehr Labels besser kennenzulernen? Dann schau jetzt in unserem Journal vorbei und lass dich inspirieren!

Ein Zuhause, in dem Möbel nicht einfach ausgestellt, sondern gelebt werden: In Thalwil am Zürichsee hat Anna Ksiezopolska ihre eigene Wohnung zum Showroom von ÉTAUDORÉ gemacht. Umgeben von einer sorgfältig kuratierten Auswahl an Möbeln für Essbereich, Wohnen, Arbeiten und Aufbewahren können Besucher:innen erleben, wie die Stücke im Alltag funktionieren und wie selbstverständlich sie Teil eines Zuhauses werden.

Anna Ksiezopolska Gründerin & Designerin

Die Idee für ÉTAUDORÉ entstand aus einer ganz persönlichen Suche. Auf der Suche nach besonderen Möbelstücken für ihr eigenes Zuhause besuchte Anna Designmessen in der Schweiz und in Polen. Dort begegnete sie Handwerker:innen, deren Arbeit sie nachhaltig beeindruckte. Was mit einigen wenigen Stücken für die eigene Wohnung begann, entwickelte sich nach und nach zu einer kuratierten Kollektion, die heute gemeinsam mit ausgewählten Partnerwerkstätten entsteht.

Für Anna geht es dabei um mehr als Form und Ästhetik. Qualität, langlebige Materialien und die Geschichten hinter den einzelnen Stücken sind ihr ebenso wichtig wie die Frage, wie ein Möbelstück tatsächlich in das Leben der Menschen passt, die mit ihm leben.

Im Interview erzählt sie, wie die verschiedenen Orte, an denen sie gelebt hat, ÉTAUDORÉ geprägt haben, warum ihr eigenes Zuhause der bessere Showroom ist und wie aus persönlichen Ideen in Zusammenarbeit mit Kund:innen und Handwerker:innen neue Möbelstücke entstehen.

Anna, du hast einen Hintergrund in Elektrotechnik, Data Science und AI Product Management. Wie bist du von dieser Welt zu Möbeln und Design gekommen?

Eigentlich verbinde ich die beiden Welten nach wie vor. Ich arbeite weiterhin im AI Product Management. Studiert habe ich Elektronik und Elektrotechnik, später bin ich beruflich in die Bereiche Data Science, Data Analytics und AI gewechselt, mit einem Schwerpunkt auf der Finanzbranche.

Das alles ist sehr spannend, aber natürlich auch sehr abstrakt. Ich arbeite viel mit Computern und Daten. Gleichzeitig bin ich ein vielseitiger Mensch und habe mich schon immer für Dinge interessiert, die greifbarer sind: Interiors und Möbel, also die physische Welt im Gegensatz zur virtuellen Welt von AI und Finanzen.

Der eigentliche Ausgangspunkt war meine eigene Wohnung in Zürich. Damals war ich auf der Suche nach schönen Dingen für mein Zuhause und begann, viele Designmessen zu besuchen. Besonders die Atmosphäre dort hat mir gefallen. Ich komme ursprünglich aus Polen und habe deshalb auch viele Messen dort besucht. Ich lernte Handwerker:innen kennen und war von ihrer Arbeit so begeistert, dass ich irgendwann dachte: Ich möchte diese Stücke nicht nur in mein eigenes Zuhause bringen, sondern auch in andere Wohnungen.

Heute arbeiten wir mit verschiedenen Handwerker:innen in Polen zusammen: Eine Werkstatt ist auf Massivholzmöbel spezialisiert, eine andere auf Polstermöbel, eine weitere auf Möbel aus Stahl und wieder eine andere auf Holzleuchten. Einige Stücke entwickeln wir auch selbst und setzen sie gemeinsam mit diesen Handwerker:innen um.

Du bist in Polen aufgewachsen, hast in Schottland und den USA gelebt und bist heute in der Schweiz zu Hause. Wie prägen diese verschiedenen Orte ÉTAUDORÉ?

Ich bin sehr oft umgezogen, nicht nur zwischen verschiedenen Ländern, sondern auch innerhalb einzelner Länder. Jeder Umzug war eine Gelegenheit, einen Raum wieder ganz von vorne zu gestalten. Ich glaube, das hat meine Liebe zu Interiors und Möbeln stark geprägt.

Natürlich bringt jedes Land auch seine eigenen ästhetischen Einflüsse mit. Vier Jahre in Edinburgh haben mich beispielsweise für Tradition und historische Architektur sensibilisiert. Die Architektur dort ist unglaublich. Die mittelalterliche Altstadt mit ihren jahrhundertealten Steingebäuden kann sich immer noch so anfühlen, als würde man 300 Jahre in der Zeit zurückreisen. Es hat etwas sehr Beeindruckendes, von Materialien und handwerklichen Arbeiten umgeben zu sein, die über Jahrhunderte Bestand hatten. Dadurch entwickelt man eine Wertschätzung für Dinge, die den Test der Zeit bestehen. Ich glaube, das führt ganz natürlich zu einer Liebe für Möbel aus Massivholz und Stahl, die über Generationen weitergegeben werden können.

Polen steht für mich für einen starken Unternehmergeist. Viele Menschen gründen dort ihre eigenen Marken und Werkstätten, und handwerkliche Traditionen werden oft über Generationen weitergegeben. Gleichzeitig gibt es eine große Liebe zum Detail.

Die Schweiz hat mich auf eine andere Weise geprägt. Das Leben hier hat meine Wertschätzung für Präzision, Qualität und eine gewisse Zurückhaltung im Design verstärkt. Dinge müssen nicht laut sein, um schön zu sein. Gleichzeitig gibt es eine starke Verbindung zur Natur. Die Berge, Seen und wechselnden Jahreszeiten sind ständig präsent. Ich glaube, auch das beeinflusst die Materialien, Farben und die Ruhe, die ich in Interiors suche.

Diese drei Einflüsse kommen bei ÉTAUDORÉ zusammen.

Was muss ein Möbelstück für dich mitbringen, damit du sagst: Das passt zu ÉTAUDORÉ?

Qualität steht für mich an erster Stelle. Ich würde unsere Positionierung als „Affordable Luxury“ beschreiben: sehr hochwertige Möbel, die langlebig sind, aber nicht das gesamte Budget sprengen. Deshalb achten wir sehr genau auf Verarbeitung und Details. Wir testen alle Stücke selbst, bevor wir sie in die Kollektion aufnehmen.

Nachhaltigkeit ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Alle unsere Möbel werden auf Bestellung gefertigt. Wir halten keine großen Lagerbestände und produzieren nicht einfach im Voraus. So können wir Abfall vermeiden und bewusster produzieren.

