Wie passen „premium“ „timeless“ und „sustainable“ eigentlich zusammen? Das Modelabel ZAMT beweist, dass nachhaltiges Design keine Herausforderung ist – sondern die Norm sein sollte! Erfahre, wie Max und Zisan mit ihrem Label Verantwortung übernehmen und warum du deine alte Tasche vielleicht bald zurückschicken möchtest. Ein Blick hinter die Kulissen, der zum Umdenken anregt.

Wieso habt ihr euch dazu entschieden ZAMT zu gründen?

Auf meiner Familienseite gibt es schon seit 25 Jahren ein Taschenlabel in Italien und da haben wir immer ein wenig mitgeholfen beim Design. Wir sind 2010 nach Paris gezogen und da dachten wir uns, dass das ein guter Zeitpunkt ist, um selbst mal auszuprobieren, wie man ein Label führt. Dann sind wir nach Berlin gezogen und haben da sozusagen unsere eigenen Arbeitsplätze kreiert. Wir haben nicht viel nach links und rechts geschaut, sondern einfach das gemacht, worauf wir Lust hatten und was wir für richtig gehalten haben. Vielleicht macht man dann auch mal Sachen, die es so ähnlich schon gibt, aber, wenn man sich zu viel umschaut und sich Dinge verbietet, dann schränkt man seine eigene Kreativität ein.

Wie schafft ihr es, schönes Design und Nachhaltigkeit zu vereinen?

Das ist eigentlich überhaupt keine Herausforderung, diese beiden Aspekte zu vereinen. Das eine widerspricht dem anderen nicht. Aus unserer Sicht sollte es eigentlich Normalität sein, dass Produkte nachhaltig sind. Vielmehr sollte man labeln müssen, dass etwas unter schlechten Bedingungen oder Kinderarbeit hergestellt wurde. Nach dem Motto „Bist du dir sicher, dass du das kaufen willst?“

Wie setzt ihr Nachhaltigkeit in eurem Label um?

Wir versuchen unsere Produktion und unsere Materialien eher bei uns zu halten. Wir wollen möglichst regional arbeiten. Daher suchen wir uns nur europäische Geschäftspartner:innen aus, die möglichst nahe bei uns sind. Dabei ist uns wichtig, dass die Herstellungsprozesse und Materialien möglichst umweltverträglich sind. Wir nutzen für unsere Produkte Organic Cotton, pflanzlich gegerbtes Leder und Restbestände aus Überproduktionen. Und auch hier achten wir darauf, dass wir Material aussuchen, bei welchem der Fertigungsprozess innerhalb von Europa stattgefunden hat. Außerdem sind unsere Produkte alle Slow Fashion. Wir achten sehr darauf, dass wir keine Überproduktion haben und unsere Produkte so langlebig wie nur möglich sind.

Was ist der Gedanke dahinter, dass eure Kund:innen ihre gebrauchten Taschen bei euch einschicken können?

Wir bieten sowohl Reparatur als auch Anrechnen an. Das bedeutet, dass man seine alte Tasche einschicken kann und dann eine neue kaufen kann, für einen geringeren Preis als den Originalen. Da steckt der Gedanke Kreislaufwirtschaft dahinter. Sachen benutzen, deren Material man entweder wiederverwenden oder unbedenklich wegwerfen kann, weil es natürlich ist. Konsum an sich ist nichts Schlechtes, solange die Produkte nachhaltig und sinnvoll sind.

  

Woher nehmt ihr die Inspiration für eure Designs? 

In den meisten Fällen kommen die Designs einfach zu einem. Ich glaube das ist einfach so das Resultat, wenn man lebt und Dinge erfährt und sieht. Oft kommt das durch persönliche Lebenssituationen – entweder man hat Lust auf ein Kleidungsstück oder nicht. So entstehen letzten Endes auch Trends, da sieht man immer mehr Menschen, die mit einer bestimmten Sache rumlaufen und denkt sich, dass das cool aussieht. Dadurch wird man dann beeinflusst, was man mag und tragen möchte.

Wie würdest du euer Label in 3 Worten beschreiben?

Wie du vielleicht gemerkt hast, brauche ich immer eher viele Worte (grinst). Aber ich glaube unser Dreisatz „Premium. Timeless. Sustainable.“ trifft es ziemlich perfekt.

Gibt es Herausforderungen, wenn man zusammenlebt und -arbeitet?

Wir sind zwar nichts anderes mehr gewohnt, aber ich denke die größte Herausforderung ist nach wie vor die Kommunikation. Mit seinem näheren Umfeld kommuniziert man ja ganz anders als mit Menschen, mit denen man nur zusammenarbeitet. Bei denen hat man in der Kommunikation eine Verpackungseinheit mehr. Wir kommen immer direkt zum Kern der Sache und da ist es manchmal herausfordernd denselben professionellen und kollegialen Ton anzuschlagen, den man auch mit anderen hat.

Wie arbeitet ihr zusammen?

Zisan kümmert sich um alles, was die Kommunikation angeht und so Sachen wie Visuals, Styling oder Social Media. Auch bei Shootings schaut sie danach, welche Models wir nehmen, welche Styles geshootet werden sollen und welchen Vibe die Fotos haben sollen. Wenn wir selber genau wissen, was wir haben wollen, dann ist es einfacher für den Fotografen, das umzusetzen, was wir haben wollen.

Ich kümmere mich eher um die Buchhaltung und die Umsetzung, also das, was mit den Händen geschieht und begleite den Produktionsprozess. Auch beim Design kümmere ich mich vor allem darum, die Inspiration und das Konzept zusammenzubringen.

Was bedeuten Messen wie die BLICKFANG für euer Label?

Messen sind superwichtig für uns. Man hat ein interessiertes und verlesenes Publikum, das auch wirklich Lust hat, Dinge abseits des Mainstreams zu entdecken. Dinge, die eine Geschichte erzählen und die den gemeinsamen Wert der Nachhaltigkeit haben. Durch die Messen ist man nah an den Leuten und kann gut in Kontakt treten und mehr über die Produkte und die Produktion erzählen. Gleichzeitig ist es lehrreich für uns, weil wir sehen, was gut ankommt und was vielleicht eher nicht und welche Produkte näher am Puls der Zeit sind.

Lust noch mehr Labels besser kennenzulernen? Dann schau jetzt in unserem Journal vorbei und lass dich inspirieren!

Lukas Heintschel steht für interaktive Leuchten und Einrichtungsobjekte, die Wohnräume lebendiger und individueller machen. Langlebige Materialien, Reparaturfähigkeit und Kreislauffähigkeit stehen im Fokus, während die Produkte spielerisch Charakter und Wärme in den Alltag bringen. Lukas Heintschel überzeugte die Jury mit einer Vase, die das klassische Konzept radikal neu denkt: Statt Blumen in eine Form zu stellen, werden sie um eine Keramikstruktur arrangiert und mit Bändern fixiert. So entsteht ein lebendiges Spiel zwischen Natur, Form und Funktion – nachhaltig produziert und voller Leichtigkeit.

