VUUNA: Wo jede Masche eine eigene Handschrift trägt

Es beginnt mit einem Garten in Südserbien, mit Nachmittagen bei der Großmutter und den Stoffen und Garnen im Atelier der Mutter. Für Biljana Rachenzentner sind diese Erinnerungen bis heute eng mit dem verbunden, was sie unter Mode versteht: Nähe, Qualität, Zeit und die Dinge, die von einer Generation an die nächste weitergegeben werden.
Mit ihrem Wiener Label VUUNA übersetzt sie diese persönlichen Erfahrungen in zeitgenössische Mode. Handgestrickte Pullover entstehen nicht in Eile, sondern über viele Stunden hinweg, Masche für Masche. Kleine Unregelmäßigkeiten bleiben sichtbar und machen jedes Stück zu einem Unikat. Tradition wird dabei nicht konserviert, sondern weitergedacht: mit modernen Schnitten, einem Gespür für Materialien und dem Wunsch, Kleidung zu entwerfen, die nicht nur eine Saison lang gefällt.
Im Gespräch erzählt Biljana, warum sie sich bewusst gegen schnelle Trends entscheidet, was sie am „Unperfekten“ liebt und weshalb ein Kleidungsstück manchmal weit mehr sein kann als das, was man am Körper trägt.

VUUNA hat seine Wurzeln in Südserbien und ist heute in Wien zu Hause. Wie prägen beide Orte deine Arbeit und deinen Blick auf Mode?
Meine serbischen Wurzeln sind tief in mir verankert. Ich bin mit viel Liebe aufgewachsen. Österreich ist heute meine Heimat, wo ich meine Familie gegründet habe. Ich habe mich hier integriert, ohne mich selbst oder meine Wurzeln zu verändern. Genau diese Verbindung macht mich authentisch. Und genau diese Authentizität verbinde ich mit Mode mit VUUNA.

Du erzählst von den Nachmittagen im Garten deiner Großmutter und vom Atelier deiner Mutter. Welche Erinnerungen aus dieser Zeit sind dir bis heute geblieben?
Die schönsten Nachmittage im Garten meiner Oma und die Liebe meiner Eltern, gemeinsam mit den Momenten im Atelier meiner Mutter, sind Erinnerungen, die mir bis heute besonders viel bedeuten. Sie haben mich tief geprägt und verbinden mich mit der Natur, dem Respekt für Menschen und der Wertschätzung von Qualität, Tradition und Langlebigkeit.
Deshalb sind auch die VUUNA Produkte tief emotional, hochwertig und zeitlos, wie die Nachmittage im Garten meiner Oma und die Momente im Atelier meiner Mama. Übrigens meine Mama ist jetzt 74 und führt nach wie vor gemeinsam mit meinem Papa ihr Atelier in Serbien. Ich bin so Stolz darüber!
Wann wurde aus dieser persönlichen Verbindung zu Stoffen und Handarbeit die Idee, mit VUUNA ein eigenes Label zu gründen?
Ich habe immer gewusst, dass Mode mein Beruf wird. Es war nur eine Frage der Zeit.
Handstricken ist ein wichtiger Teil von VUUNA. Was fasziniert dich bis heute an einer Technik, die eigentlich sehr traditionell ist?
Es geht darum, dass die Tradition weiterlebt. Es geht um etwas, das mit den Händen entstanden ist. Das ist für mich sehr wertvoll und einzigartig. Ich liebe die Schönheit der Handarbeit. Wir entwickeln moderne Produkte und neue Schnitte, bewahren dabei aber die Tradition und das Handwerk.
Ein Pullover kann bei euch 25 bis 40 Stunden Handarbeit bedeuten. Wie verändert diese Zeit deinen Blick auf ein Kleidungsstück?
Menschen, die Zeit schätzen, schätzen auch Qualität und die Tiefe eines Produktes und leben bewusster. Zeit ist kostbar, und genau deshalb sollte man sie genießen. Bei einem VUUNA Produkt geht es nicht nur um den Preis, sondern um die Zeit, die darin steckt. Zu wissen, dass jemand viele Stunden mit seinen Händen daran gearbeitet hat, verändert meinen Blick auf jedes einzelne Stück. Diese Zeit und Handarbeit schätze ich sehr.
Wie entsteht ein neues VUUNA-Modell? Beginnt die Idee eher mit einer bestimmten Form, einem Garn oder einer Farbe?
Ich designe nach Gefühl und dem passenden Schnitt. Für mich beginnt ein neues Modell nicht mit einem Trend, sondern mit einer Idee und dem Gefühl für eine bestimmte Form. Wenn ich designe, gebe ich einem Design immer auch etwas von meiner Lebensphase, eine Persönlichkeit oder eine Message mit. So kann sich die Person, die ihn trägt, damit identifizieren und ihn auf ihre eigene Art und Weise tragen.
Ich möchte, dass meine Stücke lang noch gerne getragen werden. Mit der richtigen Pflege können sie lange erhalten bleiben.
Eure Wolle kommt aus Südafrika, warum habt ihr euch genau für diese Wolle entschieden?
Ich bin immer auf der Suche nach hoher Qualität und geprüften Materialien. Diese Wolle hat uns bis jetzt mit ihrer Qualität und ihren Eigenschaften überzeugt.