Und dann gibt es noch etwas sehr Persönliches: die Menschen hinter den Möbeln. Wir bauen Beziehungen zu unseren Partner:innen auf und werden manchmal sogar Freund:innen. Nächste Woche fahre ich beispielsweise nach Krakau, um unsere Partnerin für Massivholz zu besuchen.

Auch die Herkunft der Materialien ist wichtig. Das Holz für unsere Massivholzmöbel wird lokal in Polen bezogen und verarbeitet, während die Stoffe für unsere Polstermöbel aus Italien kommen. Uns ist wichtig, dass innerhalb Europas produziert wird und die Menschen fair für ihre Arbeit bezahlt werden.

Wie entstehen die Designs bei ÉTAUDORÉ?

Es ist eine Mischung. Manche Stücke kommen direkt von unseren Handwerker:innen und werden Teil der Kollektion. Andere Designs entwickeln wir selbst und lassen sie anschließend von unseren Partner:innen produzieren. Wir haben beispielsweise eigene Esstische, einen Couchtisch und sogar einen Tisch für Brett- und Kartenspiele entwickelt. Bei einigen Projekten arbeiten wir außerdem mit anderen Designer:innen oder Interior Creatives zusammen.

Das Spannende ist, dass sich aus einer individuellen Idee manchmal ein Produkt für die Kollektion entwickelt. Ein gutes Beispiel ist unser organisch geformter Esstisch mit passender Bank, den wir gemeinsam mit der in der Schweiz ansässigen Interior Creatorin Raquel von @ourwabisabihome entwickelt haben. Irgendwann haben wir gemerkt, dass die Stücke so interessant sind, dass sie auch für andere Menschen funktionieren könnten. So wird aus einem individuellen Projekt ein reguläres Produkt, das weiterhin auf Bestellung gefertigt wird.

Du beschreibst deinen Stil als klar, ausgewogen und zurückhaltend. Was macht ein Möbelstück für dich zeitlos?

Für mich beginnt Zeitlosigkeit mit Qualität. Ein Möbelstück muss langlebig sein. Massivholz und Stahl bringen diese Eigenschaften ganz natürlich mit. Auch unsere Stoffe sind beispielsweise pflegeleicht, sodass sie viele Jahre halten können, selbst wenn einmal Kaffee oder Wein darauf verschüttet wird.

Beim Design ist es etwas komplizierter, weil sich Geschmäcker verändern. Deshalb sind wir grundsätzlich nicht gegen Trends. Organische und runde Formen sind momentan sehr beliebt, und auch in unserer Kollektion gibt es mehrere Stücke mit solchen Formen. Aber ich glaube, es geht immer um Balance. Wenn ein gesamtes Zuhause ausschließlich aus organischen Formen besteht, kann es irgendwann weniger zeitlos wirken. Kombiniert man sie mit älteren Möbeln oder klaren, kantigen Formen, können sie dagegen sehr lange funktionieren.

Viele der Möbel stehen auch in deiner eigenen Wohnung. Wie wichtig ist es für dich, die Stücke selbst im Alltag zu erleben?

Sehr wichtig. Für mich bedeutet das, dass die Möbel nicht einfach Produkte aus einem Online-Katalog sind. Wir leben tatsächlich mit den Stücken und können erleben, wie sie sich im Alltag bewähren. Wie einfach sind sie zu reinigen? Wie verändern sie sich durch die Nutzung? Wie fühlen sie sich im täglichen Gebrauch an?

Ich finde es wichtig, ein Möbelstück nicht nur auf einem Foto zu sehen, sondern es tatsächlich zu erleben. So können wir es später auch mit viel mehr Überzeugung anderen Menschen empfehlen.

Deine Wohnung in Thalwil ist gleichzeitig dein Showroom. Wie kam es dazu?

Etwa ein Jahr nach der Gründung von ÉTAUDORÉ zog ich in eine neue Wohnung. Sie war komplett leer und bot mir damit die perfekte Gelegenheit, wieder ganz von vorne anzufangen.

Der große Wohn- und Essbereich befindet sich im Erdgeschoss. Ich habe die Erlaubnis der Eigentümerin bekommen, dort das Unternehmen anzumelden und nach Terminvereinbarung Kund:innen und Interior Designer:innen zu empfangen.

Für mich ist es eine Mischung aus Zuhause und Showroom. Eigentlich würde ich sagen: Wir laden Menschen in unser Zuhause ein. Wir leben hier ganz normal. Meine Katzen schlafen beispielsweise auf dem Daybed hinter mir. Wir behandeln die Möbel also nicht so, als dürften sie eigentlich nicht benutzt werden.

Und genau das finde ich spannend: Besucher:innen sehen, wie die Möbel tatsächlich im Alltag genutzt werden. Nicht nur, wie sie in einem perfekt inszenierten Showroom aussehen.

Du sagst, dass ein Möbelstück auch Bedeutung haben sollte. Was bedeutet das für dich?

Wenn wir ein neues Stück entwerfen, denken wir nicht nur über seine Funktion nach. Wir überlegen auch, wer später damit leben wird. Bei unserem organisch geformten Esstisch haben wir beispielsweise daran gedacht, wie eine Familie daran zusammensitzt. Wo werden die Kinder sitzen? Wie verändert sich die Dynamik am Tisch, wenn sie älter werden?

Bei einem aktuellen Projekt entwickeln wir einen Tisch mit einer Bank und einem maßgefertigten Sitzkissen. Die Kund:innen haben uns erzählt, dass sie die Bank nicht nur am Tisch nutzen möchten. Sie wollen auch mit dem Rücken zum Tisch darauf sitzen und aus dem Fenster schauen können.

Ich finde solche Dinge schön. Man denkt nicht nur darüber nach, wie ein Möbelstück aussieht, sondern auch darüber, wie Menschen tatsächlich damit leben werden. Vielleicht ist das auch der Unterschied zur anonymen Massenproduktion: Wir wissen, für wen wir etwas entwerfen.

Gibt es ein Möbelstück aus eurer Kollektion, zu dem du eine besonders persönliche Verbindung hast?

Als Erstes fällt mir ein neues Stück ein, das ich komplett selbst entworfen habe. Es ist ein kleiner, asymmetrischer Tisch, der hinter dem Sofa steht. Die Idee dahinter war ganz einfach: Man sitzt auf dem Sofa, ist in eine Decke eingekuschelt und möchte nicht bis zum Couchtisch greifen. Also gibt es hinter einem eine kleine Ablagefläche, auf die man sein Glas oder seinen Teller stellen kann.