Lukas Heintschel: Designpreis Gewinner der BLICKFANG München 2025 in der Kategorie Accessoires

1. Kannst du dich und dein Label kurz vorstellen?

Gern, eigentlich arbeite ich hauptsächlich für andere Möbel- und Leuchtenmarken als externer Designer. Mit meinem eigenen Label möchte ich eine Experimentierfläche für unkonventionelle Ideen und Designs schaffen. Dieser Grundgedanke, Dinge neu und anders zu denken, zieht sich durch alle Produkte wie ein roter Faden.

2. Wie würdest du dein Label in drei Worten beschreiben?

Unkonventionell, Spielerisch, auf Qualität bedacht. 

3. Was inspiriert dich bei deiner Arbeit – gibt es Materialien, Menschen oder Orte, die dich besonders prägen?

Ich versuche bei meinem Designprozess, die Dinge, an denen ich arbeite, erst einmal komplett zu hinterfragen: Muss eine Leuchte ein statisches Objekt sein? Sollten Blumen bei einer Vase nicht im Vordergrund stehen? Aus dieser abstrakten Beschäftigung mit Produktkonzepten entstehen dann oft ganz neue Lösungen und Objekte, die ihren eigenen Weg gehen. 

4. Was bedeutet dir der Gewinn des BLICKFANG Designpreises persönlich und für dein Label?

Das war natürlich das Highlight meiner letzten Blickfang! So etwas gibt einem immer nochmal einen Schub und zeigt, dass man auf dem richtigen Weg ist! Außerdem hilft die Öffentlichkeit, die mit dem Preis einhergeht, natürlich auch.

5. Hat dich das Jury-Feedback in irgendeiner Weise überrascht oder bestärkt?

Besonders gefreut hat mich dass die Jury von meiner neuen Vase, die ganz frisch auf dem Blickfang gezeigt wurde, so begeistert war, hat mich wirklich gefreut und gezeigt, dass sie eine weitere tolle Ergänzung zu den anderen Produkten ist.

6. Was wirst du mit dem Preisgeld machen – hast du schon konkrete Pläne?

Das Preisgeld wird in die Vorproduktion der neuen Produkte investiert.  Möglicherweise können wir damit auch die Markteinführung weiterer Farbvarianten der neuen Produkte beschleunigen. Das wäre fantastisch! 

7. Wohin soll sich dein Label in der nächsten Zeit entwickeln?

Wir haben unseren neuen Onlineshop gelauncht und den Namen des Shops und des Labels von „Neozoon“, das sich ursprünglich auf die Neozoon-Leuchte bezog, in „Lukas Heintschel“ geändert.  Diese Namensänderung soll den experimentellen Charakter des Labels und die persönliche Note der handgefertigten Produkte stärker hervorheben.

8. Welchen Rat würdest du anderen angehenden Designer:innen geben?

Halte deine Ideen und Konzepte nicht zu lange zurück. Teile sie stattdessen, gehe damit Raus und sammle so schnell wie möglich Feedback und Input. Das ist unglaublich hilfreich.

Der BLICKFANG Designpreis zählt jedes Jahr zu den Höhepunkten der Messe. Ausgezeichnet werden herausragende Entwürfe in den Kategorien „Möbel & Produktdesign“, „Mode“ sowie „Accessoires“. Der Preis steht für Innovation, Authentizität, verantwortungsbewusste Gestaltung und außergewöhnliche handwerkliche Qualität.

Auch 2025 setzte die hochkarätige Fachjury der BLICKFANG Zürich ein klares Zeichen für Designs, die Haltung zeigen, ästhetisch überzeugen und zugleich einen nachhaltigen Beitrag zur zeitgenössischen Designkultur leisten. Die Jury bewertete neben Ästhetik und Originalität vor allem Materialwahl, Kreislaufdenken, kulturellen Kontext sowie die Fähigkeit, langfristige Relevanz zu entfalten.

Die Jury der BLICKFANG Zürich 2025:

Gemeinsam brachten sie unterschiedliche Perspektiven aus Designforschung, Handwerk, Kultur, Handel und Medien ein – und wählten drei Labels, die die Vielfalt, Tiefe und Innovationskraft der aktuellen Designszene auf besonders eindrückliche Weise verkörpern.

Designpreis Gewinner:innen 2025

Möbel & Produktdesign: Marco Zelli

Mit NEFERTITI schafft der Zürcher Designer Marco Zelli ein Objekt, das sich jeder eindeutigen Zuordnung entzieht – und genau darin seine Kraft entfaltet. Die Leuchte oszilliert zwischen Funktion und Kunstwerk, zwischen klarer Geometrie und poetischem Spiel mit Spiegelungen und Farbe.

Ob frei im Raum, als Wandinstallation oder in modularen Kompositionen: NEFERTITI verändert ihren Charakter mit jeder Perspektive. Mal erscheint sie skulptural, mal erinnert sie an ein abstrahiertes Gesicht, mal an ein architektonisches Fragment.

Die Jury würdigte das Werk als eine sinnliche und zugleich präzise Reflexion über Licht, Identität und Raum – und als ein Beispiel dafür, wie Produktdesign heute Grenzen verschieben kann.

Mode: Beige swiss styling

Das Schweizer Label Beige swiss styling verbindet in seiner neuen Kollektion traditionelle Stricktechniken mit einer zeitgemäßen, selbstbewussten Formsprache.

Eigenwillige Muster, klare Silhouetten und Naturmaterialien höchster Qualität stehen im Mittelpunkt. Alle Stoffe entstehen in Zusammenarbeit mit einer kleinen lokalen Manufaktur und basieren auf exklusiv für das Label entwickelten Techniken. Die verwendeten Garne stammen aus österreichischen und italienischen Spinnereien und werden besonders schonend eingefärbt.

Das Ergebnis: Mode, die Charakter und Sinnlichkeit ausstrahlt, Herkunft sichtbar macht und lange begleitet.
Die Jury würdigte das Label als hervorragendes Beispiel für textilen Eigensinn, handwerkliche Präzision und verantwortungsbewusste Produktion.

Mode- und Wohnaccessoires: Yan Jiang

Das Zürcher Schmucklabel Yan Jiang Studio transformiert übersehene Alltagsobjekte in tragbare Kunst. Ausgangspunkt sind oft einfache, alltägliche Formen oder Materialstrukturen, die Yan Jiang in mutige, elegante und überraschend leichte Schmuckstücke übersetzt.

Die Entwürfe bewegen sich zwischen Imagination und Präzision, experimentieren mit Materialkombinationen und schenken vermeintlich Unspektakulärem neue Aufmerksamkeit. Neben Kollektionen entstehen auch exklusive Einzelstücke, die maßgefertigt und individuell interpretiert werden.

Die Jury hob die poetische Handschrift, die feine Materialarbeit und das außergewöhnliche ästhetische Gespür des Labels hervor.

Die BLICKFANG Zürich 2025 zeigte einmal mehr, wie lebendig und relevant unabhängiges Design ist. Die Jury betonte, dass zeitgemäßes Design heute weit über die visuelle Form hinausgeht: Es schafft Resonanzräume, hinterfragt Systeme, verbindet Herkunft mit Zukunft und gestaltet mit Verantwortung.