Die Strickerinnen arbeiten in Serbien in ihrem eigenen Zuhause oder in vertrauter Umgebung. Was bedeutet diese Form der Zusammenarbeit für dich und für die Qualität der Stücke?
Wir produzieren zurzeit in Serbien, sind aber offen für neue Länder und Kooperationen. Wichtig ist für uns, dass die Voraussetzungen und die Qualität stimmen. Die Firma in Serbien, die die Strickerinnen beauftragt, gibt ihnen die Möglichkeit, sich ihre Zeit frei einzuteilen und in Ruhe zu arbeiten. So können sie sich auf ihre Arbeit konzentrieren und die Qualität selbst in der Hand haben.
Dieser Prozess ist nicht immer einfach, denn Selbstdisziplin ist nicht selbstverständlich. Aber genau das gehört zu dieser besonderen Zusammenarbeit und Weiterentwicklung dazu.
Jede Strickerin hinterlässt laut VUUNA ihren eigenen „Knitting Imprint“. Woran lässt sich diese persönliche Handschrift erkennen, auch wenn man sie vielleicht nicht sofort sieht?
Jedes Produkt, das mit der Hand entsteht, ist einzigartig. Die Maschen aus der Maschine sind gleichmäßig, während jede handgestrickte Masche Unterschiede hat. Das macht ein Produkt für mich wertvoll: das Unperfekte.
Wir Menschen auch ich sind nicht perfekt. Sobald wir uns selbst so akzeptieren, wie wir sind, werden wir authentisch. Genau das macht uns einzigartig.
Was ist die größte Herausforderung, wenn traditionelle Handarbeit mit einem modernen Kleidungsstück zusammenkommen soll?
Für mich ist die größte Herausforderung, traditionelle Handarbeit in ein modernes Design zu bringen und dabei zeitlos zu bleiben. Etwas zu schaffen, das im Jetzt funktioniert und trotzdem lange schön bleibt, genau das ist für mich Kunst.
Wenn du an die Zukunft von VUUNA denkst: Welche Idee, Technik oder Materialkombination möchtest du unbedingt noch ausprobieren?
Ich würde gerne Wollstoff mit Handstrick kombinieren. Aber ich bin offen für Neues und mache mir Gedanken darüber, die Produktpalette zu erweitern. Alles aber step by step!!
Und zum Schluss ganz persönlich: Gibt es ein Kleidungsstück, das du selbst seit Jahren trägst und mit dem du eine besondere Erinnerung verbindest?
Ja, mehrere! Aber mein Lieblingsstück ist eine rote Seidenbluse, die meine Mama selbst genäht hat.
Was mich besonders glücklich und stolz macht, dass meine 23-jährige Tochter auch mit einer Seidenbluse von ihrer Oma (meine Mama) kommt und sagt: „Schau, was ich von der Oma bekommen habe!“ Dann kombiniert sie sie mit einer Jeans oder Hose und trägt einen VUUNA Pullover dazu. Sie inspiriert mich voll und so wird die Tradition von meiner Mama über mich an meine Tochter weitergegeben. Ist das nicht cool und schön.

Wer Biljana und ihre Kollektion live erleben möchte, hat dazu bei der BLICKFANG Wien vom 6. bis 8. November 2026 im MAK die Gelegenheit. Hier kannst du dir dein Ticket sichern!
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