Die Form hatte ich komplett im Kopf. Sie ist asymmetrisch und folgt den Linien des Sofas. Auch die Holzflächen haben eine besondere Blattform, die wir beispielsweise auf unseren Visitenkarten verwenden.

Das Stück ist offiziell noch nicht Teil der Kollektion und braucht auch noch einen Namen. Aber meine Familie liebt es bereits. Meine Tochter und mein Partner nutzen es, wenn sie auf dem Sofa liegen, und unsere Katzen haben es als Schlafplatz entdeckt.

Du entwickelst auch viele Stücke gemeinsam mit Kund:innen oder anderen Designer:innen. Wie entstehen diese Kooperationen?

Oft ganz zufällig. Noemi Gwalter Rubino hat uns beispielsweise über Instagram entdeckt. Sie schrieb mir, dass sie einen Tisch im Kopf hatte, den sie nirgendwo finden konnte. Wir haben dann gemeinsam die Details ausgearbeitet, unter anderem die Position der Tischbeine. Ein paar Monate später war der Tisch fertig und wurde schließlich Teil unserer Kollektion.

Ähnlich war es mit Raquel. Wir haben uns zunächst über Instagram kennengelernt und die Arbeit der jeweils anderen verfolgt. Irgendwann schrieb sie mir, dass es ihr Traum sei, einen Tisch von Grund auf selbst zu entwerfen. Ich habe einfach gesagt: Wenn du das machen möchtest, melde dich. Und irgendwann hat sie es getan.

Ich liebe diese persönlichen Verbindungen. Oft entsteht ein neues Möbelstück aus einem ganz konkreten Bedürfnis: Jemand sucht etwas, findet es nicht und entwickelt es dann gemeinsam mit uns.

Ich arbeite außerdem viel mit Frauen und von Frauen geführten Unternehmen. Mein anderer Beruf im AI Product Management und in der Finanzbranche ist stark männerdominiert. Deshalb genieße ich diese andere Form der Zusammenarbeit besonders.

Du hast auch mit Analia von Spaces for Life Interiors zusammengearbeitet. Wie ist der Lianna Side Table entstanden?

Analia ist Interior Designerin und hat bei vielen ihrer Projekte einen bestimmten Tisch vermisst: einen vielseitigen Beistelltisch, der höher als ein Couchtisch ist und sich sowohl für die Arbeit am Laptop als auch für eine Kaffeepause eignet.

Sie hatte eine klare Vorstellung davon, was sie suchte, konnte aber auf dem Markt nichts finden, das ihren Anforderungen wirklich entsprach. Anstatt Kompromisse einzugehen, beschlossen wir deshalb, den Tisch gemeinsam zu entwerfen. So entstand der Lianna Side Table.

Ich mag solche Kooperationen sehr, bei denen aus einem ganz konkreten Bedürfnis ein neues Möbelstück entsteht. Den Lianna Side Table werde ich bei der BLICKFANG Zürich in verschiedenen Massivholzvarianten zeigen. So können Besucher:innen sehen, wie das Design mit unterschiedlichen Holzoberflächen wirkt.

Was können Besucher:innen neben dem Lianna Side Table bei der BLICKFANG Zürich erwarten?

Wir haben einen Eckstand und möchten daraus ein kleines Wohnzimmer machen. Es wird einen Teppich, einen kleinen Esstisch, ein kleines Sofa, Esszimmerstühle und Bilder an den Wänden geben. Die Idee ist, dass die Besucher:innen nicht einfach einzelne Möbelstücke sehen, sondern ein Gefühl dafür bekommen, wie es wäre, mit ihnen zu leben.

Wir arbeiten sogar an einigen Stücken, die speziell für die BLICKFANG entstehen. Der Esstisch wird kleiner als unsere Standardversion, aber ausziehbar sein, sodass wir auch den Mechanismus zeigen können. Außerdem wird es ein kleines Sofa geben, das eigens für die Messe gefertigt wird. Es ist unsere erste BLICKFANG, deshalb bin ich natürlich ein bisschen nervös. Aber vor allem freue ich mich darauf zu sehen, wie alles zusammenkommt.

Wer Anna kennenlernen und ihr kleines Wohnzimmer live erleben möchte, hat bei der BLICKFANG Zürich vom 20. bis 22. November 2026 im Kongresshaus die Gelegenheit. Hier geht’s zum Ticketshop.

Du möchtest noch mehr unabhängige Designlabels kennenlernen? Dann schau in unserem Journal vorbei und lass dich inspirieren!

Holz ist fest, stabil und formbar – aber flexibel? Vor rund 20 Jahren begannen Serge Lunin und Christian Kuhn, damals Designstudent an der ZHdK, genau diese Eigenschaften zu erforschen. Was als Experiment mit eingeschnittenen Holzleisten für eine Chaiselongue begann, entwickelte sich zu einem Verfahren, das Holzplatten beweglich, lichtdurchlässig und akustisch wirksam macht. Heute kommt DUKTA in Möbeln, Leuchten, Raumteilern und großen Architekturprojekten zum Einsatz. Im Gespräch erzählen Serge und Pablo Lunin, warum bei ihrer Arbeit Zufälle genauso wichtig sind wie konkrete Aufgaben, welche Grenzen das Material hat und weshalb sie bis heute am liebsten spielerisch forschen.

Wie kamt ihr ursprünglich auf die Idee, Holz durch Einschnitte flexibel zu machen?

von Links: Pablo & Serge Lunin, Designer hinter DUKTA

Serge:  Ich habe 35 Jahre an der Zürcher Hochschule der Künste unterrichtet. 2006 stellten sich Christian und ich die Frage, wie eine dicke Leiste doppelt gekrümmt werden kann – für eine Chaiselongue oder Liege. Verfahren wie Dampfbiegen oder Schichtverleimen waren in dieser Dimension für uns nicht möglich. Deshalb haben wir auf Experimente zurückgegriffen, die ich schon früher gemacht hatte: Einschnitte in Holz, die das Material gezielt schwächen und dadurch beweglich machen.
Wir haben das mit verschiedenen Holzwerkstoffen weiterentwickelt und sind schnell auf spannende Ergebnisse gestoßen. Ursprünglich ging es also gar nicht darum, ein neues Verfahren zu entwickeln. Es war vielmehr ein Experiment, das uns neugierig gemacht hat.

Nach den ersten zwei Jahren mit eingeschnittenen Holzstreifen kam dann eine weitere Entdeckung dazu: Wir haben die Streifen aneinander geschoben und festgestellt, dass sich daraus eine ganz andere Art von Schnittmuster ergibt. Mit einer kleinen Fräsmaschine konnten wir schließlich ganze Platten perforieren und damit flexibilisieren. Daraus entstand ein Forschungsprojekt, bei dem wir unter anderem die akustischen Eigenschaften entdeckt haben. Das führte später dazu, dass wir einen Konzertsaal an der Zürcher Hochschule der Künste mit dem Material auskleiden konnten. Das war unser eigentlicher Einstieg in die Akustik.