Ob skulpturale Lichtobjekte, textiler Ausdruck oder Schmuck als kultureller Kommentar – die diesjährigen Gewinner:innen machen sichtbar, wie Design unsere Wahrnehmung öffnet, unser Umfeld prägt und neue Perspektiven ermöglicht.

Die BLICKFANG Zürich bleibt damit ein Ort, an dem Design nicht nur präsentiert, sondern gelebt, diskutiert und weitergedacht wird – mitten in der Stadt, mitten im Leben.

Wenn Design auf Präzision trifft, entsteht bei Dennis Maass eine Welt, in der Minimalismus atmet, Materialien Geschichten erzählen und jedes Objekt einen unverwechselbaren Charakter besitzt. Hinter dennismaass., der Marke, die nach ihrem Gründer benannt ist, steckt kein klassischer Designerhintergrund, sondern ein Ingenieur, der die Regeln des Handwerks neu denkt.

dennismaass Gründer Tobias, Dennis und Valentin
Gründer Tobias, Dennis und Valentin

Vom Ingenieur zum Visionär

Dennis Maass hätte in der Welt der Technik bleiben können. Nach einem Bachelor in Fahrzeug- und Motorentechnik und einem Master in technischer Kybernetik entschied er sich 2021, dem sicheren Pfad den Rücken zu kehren. Sein Ziel: minimalistische, zeitgenössische Designs schaffen, die nicht nur ästhetisch überzeugen, sondern auch nachhaltig, ökonomisch, ökologisch und sozial verantwortbar sind. „Wir wollten uns auf das Wesentliche konzentrieren – Technologien, Ideen und Verantwortung effizient einsetzen. Punkt“, sagt Dennis, und diese Philosophie zieht sich wie ein roter Faden durch jedes Produkt.

Design als Dialog mit Material

Bei den Entwürfen von Dennis Maass geht es nicht um Effekthascherei, sondern um die Kunst, Materialien zu verstehen und zu nutzen: PLA aus Maisstärke, Polypropylen, Holz oder HPL – jede Wahl ist bewusst, jede Oberfläche sorgfältig durchdacht. Ob filigrane Vasen, modulare Möbel oder clevere Alltagsobjekte: Die Kombination aus 3D-Druck, Laser- und CNC-Bearbeitung mit sorgfältiger Handarbeit macht die Stücke zu langlebigen, funktionalen und gleichzeitig poetischen Objekten.

„Es ist uns wichtig, Produkte zu entwickeln, die man nicht nur benutzt, sondern spürt. Jedes Material hat seinen eigenen Charakter, von der Haptik bis zur Geschichte, die es erzählt“, erklärt Dennis.

Von der Werkstatt ins Leben

Die Marke arbeitet mit einem Kernteam von sechs Personen, darunter Tobias in der Fertigung, Valentin in Strategie und Marketing, Nadine für Qualität und Versand, Simon in der Produktion – und Merle, der Jack Russell Terrier, der jede Menge gute Laune mitbringt. Gemeinsam steuern sie eine hochdigitalisierte Fertigung, in der Just-in-Time-Produktion, Kleinserien in Handarbeit und präzise Optimierung verschmelzen. So entstehen aktuell elf Produkte mit über 600 Varianten – jedes einzelne geprüft, perfektioniert und mit Liebe zum Detail umgesetzt.

„Gut ist uns nicht genug. Jedes Produkt durchläuft Monate der Optimierung, bis wir sagen: Das ist es. Sogar die Verpackung entsteht zu 100 % in-house“, beschreibt Dennis den Anspruch, den er und sein Team an sich selbst stellen.

Ein Design, das sich entfaltet

Typisch für Dennis Maass sind klare, einfache Geometrien und markentypische Rillen, die oft schon das finale Produkt formen. Der Ingenieur in ihm sorgt dafür, dass jedes Stück von wiederholenden Zahlen- und Dimensionsverhältnissen durchzogen ist – ein subtiler, technischer Touch, der das Minimalistische lebendig macht. Die Designs sind reduziert, doch niemals steril; funktional, aber mit einer Wärme, die den Alltag bereichert.

„Man darf sich nicht darauf ausruhen, dass ein Stil für alle Produkte reicht. Die Welt ist komplex, und genau diese Komplexität spiegelt sich in unseren Arbeiten wider“, so Dennis.

Neben Ästhetik steht bei den Produkten die Verantwortung gegenüber Material, Umwelt und Nutzer:innen im Vordergrund. Regional bezogene Rohstoffe, langlebige Materialien und ein ressourcenschonender Fertigungsprozess bilden die Basis. Hier trifft Präzision auf Bewusstsein, Technik auf Handwerk, Klarheit auf Haltung.

Mit dennismaass. entsteht eine Designwelt, die man nicht nur sieht, sondern erlebt: minimalistisch, durchdacht, verantwortungsbewusst – und dabei überraschend lebendig.

Dennis kannst du übrigens persönlich an der Schönen Bescherung kennenlernen, noch mehr über seine Geschichte, das Material und seine Produkte erfahren und diese natürlich direkt kaufen.


Lamellenwerk
 entwickelt flexible Raumtrenn- und Sichtschutzlösungen aus drehbaren Holzlamellen. Die Wände lassen sich stufenlos öffnen oder schließen und schaffen so eine elegante Balance zwischen Offenheit und Privatsphäre. Dank des unsichtbaren Schienensystems bewegen sich die Lamellen gleichmäßig und harmonisch – perfekt für lichtdurchflutete Räume oder geschützte Rückzugsorte. Die Jury lobte die Verbindung aus ästhetischem Design, hoher Funktionalität und cleverer Handwerkskunst.

Lamellenwerk: Designpreis Gewinner der BLICKFANG München 2025 in der Kategorie Möbel

1. Kannst du dich und dein Label kurz vorstellen?

Wir,  Thomas & Andreas, sind das neu gegründete Label Lamellenwerk. Wir stehen für die perfekte Kombination aus Funktionalität, ästhetischem Design und Nachhaltigkeit mit unseren synchron drehbaren Lamellenwänden. „Rotate your view“, unsere Lamellen sind Sichtschutz & Raumteiler zugleich, ob im Büro, Wohnraum, Bad, Flur oder draußen.

2. Wie würdest du dein Label in drei Worten beschreiben?

Innovativ, individuell, nachhaltig

3. Was inspiriert dich bei deiner Arbeit – gibt es Materialien, Menschen oder Orte, die dich besonders prägen?

Jeder Auftrag ist individuell auf den Kunden abgestimmt. Es ist jedes Mal aufs Neue inspirierend gemeinsam mit jedem einzelnen Kunden auf seine Wünsche und Anforderung einzugehen, im Hinblick auf die richtigen Materialien, die Räumlichkeiten, und die persönlichen Ansprüche an Raum & Mensch. Hier inspiriert uns vor allem der Bezug zur Heimat, dem Alpenvorland, mit seinen natürlichen Rohstoffen, wie Altholz, Zirbe, Tanne und Eiche.

4. Was bedeutet dir der Gewinn des BLICKFANG Designpreises persönlich und für dein Label?

Der Gewinn des Blickfang Designpreises hat uns darin bestärkt, dass wir mit dem, was wir tun und unserem Label auf dem richtigen Weg sind. Die Blickfang München war der perfekte Ort für den Startschuss unseres Labels und wir fühlen uns durch den Designpreis sehr geehrt und wertgeschätzt.

5. Hat dich das Jury-Feedback in irgendeiner Weise überrascht oder bestärkt?

Die Freude und Begeisterung der Jury an unserem Messestand war direkt spürbar. Der rege Austausch und die interessierten Fragen der Jury haben uns darin bestätigt, dass die Blickfang genau der richtige Ort ist, um unsere Lamellen emotional erlebbar für den Kunden zu präsentieren.

6. Was wirst du mit dem Preisgeld machen – hast du schon konkrete Pläne?

Wir haben uns schon für die nächste Blickfang München 2026 angemeldet. Somit ist das Preisgeld wieder bestens investiert.

7. Wohin soll sich dein Label in der nächsten Zeit entwickeln?

Wir wollen das Feedback, dass wir aus unseren tollen Gesprächen mit dem designinteressierten Publikum mitgenommen haben, in die Tat umsetzen. Das bezieht sich auf neues Design, Raumakustik und neue Materialien.

8. Welchen Rat würdest du anderen angehenden Designer:innen geben?

Die Visionen und die Leidenschaft, für das eigene Produkt, anzupacken und aktiv umzusetzen.

Bruna Hauert

30 Jahre FRIENDS OF CARLOTTA – das ist weit mehr als ein Jubiläum. Es ist die Geschichte einer Frau, die nie aufgehört hat, neugierig zu bleiben: Bruna Hauert, Kabarettistin, Schmuckkünstlerin, Galeristin, Grenzgängerin. Seit drei Jahrzehnten verwandelt sie ihre Galerie in der Zürcher Altstadt in eine Bühne für zeitgenössischen Schmuck – mal humorvoll, mal provozierend, immer mit Aussage.

Was als mutige Idee begann, ist heute eine Institution: ein Ort, an dem Schmuck Geschichten erzählt, zur Kunstform wird und Humor zur Designstrategie. Bruna Hauert spricht im Interview über silberne Lockenwickler, fiktive Künstlerinnen, rebellische Ideen – und darüber, warum sie glaubt, dass guter Schmuck nicht glitzern, sondern funkeln sollte.

Erzähl mal: Wie groß war der Kulturschock, als du das Mikrofon gegen die Lötpistole getauscht hast? Hat das Goldschmiede-Atelier bzw. deine Schmuck-Galerie das gleiche Suchtpotenzial wie eine volle Kabarett-Bühne?

„Ja, das gleiche – einfach anders! Die Bühne hat sich nur ein bisschen verändert. Es ist halt nicht mehr das Hallenstadion – Scherz, die Bühnen waren immer klein –, sondern meine Schmuckstücke sind heute meine Bühne. Mit ihnen erzähle ich die Geschichten, die ich erzählen will.“

„Das verbindende Element zwischen Kabarett und Schmuck ist für mich ganz klar der Humor. Der zieht sich durch alles, was ich mache – ob ich auf einer Bühne stehe oder an der Werkbank sitze. In beiden Fällen geht es um Kommunikation, um Resonanz. Früher war das Publikum direkt vor mir, heute tragen Menschen meine Arbeiten in die Welt – und werden so selbst Teil der Geschichte.“

Carlotta – die Freie, die Kraftvolle. Würde wunderbar passen. Aber wer ist Carlotta tatsächlich?

„Carlotta ist das Phantom, das bei uns im Keller wohnt!“ (lacht) „Nein, ehrlich: Carlotta ist eine Erfindung, aber eine, die mir ans Herz gewachsen ist. Der Name stammt aus einem Film, den wir damals in der WG ständig gesehen haben. Irgendwann war ‚Friends of Carlotta‘ einfach da – wie ein gutes Lied, das nicht mehr aus dem Kopf geht.“

„Als ich anfing, Schmuck zu machen, hatte ich noch keine Galerie. Ich war mir unsicher, wollte aber trotzdem etwas schaffen, das mit mir zu tun hat. So entstand ‚Friends of Carlotta‘ – zuerst als mein persönliches Label, dann wurde es ganz selbstverständlich der Name der Galerie. Heute sind die Gestalter:innen, die Besucher:innen, die Schmuckstücke alle Friends of Carlotta.“

Die erste Dekade: Was war in den ersten zehn Jahren die wirklich haarigste Situation? Gab es Momente, in denen du dachtest: „Hätte ich doch beim Witzeschreiben bleiben sollen?“ 

„Oh, das Wort ‚haarig‘ trifft es ziemlich gut! Ich erinnere mich an einen Wettbewerb zum Thema Haare – und ich dachte, perfekt, das ist meins! Ich wollte den Lockenwickler salonfähig machen. Ich hatte das in den USA gesehen – Frauen, die mit ihren Wicklern einkaufen gingen, ganz selbstverständlich. Ich fand das wunderbar selbstbewusst, aber auch ganz schrecklich anzuschauen. Und dachte: Das geht auch als Schmuck!“

„Also habe ich silberne Lockenwickler entworfen – mit auswechselbaren Köpfen in allen Farben. Sie waren wunderschön schräg, funktional, tragbar und absolut ausgehfähig. Aber die Jury meinte: ‚Man kann nichts prämieren, was man nicht anziehen kann.‘ Da habe ich nur gefragt: ‚Hat’s denn jemand probiert?‘ Ich trug sie schließlich ständig! Das war der Moment, in dem ich gelernt habe: Humor hats im Kunstbetrieb nicht immer leicht.“ 

Man sagt, du erzählst mit deinem Schmuck Geschichten. Was ist der lustigste Witz oder die skurrilste Anekdote, die du jemals in einem Schmuckstück versteckt hast – und hat der Kunde ihn verstanden? 

„Oh ja, das war bei einem Wettbewerb zum Thema ‚Fiction‘. Ich habe mich erst angemeldet, dann wieder abgemeldet – und stattdessen eine fiktive Teilnehmerin erfunden: Dottie Maier. Ich schrieb ihr eine komplette Biografie – sie war in der Schweiz geboren, lebte in New York und hatte von ihrer Freundin Bruna Hauert von diesem Wettbewerb erfahren.“

„Dottie hat dann Lunchboxen für den Central Park entworfen – inspiriert von der Schweizer Ikone Betty Bossi, die ja gar nicht existiert! Dazu gehörten gehäkelte Tiere mit Mini-Lunchboxen – sogar ein schwules Pinguin-Paar, das in New York ein Küken großziehen wollte. Ich schickte Briefe im Namen von Dottie, führte E-Mail-Korrespondenzen mit den Veranstaltern, für die Dottie natürlich völlig real war.“

„Bis zur Preisverleihung wusste ausser mir (und meiner Familie) niemand, dass Dottie und ich dieselbe Person waren. Meine Kinder – damals noch klein – saßen im Publikum und kicherten die ganze Zeit. Es war herrlich absurd und genau das liebe ich: Schmuck als Bühne für Geschichten.“

Dein kuratierter Schmuck ist oft unkonventionell, mutig, manchmal frech. Wie viel Rebellion steckt in jedem Stück?