Ihr habt beide einen Hintergrund im Handwerk und Design. Was habt ihr gemacht, bevor DUKTA entstand?

Pablo: Ich habe eine Schreinerlehre gemacht und anschließend Produktdesign an der Zürcher Hochschule der Künste studiert. Dadurch komme ich sowohl aus dem Handwerk als auch aus dem Design.

Serge: Ich habe ebenfalls eine Schreinerlehre gemacht. Danach folgten die Ausbildungen zum Werklehrer und zum Erwachsenenbildner. Nach vier Jahren im Beruf bekam ich die Möglichkeit als Dozent an der HGKZ (heute ZHdK) zu unterrichten.

Das hat mir viel Freiheit gegeben, mich mit dem Material auseinanderzusetzen und Dinge auszuprobieren, ohne dass von Anfang an ein fertiges Produkt oder eine kommerzielle Anwendung dahinterstehen musste.

Pablo ist vor rund zehn Jahren zu DUKTA dazugestoßen. Seitdem sind wir ein Duo, das sich sehr gut ergänzt: Ich bin gerne in der Werkstatt, tüftele und experimentiere mit dem Material. Pablo ist stärker in der digitalen Welt zu Hause und kann beispielsweise unsere Website und Broschüren selbst umsetzen. Vor allem bei der Entwicklung und beim Experimentieren arbeiten wir aber sehr eng zusammen.

Was verändert sich gestalterisch, wenn Holz plötzlich nicht mehr starr ist, sondern sich biegen und verformen lässt?

Pablo: Es ergeben sich sehr viele neue Möglichkeiten. Je nach Einschnitt lässt sich das Holz sogar sphärisch verformen. Dabei hat es natürlich immer eine gewisse Eigenspannung, mit der man umgehen muss. Wir können diese teilweise aufheben, indem wir das Material beispielsweise mit heißem Wasser oder Dampf bearbeiten und anschließend in Form trocknen lassen.

Gleichzeitig geht es nicht nur um die Verformbarkeit. Durch die Einschnitte wird das Holz auch durchlässig für Licht, Luft und Schall. Mit diesen Eigenschaften zu spielen, bringt uns immer wieder auf neue Lösungen.

Natürlich gibt es auch Herausforderungen. Bei zu starker Belastung oder wenn man das Material überbiegt, kommt es an seine Grenzen. Wenn man diese Eigenschaften aber von Anfang an mitdenkt, kann man erstaunlich weit gehen.

Bei DUKTA entscheidet das Schnittmuster wesentlich darüber, wie sich das Holz verhält. Wie entstehen diese Muster?

Serge: Eigentlich gibt es zwei Wege. Manchmal kommt eine konkrete Aufgabe von außen: Architekt:innen wünschen sich beispielsweise einen besonders kleinen Radius, eine bestimmte Robustheit oder wollen mit einem bestimmten Holzwerkstoff arbeiten. Dann versuchen wir, über das Schnittmuster genau diese Eigenschaft zu erreichen.

Der andere Weg ist viel spielerischer. Wir experimentieren einfach und schneiden ein Muster, bei dem wir zunächst selbst noch nicht wissen, was daraus entstehen wird. Das hat sich von Anfang an sehr bewährt. Immer wieder sind wir auf Schnittmuster gestoßen, deren Anwendung wir zunächst nicht kannten – und nach einiger Zeit hat sich doch eine gefunden.

So entstehen beispielsweise Lösungen für Chaiselongues, Stühle oder Leuchten. Gerade bei den Leuchten entwickeln wir inzwischen auch selbst immer mehr Produkte.

Wie wichtig sind dabei Licht, Transparenz und Akustik für eure Gestaltung?

Serge: Sehr wichtig. Die akustischen Eigenschaften waren für uns selbst eine große Überraschung. DUKTA kann sowohl absorbieren als auch diffundieren, und das lässt sich über die Gestaltung des Materials steuern. Wenn es gewellt verbaut wird, kann es beispielsweise verschiedene Frequenzbereiche sehr gleichmäßig absorbieren. Dies konnten wir durch Messungen an EMPA (Eidg. Materialprüfungsanstalt) belegen.

Aber auch Licht und Luft spielen eine große Rolle. Durch die vielen Einschnitte entsteht eine ganz andere Oberfläche und damit eine andere räumliche Wirkung. Das Material bekommt eine gewisse Durchlässigkeit, die bei Raumteilern, Leuchten oder architektonischen Anwendungen interessant wird.

Und es gibt noch eine Eigenschaft, die man auf den ersten Blick vielleicht gar nicht erwartet: Holz nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab. Durch die vielen Einschnitte wird seine Oberfläche enorm vergrößert. Dadurch kann DUKTA auch zur Regulierung des Raumklimas beitragen.

Wo liegen die Grenzen des Materials?

Pablo: Ein gutes Beispiel ist unser Schnitttyp Duna. Er funktioniert eigentlich nur mit Massivholz und wird von beiden Seiten in beide Richtungen eingeschnitten. Dadurch lässt sich das Holz sphärisch biegen und man kann Schalen, Rundungen und gewölbte Formen herstellen.

Das ist wunderschön und faszinierend, gleichzeitig ist die Stabilität begrenzt. Wenn das Material einmal gebrochen ist, lässt es sich kaum reparieren. Durch die vielen Einschnitte in beide Richtungen werden die Faserlängen sehr kurz, wodurch die Stabilität beeinträchtigt wird.

Für Anwendungen, bei denen das Material nicht berührt wird, funktioniert das wiederum hervorragend. Wir haben beispielsweise Deckensegel daraus entwickelt, die sich an Drahtseilen bewegen und eine Art Wolke bilden. Sobald etwas an das Material stoßen könnte, sieht die Situation anders aus.

Auch der Brandschutz ist eine Herausforderung. Durch die Einschnitte bietet das Holz eine größere Angriffsfläche für Feuer. Dafür entwickeln wir gemeinsam mit Partnern technische Lösungen, etwa mit speziellen Beschichtungen oder Vliesen.

Welche Holzarten und Holzwerkstoffe verwendet ihr für DUKTA – und wonach entscheidet ihr, welches Material zum Einsatz kommt?