„So viel wie möglich!“, lacht sie. „Rebellion ist mein zweiter Vorname. Aber es ist keine aggressive Rebellion, sondern eine, die lächelt. Ich möchte Erwartungen hinterfragen, nicht zerstören. Ich spiele gerne mit Konventionen: Was ist tragbar? Was ist schön? Wer entscheidet das? Für mich ist Schmuck ein Gesprächsangebot, kein Statussymbol. Wenn Menschen stehenbleiben, lächeln oder irritiert sind – dann funktioniert es.“

Du holst Designer:innen aus der ganzen Welt nach Zürich. Nach welchen Kriterien wählst du aus? Gibt es eine Carlotta-Veto-Regel?

„Ich wähle nach Eigenständigkeit. Eine Arbeit muss eine eigene Sprache haben – egal, ob sie humorvoll, poetisch oder radikal ist. Ich mag keinen Dekoschmuck. Wenn hinter einem Stück kein Gedanke steckt, keine Geschichte, keine Aussage – dann interessiert es mich nicht besonders.“

„Ich finde, Schmuck muss nicht zwingend schön sein (er darf es natürlich). Viel wichtiger ist, dass er etwas erzählt, etwas ausdrückt. Wenn das Schmuckstück zur Persönlichkeit der Trägerin passt, etwas von ihr nach aussen trägt – dann ist das für mich gelungenes Design.“

Neben deinen berühmten Silberzwergen – was war das ungewöhnlichste Stück, das du je verkauft hast?

„Oh, da gibt es einige! Aber im Moment ist mein persönlicher Favorit eine Brosche von Benedikt Haener – sie sieht aus wie gewöhnliches Schleifpapier. Auf Distanz unscheinbar, fast banal. Aber sie ist bestückt mit 20 bis 30 Karat Labor-Diamanten, die genau dieses Funkeln imitieren, nur viel stärker. Auf der Rückseite steht sogar die Korngrösse, wie bei echtem Schleifpapier – und der Künstler hat frech drauf unterschrieben. Ich liebe das. Es ist Understatement pur – und eine großartige Täuschung.“

„Ich mag Schmuck, der überrascht, der seine Geschichte erst nach und nach preisgibt, und zum Denken anregt.“

Material-Liebe: Welches Material ist momentan dein persönlicher Favorit und warum? Und welches Material legst du gedanklich manchmal in die ewige Design-Warteschleife?

„Ich bin nicht Material fixiert. Ich beginne nie mit dem Material, sondern mit einer Geschichte. Und dann suche ich nach dem Medium, das sie erzählen kann. Manchmal ist das ein Edelmetall, manchmal Papier, manchmal Plastik. Ich habe nichts gegen edle Materialien – aber ich mag sie nicht, wenn sie nur zum Angeben da sind. Ich brauche Sinn, Kontext, Emotion. Ich liebe es, wenn Material Teil eines Gedankens ist – nicht nur ein Mittel zum Zweck.“

Material-Zukunft: Kaum jemand, der sich nicht an 3D Druckern probiert hat. Wie stehst du zu dieser Fertigungstechnik. Friend or enemy?

„Ich würde sagen: Werkzeug, nicht Feind. Ich liebe Technologie, wenn sie das Handwerk erweitert. Aber wenn sie es ersetzt, wird’s langweilig. 3D-Druck ist wie eine Sprache: Wenn du sie nur lernst, um damit zu reden, sagst du nichts Neues. Aber wenn du sie beherrschst, kannst du Poesie schreiben. Consuelo Keller zum Beispiel macht das großartig – ihre Ringe sind unmöglich von Hand zu fertigen, aber sie bleiben voller Gefühl und Präzision.“

Der größte Triumph: Neben dem Überleben auf dem Kunstmarkt: Welchen Erfolg von Friends of Carlotta feierst du innerlich am lautesten? 

„Sehr viel. Ich mag den Austausch mit den anderen Aussteller:innen und die Atmosphäre beim Aufbau. Die Lage mitten in der Stadt ist wunderbar, und das Publikum ist offen und interessiert. Viele meiner Kund:innen kommen jedes Jahr wieder. 2006 war ich das erste Mal dabei – das hat mir damals sehr geholfen, meinen eigenen Weg zu finden. Diese drei Tage sind jedes Mal etwas Besonderes.“ 

Wie hat sich dein Publikum über die Jahre verändert?

„Sehr. Früher wollten viele einfach etwas Schönes. Heute suchen sie nach Schmuck, der zu ihnen passt, ihre Persönlichkeit betont. Es ist weniger ‚Was kostet das?‘, mehr ‚Was bedeutet das?‘ geworden. Und das gefällt mir.“

„Ich sehe immer mehr jüngere Besucher:innen, die bewusst wählen, die Nachhaltigkeit und Handwerk schätzen. Und ältere Kund:innen, die Lust darauf haben, sich neu zu entdecken. Diese Mischung ist wunderbar – es ist kein elitäres Publikum, sondern ein neugieriges.“

Der Förderpreis: Der FoC Award ist ein wichtiger Beitrag zur Szene. Was ist das Verrückteste, was du bei einer Einreichung gesehen hast, das du heimlich geliebt, aber nicht prämieren konntest?

„Das war zum Thema Rule the World. Eine Arbeit von Julika Müller. Sie hieß Gewicht tragen und bestand aus einem massiven Eisenteil, das man um den Hals legte. Es war unbequem, schwer – aber sobald man es trug, veränderte sich die Haltung. Die Träger:innen richteten sich auf, als ob sie die Last annehmen würden. Das war Schmuck mit Wirkung.“

Auch meine eigene Arbeit, die ich bei diesem Wettbewerb einreichte, war für mich sehr besonders. Sie bestand aus lauter lächelnden Gesichtern ohne Augen, nur dieses versteinerte Lächeln. Es ging um Machtstrukturen, um die Jasager-Mentalität rund um Despoten, um Oberflächlichkeit und Angst. Ich habe sie anonym eingereicht, damit niemand weiß, dass sie von mir ist. Und tatsächlich wurde die Arbeit mit einem Sonderpreis ausgezeichnet! Das war ein schöner Moment – weil er zeigte, dass die Idee zählt, und wirklich verstanden wurde.“

„Aber der Award selbst ist für mich das Entscheidende. Ich möchte Gestalter:innen eine Plattform geben, die sich trauen, anders zu denken. Nicht mainstream, sondern mutig. Das ist für mich die DNA von Friends of Carlotta.“

Die Zukunfts-Wishlist: Welche große Vision hast du noch, die du unbedingt in der nächsten Dekade umsetzen möchtest? Gibt es den Traum von einer Weltreise-Ausstellung oder einem eigenen Schmuck-Musical? 