Pablo: Wir arbeiten hauptsächlich mit Birken-Sperrholz, MDF und Dreischichtplatten. Birken-Sperrholz ist sehr stabil und lässt sich auch gut nass verformen. MDF ist homogener, dadurch können wir sehr sauber schneiden. Außerdem lässt es sich durchfärben und ist preislich interessant, gerade bei größeren Formaten. Je nachdem, was wir mit dem Material machen wollen, hat also jedes seine eigenen Vorteile.

Wie hat sich euer Blick auf Holz durch die Arbeit mit DUKTA verändert?

Serge: Ich staune eigentlich jedes Mal wieder, wenn ich ein Stück DUKTA in die Hand nehme. Wir holen damit eine Eigenschaft des Holzes hervor, die eigentlich schon immer da war.

Wenn man Bäume im Wind beobachtet, sieht man, wie sie sich bewegen und immer wieder in ihre ursprüngliche Form zurückkehren. Genau diese Flexibilität nutzen wir bei DUKTA. Deshalb arbeiten wir auch nicht mit Metall oder Kunststoff, sondern mit Holz.

Dass das Material seine Flexibilität über lange Zeit behält, hat uns selbst überrascht. Dadurch haben wir eine ganz andere, erweiterte Sicht auf Holz bekommen.

Entsteht die Idee für ein neues Produkt eher aus dem Material oder aus einer konkreten Anwendung?

Serge: Beides. Oft kommt eine konkrete Fragestellung von Architekt:innen oder anderen Partnern. Dann geht es um ganz bestimmte physikalische Eigenschaften, aber natürlich spielt auch die Ästhetik eine große Rolle.

Bei einem Projekt in einem Krankenwohnheim in Basel sollte beispielsweise die gesamte Lüftung unsichtbar integriert werden. Dafür wurde der oberste Meter der Räume mit DUKTA realisiert. Hinter dem Material konnten die technischen Anlagen verschwinden. Gleichzeitig musste natürlich geprüft werden, ob ausreichend Luftzirkulation stattfindet.

Das Schöne ist, dass sich solche Anforderungen gegenseitig beeinflussen: Die technischen Parameter müssen funktionieren, gleichzeitig soll die Gestaltung stimmen. Genau in diesem Zusammenspiel entstehen oft neue Lösungen.

Was reizt euch an der Zusammenarbeit mit Architekt:innen und anderen Partnern?

Serge: Wir sind nur zu zweit und haben eine kleine Holzwerkstatt. Die eigentliche Produktion findet deshalb bei größeren Unternehmen statt. Unsere Partner im In- uns Ausland haben Maschinen und Möglichkeiten, die wir selbst nicht haben. Wir entwickeln im Kleinen, und ab einem bestimmten Punkt geht es darum, herauszufinden, wie sich eine Idee auch wirtschaftlich auf größeren Maschinen umsetzen lässt.

Das ist ein spannender Dialog. Wir kommen mit einer Fragestellung oder einem neuen Schnittmuster und unsere Partner bringen ihre Erfahrung und technischen Möglichkeiten ein.

Dass DUKTA heute auch bei großen internationalen Projekten eingesetzt wird, funktioniert genau über dieses Netzwerk. In den USA und Kanada arbeiten wir beispielsweise mit einem Produzenten zusammen, der dort grosse Architekturprojekte plant und realisiert. So entstehen Anwendungen, an die wir mit unserer kleinen Struktur allein gar nicht herankommen würden.

Gibt es ein Projekt, bei dem ihr selbst überrascht wart, was mit DUKTA plötzlich möglich wurde?

Pablo: Eigentlich sind es genau diese Zufälle, die uns bis heute begleiten. Ein schönes Beispiel ist die Akustik. Wir haben zunächst mit der Flexibilität experimentiert und dabei eher zufällig entdeckt, welche akustischen Eigenschaften das Material hat. Daraus entstand schließlich die Anwendung im Konzertsaal der Zürcher Hochschule der Künste.

Auch bei neuen Schnittmustern wissen wir oft zunächst nicht, was daraus entstehen wird. Wir probieren etwas aus, und irgendwann stellt sich heraus: Dafür gibt es eine Anwendung. Diese spielerische Forschung ist eigentlich bis heute unser wichtigster Motor.

Welches DUKTA-Produkt würdet ihr jemandem zeigen, der das Material zum ersten Mal sieht?

Pablo: An der BLICKFANG zeigen wir dieses Jahr, neben den bisherigen Leuchten, auch ein neues Modell aus farbigem MDF. Es kann sowohl als Hängeleuchte als auch als Stehleuchte verwendet werden und lässt sich gut auseinandernehmen. Dadurch kann man sie platzsparend verpacken und verschicken.

Für uns ist das interessant, weil das Verfahren aufwendig ist: Das Fräsen und die anschließende Behandlung brauchen Zeit. Deshalb suchen wir nach kleinen, simplen und cleveren Produkten, bei denen der Aufwand und der Preis in einem guten Verhältnis bleiben. Und gleichzeitig soll natürlich genau das sichtbar werden, was DUKTA ausmacht: Man sieht ein Stück Holz und merkt plötzlich, dass es sich ganz anders verhält, als man erwartet hätte.

Wer die Leuchten von DUKTA live erleben und Serge und Pablo Lunin persönlich kennenlernen möchte, hat dazu bei der BLICKFANG Zürich vom 20. bis 22. November 2026 im Kongresshaus die Gelegenheit. Vor Ort zeigen die beiden ihre aktuellen Entwürfe und geben einen Einblick in ihre besondere Arbeit mit flexiblem Holz – von filigranen Leuchten bis hin zu weiteren Anwendungen für das ungewöhnliche Material. Hier kannst du dir dein Ticket sichern!

Lust, noch mehr unabhängige Labels und ihre Geschichten kennenzulernen? Dann schau jetzt in unserem Journal vorbei und lass dich inspirieren.

Was wäre, wenn Sitzen nicht automatisch Stillhalten bedeuten würde? Bei MOWO entwickelt Lisa Stolz Hocker aus elastischem Holz, die kleine Bewegungen des Körpers aufnehmen und selbst in Bewegung bleiben. Je nach Modell kann man darauf wippen, schwingen und die Sitzposition wechseln – ein bisschen wie auf einem Gymnastikball, nur aus Holz.

Lisa hat Architektur studiert und zunächst in einem Architekturbüro gearbeitet. Heute lebt und arbeitet sie in Wien und widmet sich ganz dem Möbeldesign. Für sie liegt der Reiz vor allem darin, Ideen unmittelbar ausprobieren und ihre Umsetzung selbst miterleben zu können. Im Gespräch erzählt sie, warum gerade Holz das richtige Material für ihre beweglichen Hocker ist, wie aus zwei geschwungenen Holzteilen ein stabiles Möbel entsteht und warum ein neuer Entwurf bei ihr zunächst oft im Kopf beginnt.

Lisa, wie würdest du MOWO jemandem erklären, der noch nie von euch gehört hat? Was ist an euren Hockern anders als an einem normalen Stuhl?

Die einfachste Erklärung ist eigentlich: Unsere Hocker sind ein bisschen wie ein Gymnastikball oder Pezziball, auf dem man sitzen kann – nur aus Holz. Sie sind dabei deutlich reduzierter in der Bewegung. Man kann also auch ganz still darauf sitzen, aber der Hocker nimmt die kleinen Bewegungen des Körpers direkt auf und hält einen dadurch über den Tag hinweg aktiv.

Das Schöne ist außerdem, dass man sich auf jedem unserer Hocker in zwei verschiedenen Positionen hinsetzen kann. Je nachdem, wie man ihn dreht, verändert sich auch der Bewegungsradius. In einer Position kann man zB eher seitlich schwingen, in der anderen bewegt man sich vor und zurück. Dadurch wird der Rücken in verschiedene Richtungen bewegt und die Muskeln bleiben aktiv.

Gerade heute, wo wir unglaublich viel sitzen – im Büro, im Auto, im Bus oder abends auf der Couch – finde ich das wichtig. Wenn man lange am Schreibtisch sitzt, kann es einen großen Unterschied machen, diese Zeit aktiver zu gestalten.

Lisa Stolz, Gründerin & Designerin

Du hast Architektur studiert. Was hat dich an Möbeln irgendwann mehr gereizt als an Architektur?

Ich habe längere Zeit an einem sehr großen Projekt gearbeitet, einem Krankenhaus. Bei solchen Projekten dauert es Jahre, bis etwas umgesetzt wird. In meinem Fall habe ich die Umsetzung sogar gar nicht mehr miterlebt, weil ich vorher schon wieder gegangen bin.

Meine Tätigkeit war außerdem sehr zeichnerisch und repetitiv. Ich habe zum Beispiel gefühlt tausend Zimmeransichten gezeichnet. Ich habe dadurch gemerkt, dass mir der eigentliche Designprozess fehlt und ich nicht genug selbst entwerfen konnte.

Im Möbeldesign ist das viel unmittelbarer. Die Entwicklungswege sind kürzer, man kann Prototypen selbst bauen und viel mehr mit den Händen und Materialien arbeiten. Gerade Holz liebe ich – wie es sich anfühlt, wie es sich bearbeiten lässt und welche Eigenschaften es mitbringt. Da konnte ich mich einfach kreativer ausleben.

Wie kam es dann zur Idee, einen Hocker zu entwickeln, auf dem man sich ganz bewusst bewegen kann?

Der erste Anstoß war eigentlich eine Bewerbung für mein Masterstudium in London. Für die Aufnahmeprüfung sollte man bereits eine Idee mitbringen. Meine Idee war damals, ein Möbelstück zum Sitzen aus „weichem“ Holz zu entwickeln. Es sollte sich beim Sitzen ein bisschen wie ein Polstermöbel anfühlen, aber komplett aus Holz bestehen.

Daraus sind dann noch während des Studiums die ersten Hocker entstanden. Parallel hatte ich noch eine andere Idee, eine Art Matte aus Holz, die ich auch weiterentwickelt habe. Die ist heute allerdings eher ein Luxus- oder Kunstobjekt und steht nicht so sehr im Fokus von MOWO.

Die Hocker sind sehr schlicht aufgebaut: Holz, geschwungene Formen und Schnüre. Wie entsteht daraus ein Möbel, das gleichzeitig stabil ist und sich bewegen lässt?

Das am einfachsten wirkende Design ist oft das schwierigste.

Die geschwungene Form ist dabei gar nicht entstanden, weil ich unbedingt etwas Kurviges machen wollte. Sie ergibt sich aus dem Ziel, Bewegung zu ermöglichen. Wenn man horizontale und vertikale Flächen mit einem rechten Winkel verbinden würde, hätte man einen extremen Belastungspunkt. Die geschwungene Form kann diese Kräfte viel besser ableiten.

Beim Hocker ergänzen sich die beiden Formen, sobald sie zusammen geschnürt werden, und bilden eine stabile Einheit. Nicht nur ein einzelner Bereich gibt nach, sondern die komplette Holzstruktur kann mitschwingen und die Kraft aufnehmen.

Die Schnur selbst ist übrigens nicht elastisch. Sie hält die beiden Holzteile lediglich zusammen und muss dafür sehr straff gespannt sein. Dafür habe ich einen speziellen Knoten entwickelt, der aus dem Segelbereich kommt. Damit lässt sich die Schnur festzurren und zusätzlich fixieren.

„Elastisches Holz“ klingt zunächst fast wie ein Widerspruch. Warum ist Holz für MOWO das richtige Material?

Das einzige andere Material, das für so etwas grundsätzlich funktionieren würde, wäre Metall. Für mich kommt das aber nicht infrage, weil es sich zum Sitzen einfach nicht so angenehm anfühlt.

Holz hat eine warme Oberfläche und lässt sich relativ leicht bearbeiten. Das ist für mich auch deshalb wichtig, weil ich selbst gut mit Prototypen arbeiten kann. Und ich liebe das Material einfach: Jedes Stück ist anders. Durch die Furniere und die unterschiedlichen Holzstrukturen gleicht kein Hocker dem anderen.

Holzmaserung ist für mich ohnehin das schönste Muster. Da kann keine Metalloberfläche und keine Farblackierung mithalten.

Du hast inzwischen verschiedene Hocker entwickelt. Was verbindet sie und was unterscheidet sie voneinander?

Was alle verbindet, ist ganz eindeutig die Bewegung. Sie schwingen als Ganzes mit und sind elastisch.

Der Unterschied liegt vor allem im jeweiligen Bewegungsspektrum. Der Achter bewegt sich etwas reduzierter – hat dafür aber ein mehr dreidimensionales Bewegungsspektrum – während der Einser durch seinen Steg weiter schwingen kann – je nach Sitzrichtung vor und zurück oder seitlich.

Der Vivi hat wiederum eine geteilte Sitzfläche. Dadurch können sich die beiden Körperhälften unabhängig voneinander bewegen – Kunden:innen sagen oft es fühlt sich an wie Radfahrern oder Skifahren im Sitzen.