„Ich träume davon, wieder einmal richtig Zeit zu haben. Zeit, um an einem Thema zu forschen, um mich zu verlieren in einer Idee. Und vielleicht irgendwann eine Ausstellung in einer Straßenbahn – mit fahrenden Schmuckstücken, die durch Zürich rollen. Das wäre doch was, oder?“

„An der BLICKFANG werde ich zumindest den Miniatur-Traum davon zeigen – einen kleinen Güterzug, den ich mit Schmuck belade. Meine eigene kleine fahrende Ausstellung.“

Der Gründer-Tipp: Du hast das alles aufgebaut: Was ist der eine, schmerzhaft ehrliche Rat, den du allen jungen Designern und Galeriegründern mitgeben würdest? Und ist er eher kabarettistisch oder pragmatisch?

„Mach einfach. Fang an. Und bleib dran. Fehler sind kein Drama, sie sind dein Lehrgeld. Wichtig ist nur, dass du weißt, warum du etwas tust. Wenn du Schmuck machst, weil du ihn liebst – dann hast du schon gewonnen.“

„Und: Humor! Ohne Humor geht gar nichts. In dieser Branche schon gar nicht. Nimm dich selbst ernst, aber nicht zu sehr. Und lerne, dich über deine eigenen Ideen zu amüsieren – dann bleibst du lebendig.“

Das Schlusswort: Was wünschst du dir zum Jubiläum am allermeisten – sowohl für dich selbst als auch für die gesamte Friends of Carlotta-Familie?

„Freie Sicht zum Mittelmeer!“, sagt sie lachend. „Im übertragenen Sinn: Weite, Offenheit, Leichtigkeit. Ich wünsche mir, dass wir uns alle ein bisschen mehr trauen – in der Kunst, im Leben, im Denken. Dass Schmuck weiterhin Menschen verbindet, Geschichten erzählt, Gespräche anstößt. Das ist mein größter Wunsch: Keep on burning.“

An der BLICKFANG in Zürich kannst du Bruna persönlich kennenlernen und ihre Werke aus nächter Nähe bestaunen. Hier geht es zu den Tickets!

Manchmal beginnen große Ideen ganz klein – oder als Weihnachtsgeschenk. Für seine Frau fertigte Rupert Stockinger vor einigen Jahren eine Tasche aus einem neuartigen Material, das er selbst entwickelt hatte. Sie war leicht, fühlte sich gut an und sah aus wie Leder – war aber keines. Das Geschenk kam so gut an, dass daraus eine Vision entstand: Leder aus Holzfasern zu schaffen, das nachhaltiger, langlebiger und innovativer ist als sein tierisches Pendant. So entstand 2g8er – gesprochen „together“ – ein Label, das den Gedanken der Zusammenarbeit und des bewussten Konsums in sich trägt.

Rupert Stockinger, Gründer von 2g8er in seiner Werkstatt
Rupert Stockinger, Gründer von 2g8er

Leicht wie Leder, stark wie Holz.

Das eigens patentierte Holzleder® besteht ausschließlich aus Holzfasern, die mehrschichtig vernetzt werden. Das Ergebnis: ein reiß- und abriebfestes Material, das wie Leder verarbeitet werden kann – aber nur ein Viertel so schwer ist, wasserunempfindlich, vegan und komplett frei von Schadstoffen.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Lederimitaten altert Holzleder® sogar wie echtes Leder: Mit der Zeit wird es weicher, geschmeidiger und entwickelt eine natürliche Patina. Durch verschiedene Versiegelungsmethoden kann die Oberfläche individuell gestaltet werden – von samtig bis glatt, von natürlich matt bis glänzend.

Im Video erklärt Rupert mehr zu diesem besonderen Material, seinen Eigenschaften und wie es hergestellt wird:

Was ist Holzleder?

Regional produziert, nachhaltig gedacht

Stockinger produziert seine Kollektionen – von Geldbörsen über Taschen bis hin zu Accessoires – in enger Zusammenarbeit mit regionalen Kleinbetrieben in Ober- und Niederösterreich. Die Rohstoffe stammen aus FSC-zertifizierter Forstwirtschaft und werden in Europa verarbeitet. Jedes Stück wird mit Sorgfalt gefertigt, kann repariert und am Ende seines Lebenszyklus sogar recycelt werden.

„Nachhaltigkeit bedeutet für uns, Verantwortung zu übernehmen – für Material, Produktion und Design gleichermaßen“, sagt Stockinger. „Darum setzen wir auf kurze Wege, ehrliche Materialien und langlebige Produkte.“

Von der Idee zum Impact

Was als Einzelprojekt begann, hat sich zu einer Marke mit Charakter entwickelt. Heute fertigt 2g8er jährlich rund 1.000 Geldtaschen und 500 Handtaschen, die auf Designmärkten, Messen und im eigenen Onlineshop erhältlich sind. Besonders beliebt ist der persönliche Kontakt – denn Holzleder® will erklärt, angefasst und erlebt werden.

Die Philosophie „Alone we can do so little, 2g8er we can do so much“ zieht sich durch alle Projekte. Neben eigenen Kollektionen arbeitet Stockinger mit Unternehmen, Designer:innen und Kunstschaffenden zusammen, um neue, nachhaltige Produktlösungen zu entwickeln.

Design trifft Bewusstsein

2g8er zeigt eindrucksvoll, dass Innovation und Handwerk kein Widerspruch sind. Holz statt Haut – das ist nicht nur ein Materialkonzept, sondern ein Statement für eine neue Art des Gestaltens: bewusst, ressourcenschonend und voller Leidenschaft für Design, das bleibt.

Rupert kannst du übrigens persönlich an der Schönen Bescherung kennenlernen, noch mehr über seine Geschichte, das Material und seine Produkte erfahren und diese natürlich direkt kaufen.

Lust noch mehr Labels besser kennenzulernen? Dann schau jetzt in unserem Journal vorbei und lass dich inspirieren!

Der BLICKFANG Designpreis wird in den Kategorien „Möbel & Produktdesign“, „Mode“ sowie „Mode- und Wohnaccessoires“ verliehen. Er steht für Innovation, Authentizität und herausragende handwerkliche Qualität. Die hochkarätige Jury aus renommierten Design-Expert:innen setzte auch in diesem Jahr hohe Maßstäbe und hatte die anspruchsvolle Aufgabe, bei ihrer persönlichen Tour über die Messe die besten Entwürfe auszuwählen.

Für die BLICKFANG Wien 2025 brachte die Jury ihre umfassende Expertise ein, um die herausragendsten Labels zu küren:

Die Jury bewertete nicht nur Ästhetik und Originalität, sondern legte besonderen Fokus auf Nachhaltigkeit, Materialwahl, soziale Verantwortung und die Fähigkeit der Entwürfe, langfristig zu bestehen.

Designpreis Gewinner:innen 2025

Möbel & Produktdesign: BABERETI

Hinter BABERETI steht Designerin Insa Decker, die ein modulares Möbelkonzept entwickelt hat, das sich flexibel an jede Lebensphase anpasst. Vier Module verwandeln sich spielerisch zu Bank, Bett, Regal oder Tisch – leicht, wandelbar und langlebig. Die Idee entstand aus Deckers eigenen Erfahrungen zahlreicher Umzüge während des Studiums, bei denen Möbel oft nicht mitgenommen werden konnten. Gefertigt aus regionalem Holz, reparierbar und wiederverwendbar, verkörpert BABERETI ein Designverständnis, das Mobilität, Nachhaltigkeit und Persönlichkeit verbindet. Ein Möbelstück, das mit dem Leben wächst – praktisch, poetisch und clever zugleich.