Dazu kommen unterschiedliche Höhen. Weil ich die Hocker bewusst nicht höhenverstellbar machen wollte – es gäbe technische Lösungen dafür, aber sie würden für mich nicht gut aussehen – gibt es verschiedene Modelle für unterschiedliche Körpergrößen. Und natürlich spielt auch der persönliche Geschmack eine Rolle. Jeder Mensch bewegt sich anders und braucht beim Sitzen unterschiedlich viel Bewegung.

Wie findest du die richtige Balance zwischen Funktion und diesem spielerischen Gefühl?

Ich glaube, das ergibt sich bei den Hockern eigentlich aus der Bewegung selbst. Sie sollen natürlich funktionieren und beim Sitzen unterstützen, aber gleichzeitig macht es Spaß, sich darauf zu bewegen.

Das ist auch bei der Entwicklung immer wieder spannend. Man denkt, man kennt das Material inzwischen, aber sobald man einen neuen Prototypen baut und sich hineinsetzt, passiert etwas Unerwartetes. Gerade weil man nicht gewohnt ist, in einer Holzform zu sitzen, die sich gleichzeitig mit dem Körper bewegt.

Du arbeitest auch mit Physiotherapeut:innen und Osteopath:innen zusammen. Was hast du durch diese Zusammenarbeit gelernt?

Ich bin teilweise auf meine eigenen Physiotherapeut:innen zugegangen, teilweise habe ich Menschen über Events und mein Netzwerk kennengelernt. Zunächst bekommen sie einen Hocker für einige Wochen und geben mir danach Feedback.

Bei einem Punkt waren sich eigentlich alle einig: Bewegung beim Sitzen ist gut. Zu lange in derselben Position zu bleiben, ist auf Dauer nicht ideal – selbst wenn es sich um eine vermeintlich perfekte Sitzhaltung handelt. Der Körper braucht Bewegung und Positionswechsel.

Ein paar Physiotherapeut:innen fanden die Sitzfläche anfangs zu hart. Daraus sind dann auch die Sitzpolster entstanden. Wobei es auch Menschen gibt, die lieber ohne Polster sitzen. Das hängt wieder vom jeweiligen Körper und den persönlichen Vorlieben ab.

Besonders spannend waren Workshops mit einer Physiotherapeutin, die auch im Bereich Arbeitsmedizin tätig ist. Wir haben gemeinsam Übungen entwickelt, die man mit den Hockern am Arbeitsplatz machen kann. Dabei habe ich selbst noch viel über die Wirbelsäule und die physiologischen Zusammenhänge gelernt.

Dein aktueller Hersteller sitzt in Griechenland. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande?

Ich hatte zunächst einen Hersteller in Ungarn. Irgendwann mussten wir uns aber trennen, weil die Qualität nicht gepasst hat. Das war noch bevor ich die Marke gelauncht habe, und wir sind bereits bei den Prototypen an Grenzen gestoßen.

Dann bin ich auf meinen jetzigen Hersteller in Griechenland gestoßen – tatsächlich über Instagram. Und mit ihm hat es von Anfang an gut funktioniert.

Auch das Holz, mit dem wir arbeiten, kommt je nach Situation aus unterschiedlichen Regionen. Früher wurde das Birken- und Buchenholz aus Osteuropa bezogen, zuletzt kamen ein Teil der Furniere beispielsweise aus Kroatien. Das verändert sich natürlich auch mit der globalen Lage.

Du lebst und arbeitest heute wieder in Wien. Wie sieht dein Arbeitsalltag aus – und sitzt du dabei tatsächlich auf einem MOWO?

Ja, natürlich. Ich arbeite in einem kleinen Gemeinschaftsatelier mit anderen Designer:innen, Architekt:innen und Grafikdesigner:innen. Ich liebe es, dass ich mir meinen Tag selbst gestalten kann. Es gibt nicht diese Routine, bei der jeder Tag gleich aussieht.

Wenn ich im Atelier bin, verbringe ich dort meistens sechs bis sieben Stunden. Wir kochen gemeinsam, tauschen uns aus und arbeiten nebeneinander. Ich sitze dabei eigentlich immer auf dem Einser-Hocker. Gerade probiere ich aber auch die anderen Modelle über längere Zeit aus, weil ich bisher immer den Einser als meinen Favoriten hatte.

Mir ist es wichtig, nicht acht Stunden am Stück vor dem Computer zu sitzen. Wenn es möglich ist, teile ich meinen Tag deshalb auf: Vormittags bin ich unterwegs, habe Kundentermine oder Meetings und die andere Hälfte des Tages verbringe ich eher sitzend.

Ich habe in der Architektur selbst 40 Stunden pro Woche am Schreibtisch verbracht und irgendwann gemerkt, dass dieses ewige Sitzen einfach nicht mehr funktioniert. Diese Flexibilität möchte ich mir deshalb so lange wie möglich erhalten.

Was möchtest du mit MOWO in den nächsten Jahren noch ausprobieren?

Ich arbeite gerade an einem Lounge-Sessel. Dabei habe ich mich gefragt, wo ich das Prinzip des elastischen Holzes noch einsetzen kann. Ein Schaukelstuhl war natürlich eine naheliegende Idee, weil Bewegung auch beim entspannten Sitzen schön sein kann. Daraus ist dann die Überlegung entstanden, wie man dieses leichte Schwingen in einen Lounge-Sessel integrieren könnte.

Bei neuen Produkten beginnt der Prozess meistens in meinem Kopf. Wenn ich eine Idee habe, die mir gefällt, zeichne ich sie auf. Ich würde sagen, die Hälfte passiert im Kopf und die andere Hälfte im Skizzenbuch.

Danach schaue ich mir den Entwurf in 3D an, baue zuerst ein digitales Modell und dann kleine Modelle aus Papier oder Karton. Anschließend entstehen kleine Holzmodelle aus Furnieren. Damit kann ich ungefähr verstehen, wie sich die Form verhält und wie sich das Körpergewicht darauf ausbreiten könnte.

Wirklich verstehen kann man es aber erst mit einem 1:1-Prototypen. Gerade beim Lounge-Sessel war wieder vieles anders als bei den kleinen Modellen. Und genau das macht es so spannend: Man denkt, man kennt das Material inzwischen – und dann überrascht es einen doch wieder.

Wer Lisa kennenlernen und ihre Hocker live erleben möchte, hat dazu bei der BLICKFANG Wien vom 6. bis 8. November 2026 im MAK die Gelegenheit. Hier kannst du dir dein Ticket sichern!

Lust noch mehr Labels besser kennenzulernen? Dann schau jetzt in unserem Journal vorbei und lass dich inspirieren!