Mode: Helena Harfst

Helena Harfst kombiniert Alltagstauglichkeit, Lebensfreude und Nachhaltigkeit in jedem Kleidungsstück. Inspiriert von regionaler Folklore und Familienhandwerk entstehen die Kollektionen in Hessen – entweder im eigenen Atelier oder in kleinen Produktionsstätten. Jedes Stück wird bewusst nur auf Bestellung gefertigt, aus hochwertigen Naturmaterialien, die langlebig und angenehm zu tragen sind. Reste werden zu Patchwork-Unikaten weiterverarbeitet, die Ressourcen schonen und Geschichten erzählen. Lokale Schneider:innen, geflüchtete Frauen und Auszubildende finden faire Arbeitsbedingungen, sodass jedes Stück nicht nur Mode, sondern auch ein soziales Statement ist. Zeitlos, vielseitig und voller Geschichten – Kleidung, die man liebt, trägt und weitergibt.

Mode- und Wohnaccessoires: SASU – „Ein Stück Demokratie“

Mit „Ein Stück Demokratie“ bringt SASU soziale Verantwortung direkt ins Alltagsdesign. Die Produkte entstehen aus recyceltem Planenmaterial, das zuvor die temporären Pavillons des Österreichischen Parlaments nutzte. Taschen, Rucksäcke, Körbe und andere Accessoires werden stückweise gefertigt – jedes ein Unikat, farblich und textlich variierend. So verbindet sich Nachhaltigkeit, Kreativität und gesellschaftlicher Kontext zu greifbaren, überraschenden Designobjekten.

Die BLICKFANG Wien 2025 bot erneut eine Plattform, auf der unabhängige Designer:innen ihre Ideen präsentieren und direkt mit Besucher:innen in Austausch treten konnten. Die Jury betonte, dass zeitgemäßes Design heute mehr ist als Form und Funktion: Es verbindet Ästhetik mit Verantwortung, Originalität mit Nutzen, erzählt Geschichten und schafft Verbindungen.

Ob modulare Möbel, handgefertigte Kleidung oder upgecycelte Accessoires – die Gewinner:innen demonstrieren, dass Design Haltung zeigt, nachhaltig wirkt und Innovation lebendig macht. Die BLICKFANG Wien bestätigt einmal mehr: Design ist nicht nur visuelles Erlebnis, sondern ein kultureller Akt, der Menschen, Materialien und Ideen miteinander verbindet.

Ton in der Hand zu spüren, ihn zu formen und ihm Leben einzuhauchen – das ist Patrizia Furrers tägliches Handwerk. Mit Studio Nume hat sie einen Raum geschaffen, in dem Kreativität, Geduld und Sinn für Ästhetik zusammenfliessen. Ihre Blumenvasen und Kerzenständer bewegen sich zwischen Alltagstauglichkeit und künstlerischer Ausdruckskraft: Sie sind praktisch, wirken zugleich als Dekoration und erzählen leise Geschichten von Zeit, Liebe zum Material und dem besonderen Reiz des Handgemachten. Das Zusammenspiel von klaren Linien, organischen Formen und durchdachten Details macht ihre Arbeiten zu Objekten, die man nicht nur benutzt, sondern auch betrachtet – und in denen die Schönheit des Einfachen sichtbar wird.

Patrizia, wie bist du zur Keramik gekommen und was hat dich zur Gründung von Studio Nume bewegt?

„Nach vielen Jahren im Marketing und Grafikdesign wurde mir bewusst, dass ich das Handwerkliche vermisse. Das Arbeiten mit den Händen, das direkte Formen von Material – das hat mir gefehlt. Ich habe schon privat mit Keramik gearbeitet und als dann ein Jobwechsel anstand, dachte ich: Jetzt oder nie. Ich wollte mir diesen Traum erfüllen. Also habe ich den Mut gefasst, mich ausschliesslich meiner Leidenschaft zu widmen: der Keramik.“

Patrizia Furrer von Studio Nume bei der Arbeit
Patrizia Furrer von Studio Nume
Patrizia Furrer bei der Arbeit mit Ton

War das ein großer Schritt für dich?

„Ja, enorm. Man hinterfragt sich immer: Ist das, was ich tue, wirklich das, was mich erfüllt? Marketing und Grafikdesign waren immer spannend und herausfordernd, aber ich spürte, dass mir die Verbindung zum Material und zum Handwerk fehlte. Dieses Gefühl, wirklich etwas zu erschaffen, war stärker als Sicherheit. Ich wollte mein Ikigai leben, also das, wofür ich brenne – und das ist die Keramik.“

Was fasziniert dich besonders an Ton?

„Ton ist ein lebendiges Material. Er ist natürlich, nachhaltig, geduldig, aber er hat auch seinen eigenen Willen. Wenn man zu viel Druck ausübt oder ungeduldig ist, zeigt er einem sofort, dass man langsamer arbeiten soll. Beim Brennen kann er sich unerwartet verändern und man fängt schlimmstenfalls wieder von vorne an. Das macht die Arbeit jedoch so spannend: Man steuert, aber der Ton gibt den Ton an. Das Zusammenspiel von Intuition, Geduld und Material reizt mich sehr.“ 

Deine Kollektionen sind funktional, und ästhetisch. Wie gelingt dir dieser Spagat?

„Die Objekte, die ich an der BLICKFANG präsentiere, wie meine Ikebana-Blumenvasen oder die Blok-Kerzenständer, sollen praktisch sein, sich aber auch als dekorative Stücke behaupten. Sie sollen im Alltag nutzbar sein, aber ebenso als eigenständige Objekte wirken. Für mich entsteht dieser Balanceakt dann, wenn Funktion und Form nicht getrennt gedacht werden: Die Nutzung prägt das Design, und das Design verleiht der Funktion eine Schönheit, die bleibt.“

Wie entsteht ein Objekt bei Studio Nume – von der Idee bis zum fertigen Produkt?

„Die Idee zu den Ikebana-Blumenvasen ist an der Maggia im Tessin entstanden. Die weich geformten Steine waren die Inspiration für die Vasen. Kombiniert mit der japanischen Kunst des Ikebana-Blumenarrangierens entstand die Vasenkollektion. Bei der Produktion durchläuft jedes Stück mehrere Phasen. Ein einzelnes Objekt wird oft über 30-mal in die Hand genommen, bevor es fertiggestellt ist. Alles entsteht hier in Luzern von Hand. Das ist zwar aufwendig, für mich aber essenziell, um die Qualität und Authentizität der Produkte zu gewährleisten.“

Die Blok-Kerzenständer von Studio Nume
Die Ikebana-Blumenvase von Studio Nume

Wie findest du deine Ideen für neue Objekte?