Der Wiener Innenarchitekt und Designer Heinz Glatzl drechselt unter dem Label ObjectsHG skulpturale Holzschalen. Risse, Äste und Spuren des Feuers versteckt er nicht. Sie bestimmen mit, welche Form entsteht. Bei der BLICKFANG Wien zeigt er seine Arbeiten gemeinsam mit seiner Tochter Mira. 

©Gabriel Buechelmeier
©Gabriel Buechelmeier

Kurz vor Schluss löst sich die große Schale von der Drehbank. Sie fliegt davon und zerbricht. Wochen an Arbeit sind verloren. Heinz Glatzl erzählt davon ohne Pathos. Es tue weh, sagt er, aber es gehöre dazu. Der Satz erklärt viel über seine Arbeit: Holz ist für ihn kein Werkstoff, den man vollständig beherrscht. Es ist ein Gegenüber, das Grenzen setzt, Entscheidungen erzwingt und manchmal widerspricht. 

Vor mehr als 25 Jahren gründete Glatzl gemeinsam mit Joachim Mayr das Wiener Architektur- und Innenarchitekturbüro Mayr & Glatzl. Vor rund elf Jahren gründeten die beiden das Formdepot, eine Wiener Handwerkerkooperative, in der Gewerke gemeinsam Projekte entwickeln und Wissen teilen. Das Drechseln begleitet ihn jedoch noch länger. Bereits als Jugendlicher arbeitete er mit Holz. Vor etwa zweieinhalb Jahren kehrte er zur Drehbank zurück, zunächst als Ausgleich zum Planen und Organisieren. Inzwischen hat diese Rückkehr einen Namen: ObjectsHG. 

Wie aus einem Stamm eine Holzschale wird 

Am Anfang steht kein vollständig festgelegter Entwurf. Glatzl öffnet den Stamm, prüft Kernriss, Äste und Spannungen und sucht die mögliche Schale im Holz. Manche Entwürfe verlangen eine präzise Geometrie und einen möglichst gleichmäßigen Rohling. Häufig verändert sich die Idee jedoch während der Arbeit. Ein Riss reicht weiter als erwartet, ein Ast destabilisiert den Rand, die Maserung schlägt eine andere Richtung vor. Dann disponiert Glatzl um. 

Diese Offenheit ist kein romantisches Sich-Ergeben. Sie verlangt Erfahrung. Wer nah an die Belastungsgrenze des Materials geht, muss erkennen, wann ein dünner Rand noch trägt und wann er bricht. Glatzl fixiert gefährdete Stellen teils schon während des Drechselns mit Holzzapfen. Zugleich lässt er genug Spielraum, damit aus einer Störung eine Form werden kann. Gerade deshalb vermeidet er Aufträge, bei denen das Ergebnis von Beginn an exakt feststehen muss. Versuch und Irrtum sind hier keine Vorstufe zum Entwurf. Sie sind Teil davon. 

„Manchmal merkt man beim Drechseln: Das, was man sich vorgenommen hat, funktioniert mit diesem Holz nicht.“ 

©Gabriel Buechelmeier

Feuer macht raue Oberflächen weich 

Früher, erzählt Glatzl, galt ein Riss für ihn als Fehler. Das Holz sollte glatt, makellos und kontrollierbar erscheinen. Diese Vorstellung begrenzte nicht nur die Größe seiner Arbeiten. Sie machte das Drechseln auf Dauer auch vorhersehbar. Heute arbeitet er bewusst mit Abweichungen. Er strukturiert Oberflächen mit der Motorsäge, bürstet sie, behandelt Holz mit Eisenoxid oder setzt es der Flamme aus. 

Beim Verkohlen geschieht etwas Widersprüchliches: Die optisch wilde Oberfläche wird haptisch ruhiger. Das Feuer nimmt scharfe Grate zurück, rundet Kanten ab und lässt eine raue Struktur überraschend samtig wirken. Wie tief die Flamme ins Holz zeichnet, lässt sich beeinflussen, aber nicht vollständig vorhersagen. Glatzl prüft den Fortschritt deshalb mit den Händen. Sehen allein reicht nicht. Die Oberfläche muss sich richtig anfühlen. 

Architektur und Drechseln folgen derselben Frage 

Auf den ersten Blick wirkt diese Arbeit wie der Gegenpol zur Architektur: hier Feuer, Späne und Zufall, dort Pläne, Normen und präzise Abläufe. Für Glatzl liegt der Unterschied weniger weit auseinander. Sein Büro arbeitet viel mit Bestand, unter anderem bei Sanierungen, Ordinationen und Projekten im Hospitality-Bereich. Auch dort beginnt Gestaltung mit dem, was bereits vorhanden ist. Man öffnet, schaut hinein und reagiert auf Befunde, die kein Plan vollständig vorwegnehmen konnte. 

Diese Haltung zeigt sich auch im Refugium Lunz, das Mayr & Glatzl in Lunz am See als Eigenprojekt geplant und umgesetzt haben. Bei der Revitalisierung wurde tiefgreifend in den Bestand eingegriffen, ohne seine Geschichte zu glätten. Eine Stube von 1661, lange durch Einbauten verdeckt, kam dabei wieder zum Vorschein. Altes und Neues sollten nicht um Aufmerksamkeit konkurrieren, sondern einander lesbar machen. Heute stehen dort auch Glatzls Schalen. Nicht als Dekoration nach Abschluss des Projekts, sondern als kleine Fortsetzung derselben Idee im Raum. 

„Zwischen Planung und Umsetzung gibt es immer ein Delta. Solange es Menschen gibt, gibt es die 100 Prozent nicht.“ 

©Julia Reiter

Ein Objekt als Schlussstein und Anfangspunkt 

Mittlerweile wünschen sich auch Bauherrinnen und Bauherren eine seiner Schalen für ihre fertiggestellten Räume. Glatzl nennt sie einen Schlussstein: ein Objekt, das eine lange gemeinsame Arbeit bündelt und dem Projekt eine persönliche Spur hinzufügt. Zugleich kann die Schale ein Anfangspunkt sein. Sie lenkt den Blick zurück auf Material, Herkunft und Herstellung und eröffnet ein Gespräch über die Menschen hinter einem Raum. 

Bei der BLICKFANG Wien teilt Heinz Glatzl seinen Stand mit seiner Tochter Mira, die Keramik und Arbeiten aus Holz zeigt. Für ihn ist das auch eine Rückkehr. Bereits früher stellte er mit Mayr & Glatzl Garderoben und einzelne Möbel bei der BLICKFANG aus. Nun kommt er mit ObjectsHG wieder, in einer anderen Rolle und mit Arbeiten, die weniger behaupten als zuhören. Ihre Form entsteht dort, wo Entwurf, Handwerk und die Eigenwilligkeit des Holzes aufeinandertreffen.