„Inspiration finde ich überall – im Alltag, auf Reisen, durch Beobachtungen oder Gespräche. Das Material selbst gibt mir Grenzen und Möglichkeiten vor, und so entsteht ein Dialog zwischen Vorstellung und Material. Manchmal verändert sich ein Objekt auch mehrmals während des Designprozesses, und das ist der Reiz daran.“ 

Studio Nume bietet auch Workshops und Teambuilding-Kurse an. Wie kam es dazu?

„Ich wollte Menschen die Möglichkeit geben, selbst kreativ zu werden und das Handwerk zu erleben. Bei den Teambuilding-Workshops geht es nicht nur ums Tonformen, sondern auch um Achtsamkeit und das gemeinsame Erlebnis. Teams kommen mit unterschiedlichen Themen – mal um Werte zu visualisieren, mal um kreative Pausen einzulegen. Die Freude, die Menschen beim Schaffen empfinden, ist unglaublich bereichernd.“ 

Wie erlebst du die Dynamik bei solchen Workshops?

„Die Reaktionen sind unterschiedlich, aber immer positiv. Manche Teilnehmer sind zunächst skeptisch und haben keine Vorstellung, was sie kreieren können. Nach einer Weile tauchen aber meistens alle richtig ein und bleiben sogar länger, um weiterzuarbeiten. Die Freude, wieder etwas mit den Händen zu erschaffen, ist immer riesig.“

Bleibst du bei Ton als Hauptmaterial oder experimentierst du auch mit anderen Materialien?

„Ton bleibt bei mir das Kernmaterial. Im Moment experimentiere ich mit Glas und Textilien für Kabel bei einer Leuchte. Der Ton selbst bleibt jedoch immer im Mittelpunkt. Für nächstes Jahr plane ich neue Serien – noch in Arbeit, aber der Prozess brodelt schon.“

Hast du ein Lieblingsstück aus deiner Kollektion?

„Das ist schwer, weil ich sehr selbstkritisch bin. Stolz bin ich aber auf meine komplexen Kerzenständer. Sie bestehen aus einem Stück, sind verschachtelt und sehr komplex in der Umsetzung. Die Mischung aus handwerklicher Präzision und Verspieltheit macht sie für mich besonders.“

Welche Botschaft möchtest du den Besucher:innen der BLICKFANG mitgeben?

„Ich möchte, dass sie die Freude spüren, die im Handwerk liegt. Dass sie sehen, wie viel Liebe, Zeit und Geduld in jedem Objekt stecken. Meine Keramikstücke sind langlebig, bereiten Freude und bleiben bestehen – und das möchte ich weitergeben.“

Zwei Ikebana-Blumenvasen von Studio Nume, aufeinander gestapelt.

Triff Patrizia an der BLICKFANG in Zürich und entdecke ihre Objekte – kleine Wunder aus Ton, die Alltag und Kunst auf besondere Weise verbinden. Hier geht es zu den Tickets!

Ein Bild von Francesco Müller und einem seiner Möbelstücke
Francesco Müller

Francesco Müller ist zwischen der italienischen und der Deutschschweiz aufgewachsen – zwischen Sinnlichkeit und Präzision, Licht und Struktur. Diese Dualität prägt seine Arbeit bis heute: reduziert, architektonisch, fließend. Mit seinem Label Fran Müller gestaltet er Möbel, die wie kleine Skulpturen wirken – klar in der Form und offen im Ausdruck. 

Francesco, deine Möbel wirken minimalistisch und gleichzeitig lebendig. Wie hat alles begonnen?

„Es begann eigentlich mit einer Faszination für die Form. Ein Würfel, ein Winkel, eine Kante, die sich leicht verschiebt. Mich interessiert, was passiert, wenn etwas so Einfaches beginnt, sich zu bewegen. Ich sehe mich als Suchender – immer auf der Spur einer Designsprache, die sich entwickelt, verändert, wächst. Das Experiment gehört für mich dazu.“

Was bedeutet die Balance zwischen Ästhetik und Funktion bei Fran Müller?

„Ich beginne immer mit der Form. Funktion entsteht später – fast von selbst. Holz ist dabei mein Medium, weil es präzise und lebendig zugleich ist. Ich arbeite mit Werkstätten, die verstehen, dass ein Millimeter alles verändern kann. Für die Zukunft wünsche ich mir, die Produktion in die Surselva zu verlagern – eine alpine Region im Kanton Graubünden, wo die Landschaft, das Licht und das Handwerk eine besondere Ruhe tragen. Dort möchte ich die Verbindung zwischen Natur und Präzision weiter vertiefen.“

Welche Gestalter:innen haben dich geprägt?

„Peter Zumthor, Kengo Kuma, Tadao Ando – sie alle denken mit Raum, nicht nur mit Form. Und natürlich Zaha Hadid: Ihr Mut, Neues zu wagen und Grenzen zu verschieben, inspiriert mich. Ich schätze dieses Experimentelle, das sich traut, anders zu sein.“

Ein kleines Möbelstück von Fran Müller
Ein hohes Möbelstück von Fran Müller

Wie entsteht ein neues Stück?

„Oft beginnt es mit einer Idee im Kopf oder einer schnellen Skizze. Dann folgt ein langer Prozess – beobachten, verändern, neu denken. Ich lasse dem Entwurf Zeit. In meinem Atelier im Kulturhaus Löwenberg entstehen viele Entscheidungen im Austausch – manchmal auch einfach im stillen Arbeiten am Material.“

Nachhaltigkeit – was bedeutet sie für Fran Müller?

„Für mich heißt Nachhaltigkeit, bewusst zu gestalten. Materialien zu respektieren, Formen zu

reduzieren, ohne an Ausdruck zu verlieren. Es geht nicht um Perfektion, sondern um den Mut, etwas zu erschaffen, das bleibt. Schönheit hat für mich einen Wert – einen, den man immer wieder neu entdecken kann.“

Welche Rolle spielt deine Familie?

„Meine beiden Töchter erinnern mich daran, neugierig zu bleiben. Sie gehen spielerisch an Dinge heran. Das ist inspirierend – Design sollte genau das behalten: Leichtigkeit und Freude am Entdecken.“

Was reizt dich an der BLICKFANG Zürich?

„Der direkte Austausch mit Menschen. Ich bin gespannt, wie sie auf meine Möbel reagieren, wie sie Formen lesen und die Stille zwischen den Linien wahrnehmen. Ich halte mich dabei lieber zurück – die Objekte sollen für sich sprechen.“

Zwei kleine Möbelstücke von Fran Müller, direkt nebeneinander angebracht.

Was sollen die Menschen fühlen, wenn sie deine Möbel sehen?

„Ruhe, Klarheit, Präsenz. Ich wünsche mir, dass sie spüren, wie viel Kraft in Einfachheit liegt – und dass Schönheit etwas ist, das man immer wieder neu sehen lernt.“

Ein weiteres modulares Möbelstück von Fran Müller

An der BLICKFANG in Zürich kannst du Franceso persönlich treffen, seine modularen Möbelstücke aus nächster Nähe erleben – und selbst spüren, wie Minimalismus, Präzision und Leichtigkeit in einem einzigen Designstück verschmelzen. Hier geht es zu den Tickets!